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Der Regen, der die Zukunft sicherte

Heute, 250 Jahre später, gilt das Main Ridge Forest Reserve als das älteste durchgehend gesetzlich geschützte Naturschutzgebiet der westlichen Hemisphäre. Was damals als pragmatische Maßnahme zur Sicherung der Wasserversorgung begann, ist rückblickend ein Meilenstein globaler Umweltgeschichte und ein frühes Beispiel dafür, wie wissenschaftliche Erkenntnis politisches Handeln verändern kann.

Ein einzelner Mann gegen den Profit

Die treibende Kraft hinter diesem außergewöhnlichen Schritt war ausgerechnet ein Mann des Handels: Soame Jenyns, britischer Parlamentarier und zuständig für Plantagen- und Wirtschaftsfragen. Während viele seiner Kollegen im dichten Grün Tobagos vor allem wertvolles Bauholz und neue Zuckerrohrflächen sahen, argumentierte Jenyns für den Erhalt des Waldes.

Seine Überzeugung speiste sich aus den Forschungen des Naturwissenschaftlers Stephen Hales, der den Zusammenhang zwischen Waldflächen, Niederschlag und Wasserkreisläufen belegte – eine These, die im 18. Jahrhundert als revolutionär galt. Elf Jahre lang kämpfte Jenyns im Parlament gegen massive wirtschaftliche Interessen, gegen Plantagenbesitzer, gegen die gängige Praxis kolonialer Ausbeutung.

Entscheidend war schließlich der Blick auf die Nachbarinsel Barbados: Dort hatte die nahezu vollständige Abholzung der Wälder zu Wassermangel, Bodenerosion und ökologischer Instabilität geführt. Tobago sollte nicht denselben Weg gehen. 1776 setzte sich deshalb nicht der kurzfristige Profit durch, sondern ein Gesetz, das den Main Ridge Rainforest dauerhaft schützte – flankiert von drastischen Strafen: Wer den Wald zerstörte, musste mit Geldbußen von bis zu £500 rechnen, eine für die damalige Zeit existenzbedrohende Summe.

Die grüne Lebensversicherung Tobagos

Was einst als Schutzmaßnahme für Quellen gedacht war, ist heute das ökologische Rückgrat der Insel. Der Main Ridge Rainforest zieht sich wie eine grüne Wirbelsäule durch Tobagos Inneres: Er speist Flüsse und Aquifere, reguliert das Mikroklima, schützt vor Überschwemmungen und Erosion und wirkt als natürlicher Puffer gegen die Folgen des Klimawandels.

Auf engem Raum treffen hier unterschiedliche Waldtypen aufeinander: vom Tiefland- bis zum Nebelwald. Diese Vielfalt macht das Gebiet zu einem Hotspot der Biodiversität in der Karibik. Der Regenwald ist Lebensraum für zahlreiche endemische und bedrohte Arten, darunter der Cocrico, Tobagos Nationalvogel, sowie der White-tailed Sabrewing, eine ikonische Kolibriart. Auch seltene Amphibien, Reptilien und Pflanzen finden hier Zuflucht.

International ist diese Bedeutung längst anerkannt: Der Main Ridge ist Teil des North-East Tobago Man and the Biosphere Reserve, wurde mehrfach ausgezeichnet und als UNESCO-Welterbestätte nominiert.

Foto: Tobago Tourism Agency

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