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Die North Coast 500 – Traumziel für Golfer

Wilde Küsten, einsame Strände, schimmernde Lochs, uralte Burgen und dieses klare, nordische Licht prägen das Bild des hohen schottischen Nordens. Wer sich auf diese Reise begibt, spürt schnell, dass hier nicht Geschwindigkeit zählt, sondern das bewusste Erleben. Für Golfer kommt ein weiterer Reiz hinzu: Entlang der Route warten Plätze, die Golf in seiner ursprünglichsten Form zelebrieren und Fans aus aller Welt anziehen.

Eine Reise durch Landschaft und Zeit

Wer sich auf die NC500 begibt, reist nicht nur durch Raum, sondern auch durch Zeit. Viele Dörfer entlang der Strecke scheinen seit Jahrzehnten nahezu unverändert, fernab vom hektischen Rhythmus moderner Städte. Die Landschaft wirkt archaisch, manchmal fast unberührt, und erzählt von einer Region, in der Natur, Tradition und Gemeinschaft noch den Takt vorgeben. Alte Steinmauern, kleine Häfen und einsame Farmen vermitteln das Gefühl, Teil einer anderen Epoche zu sein. Gerade diese Ursprünglichkeit macht den besonderen Reiz der Route aus und sorgt dafür, dass jede Etappe bewusst erlebt wird.

Entlang der NC500. Foto: Wolfgang Scheffler
Entlang der NC500. Foto: Wolfgang Scheffler

Single Track Roads und große Momente

Ein wesentlicher Teil des NC500-Erlebnisses ist das Fahren selbst. Große Teile der Route verlaufen über sogenannte Single Track Roads, schmale einspurige Straßen mit regelmäßigen Ausweichbuchten. Sie verlangen Aufmerksamkeit, Geduld und gegenseitige Rücksichtnahme. Hektik ist hier fehl am Platz. Wer sich darauf einlässt, wird mit intensiven Eindrücken belohnt: plötzliche Ausblicke auf das Meer, einsame Buchten oder dramatische Berglandschaften, die sich hinter der nächsten Kurve eröffnen. Gerade diese entschleunigte Fortbewegung macht die Reise so besonders.

Ikonen der Strecke

Zu den spektakulärsten Abschnitten zählt die Kylesku Bridge, die sich elegant über einen tief eingeschnittenen Fjord spannt und zu den meistfotografierten Motiven der Route gehört. Besonders bei tiefstehender Sonne entfaltet dieser Ort seine ganze Magie. Ebenso eindrucksvoll ist die Küstenstraße zwischen Durness und Lochinver, wo das Meer scheinbar direkt neben der Fahrbahn liegt. Der Bealach na Bà mit seinen steilen Serpentinen und alpinem Charakter gilt als fahrerischer Höhepunkt der NC500 und verlangt Respekt – belohnt aber mit grandiosen Panoramen.

Spektakuläre Panoramen entlang der NC500. Foto: Wolfgang Scheffler
Spektakuläre Panoramen entlang der NC500. Foto: Wolfgang Scheffler

27 Golfplätze entlang der NC500

Entlang der gesamten Strecke liegen 27 Golfplätze, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Von einfachen 9-Loch-Anlagen bis zu weltberühmten Championship Courses ist alles vertreten. Auf unserer neuntägigen Reise entschieden wir uns bewusst für klassische Linksplätze. Diese Plätze spiegeln den ursprünglichen Charakter des schottischen Golfs wider: harter Boden, wechselnder Wind und natürliche Hindernisse bestimmen das Spiel. Sie fügen sich wie selbstverständlich in die Landschaft ein und wirken eher gewachsen als gebaut.

Golf und Gastfreundschaft

Übernachtet haben wir in mehreren Häusern der Highland Coast Hotels, die strategisch entlang der Route liegen. Sie verbinden modernen Komfort mit regionaler Identität und sind ideale Ausgangspunkte für Golf und Erkundungen. Nach langen Fahrten und windigen Golfrunden boten sie angenehme Rückzugsorte. Die Kombination aus herzlicher Gastfreundschaft, guter Küche und entspannter Atmosphäre trug entscheidend dazu bei, jede Etappe nicht nur sportlich, sondern auch erholsam zu gestalten. Eine kulinarische Empfehlung ist das Restaurant im Kylesku Hotel, das hervorragenden Gerichte mit Produkten der Region im Angebot hat.  Besonders die Fisch- und Seafood-Gerichte sind bemerkenswert. 

Das Kylesku Hotel. Foto: Kylesku Hotel
Das Kylesku Hotel. Foto: Kylesku Hotel

Dornoch – das spirituelle Zentrum

Der Beginn unserer Golfreise führte nach Dornoch am Dornoch Firth. Der Royal Dornoch Golf Club zählt zu den bedeutendsten Plätzen der Welt und belegt in der Golf-Digest-Rangliste der besten Plätze außerhalb der USA Platz zwei. Der Championship Course steht exemplarisch für klassisches Links-Golf: wellige Fairways, tief eingeschnittene Bunker, anspruchsvolle Grüns und ein Wind, der jede Runde neu definiert. Hier wird Demut zur Grundvoraussetzung und jede gute Bahn zur kleinen Errungenschaft.

Tradition trifft Zukunft in Royal Dornoch

Gleichzeitig zeigt Royal Dornoch, dass Tradition kein Stillstand bedeutet. Für rund 15 Millionen Pfund entstand ein neues Clubhaus, das in diesen Tagen eröffnet wird. Auf dem Struie Course entwarf Tom Mackenzie, Mitglied des Clubs und früherer Greenkeeper, ein neues Par-3-Loch, das sich harmonisch in die bestehende Struktur einfügt. Zudem sicherte sich der Club weiteres Land, auf dem langfristig ein dritter Platz entstehen soll – ein klares Bekenntnis zur Zukunft.

Royal Dornoch zählt zu den bedeutendsten Plätzen der Welt. Foto: Royal Dornoch
Royal Dornoch zählt zu den bedeutendsten Plätzen der Welt. Foto: Royal Dornoch

Zwischen Luxus und Bodenständigkeit

So beeindruckend Royal Dornoch ist, so exklusiv ist inzwischen auch das Greenfee. Doch die NC500 beweist, dass herausragendes Golf nicht zwangsläufig teuer sein muss. Plätze wie Tain, Golspie, Reay oder Durness bieten authentische Erlebnisse zu deutlich moderateren Preisen. Gerade dieser Kontrast zwischen internationalem Spitzenplatz und bodenständigem Dorfclub macht den besonderen Reiz der Route aus.

Tain und Golspie – Vielfalt statt Einheitsdesign

Der Tain Golf Club, entworfen von Old Tom Morris, verbindet Links- und Heideland-Elemente mit weiten Blicken über den Dornoch Firth. Golspie, ein Werk von James Braid, kombiniert Parkland, Heide- und Linkscharakter auf bemerkenswert harmonische Weise. Beide Plätze zeigen, dass große Golfarchitektur nicht laut sein muss, um nachhaltig zu beeindrucken.

Brora – Wandel eines Klassikers

Brora, dieser Klassiker von James Braid, war lange bekannt für Schafe und Rinder auf dem Platz. Diese Tradition endet nun, da Club und Greenkeeper die Beweidung der Crofter (schottische Farmer ohne Weideland) eingestellt haben. Trotz dieses Einschnitts bleibt Brora ein authentischer Linksplatz mit starkem Charakter. Wind, Dünen und schnelle Grüns prägen das Spiel weiterhin und machen jede Runde unvergesslich.

Brora, Klassiker von James Braid. Foto: Brora
Brora, Klassiker von James Braid. Foto: Brora

Reay – rau und ehrlich

Reay ist der nördlichste 18-Loch-Platz des britischen Festlands. Der von James Braid erweiterte Kurs wirkt wild und unverfälscht. Wind und Landschaft bestimmen hier das Spiel stärker als jede Architektur. Trotz moderater Länge fordert der Platz volle Konzentration und belohnt mit einer außergewöhnlichen, fast rauen Atmosphäre.

Durness – Golf am Rand Europas

In Durness, einem Dorf mit rund 300 Einwohnern, liegt einer der spektakulärsten 9-Loch-Plätze der Welt. Der Platz thront über dem Balnakeil Beach und blickt auf den Atlantik. Golf Digest führt ihn auf Platz zwölf der besten 9-Loch-Plätze weltweit. Gepflegt wird der Platz von nur einem Greenkeeper, was seine Besonderheit und seinen Charme zusätzlich unterstreicht.

Ullapool – ein entspannter Abschluss

Der Ullapool Golf Club liegt am Loch Broom, einem Meeresarm an der Westküste. Besonders das zweite Loch, ein bergab gespieltes Par 3 Richtung Wasser, bleibt in Erinnerung. Der Platz verzichtet bewusst auf Startzeiten und passt perfekt zum entspannten Rhythmus des Ortes. Hier klingt die Reise ruhig und fast meditativ aus.

Zum Abschluss: auf dem Ullapool Golf Club. Foto: Ullapool Golf Club
Zum Abschluss: auf dem Ullapool Golf Club. Foto: Ullapool Golf Club

Fazit – eine Route für die Sinne

Die NC500 ist weit mehr als eine landschaftlich reizvolle Strecke. Sie ist eine Reise zu den Wurzeln des Golfs und zu einem Schottland, das seine Ursprünglichkeit bewahrt hat. Wer diese Route fährt, nimmt mehr mit als Erinnerungen – er nimmt ein Gefühl von Freiheit, Weite und Entschleunigung mit, das lange nachwirkt.


Informationen:

www.golfhighland.com

www.highlandcoasthotels.com

Fotos: Wolfgang Scheffler, Kylesku Hotel, Brora, Royal Dornoch, Ullapool Golf Club

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