Wieder wunderschöne Korallenriffe auf den Malediven

Bereits seit dem Beginn der 1970er Jahre galten die Malediven mit ihren herrlichen Korallenriffen als ein wahres Paradies für Taucher. "Wie aus heiterem Himmel dann im Jahr 1998 die Zäsur durch El Niño", so Harald Mielke, Biologe, Tauchexperte, Journalist und Chefredakteur des Magazins "Aquanaut"...

Seit dem Beginn der 1980er Jahre ist Harald Mielke weltweit unterwegs, um Länder für seine Live Dia Shows zu dokumentieren (www.neu.naturbildarchiv.com), die er seither in ungezählten Vortragssälen präsentiert. Insbesondere nutzt er seine Reisen auch dazu, um alle Weltmeere mit seinen Unterwasserkameras auf Bild zu bannen.

Nach diesem El Niño Phänomen besuchten Sie die Malediven. Was waren Ihre Beobachtungen Ende der 90er?

Statt der von früheren Reisen her bekannten Farben- und Artenvielfalt herrschte nun unter Wasser Trostlosigkeit vor. Im Anschluss an die Korallenbleiche hatten Wellen und Gezeiten die einstigen Riffstrukturen zerschlagen, und von bräunlichen Algen überzogene Schutthalden beherrschten das Bild. Lediglich einzelne schnellwachsende Weichkorallen und ein deutlich reduziertes Fischspektrum brachten noch etwas Farbe in die Unterwasserwelt. Auch die einstmaligen guten Sichtweiten waren auf Baggersee-Niveau reduziert - kein Wunder ob der allgegenwärtigen Algenschwebeteilchen.

Wunderschöne Korallen- und Fisch-Welt...
Wunderschöne Korallen- und Fisch-Welt...

 

Sie kommen gerade erneut von einer Malediven-Reise zurück. Wie haben sich die Tauchplätze rund um das besuchte Lily Beach Resort und Spa im Süd Ari Atoll entwickelt?

Just diese Tauchplätze hatte ich auch im Jahr 2003 kennengelernt, und ich war mehr als nur baff erstaunt, wie sehr sich die Riffe hier regeneriert hatten. Die Natur hatte offensichtlich kein Interesse sich sang- und klanglos dem Untergang weihen zu lassen. Mit Urkraft scheint sich die Schöpfung der unwiederbringlichen Zerstörung hier entgegen zu stemmen. Bunte vitale Korallen mit einer Größe von +- 20 Zentimetern bestimmen heute das Bild – eine Größenordnung, wie sie in knapp 20 Jahren wohl gewachsen ist. Auch das einst dominierende triste Bild des grünlich-braunen Algen-Überzugs hat sich wieder verabschiedet.

Ein Tauchplatz vor Lily Beach ist Ihnen besonders in Erinnerung geblieben: Vilamendhoo Thila nur 15 Fahrminuten entfernt. Bitte schildern Sie kurz Ihre Erlebnisse...

Trotz der geringen Tauchtiefe von lediglich 10 Metern geriet ich vollkommen ins Schwärmen. Das Korallenriff mit seinem Steilhang und seinen Überhängen präsentierte sich vollkommen gesund mit diversen Schwämmen, wunderschönen Hornkorallen und einer Vielzahl an kleinen und größeren Rifffischen. Ständig waren wir von Schulen von Fledermausfischen, Füsilieren und weiteren Arten umgeben. Besonders spektakulär empfand ich die ständigen Kontakte mit den majestätischen Adlerrochen, die uns hier während des gesamten Tauchgangs immer wieder begegneten.

Schildkröten hautnah erleben...
Schildkröten hautnah erleben...


Sie berichten von Ihrem Kontakt mit Adlerrochen. Hatten Sie weitere Großfischbegegnungen?

Für einen Tagesausflug durchquerten wir das Atoll mit dem Taucher-Dhoni, dem traditionellen Schiff der Malediven, um auf der gegenüber liegenden Atoll-Seite der Putzerfisch-Station Madi Faru einen Besuch abzustatten. Hier hatten wir die unvergessliche Gelegenheit, einen gesamten Tauchgang zusammen mit vier Manta-Riesenrochen verbringen zu dürfen.

Diese mächtigen "fliegenden Teppiche" lassen sich an den Putzerstationen von winzigen Fischen Parasiten aus der Haut picken, wobei sie sich auch von uns anwesenden Tauchern nicht aus der Ruhe bringen ließen. Im Gegenteil, ich hatte den Eindruck, dass zumindest eines der Tiere regelrecht den Kontakt zu mir suchte. Immer wieder schwamm der Manta nur Zentimeter entfernt an mir vorbei – im letzten Moment erst seine Flossen einziehend. Wenn solch ein knapp Vier-Meter-Gigant über einen hinweg zieht, dann ist das eines der größten Highlights, von dem Taucher zeitlebens träumen.

Harald Mielke: Erlebnisse mit Großfischen wie Adlerrochen und Mantas erfolgen immer häufiger.
Harald Mielke: Erlebnisse mit Großfischen wie Adlerrochen und Mantas erfolgen immer häufiger.

 

Grundsätzlich muss man sagen, dass die Erlebnisse mit Großfischen wie Adlerrochen und Mantas in den zurückliegenden Jahren auf den Malediven immer häufiger werden. Nach der Korallenbleiche hatten die maledivischen Behörden den Fang dieser Tiere – vor allem auch der Haie – mit strengen Strafen belegt - von der simplen Überlegung ausgehend, dass ein getöteter Hai vielleicht einen Wert von 50 US $ darstellt, ein lebendes Tier, das zahlungskräftige Sporttaucher aus aller Welt immer wieder anlockt, hingegen einen Wert von mehreren 1000 US $ bedeutet.

An dieser Stelle gebührt dem ehemaligen maledivischen Präsidenten Mohamed Nasheed ein besonderes Lob, der durch seine nachhaltig-ökologische Einstellung während seiner Amtszeit von 2008 bis 2012 viel Gutes für die Natur der Malediven bewirkt hat. Unvergesslich bleibt seine erste Kabinettssitzung in Erinnerung, auf der alle Minister vor laufenden internationalen Kameras mit Tauchausrüstung im Korallenriff Platz genommen hatten. Erst im vergangenen Jahr konnte seine Partei bei den Parlamentswahlen einen neuen Erdrutschsieg erzielen. Ihm zolle ich tiefsten Respekt und wünsche ihm und seinen Mitstreitern alles erdenklich Gute zum Wohle der Unterwasserwelt der Malediven.

Weitere Informationen unter: https://www.lilybeachmaldives.com/

Fotos: Naturbildarchiv Harald Mielke

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Zuletzt bearbeitet am 08/04/2020

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