510 Pferdestärken und 33 Sterne

Der KULINARIKER unterwegs im neuen Aston Martin Vantage AMR Manual in Kataloniens Gastrokapitale Barcelona...

Kataloniens Hauptstadt Barcelona und ihr grünes Hinterland gehören nicht nur zu Europas beliebtesten Hotspots für Foodies. So zählen der morgendliche Spaziergang über den Mercat de la Boqueria unweit der belebten Ramblas, ein Abstecher in eine der zahllosen Tapas- und Pinchos-Bars oder ein genussvoller Abend in einem der aktuell nicht weniger als 24 sternegekrönten Gourmettempel der Stadt zum kulinarischen Pflichtprogramm. Mit ihrem legendären Formel 1 Kurs, dem ca. 20km nordöstlich der Stadt unweit von Montmeló gelegenen Circuit de Catalunya, steht die Metropole auch bei Rennsportfreunden hoch im Kurs.

Kein Wunder also, dass zahlreiche Autohersteller die Stadt als stilvolles Setting für Produktevents wählen. Da macht auch die britische Supersportwagenmanufaktur Aston Martin keine Ausnahme, die Ende Februar hier am Rande der Formel 1 Testtage den auf 200 Exemplare limitierten Vantage AMR mit Handschaltung auf den Laufsteg automobiler Eitelkeiten geschickt hat. Ein Fahrzeug – als Serienmodell ebenfalls auf Wunsch mit Handschaltung und neben dem Coupé auch als offene Roadstervariante erhältlich, deren Verdeck sich rekordverdächtig schnell in unter 7 Sekunden öffnet und schließt – das auf der Aston Martin Homepage unter dem Label The perfect Predator, "Das perfekte Raubtier", angepriesen wird. Das schürt ganz schöne Erwartungen. Waren unsere letzten Erfahrungen mit dem ebenso eleganten wie sportlichen DB11 AMR oder dem großartigen Kraftpaket DBS Superleggera Volante trotz 725 PS doch eher zivilisierter Natur.

KULINARIKER Autor Thomas Hauer unterwegs mit dem Aston Martin...
KULINARIKER Autor Thomas Hauer unterwegs mit dem Aston Martin...

 

Da die Engländer trotz PS-Rekorden aber seit jeher typisch britisches Unterstatement kultivieren, war die Atmosphäre vor Ort – auch dank strahlend blauem Himmel und milden 16 Grad – eher wohltuend entspannt als unnötig spannungsgeladen. Doch bevor wir endlich Hand ans Steuer und die ultrastraffe 7-Gang Dogleg-Schaltung legen dürfen, steht natürlich zunächst ein Dinner in einem der Michelin besternten Restaurants der Stadt auf dem Plan. Genauer gesagt im Cinc Sentits im schicken Stadtteil Eixample, das sich auf moderne katalanische Küche spezialisiert hat und dessen Gerichte nach dem Willen von Küchenchef und Inhaber Jordi Artal alle fünf Sinne betören sollen. Deshalb auch der Name Cinc Sentits, katalanisch für Fünf Sinne.

Wie üblich geht in Barcelona normalerweise kaum jemand vor 20.30 Uhr essen – und selbst mit einer Reservierung für halb neun outet man sich noch immer als unzivilisierter Ausländer. Deshalb sind die berüchtigt epischen Menüfolgen der meisten katalanischen Sternebetriebe mitunter eine echte Herausforderung – vor allem wenn man am nächsten Morgen schon wieder zeitig aus den Federn muss. Da macht auch das Cinc Sentits keine Ausnahme – schon Artals "Light Menü" umfasst immerhin 8 Gänge plus diverse Amuse bouche. Aber was hier dann nach und nach in postmodernem Ambiente auf dem Teller landet, lässt alle Befürchtungen schwinden, ja weckt, ganz im Gegenteil, die Lust auf mehr.

Küchenchef Jordi Artal.
Küchenchef Jordi Artal.

 

Fangen wir gleich mit dem Highlight an - einem Teller, der sich locker auf 3-Sterne Niveau bewegt: Rohe, nur in Salz und Seetang gebeizte Garnelen, kombiniert mit einer Ajoblanco, der typisch andalusischen Mandel-Knoblauchsuppe – mal flüssig, mal als geeister Schnee – Mandelkernen, frischen Trauben, Traubengelee und Mikrobasilikum. Wir haben in den letzten Jahren selten ein Gericht probiert, das sich einerseits so komplex präsentiert, gleichzeitig aber so stimmig ist, denn in diesem Gericht treffen alle nur denkbaren Geschmacks- und Sensorikelemente aufeinander, die einen im harmonischen Zusammenspiel einfach nur sprachlos, ja im positivsten Sinne irritiert zurück lassen – ist so etwas eigentlich möglich? Süß, salzig, mild, cremig, kalt, knackig, kräuterig, saftig, intensiv würzig, das Meer, die Erde, die Luft, das Feuer – all das bietet dieser Teller gleichzeitig und doch zu jeder Zeit deutlich getrennt voneinander wahrnehmbar.

Doch keine Angst, nicht alle Gerichte sind so "anstrengend". Artal beherrscht auch die soliden Fundamente der Klassik – das zeigt er z.B. bei der gebratenen Jakobsmuschel mit Iberico Chip und Zwiebelreduktion, oder der gebratenen Gänseleber auf Lauchgemüse mit frischem Schnittlauch. Dazu passen hervorragend der 2012er Tierras de Cair aus Ribera del Duero oder wahlweise auch der weiße Terroja 2015 aus Penedès.

Calamar-Teller...
Calamar-Teller...

 

Doch nun zum Hauptdarsteller unseres Barcelona Trips. Herzstück des neuen Vantage ist der altbekannte 4-Liter-V8-Motor mit Doppelturbolader und 510PS Leistung, der das Fahrzeug in unter 4 Sekunden von 0 auf 100 km/h beschleunigt bei einer beeindruckenden Spitzengeschwindigkeit deutlich jenseits von 300kmh. Durch die Handschaltung ist man als Fahrer außerdem viel unmittelbarer ins Fahrgeschehen einbezogen. Wer zuhause normalerweise mit einem klassischen 4- oder 5-Ganggetriebe unterwegs ist, hat auf Grund der extrem kurzen Schaltwege zunächst allerdings so seine Schwierigkeiten sich in der Gear-Box zurechtzufinden. Vor allem weil der erste Gang links unten liegt. Hat man den Dreh aber erst einmal heraus, macht das Fahren mit dem Vantage zugegebenermaßen deutlich mehr Spass als bei einer Hightech-Automatik, auch wenn die sicher mehr Stadtverkehr-Komfort auf die Straße bringt.

Aber hey, wer kauft eine Aston Martin Vantage schon für die City? Durch die schiere Kraft des Vantage reichen der zweite oder dritte Gang im Grunde sowieso völlig aus. Auch zum Anfahren. Wir bringen den Vantage bei einer Fahrt über die kurvenreichen Bergstraßen hinauf zum Kloster Montserrat jedenfalls trotz aggressiver Fahrweise im Sport+ bzw. Track Mode kein einziges Mal wirklich an seine Grenzen und zurück auf der Autobahn verwandelt sich die Raubkatze dann ganz schnell wieder in einen Stubentiger bzw. ein absolut langstreckentaugliches Komfortfahrzeug. Das beste beider Welten unter einer Haube sozusagen.

Gelegenheit zu einem kurzen Plausch mit Red Bull Pilot Max Verstappen.
Gelegenheit zu einem kurzen Plausch mit Red Bull Pilot Max Verstappen.

 

In Punkto Ästhetik erinnert der neue Vantage übrigens tatsächlich ein wenig an eine Raubkatze kurz vor dem Sprung, deren muskulöse Flanken und breites Heck die Agilität und Dynamik des Fahrzeugs imposant unterstreichen.

Vor dem Rückflug steht dann noch ein kurzer Abstecher zum Circuit de Catalunya auf dem Programm, wo wir ein wenig Formel 1 Luft schnuppern und dem Aston Martin Red Bull Racing Team bei der Vorbereitung auf die anstehende Saison über die Schulter schauen. Können. Dabei haben wir auch Gelegenheit zu einem kurzen Plausch mit Red Bull Pilot Max Verstappen. Privat fährt der übrigens einen DBS Superleggera – was sonst.

Weitere Infos: www.astonmartin.com und www.cincsentits.com 

Hoteltipps: Mandarin Oriental Barcelona ( www.mandarinoriental.com/barcelona ) inkl. 2*-Sterne Restaurant von Carme Ruscalleda und Raül Balam und das von Ritz-Carlton gemanagte Hotel Arts ( www.arts-barcelona-hotel.grandluxuryhotels.com/en ) mit der ebenfalls mit 2 Sternen gekrönten Enoteca Paco Pérez.

 

Impressionen:

Fotos: Imágen cedida por Neolith. Proyecto en colaboración con @escape_and_co, Thomas Hauer, Aston Martin

Submit to DiggSubmit to FacebookSubmit to Google PlusSubmit to TwitterSubmit to LinkedIn
Zuletzt bearbeitet am 27/05/2020

Artikel weiterempfehlen und/oder drucken (auch PDF):

Autor

Thomas Hauer

Letzte News

Letzte Artikel

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.