Skagerrakküste für Entdecker

Die Orte und Landschaft Südnorwegens berühren durch einen besonderen Zauber. Leuchtend bunte Holzhäuser schmiegen sich an riesige Felsen oder säumen die Ufer der zahlreichen Fjorde.

Auf glatten Wasserflächen spiegeln sich die glänzenden Silhouetten der Natur, Boote und Häuser. Charmante Bilderbuchorte mit schmalen Gassen und gemütlichen Häfen bergen viele kostbare Juwelen, die nur darauf warten, besucht (aufgesucht) zu werden. Unsere Autorin Carola Faber war für Sie wieder unterwegs und stellt Ihnen einige vor...

Kragerø - auf den Spuren von Edvard Munch

Schon Edvard Munch ließ sich von dem einzigartigen Licht in der kleinen Küstenstadt Kragerø inspirieren. Der Expressionist lebte dort von 1909 bis 1915 und durchlebte eine seiner kreativsten Phasen. Während eines Spaziergangs "Auf den Spuren von Edvard Munch" mit Historikerin Kaja Aarflot ist viel über den norwegischen Künstler zu erfahren, der bewusst allein und zurückgezogen lebte. "Die ersten paar Tage verbrachte Munch im Victoria Hotel in Kragerø. Später malte er in Skrubben seine meisten Bilder", erzählt uns Kaja. Zu den bekanntesten gehört das Monumentalwerk "Solen" (Sonne). Es zeigt die Sonne über der Hafeneinfahrt von Kragerø. Munch wurde immer wieder von dem Lichtschauspiel beeindruckt, wie im Winter innerhalb weniger Minuten die Sonnenstrahlen die Dunkelheit vertrieben. Wie er selbst erzählt haben soll, entwickelte er eine nahezu religiöse Beziehung zu diesem Licht.

Wie Kragerø befinden sich fast alle Orte Südnorwegens in einer wunderschönen Landschaft mit einer fantastischen Inselwelt, Buchten und Schären direkt vor der Haustür. Diese maritimen Perlen begeistern in jeder Jahreszeit mit ihrem eigenen Charme. In den Sommermonaten vervielfachen sich die Einwohnerzahlen durch die Touristen, die eine abwechslungsreiche Restaurantszene vorfinden. Köstliche und einladende Gerichte gibt es ebenso wie exotische Speisen und traditionelle norwegische Delikatessen.

Lyngør – Heimat der Segelschiffsflotte

Lyngør ist eher eine Sehenswürdigkeit als ein Dorf. Es wurde im Rahmen des Europäischen Jahres des Baudenkmalschutzes 1991 zur "am besten erhaltene Siedlung Europas" gekürt. Getrennt durch Kanäle befindet sich der Außenhafen mit seinen schmucken, weißen Schifferhäusern auf vier Inseln. Die Siedlung stammt aus dem 18. und 19. Jahrhundert, als Lyngør noch als Heimathafen für einen Großteil der Segelschiffsflotte Norwegens diente. Die meisten Gebäude wurden zu Sommerhäusern umgebaut. Zurzeit leben dort etwa 70 Menschen ganzjährig. Heute gilt der Ort besonders während der Hochsaison als ein Urlauber-Paradies und - wegen seiner großen Meerforellen - und Makrelenschwärme - als auch als Angler- Dorado. Zu erreichen ist Lyngør nur mit einem eigenen Boot oder einem Wassertaxi. Empfehlenswert ist eine Übernachtung im Bokhotellet Lyngørporten.

Lyngør zählt offiziell zu den schönsten Siedlungen Europas.
Lyngør zählt offiziell zu den schönsten Siedlungen Europas.

 

Die Hotelanlage befindet sich direkt am Meeresufer des Lyngørfjords in Gjeving, auf der Festlandsseite der unter Denkmalschutz stehenden Inselgruppe Lyngør. Frühaufsteher können die leise Ausfahrt kleiner Schiffe beobachten. Sobald sie die erste Felsgruppe passiert haben, geben sie Gas und ziehen Spuren aus weiß aufschäumender Gischt hinter sich her.

In dieser Idylle mit prachtvollem Meerblick lohnt auch das Hotelrestaurant einen Besuch. Küchenchef Greg Regner lässt sich dort von der Landschaft inspirieren. Seine Philosophie: Alte Gerichte - neu interpretiert und mit regionalen Zutaten. Die Gäste können sich auf Speisen, wie geräucherten Lachs mit Heidehonig und karamellisiertem Apfel oder Brosme gedämpft an Brokkoli, Rote Bete- und Kartoffelpüree freuen. Eine besondere Spezialität bietet die Küche mit Smalahove, dem traditionellen Schafskopfessen. Eine Portion Smalahove besteht aus einer Kopfhälfte, Kartoffeln und Kohlrübenpüree. Nach den Augen und Ohren gehören zu den beliebtesten Stücken die Muskelstränge hinter den Augen und die Zunge. Wer das Smalahove-Essen bei Greg Regner genießen möchte, sollte rechtzeitig reservieren, denn die Plätze in seinem Restaurant sind schnell vergeben.

Arendal und Bootstour nach Merdø

Mit Arendal lockt eine weitere Küstenschönheit. Guide Tone Taraldsen, die jeden Morgen mit dem Boot zur Arbeit kommt, vermittelt auf einem kurzweiligen Rundgang durch die Altstadt eine Vorstellung der Hafenstadt , wie sie einst ausgesehen hat. Mehrere Brände zerstörten im 19. Jahrhundert wertvolle Bausubstanz. Ein breiter Stadtkanal beschützte aber immer noch die größte, unter Denkmalschutz stehende Insel Tyholmen, vor diesen Bränden.
Die Tour führt an der Dreifaltigkeitskirche zu einem Wohnviertel auf einer kleinen Anhöhe vorbei. Durch enge Kopfsteinpflasterstraßen, die von farbenfrohen alten Holzhäusern gesäumt sind, geht es wieder zum Meer hinunter. Das alte Arbeiterviertel mit seinen traditionellen Häusern ist ebenfalls restauriert und gilt heute als eine beliebte Wohnadresse. Im Yachthafen beeindruckt das alte Rathaus von Arendal. Im Innern des höchsten Holzhauses von Norwegen befinden sich ein großer Festsaal und eine umfangreiche Portraitsammlung mit bedeutenden Bürgern der Stadt.

Rund um den Hafen, Pollen genannt, laden viele Cafés, Restaurants und Kneipen zum Verweilen ein. Nur eine kurze Überfahrt entfernt liegt die hübsche Insel Merdø. Zwischen den idyllisch gelegenen Häusern und einem Sandstrand lockt ein kleines Café, das für seine leckere Fischsuppe und Waffeln bekannt ist, zu einer ausgiebigen Pause.

Lillesand - Hotel Norge als Aushängeschild

Geschützt durch viele kleine Inseln erstreckt sich das schmucke Städtchen Lillesand in einer weiten Bucht an der Skagerrakküste. Erst mit der Blütezeit der großen Segelschiffe wuchs auch der Wohlstand und damit die Zahl der Einwohner. Um 1900 gab es dort rund 1500 Bewohner. Die reichen Reeder besaßen 78 Schiffe und zahlreiche Werften. Mit dem Niedergang der Segelschiffe ging es auch in Lillesand wieder bergab. Erst ab Ende der 1950er Jahre zeigte sich ein Anstieg der Wirtschaft. Die Holzarchitektur der alten Häuser am Hafen vermitteln einen sehr gemütlichen Ortscharakter. Zu den Sehenswürdigkeiten gehören die Lillesand Kirche von 1889 und die Steinkirche um 1100 gebaut, die etwa 1,5 Kilometer außerhalb des Ortes liegt. Lohnenswert ist der Besuch des Stadt- und Seefahrtsmuseum in dem Patrizierhaus 'Carl Knudsen Gården' von 1827. Dort werden unter anderem Werkzeuge, Haushaltsgeräte und Möbel gezeigt, die das Leben in der Seefahrerstadt zu früheren Zeiten illustrieren.

Lillesand kulinarisch.
Lillesand kulinarisch.

 

Eine weitere Besonderheit stellt das Hotel Norge dar. Es gehört zum Verbund historischer Hotels und Restaurants Norwegens. Das ehemalige Kontor wurde 1873 zum Hotel umgebaut. Lillesand befand sich damals gerade an der Spitze seines Erfolgs als Seehandelsstadt und das Hotel wurde schnell zum Mittelpunkt des florierenden kulturellen Lebens der Stadt. Als die heutigen Besitzer, Beate und Wolfgang Töpfer, das Hotel im Jahre 2006 übernahmen, entschieden sie sich dafür, es wieder in seinen ursprünglichen Zustand zurück zu versetzen und den historischen Stil heraus zu arbeiten. "Jedes Jahr legen wir etwas von unseren Einnahmen zurück, um es in die Renovierung und den Erhalt des Hauses zu investieren", erklärt Wolfgang Töpfer. Äußerliche erhielt das Gebäude wieder sein Erscheinungsbild der 1890er. Die überdachte Galerie über dem Haupteingang wurde mit rotem und blauem Glas verglast wie es im alten Lillesand üblich war.

KULINARIKER-Tipp:
In Stavanger lohnt ein Besuch des Restaurants Tango. Beeinflusst von der nordischen Spitzengastronomie, wie dem Noma in Kopenhagen, kreiert Küchenchef Tony Martin mit Empathie und einem sehr aufmerksamen, jungen Team Fantasievolles, das nicht nur durch künstlerisches Aussehen beeindruckt, sondern auch noch köstlich schmeckt. Wöchentlich werden die Menüs, inklusive korrespondierender Weine, gewechselt. "Schwellenangst soll es hier nicht geben. Jeder kann kommen und das Essen bei uns genießen. I just try to make people happy", verrät der vielversprechende Nachwuchskoch Tony Martin sein persönliches Rezept.

Weitere Informationen finden Sie unter www.visittelemark.no, www.visitsorlandet.com, www.lindesnesregionen.com, www.lista-fyr.no, www.bokhotellet.no und www.tango-bk.no

Fotos: Carola Faber

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Zuletzt bearbeitet am 20/08/2016

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Autor

Carola Faber

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