Die Grafschaften Roscommon und West-Meath: Herrenhaus Strokestown Park

Wo genau nun befindet sich das Zentrum Irlands? Der Hill of Uisneach, Sitz der mythischen Könige in der Grafschaft West-Meath? Oder im County Roscommon, die Nachbargrafschaft ist eindeutig das geographische Zentrum...

Hier liegt Strokestown, das früher die prosperierende Marktstadt und Handelszentrum zwischen Dublin und Galway war. Beide Grafschaften sind Teil der Midlelands (der zentralirischen Ebene). Das gälische Königreich Meath nahmen im Mittelalter die Anglo-Normann ein, König Heinrich II von England übergab das fruchtbare Land erst dem Lacy- und dann dem Verdun-Clan als Lehen. 1543 wurde West-Meath eine eigenständige Grafschaft. Bis zur großen irischen Hungersnot (1845-49) erlebte die Region erheblichen Bevölkerungszuwachs, danach sank die Einwohnerzahl dramatisch und stabilisierte sich erst ab Mitte des 20. Jhs.

Im hochherrschaftlichen Landsitz Strokestown Park aus dem 18. Jh. inmitten weitläufiger Gärten ist das Irish National Famine Museum untergebracht, das die Geschichte und Folgen der Großen Hungersnot präsentiert und aufarbeitet. Es ist ein idealer Ort für das Museum. Besitzer des Herrenhauses von Ende des 17. Jhs. bis 1979 war die Familie Pakenham Mahon, die über militärische Dienste und politisches Wohlverhalten gegenüber dem englischen Königshaus zahlreiche Ländereien erhielt und in den Adel aufstieg.

Bei der Besichtigungstour durch das große Anwesen mit Speisesalon und Bibliothek - im Originalmobiliar - beeindruckt vor allem die riesige Gutsküche. Es ist die einzige Adelsküche aus Georgianischer Zeit, die in dieser Form erhalten ist. Die Herrin des Hauses pflegte den Köchen ihre Anweisungen oben von der Empore aus, dem langen in der Küche eingezogenen Gang, zu geben. Selbstverständlich diente er auch zur Überwachung der Küchenarbeit. Aufschlussreich für das Verständnis der Hierarchie Herr und Knecht ist auch der Dienstbotentunnel, der gebaut wurde um das Personal möglichst unsichtbar zu machen, denn seine Präsenz tangierte den schönen Blick auf die Vorderseite des Herrenhauses erheblich. Major Denis Mahon erbte Strokestown Park 1845, kurz zuvor brach die verheerende Kartoffelfäule aus, die zu Hunger, Krankheit, Migration und Tod von 2 Millionen Iren führte.

Park-Idylle...
Park-Idylle...

 

Auch in den härtesten Hungerjahren exportierte Irland weiterhin Getreide und andere Lebensmittel in großem Umfang nach England. Im Speisesalon der Mohan dinierte die Familie wie immer Lachs und Lobster. Bis 1847 vertrieb der Major wie andere Landlords hunderte Kleinpächter von seinen Ländereien. Da die transatlantischen Schiffspassagen unter Deck billiger waren, als die Kosten einschließlich der Beerdigung mittelloser Landarbeiter und ihrer Familien, erzwang Denis Mahon ihre Teilnahme am Migrationsprogramm nach Kanada. Viele starben auf dem Weg zu Fuß zum Hafen. Auf den 6 bis 8-wöchigen Fahrten unter miserablen Bedingungen war die Sterberate sehr hoch.

Im November 1847 wurde der Major in Strokestown Park auf dem Nachhauseweg von einer Ratssitzung des County Roscommon erschossen. Es war die erste Vergeltungstat, die an einem Landadligen in dieser Periode verübt wurde. 1994 öffnete das Irish National Famine Museum im Nebengebäude des restaurierten Landsitzes Strokestown Park, der 1979 in die Hände der privaten Stiftung Westward Group überging. Originaldokumente, Fotos und Artefakte, vieles aus dem gut bestückten Stadtarchiv von Strokestown geben Aufschluss über die Hungersnot bei der ein Viertel der Bevölkerung Irlands starb oder emigrierte.

Leben und Arbeit der Landarbeiter und ihrer Familien, die unter schlimmsten Bedingungen, ohne Heizung, in Arbeitshäusern untergebracht waren, wird anschaulich vorgeführt. Diese sogenannten Arbeitshäuser waren in der Regel gefängnisartige Institutionen. Auch die Pistole mit der Denis Mahon erschossen wurde ist ausgestellt. Es bleibt aber nicht bei Dokumentieren und Erinnern: Im letzten Raum des Museums wird das historische Thema Hunger mit unserer Gegenwart in Verbindung gebracht. Die Ausstellung zieht Parallelen, führt vor, dass sich heutige Ursachen des Hungers und der Umgang mit von Armut, Hunger und Krankheit Betroffenen in Zeiten der Globalisierung, in vielen Punkten mit denen des irischen Hungers überschneiden.

Im Strokestown House...
Im Strokestown House...

 

Im Giftshop des Museums finden sich eine Auswahl klassischer und aktueller Bücher zum Thema sowie ein informativen, schön bebilderten Strokestown House & Garden Führer (5,50€). Einladend ist die wunderbar restaurierte Georgianische von Steinwällen geschützte Gartenanlage. Auf der Fläche von 2,4 ha erstrecken sich mit Obst-, Kräuter und Gemüsegärten, ein Lustgarten, der Viktorianische Farn- und Steingarten, eine Pergola zudem gibt ein Sommerhaus und den Gazebo Turm, der der Mahon Familie als Teehaus diente. Strokestown Park wartet mit einem sehr guten Restaurant auf, dessen große Speisekarte alle Wünsche erfüllt.

Information:
Irland Information/Tourism Ireland, Gutleutstr. 32, 60329 Frankfurt/Main, Tel. 069 923 18 50, www.ireland.com/de-de/
Ireland`s Ancient East: www.irelandsancienteast.com

Übernachten/Essen und Trinken:
Castlepollard Hotel (mit Pub), The Square, Castlepollard Village, County Westmeath, Tel. + 353 44 966 1194, This email address is being protected from spambots. You need JavaScript enabled to view it.

Sehenswertes:
Strokestown Park und Museum, Strokestown, County Roscommon, Tel. + 35371 963 3013, www.strokestownpark.ie , This email address is being protected from spambots. You need JavaScript enabled to view it.
Tullynally Castle & Gardens (Schloss Tullynally & Gärten), Tea-Room, Castlepollard, County Westmeath, www.tullynallycastle.ie
Fore Abbey, (Besichtigung der Anlage 24 Stunden möglich) www.mehalithicireland.com/Fore.htm
Hill of Uisneach - Geführte Tour, Tel. + 353 87 9803751, www.uisneach.ie , This email address is being protected from spambots. You need JavaScript enabled to view it.

Fotos: Jürgen Sorges

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