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Auf der Spur von Kranich und Seeadler

Früh aufstehen und mit dem Fernglas nach seltenen Vögeln suchen – lange galt das als Altherrensport. Doch immer mehr Menschen entdecken das „Birdwatching“ als passenden Ausgleich zum hektischen Alltag. Inzwischen hat sogar die Gen Z den Trend für sich entdeckt und trackt Beobachtungen mit der passenden App. Wer die Vogelwelt im Spätherbst und Winter ungestört entdecken will, sollte Polens Naturreservate besuchen.

Es ist ein willkommener Digital Detox, das Birdwatching. Immer mehr Menschen genießen die Entschleunigung und den intensiven Kontakt mit der Natur, die ihnen die Vogelbeobachtung verschafft. Was bei vielen als Ausgleich während der Corona-Pandemie begann, wurde zu einem festen Bestandteil ihres Alltags. Darunter sind laut BirdLife International und dem Naturschutzbund NABU auch zunehmend junge Menschen. Eine besondere Kulisse für die Vogelbeobachtung im Spätherbst und Winter bieten viele nahezu unberührte polnische Landschaften.

Die Frische Nehrung

Die Mierzeja Wiślana (Frisches Nehrung) ist auf polnischer Seite rund 59 Kilometer lang und an manchen Stellen nur ein bis zwei Kilometer breit. Viele Zugvögel aus Nord- und Osteuropa meiden den Flug über das offene Meer. Sie folgen stattdessen der Küstenlinie, zu der auch der schmale Landstreifen gehört. So ziehen dort oft Tausende Vögel dicht über den Köpfen der Beobachter hinweg. Der lokale Verein Drapolicz aus Krynica Morska (Kahlberg) schildert, dass an Spitzentagen des Herbstzugs bis zu eine Million Vögel über die Nehrung fliegen.

Für Birdwatcher bietet der Verein zwei gut geeignete Beobachtungspunkte. Der Vogelturm auf der 40 Meter hohen Düne Góra Pirata ist von Wald umgeben und eröffnet einen Panoramablick über Haff und Ostsee. Seit gut einem Jahr betreibt der Verein auf den Ostseedünen bei Krynica zudem Polens ersten festen Beobachtungspunkt für Seevögel. Der wettergeschützte Pavillon bietet vier zur Seeseite geöffnete Panoramafenster. So können Vogelliebhaber auch während der Herbst- und Winterstürme sicher und trocken ihrem Hobby nachgehen.

Der Nationalpark Warthemündung

Direkt hinter der brandenburgischen Grenze liegt der polnische Nationalpark Ujście Warty (Warthemündung). Seit 2001 schützt er rund 8.000 Hektar Feuchtwiesen, Kanäle und Altwasser an der Mündung des Flusses in die Oder. Die Parkverwaltung zählt über 280 Vogelarten, mehr als 170 davon brüten dort. Im Herbst gehört der Park den Gänsen. Während ihres Zuges in den Süden rasten rund 100.000 Tiere im Gebiet der Warthemündung. Ebenso imposant sind die Kranichzüge. Am Morgen fliegen die Trupps zu den Äckern, abends kehren sie zum Schlafplatz zurück.

Im Winter kommen rund 3.000 Singschwäne, was den Park zu einem der wichtigsten Überwinterungsquartiere in Europa macht. Auch Mäuse- und Raufußbussard verbringen dort die kalte Jahreszeit. Entlang der wichtigsten Wanderwege gibt es einige Beobachtungspunkte sowie drei Aussichtstürme, die teilweise auch wettergeschützt sind. Informationen über die heimische Vogelwelt gibt es im Bildungszentrum des Nationalparks in Słońsk (Sonnenburg).

Foto: POT

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