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Girona und die Costa Brava: Nachhaltigkeit und Genuss

Die Region rund um Girona setzt zunehmend auf nachhaltigen Tourismus, regionale Kulinarik und authentische Erlebnisse. Statt immer mehr Gäste anzuziehen, geht es heute darum, die vorhandenen Ressourcen verantwortungsvoll zu nutzen und die einzigartige Natur- und Kulturlandschaft langfristig zu bewahren. Zudem zeigt die Costa Brava, wie eng Nachhaltigkeit und Gastronomie inzwischen miteinander verbunden sind.

Bereits in Girona zeigt sich dieser Ansatz. Die Stadt verbindet ihr kulturelles Erbe mit modernen Konzepten, welche die lokale Identität stärken. Ein Beispiel ist das Kulturzentrum El Foment. Hier treffen Kultur, Begegnung und Gastronomie aufeinander. Im Restaurant „La Fonda“ werden traditionelle katalanische Gerichte zeitgemäß interpretiert. Verarbeitet werden vor allem regionale Produkte, wodurch lokale Produzenten gestärkt und Transportwege reduziert werden. Nachhaltigkeit beginnt hier nicht erst beim Umweltschutz, sondern bei der Wertschätzung regionaler Lebensmittel und kulinarischer Traditionen.

Frühstück im Can Mascort Eco_Hotel. Foto: Can Mascort Eco_Hotel / Lluís Català
Frühstück im Can Mascort Eco_Hotel. Foto: Can Mascort Eco_Hotel / Lluís Català

Wie Nachhaltigkeit in der Hotellerie umgesetzt werden kann, zeigt das Hostal Empúries in L’Escala. Das ursprünglich 1907 errichtete Gebäude gilt als eines der Vorzeigeprojekte der Region. Die LEED-Gold-Zertifizierung steht für hohe Standards bei Energieeffizienz, Ressourcenschonung und nachhaltigem Bauen. Gleichzeitig profitieren Gäste von der unmittelbaren Nähe zur Küste und zur archäologischen Stätte Empúries. Das Hotel verdeutlicht, dass Komfort und Umweltbewusstsein kein Widerspruch sein müssen.

Auch das Eco Hotel Can Mascort in Palafrugell verfolgt einen konsequent nachhaltigen Ansatz. Das Boutiquehotel setzt auf ökologische Materialien, minimalistisches Design und regionale Produkte. Statt klassischen Luxus in den Mittelpunkt zu stellen, möchte das Haus Gästen einen bewussteren Zugang zur Region ermöglichen. Diese Philosophie spiegelt sich auch im Frühstück wider, bei dem lokale Spezialitäten und traditionelle Rezepte die landwirtschaftlichen Wurzeln der Region erlebbar machen.

Weinbau als Landschaftsschutz 

Besonders anschaulich wird die Verbindung von Naturschutz und Kulinarik im Naturpark Cap de Creus. Dort bewirtschaftet das familiengeführte Weingut Espelt Viticultors seine Weinberge nach biologischen Kriterien. Von insgesamt 179 Hektar Fläche werden lediglich 25 Hektar für den Weinbau genutzt. Die biologische Bewirtschaftung war Voraussetzung für die Genehmigung der Nutzung innerhalb des geschützten Naturraums.

Weinbau direkt am Meer. Foto: PTCBG
Weinbau direkt am Meer. Foto: PTCBG

Die Weinreben wachsen in einer von Wind, Meer und Granit geprägten Landschaft. Biodiversität und Schutz des Ökosystems stehen dabei ebenso im Mittelpunkt wie die Produktion hochwertiger Weine. Zu den charakteristischen Rebsorten zählen Grenache, Monastrell und Picapoll. Die Nähe zum Mittelmeer prägt den Charakter vieler Weine und verleiht ihnen eine besondere Frische. Gleichzeitig übernehmen die Rebflächen eine wichtige ökologische Funktion: In einer Region, die regelmäßig von Waldbränden bedroht wird, wirken sie als natürliche Brandschneisen. Landwirtschaft dient hier nicht nur der Erzeugung hochwertiger Lebensmittel, sondern leistet auch einen Beitrag zum Schutz der Landschaft.

Kulinarik mit regionaler Handschrift 

Dass hochwertige Gastronomie und regionale Produkte untrennbar miteinander verbunden sind, zeigt das Restaurant Miryam in L’Escala. Küchenchef Pere Sabadí setzt konsequent auf Zutaten aus der Region. Im Mittelpunkt stehen Fisch und Meeresfrüchte, darunter die berühmten Anchovis von L’Escala, die als kulinarisches Wahrzeichen der Costa Brava gelten. Muscheln, Pulpo, Gambas oder Seeteufel werden mit handwerklicher Präzision verarbeitet und spiegeln die Nähe zum Meer wider. Die Küche beweist, dass kulinarische Qualität nicht auf exotischen Zutaten beruht, sondern auf Herkunft, Frische und sorgfältiger Verarbeitung.

Meeresschutz als Zukunftsmodell 

Nachhaltigkeit endet jedoch nicht an Land. Im Naturpark Montgrí und rund um die Illes Medes engagiert sich das Projekt Sèpia für den Schutz mariner Ökosysteme. Gemeinsam mit Fischern, Wissenschaftlern und Behörden arbeitet der Meeresbiologe Boris Weitzmann daran, die Bestände von Sepien und Calamaren zu stabilisieren. Hierfür werden künstliche Strukturen im Meer installiert, an denen die Tiere ihre Eier ablegen können. Die Eier werden in Netzen in rund acht Metern Wassertiefe geschützt. Taucher überwachen ihre Entwicklung, während gleichzeitig die lokale Fischerei eingebunden wird. Das Projekt verfolgt mehrere Ziele: die Regeneration mariner Ressourcen, die Sicherung der Lebensgrundlagen lokaler Fischer und die Sensibilisierung von Besuchern für den Schutz des Mittelmeers. Es zeigt beispielhaft, wie Naturschutz, Wissenschaft und nachhaltige Nutzung natürlicher Ressourcen miteinander verbunden werden können.

Das Projekt Sèpia für den Schutz mariner Ökosysteme. Foto: PTCBG
Das Projekt Sèpia für den Schutz mariner Ökosysteme. Foto: PTCBG

Nachhaltiger Fisch auf dem Teller

Wie eng nachhaltige Fischerei und Kulinarik zusammenhängen, vermittelt zudem das Museu de la Pesca in Palamós. Das Fischereimuseum widmet sich Themen wie Überfischung, Klimawandel und Umweltverschmutzung. Im angeschlossenen Espai del Peix lernen Besucher weniger bekannte Fischarten kennen und erfahren, wie nachhaltiger Fischkonsum funktionieren kann. Kochvorführungen und Verkostungen zeigen dabei, wie sich verantwortungsbewusster Umgang mit marinen Ressourcen und kulinarischer Genuss verbinden lassen.

Genuss und Nachhaltigkeit als Erfolgsrezept 

Die Reise durch Girona und die Costa Brava macht deutlich, dass Nachhaltigkeit hier weit mehr ist als ein touristisches Schlagwort. In Hotels, Weingütern, Restaurants und Meeresschutzprojekten entstehen Konzepte, die Umweltbewusstsein, regionale Wertschöpfung und kulinarische Qualität miteinander verbinden. Gerade die Gastronomie übernimmt dabei eine Schlüsselrolle: Sie stärkt lokale Produzenten, bewahrt traditionelle Produkte und vermittelt Besuchern ein authentisches Bild der Region. Die Costa Brava zeigt damit, dass Genuss und Nachhaltigkeit nicht nur zusammenpassen, sondern gemeinsam die Grundlage für eine zukunftsfähige Tourismusentwicklung bilden.

Fotos: PTCBG, Can Mascort Eco_Hotel / Lluís Català

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