Bratwurst ante portas

Ohne »Umbra krameri« kein Naturreservat! Darauf weist der nette ältere Biologe hin, der uns auf dem Ausflug mit dem Touristenboot »Umbra« begleitet. Die bis zu 7 Kilometer lange Tour auf dem Zasavica ist die beliebteste Attraktion vor Ort.

Und so kommt man auch nicht umhin, dem winzigen Europäischen Hundsfisch »Umbra krameri« die Referenz zu erweisen. Den nur acht bis zehn Zentimeter langen Männchen stehen bis zu 13 Zentimeter lange Weibchen gegenüber. 1996 entdeckte man den vom Aussterben bedrohten Hundsfisch im Zasavica. Danach ging alles sehr schnell – das Reservat wurde eingerichtet. Heute zählt es zu den grenzüberschreitend die Natur bewahrenden vier Sava Parks – und der zu den Hechtartigen zählende Hundsfisch ist sein Aushängeschild.

Biber aus Bayern!

Biber waren am Zasavica, an Save und Donau bis ins 19. Jh. immer heimisch. Vorneweg bestätigte dies mit Alfred Brehm (1829 – 1884) jener weitgereist thüringische Pfarrerssohn, Zoologe und Buchautor mit dem Spitznamen Chalihl Effendi, der ab 1876 mit »Brehms Tierleben« Generationen deutscher Familien beglückte und leider in eiern frühen Form von Graffiti-Vandalismus seinen Namen am Hathor-Tempel in Philae (Ägypten) hinterließ. Über Zasavica wusste Brehm, dass hier ein Reisender namens Traub im Jahr 1777 zirka eine Meile südlich von Mitrovica eine Hütte mit einer Familie von acht Bibern teilte. Doch es sollte bis 2004 dauern, ehe wieder Biber im naturreservat heimisch wurden. Dafür gesorgt haben die Bayern: 31 Biber, Einzelgänger und vier Familien, breiten sich seither rasant an Zasavica und Save aus, fräsen sich durchs Unterholz und hinterließen bisher acht Dämme, manche von über 30 Meter Länge! Heute sind es schon 70, alle mit Mikrochip ausgestattet, und sind 120 Kilometer nach Westen und bis kurz vor Belgrad vorgerückt.

Denn schönsten Blick auf all die Naturwunder am Fluss und die 300 Hektar Wissen ringsum hat man vom 18 Meter hohen Aussichtstrum des Besucherzentrums. Zwei Räume mit sieben Betten kann man sogar kostengünstig mieten. Für 10 € am Tag gibt es zum Frühstück drei Eier und leckeren Mangulica-Schinken gratis dazu. Im obersten Turmbereich können Besucher den luftgetrockneten Schinken sowie Salami und Wurst auch bewundern. Schwer gesichert hinter Maschendraht und drei Schlössern müssen die wertvollen Mangulica-Schinken dort drei bis vier Monate hängen, ehe sie in den Verkauf kommen. Einfacher ist es da schon, eine Portion in der »Biber-Wirtschaft« (»Bircuz kod dabra«) des Zentrums zu ordern, das 100 Meter entfernt und vorbei am hölzernen Wasserrad zu erreichen ist. nebenan im Restaurant werden dann auch herzhafte Platten mit Eselssalami oder Brote mit Griebenschmalz gereicht, der mit Paprika einen verschärften Genuss bietet. Dazu sollte stets ein Gläschen Obstler in der Nähe bereit stehen!

Und zwischendurch einen Obstler...
Und zwischendurch einen Obstler...

 

Und natürlich kann man auch winzige Häppchen frischen Eselsmilchkäse oder gleich eine Geschenkpackung »Magareći Sir« (50 g = 50 €) ordern. Die servierten Pule-Käse-Häppchen wurden nur kurz geräuchert, sind weiß, besitzten eine gewisse Konsistenz, haben aber auch eine krümelig bröckelnde Textur. Schließlich gibt es auch noch Pläne für die Zukunft: Auf 300 Quadratmetern soll auch noch der Nachbau einer antiken römischen Landvilla, einer Villa rustica romana entstehen.

Der Hof Perkov Salaš

Immer freitags geht es hoch her auf dem Hof Perkov Salaš, der nach einem urigen Vorfahren der Familie benannt ist. Denn dann beginnen die viel nachgefragten Wochenendangebote. Idylle pur gibt es schon bei der Ankunft, wenn der alte in Traditionstracht gekleidete Herr zu Brot und Salz und Obstler bittet. Hübsch drapierte Melonen und Obst und Gemüse nach Jahreszeit, dazu ein alter, mit Stroh gefüllter Leiterwagen, Fässer, Geschirr und Möbel evozieren die ländliche Welt um 1900, als sie noch nicht motorisiert war. Und natürlich stehen auch die Erzeugnisse des Hauses griffbereit auf einem Tischchen. Vier Jahre alter Pflaumenobstler aus dem Eichenfass etwa, dazu Rot- und Weißwein oder auch hausgemachtes Paprikamus, den Ajvar, im Einmachglas – eine Delikatesse. Gourmetgerichte sollte man bei einem solchen Hofaufenthalt nicht erwarten – wohl aber deftige ländliche Küche, die von der frischen Tomatensuppe mit Zucchini über Valjušci (Knödel) mit heimischem serbischem Futog-Kohl und opulente hausgemachte Bratwurstplatten bis hin zu Tomatensalat und leckere süße Desserts (Kuchen aus Johannisbrotmehl) reicht. Vor allem das selbst gebackene Brot ist eine Delikatesse.

Vorsicht indes, wenn die beiden verwöhnten Hauskatzen um die Tischbeine streichen. Besonders der braunweiße Borischka kann die Krallen ausfahren. Bei so viel geradezu Breughel`scher Bauernhochzeits-Atmosphäre darf natürlich auch zum guten Schluss die Weinspezialität der Fruška Gora nicht fehlen: Den vom Wirt und Besitzer Nikola Ivanić servierten Bermet schätze schon das kaiserliche Haus Habsburg und machte ihn zum k.u.k.-Hofwein. Beinahe wäre das aromatisierte Weingetränk schon in Vergessenheit geraten. Doch seit der Wende produzieren ihn Familienbetriebe in Sremski Karlovci, einige serbisch-orthodoxe Klöster und eben Höfe an den Flanken der Fruška Gora wieder. Zum Blend aus Welschriesling, Portugieser und Vranac kommen bei der Gärung bis zu 20 Kräuter hinzu, darunter Vanille, Gewürznelke, Zimt und Grapefruit. 18 Prozent Alkohol darf das vorweihnachtlichem Glühwein ähnelnde, indes kühl und gern als Aperitif genossene Getränk schon haben. Seine Produktion ähnelt allerdings nur bedingt der des Wermuts, mit dem es allerdings eine Namensähnlichkeit verbindet.

Eine betrunkene Uhr: in Novi Sad

Zu viel Bermet sollte man auf der Fahrt nach Novi Sad nicht intus haben. Denn auch Serbiens Polizei kontrolliert streng. 62 Kilometer nördlich Sremska Mitrovica präsentiert sich das alte »Neusatz«, das seinen Namen dem von Kaiserin Maria Theresia verliehenen Titel »Königliche Freistadt Neoplanta« hervorging, auf der gegenüberliegenden Seite der legendären Donaufestung Petrovaradin als pulsierende junge Metropole Nordserbiens. Vorbei die unseligen Zeiten des Balkankrieges 1999, als NATO-Bomben alle drei Donaubrücken zerstörten. Zwei sind mittlerweile wieder aufgebaut, eine bemerkenswerte neue mit zwei markanten Halbbögen ist im Bau. Die einstigen Paläste und Kasematten der Festung Petrovaradin, das als unbezwungenes »Gibraltar an der Donau« in die Geschichte einging, werden heute als Ateliers für über 100 Künstler genutzt, ein Museum öffnet und auch ein schmuckes Hotel mit Restaurant bietet seine Dienste an.

Einmalig sind die unterirdischen Führungen durch die Irrgänge des Festungslabyrinths. So mancher hat sich hier schon verlaufen. Gut ist es daher, stets einen Treffpunkt zu haben. Der findet sich am bequemsten rund um die »betrunkene Uhr« der Festung. Denn vom Uhrenturm aus österreichisch-ungarischer Zeit hat man einen guten Überblick auf Donau und Novi Sad und kann sich nicht verfehlen. »Betrunken« ist die Uhr nur deshalb, weil sie stets – je nach Kälte oder Wärme zaudert oder galoppiert und zudem abhängig von der Mechanik – ganz nach Eigengeschmack vor- oder nachgeht. Täglich muss daher der städtisch bestellte Uhrenwächter anrücken, um die Zeiger neu zu justieren.

Die mal nüchterne und mal betrunkene Uhr...
Die mal nüchterne und mal betrunkene Uhr...

 

Einmal im Jahr wird Novi Sad hier sogar zum Nabel Europas. Denn dann heißt es »Auf zum EXIT-Festival«! Mit über 200.000 meist jungen Besuchern zählt es zu den zehn größten Rockfestivals weltweit. Aber auch ältere Semester finden in der quirligen, weltoffenen Studentenstadt mit gutem Nachtleben Muße für Einkäufe und vor allem zahlreiche Cafébesuche in den Fußgängerzonen rings um die Marienkirche am Rathaus. Spätestens hier wird dann ein kaiserlicher Wein fällig. und, so keine Eselsmilch vorrätig ist, darf es auch ein Eis sein. Etwa aus der Eisdiele Moritz, die mit spektakulärem Design und leckeren Sorten aufwartet.

Information zu Serbien und zum Wojvodina-Besuch:

Vor der Reise:
National Tourismusorganisation Serbien, Čika-Ljubina 8, 11000 Belgrad, Serbien, Tel. +381 11 655 71 27, Tel. +381 11 209 78 28 (Nikola Tesla Airport Belgrad), www.serbien.travel
Tourismus-Organisation der Wojwodina, Bulevar Mihajla Pupina 6, 21000 Novi Sad, Serbien, Tel. +381 21 45 29 10, http://vojvodinaonline.com

Vor Ort:
Naturreservat Zasavica: Nature Conservation Movement Sremska Mitrovica, Svetog Save 19, Sremska Mitrovica, Serbien, Tel. +381 22 61 43 00, Restaurant Tel. +381 22 265 62 12 www.zavasica.org.rs/en (nur serbisch), www.facebook.com/Zasavica.Nature.Reserve, Büro tgl. 8.00 – 14.00, Restaurant tgl. 8.00 – 20.00 Uhr geöffnet; Übernachtung (7 Betten, zwei Zimmer): B & B (3 Eier und Mangalitsa-Schinken) 10 €
Camping Zsavica: Tel. +381 22 65 62 14, www.camping-zasavica.com (42 Stellplätze)
Organisierte Ausflüge Sremska Mitrovica und Naturreservat Zasavica: Anitours, Trg vojvodjanskih brigada 4, Sremska Mitrovica, Tel. +381 22 61 34 66

Sremska Mitrovica: Tourist-Organisation der Stadt Sremska Mitrovica, Svetog Dimitrija 10, 22000 Sremska Mitrovica, Tel. +381 22 61 82 75, http://tosmomi.rs/en/
Sirmium Palatium Imperiale (Museum Kaiserpalast Sirmium): Pivarska 2, 22000 Sremska Mitrovica, Tel. +381 22 61 88 17, www.carskapalata.rs/imperialpalace.html; tgl. 9.00 – 17.00 Uhr geöffnet

Fruška Gora-Nationalpark: Zmajev trg 1, 21208 Sremska Kamenica, Tel. +381 21 46 36 66, www.npfruskagora.co.rs/eng.html (Informationszentrum Iriski venac)
Bauernhof/Restaurant Perkov Salaš: Neradin, Irig, Fruška Gora, Tel. + 381 63 712 37 76, www.salasi.info/sr/salas/perkovsalas; Mo geschl.; ab freitags Wochenende auf dem Bauernhof

Novi Sad: Tourist Organization Novi Sad (TONS), Trg Slobode 3 (Apolo centar), 21000 Novi Sad, Tel. +381 21 661 83 90, Tel. +381 21 661 83 83, www.turizamns.rs, www.novisad.rs; TONS Tourist information Center (TIC): Turistički informativni centar (TIC) Modena, Ulica Modene 1, 21000 Novi Sad, Tel. +381 21 661 73 43, Tel. +381 21 661 73 44, www.turizamns.rs; Turistički informativni centar (TIC) Bulevar, Bulevar Mihajla Pupina 9, 21000 Novi Sad, Tel. +381 21 42 18 11, Tel. +381 21 42 18 12, www.turizamns.rs

Fotos: Jürgen Sorges

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Zuletzt bearbeitet am 11/12/2016

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