Der Raum wirkt großzügig und offen. Durch hohe Fenster fällt der Blick auf die Elbbrücken, während im Inneren eine Atmosphäre entsteht, die Industrial Chic mit Wärme verbindet. Massive Holztische, schwer und einladend, geben dem Raum Erdung. Hier darf man ankommen, sich Zeit nehmen, genießen. Im Zentrum des Geschehens: die offene Küche des Restaurants 100/200, ausgezeichnet mit zwei Michelin-Sternen. Gäste erleben hier Menüs nach dem Carte-blanche-Prinzip – eine kulinarische Reise, bei der das Küchenteam die Dramaturgie bestimmt. Überraschung, Neugier und die pure Freude am Essen stehen im Mittelpunkt.
Genuss mit Blick auf die Elbbrücken
Ein paar Schritte höher, auf der Empore, hat Anfang 2024 das Restaurant Glorie eröffnet. Das Konzept: À la carte statt Menüdramaturgie. Auf die Teller kommen Klassiker der europäischen Küche – vertraute Gerichte, präzise gearbeitet und mit einer zeitgemäßen Handschrift neu interpretiert. Seit 2025 trägt auch das Glorie einen Michelin-Stern sowie den grünen Stern für nachhaltige Gastronomie. Hier begegnen sich handwerkliche Perfektion und eine angenehme Zugänglichkeit. Anspruchsvoll, ohne distanziert zu wirken.
Das 100/200 selbst wurde bereits 2022 mit zwei Michelin-Sternen ausgezeichnet; den grünen Stern für nachhaltiges Arbeiten trägt das Restaurant seit 2020. Vier Hauben im Gault&Millau und internationale Aufmerksamkeit – etwa durch die Liste der „The World’s 50 Best Restaurants“, die das Haus zu den spannendsten kulinarischen Adressen weltweit zählt – unterstreichen den Anspruch der Küche.
Der Rhythmus der Saison
Kulinarisch folgt das Jahr hier einem klaren Rhythmus. Vier Jahreszeiten, vier Menüs – ein wiederkehrender Kreislauf, der sich dennoch jedes Mal neu erzählt. Den Auftakt bildet „Feld & Flur“, wenn frühe Ernten, Böden und Landschaften den Übergang in eine neue Saison markieren. Jede Phase bringt eigene Aromen, Texturen und Ideen hervor. Wer mehrmals im Jahr wiederkommt, erlebt stets eine neue Perspektive – getragen von derselben Haltung: Respekt vor Herkunft, Saison und Produkt.
„In der Einfachheit steckt die Komplexität“, zum Auftakt von „Feld & Flur 2026“ setzt das Gastronomenpaar Thomas A. Imbusch und Sophie Lehmann auf Reduktion mit Tiefe. Nach einem feinperligen Rosé-Schaumwein von Ziereisen geben an der Showbar die kunstvoll arrangierten Zutaten einen Vorgeschmack aufs Menü. Dazu ein erster Bissen – Schmorfleisch, Senfcreme und Zwiebel – ein Happen Schlachtfest, kraftvoll, aromatisch, ein Gruß, der sofort Lust auf mehr macht.
Zurück am großen Holztisch beginnt das Speisevergnügen mit einer Reihe feiner Amuse Bouches. Ein kleines Quintett der Geschmacksrichtungen: Fenchel bringt Süße, Tomate lebendige Säure, Pilze salzige Tiefe, Radicchio eine elegante Bitterkeit, Käse schließlich Umami. Dazu kommt noch warmes Sauerteigbrot mit aromatischer Joghurtbutter, verfeinert mit Rosmarin, Schnittlauch und einem Hauch Chili.
Forelle, Sake & feine Spannung
Der erste Gang – Forelle, Rote Bete und Auster – zeigt bereits die Handschrift der Küche: klar, präzise und voller Spannung. Begleitet wird er von einem gereiften Sake der Berliner Manufaktur Reigen Fermentation – cremig, mit Noten von getrockneter Aprikose, feinem Holz und einem sanft oxidativen Charakter.
Mit dem „Schlemmertöpfchen Königsberger Art“ wird es herzhaft und zugleich elegant. Die cremige, fein ausbalancierte Komposition trifft auf einen Burgunder aus dem Hause Domaine Jean Fournier: ein Cuvée aus Pinot Blanc und Pinot Gris (2022). Der Wein wirkt großzügig und lebendig, mit Noten von Zitrusfrüchten und Melone sowie einem zarten Hauch Holz – eine stimmige Begleitung zum geschmeidigen Gericht.
Grill- und Röstaromen treffen auf feine Meeresnoten: Gegrilltes und Frittiertes verbinden sich mit Safran-Gemüse und Schnecken, während ein mit Hummerfond gekochter Safransud Tiefe verleiht. Knusprige Kräuter setzen aromatische Akzente. Dazu passt der unfiltrierte „Bauchgefühl“ 2021 von Nico Espenschied aus Rheinhessen: lange auf der Maische gereift, mit Noten von Holunderblüte, Limette und Kräutern – saftig, eigenwillig und spannend im Glas.
Geschmortes Rind mit Eleganz
Zart geschmortes und gegrilltes Rind auf Pfefferrahmsauce – Schulter und Patty werden begleitet von Rettichtalern, Wildkräutern, roten Zwiebeln und Pilztee, dazu knusprige Sauerteigbrioche und etwas Gurkenmarmelade. Ein Gericht, das Kraft und Eleganz vereint. Dazu der Reserve Ventoux 2022 der Domaine de Faverand: eine Grenache-dominierte Cuvée mit Carignan, voll von roten Früchten, Gewürzen und Lakritz, rund und harmonisch am Gaumen.
Knusprig gebratenes Brot, cremiger Deichkäse und aromatische Champignons verschmelzen zu einem Signature Dish, das punktgenau begeistert: intensiv, charmant und absolut mitreißend.
Das Parfait mit Praline und Pistazie wirkt zunächst schlicht, entpuppt sich aber als wahres Feuerwerk der Aromen. Jeder Bissen überrascht mit Tiefe und Raffinesse, die weit über die unscheinbare Optik hinausgeht. Dazu begleitet ein außergewöhnlicher Wein: Rancio Sec Blanc „Ranfio Cino“ 2022 der Domaine Vial-Magnéres aus dem Roussillon, gereift sechs bis zehn Jahre unter Voile, mit Noten von getrockneten Aprikosen, Nüssen und feiner Säure.
Abgerundet wird das Menü von Macarons mit einem dänischen Prunus Nigra 2019, deren frische Kirschnoten von Zimt, Nelken und einem Hauch Würze begleitet werden. Saftig, lebendig und samtig im Abgang – ein verspielter, unvergesslicher Abschluss voller Intensität.
Informationen:
Fotos: Carola Faber











