So hat sich das Weingut Skerk unter den Liebhabern von Orangenweinen einen Namen gemacht, und zwar dank seiner Ausdrucksformen von außergewöhnlicher Klasse und Persönlichkeit, die das Terroir des Karsts widerspiegeln.
Das Weingut liegt in Duino Aurisina, unweit von Triest, dort, wo der Karst abrupt in die blaue Weite des Golfs abfällt. 1987 hat Sandi Skerk hier seine Winzerlaufbahn begonnen – aus Überzeugung, nicht aus Kalkül. Was ihn antreibt, ist nicht der Markt, sondern die unbedingte Treue zu diesem Landstrich, dessen Wurzeln so tief reichen wie die seiner Reben.
Weinkeller in den Höhlen des Karsts
Sein Keller – in die Karstfelsen geschlagen – ist ein Ort, der eher an eine Kathedrale erinnert als an ein Produktionsgebäude. Kühl, dunkel, still. Manche Räume sind nur über lange, schmale Holzleitern zu erreichen, und doch herrscht hier keine Strenge, sondern Andacht. Zwischen Felswänden ruhen Flaschen, in denen der Karst selbst zu atmen scheint – bei idealer Feuchtigkeit, in jener konstanten Temperatur, die nur der Stein garantieren kann.
Rund acht Hektar Weinberge gehören zu Skerks Reich, verteilt über das Plateau, 250 Meter über dem Meer. Von dort schweift der Blick über karge Hügel bis hinunter zum Adriatischen Glitzern. Der Boden ist steinig, rot und eisenhaltig – ein Erbe der geologischen Wucht, die diese Landschaft geformt hat. Hier wachsen Vitovska, Malvasia Istriana, Teran, Sauvignon Blanc und Pinot Grigio – Rebsorten, die seit Jahrhunderten Teil der regionalen DNA sind.
Doch Sandi Skerk ist kein Traditionalist im musealen Sinn. Er arbeitet nach biologischen Prinzipien, verzichtet auf chemische Eingriffe und überlässt die Gärung den einheimischen Hefen, die im Keller leben wie alte Bekannte. Seine Weine entstehen aus Geduld, aus Vertrauen in das, was Natur und Zeit leisten. Weiße Trauben dürfen auf den Schalen mazerieren – nicht zu lange, gerade so, dass sie Tiefe und Struktur gewinnen. Der Ausbau erfolgt in gebrauchten Eichenfässern, die Flaschen werden weder geklärt noch filtriert.
Vitovska neu belebt
Besonders am Herzen liegt Sandi Skerk die Vitovska, jene autochthone Rebsorte, die er einst zu neuem Leben erweckte. Früher war sie meist Bestandteil von Cuvées – bis er begann, sie sortenrein auszubauen. Heute gilt seine Vitovska als eine der klarsten Stimmen des Karsts: salzig, steinig, mit einem Hauch von Meer.
Daneben entstehen Weine wie die mazerierte Malvasia Istriana, der kraftvolle Teran, und der vielleicht bekannteste: Ograde, ein Orangenwein aus vier Sorten – Vitovska, Malvasia, Sauvignon Blanc und Pinot Grigio. Er ist ein Wein wie ein geologisches Gedicht: rau und leuchtend zugleich, mit jener herben Schönheit, die nur aus Gegensätzen geboren wird.
Ehrlichkeit, die man schmeckt
Sandi Skerk macht keine Weine für Eile. Sie fordern Aufmerksamkeit, Geduld – und ein Stück Hingabe. Vielleicht ist das der wahre Geist Friaul-Julisch Venetiens: ein Land, das Wein nicht produziert, sondern ihn atmet. Langsam. Tief. Und mit einer Ehrlichkeit, die man schmeckt.
Für Sandi Skerk ist Wein kein Produkt, sondern ein Dialog mit der Natur. Seine Philosophie wurzelt im Vertrauen auf Boden, Klima und Zeit – auf das, was ohne Eile wächst. Er arbeitet biologisch, verzichtet auf Zusätze und technische Eingriffe. So entstehen Weine, die ihre Herkunft unverstellt erzählen: pur, lebendig und geprägt vom rauen Atem des Karsts.
Vier Stimmen des Karsts
Die Weine sind keine Inszenierung, sondern Übersetzungen einer Landschaft: rau, salzig, klar. Der Jahrgang 2022 gilt als einer seiner schönsten – ein Jahr voller Balance, mit gesunden Trauben, ruhigen Gärungen und der Freiheit, der Natur einfach ihren Lauf zu lassen.
Die Rebsorte Vitovska ist die stille Königin im Keller. Ihre Reben wurzeln tief, manche seit den 1970er Jahren. Nach der Lese vergärt sie zehn Tage auf der Maische, täglich von Hand untergestoßen, bevor sie in große Eichenfässer wandert. Zwölf Monate später steht sie da, klar und salzig, mit feiner Spannung und nur 12,5 Prozent Alkohol.
Daneben behauptet sich der Malvasia: duftend, golden, von der Sonne durchdrungen. Auch er gärt auf der Maische, ebenfalls spontan, aber mit mehr Fülle und Wärme. Trotz 15 Prozent Alkohol bleibt sie lebendig, getragen von einer kühlen Meeresbrise. Nach einem Jahr im Holz und weiterer Ruhe entfaltet sie Aromen von Aprikose, Kräutern und Orangenschale.
Der Ograde IGT VG 2022 schließlich ist eine Chiffre für die Heimat selbst: „Ograde“ nennen die Menschen hier jene kleinen, von Trockensteinmauern umrahmten Parzellen, die das Landschaftsbild prägen. Aus einer stammen die Trauben – Vitovska, Malvasia, Sauvignon und Pinot Grigio –, gemeinsam gelesen, gemeinsam vergoren. Das Ergebnis ist eine vielstimmige Cuvée, ein Orangenwein mit Textur, Tiefe und mediterraner Wärme.
Und dann der Terrano IGT VG 2022 – dunkel, ehrlich, von einer fast archaischen Kraft. Der Terrano, eine lokale Variante des Refosco, ist der rote Pulsschlag des Karsts. Frische Noten von Granatapfel, feuchtem Stein und Eisen klingen in ihm nach. Auch er reift in Holz, unfiltriert, ungezähmt – ein Wein, der seine Herkunft nicht versteckt, sondern stolz trägt.
Vier Weine, vier Charaktere – und doch eine gemeinsame Sprache: jene des Karsts, die Sandi Skerk in jeder Flasche bewahrt. Sie erzählt von Stille und Wind, von Geduld und Stein.
Informationen:
Fotos: Carola Faber

