Von der Stadt des Jugendstils zum Venedig des Nordens

Mit den modernen Kreuzfahrtfähren der Reederei Tallink Silja kann man eine Baltic CityCruise von Stockholm über Tallinn und Riga zurück nach Stockholm unternehmen oder auch direkten Kurs auf eine der baltischen Metropolen nehmen, Ausgangspunkt bleibt dabei in jedem Fall Schwedens Hauptstadt.

Nach anderthalb spannenden Tagen in Tallinn, geht es mit dem Überlandbus in knapp viereinhalb Stunden weiter nach Riga. Dort am frühen Abend angekommen, blieb noch genügend Zeit, im Tallink Silja-Hotel einzuchecken und erste Eindrücke von der Stadt zu sammeln. Während ich durch die bereits von Dunkelheit umhüllte Altstadt mit all ihren Jugendstilgebäuden und romantischen Straßenbeleuchtungen komme, nähere ich mich meinem Ziel für das Abendessen in Riga: das gerade einmal seit einem halben Jahr eröffnete und absolut angesagte "Restaurant 3", in dem Chefkoch Juris Dukaļski mit seinem Team moderne lettische Küche auf einem Top-Niveau inszeniert.

Landestypisches für echte Kulinariker

Gut ausgeschlafen und frisch gestärkt mit einem köstlichen Frühstück im Tallink-Hotel mache ich mich am Folgetag auf den Weg zum Zentralmarkt: Dieser wurde 1930 als größter und modernster Markt Europas eröffnet und 1998 in die Liste des UNESCO-Weltkulturerbes aufgenommen. In fünf Pavillons, die ursprünglich einmal als Hangar für Luftschiffe errichtet worden waren, tummeln sich heute bis zu 100.000 Menschen täglich, um hier ab 8.00 Uhr morgens Gemüse, Milcherzeugnisse, Fleisch und Fisch zu erwerben oder im Gastronomie-Pavillon einzukehren.

Abgerundet wird das kulinarische Paradies von einem Freimarktgelände, auf dem man Erzeugnisse von Handwerkern und einen Bauernmarkt vorfindet. Hier geht jedem Genießer das Herz auf und es lässt sich nach Lust und Laune Landestypisches und Exotisches verkosten – schade nur, dass es keine Möglichkeiten gibt, die verschiedenen Produkte auf die Weiterreise mitzunehmen oder selbst zuzubereiten…

Zentralmarkt von Tallinn.
Zentralmarkt von Tallinn.

 

Da die Zeit auf dem Zentralmarkt wie im Flug vergeht, schlage ich nun den direkten Weg zum Jugendstilmuseum ein und genieße bereits auf dem Weg dorthin die vielseitige Architektur der Stadt und den Anblick der zahlreichen, gut erhaltenen Jugendstilvillen, die sich links und rechts der Häuserreihen finden. Wahre Perlen des Jugendstils finden sich in der Vilandes Straße, der Rupniecibas Straße, der Elizabetes Straße 6 bis 33 sowie in der Alberta Straße, in der sich auch das Jugendstilmuseum im Haus Nummer 12 befindet.

Sauna mit Meerblick

Bevor es am Spätnachmittag zum Tallink Silja-Fährhafen geht, um von hier aus nach Stockholm die Rückreise anzutreten, bleibt noch genügend Zeit, einmal über den Rigaer Markt auf dem Domplatz zu schlendern. Dabei ist es natürlich fast schon Pflicht, nach einigen lettischen Spezialitäten Ausschau zu halten, einen mit Käse gefüllten Pankuki oder eine Kohl-Piragi zu kosten, bevor es am Schwarzhäupterhaus, der Petri-Kirche und den Bremer Stadtmusikanten vorbei zurück zum Hotel geht. Auch auf dem Rückweg durch die fast autofreie Altstadt sind noch zahlreiche faszinierenden Fassaden aus verschiedenen Epochen zu bewundern.

An Bord der Isabelle herrscht schon reges Treiben, als ich diese gut eine Dreiviertelstunde vor Abfahrt betrete. Überwiegend Gruppen nutzen die Wochenendfahrt nach Stockholm, sei es für eine Firmenfeier, einen Junggesellenabschied oder eine gemeinsame Sightseeingtour mit Freunden. Eifrig wird das abwechslungsreiche Unterhaltungsprogramm studiert, das Einkaufsangebot an Bord in Augenschein genommen und gleich die Essenszeiten in den Restaurants und das Wellnessangebot (von den vier separaten Saunen hat eine sogar Meerblick) geprüft.

Sauerkraut, Winterblutwurst und Pasteten

Die 170 Meter lange, 1989 gebaute Isabelle bietet 2480 Passagieren Platz und hält unterschiedliche Suiten und Kabinen der Klasse A bis C sowie De Luxe bereit. Die etwas ältere Dame, die den Passagieren W-Lan nur bedingt und in Landnähe bieten kann, ist dafür aber mit vielfältigen Freizeitmöglichkeiten sowie äußerst freundlichem und kompetentem Personal bestückt. Allen voran Restaurantleiter Alar Merisalu und Küchenchef Tanel Kelder, die mit ihrem lettischen Team neben dem für alle Tallink Silja-Schiffen gleichen Angebot an skandinavischen und baltischen Gerichten zusätzliche saisonale lettische Spezialitäten zubereiten und servieren.

So gibt es im Buffet Restaurant beispielsweise Schinken mit grauen Erbsen, Sauerkraut, Winterblutwurst und kleine Schinkenpasteten. Diese Gerichte wie auch alle süßen Leckereien werden direkt an Bord zubereitet. Etwas Besonderes für dieses Schiff ist neben dem A-la-Carte-Restaurant "Chef’s Kitchen" das Gourmetrestaurant "Dining Room", in dem die beliebtesten Gerichte der russischen Küche mit korrespondierenden Weinen serviert werden.

Tallink Silja-Schiff
Tallink Silja-Schiff "Isabelle".

 

Wer es lieber etwas weniger üppig und südländischer mag, der ist in der Tapas & Wine-Bar richtig, während das Sea Side Café Snacks, Sandwiches, Salate und andere kleinere Leckereien bereithält. Auch für Passagiere, die anstelle des Showprogramms oder der Discoparty lieber einen ruhigeren Abend verbringen wollen, gibt es einen gemütlichen Ort im Herzen des Schiffes: Im Pub können die Gäste bei einer großen Auswahl an Handcraft Beers verweilen.

Ein Stück Literaturgeschichte: Mellqvists Kaffeebar

Nach dem Frühstück an Bord im Buffetrestaurant legt die Fähre gegen 9.30 Uhr in Stockholm an. Bis zu meinem Heimflug in den Abendstunden habe ich nun noch Zeit, das Venedig des Nordens zu erkunden: Für wintersportliche Aktivitäten laden Eislaufbahnen auf gefluteten Parkflächen ein, in Stockholms Freizeitgebiet Hellasgården können Hartgesottene sogar unter Aufsicht ein erfrischendes Bad im Eisloch nehmen.

Ich entscheide mich, ein wenig auf die Spuren von Stieg Larssons Millennium-Trilogie zu gehen: Passend zur Trilogie, die bislang von mehr als 60 Millionen Menschen gelesen und zudem erfolgreich verfilmt wurde, gibt es von der städtischen Touristinformation eine Stadtwanderung, die zu den Schauplätzen der Bücher Verblendung, Verdammnis und Vergebung führt. Mit einer Karte bewappnet kann man aber auch jederzeit selbst die auf Södermalm in der Bellmansgatan 1, dem Zuhause der Hauptfigur Mikael Blomkvist, beginnende Tour absolvieren. Unterwegs gibt es dabei auch Kulinarisches zu entdecken wie beispielsweise Mellqvists Kaffeebar, Blomkvists Stammcafé, oder das Kvarnen, eine von Stockholms ältesten Kneipen mit typischem Bierhallenflair und schwedischer Hausmannskost.

Tischkultur und Spirituosen

Aus aktuellem Anlass empfiehlt sich auch ein Besuch des Nobelmuseums, in dem man nicht nur über die Geschichte Alfred Nobels, sondern auch eine Menge über die Preisträger der Kategorien Physik, Chemie, Medizin, Literatur, Frieden und Wirtschaft lernen kann. Wem das zu theoretisch ist und wer doch etwas mehr über die Tisch- und Trinkkultur der Schweden erfahren möchte, dem sei ein Besuch des Nordischen Museums empfohlen, in dem man eine Ausstellung über Hopfen und das Bierbrauen gestern und heute sowie über die Tischkultur vom 16. Jahrhundert bis in die 1950er Jahre sehen kann.

Eine gute Ergänzung (samt kulinarischem Abschluss) bietet anschließend ein Besuch des Spirituosenmuseums. Hier wird nicht nur das Verhältnis der Schweden zum Alkohol auf unterschiedlichen Ebenen dargestellt, bis zum 7. Februar ist auch noch eine Sonderausstellung zum Thema Bier zu sehen. Dabei erhält der Besucher einen Einblick in die schwedische Braukultur und -geschichte sowie in aktuelle Trends, denn modernes Bier definiert sich nicht mehr nur über den Alkoholgehalt, sondern Aroma und Geschmack sind zunehmend wichtig. Zudem besteht die Möglichkeit verschiedene Arten von Bier, Malz und Hopfen am Geruch zu erkennen, das vorhandene Wissen mit einem Bier-Quiz zu testen oder auch ein Bier-Tasting zu buchen. Nicht entgehen lassen sollte man sich anschließend ein Essen bei Petter Nilsson im Museumsrestaurant.

Besuch des Spirituosenmuseums.
Besuch des Spirituosenmuseums.

 

KULINARIKER-Tipps:
Tallinn: Restaurant "Kaks Kokka"
Die beiden renommierten Köche Ranno Paukson und Martin Meikas (bester Koch Estlands 2009) betreiben seit zwei Jahren neben dem gehobenen Top-Restaurant Ö das von mittags bis nachts geöffnete Restaurant "Kaks Kokka” (Zwei Köche). Hier werden den Gästen in nordisch-schlichtem, aber stilvoll-modernem Ambiente alte estnische Gerichte, die neu inszeniert sind, serviert. Die meisten frischen Zutaten dafür stammen aus Estland und werden mit verschiedenen europäischen Produkten zu besonderen saisonalen Geschmackserlebnissen vereint. Auch wenn man hier seine Gerichte frei aus der Karte wählen kann, sollte man sich ein Drei-Gänge-Menü gönnen und dabei die Spezialitäten des Hauses probieren: Als Vorspeise ist das Elch-Boeuf von Saaremaa, der größten estnischen Insel, ein wahres Gedicht. Dabei handelt es sich um leicht gesalzenes Elchfleisch an Meerrettich, Forellenrogen, geräuchertem Eigelb und Moos. Zum Hauptgang ist der geröstete Kabeljau an gebackenen Kartoffeln mit Sauerrahm und Zwiebeln samt geräucherter Buttersauce zu empfehlen. Abgerundet wird das Ganze dann noch mit einem Sanddorngel zum Nachtisch.Gemeinsam mit ihrem jungen 32-köpfigen Team in den beiden Restaurants und in zwei Schichten bieten Ranno Paukson und Martin Meikas ihren Gästen Gerichte, bei denen man die Liebe zum Handwerk schmecken kann. Sie stellen nicht nur ihre Brote, Butter, Kompotte, Eiscremes und Limonaden selbst her, sondern räuchern und marinieren auch ihre Fische und ihr Fleisch selbst. Ausbalancierter Geschmack und Qualität auf höchstem Niveau, kombiniert mit überraschenden Gaumenerlebnissen erwarten den Genießer. Kein Wunder, dass das Restaurant derzeit Platz 3 der estnischen Restaurants belegt.

Riga: Kreative Genüsse von Juris Dukaļski

Das erst im Mai 2015 eröffnete Restaurant3 in der Rigaer Altstadt, das gleich Preise für die beste Neueröffnung und den besten Koch gewann, bietet auf zwei Etagen mit jeweils 40 Plätzen unter der Leitung von Chefkoch Juris Dukaļski moderne lettische Küche. Im Erdgeschoss ("Earth") können sich die Gäste aus der Karte Vorspeisen (wie Hering, Tartar oder Ziegenkäse), Suppen, Hauptgerichte (mit Saibling, Zander, Lamm und Wildschwein) sowie Desserts auswählen können und hier in lockerer Atmosphäre speisen. Der erste Stock ("Debisis") ist als Menü-Restaurant eingerichtet, in dem man dem Chefkoch persönlich bei der Fertigstellung der Gerichte zusehen kann und von Restaurantleiterin Irita Stone und Sommelier Elina Indriksone kompetent beraten und bedient wird. Bei den Menüs wird großer Wert darauf gelegt, zu zeigen, was Lettland an guten, saisonalen Produkten aus Feld, Wald und See zu bieten hat, wobei die einzelnen Gänge mit internationalen Weinen begrüßt werden.

Weitere Informationen finden Sie unter www.tallinksilja.de, www.visittallinn.ee, www.liveriga.com und www.visitstockholm.com

Fotos: Martina Emmerich,

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Zuletzt bearbeitet am 20/08/2016

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