Göta-Kanalreise: Die schönste Schiffstour der Welt

Zahlreiche kleine Inseln ragen aus dem Schärengarten vor den Toren Stockholms. Einige bestehen aus blank polierten Felsen, andere sind dicht bewaldet…

Romantische Holzhäuser mit Stegen, an denen hübsche Boote liegen, zieren die Küste mit ihren verträumten Buchten. Bei deren Anblick flammt jedes Mal von Neuem der Gedanke auf, gerade diese seien der schönste Platz der Welt, bis nur wenige Minuten später ein neues Kleinod auftaucht. Mit stiller Begeisterung saugen die 39 Passagiere der Juno, dem ältesten registrierten Passagierschiff der Welt mit Übernachtungsmöglichkeiten, die vorbeigleitende Landschaft auf. Die liebenswerte, robuste Lady, die 1874 gebaut wurde, steht unter Denkmalschutz.

Bei der klassischen Kanalreise auf einer der schönsten Wasserstraßen weltweit werden die Gäste auf eine ganz besonders charmante Zeitreise mitgenommen. Den viertägigen exquisiten Genuss für die Augen, von dem man keinen einzigen missen möchte, haben auf der Juno schon Henrik Ibsen und Hans Christian Andersen erlebt.

Wenn eines der historischen Boote, die zur Flotte der Götakanal-Reederei gehören, zwischen Stockholm und Göteborg kreuzt, winken die Menschen an den Ufern den Reisenden freudig zu. Manchmal begrüßen sie die Gäste singend und musizierend, tauschen sogar Gastgeschenke, wie Blumen oder Früchte aus.

Entschleunigung: der Göta-Kanal...
Entschleunigung: der Göta-Kanal...

 

Schönste Wasserstraße der Welt

Wie ein blaues Band windet sich eine der schönsten Wasserstraßen der Welt durch Südschweden. Während der Fahrt, die von landschaftlichen Schönheiten geprägt ist, wird Informatives zur Geschichte des Kanals vermittelt.

Zusammen mit dem Trollhätte Kanal und dem Göta älv bildet der Göta-Kanal eine 390 Kilomater lange Wasserstraße. Der Kanal gilt als schwedisches Bauwerk des Jahrtausends. Er wurde zwischen 1810 und 1832, zu einem großen Teil von 58.000 Soldaten gebaut, die nur mit Schaufeln und Spaten ausgerüstet waren.

Kapitän Peter Harrysson muss das Schiff zentimetergenau durch zahlreiche mitunter sehr engen Schleusen manövrieren, denn die schwedische Hauptstadt und Göteborg trennen 92 Meter Höhenunterschied und 66 Schleusen, die nur mit meisterlicher Beherrschung des Schiffes zu meistern sind. Zusammen mit seinem freundlichen und engagierten Team sorgt er für eine ruhige und sichere Fahrt, die immer neue Ausblicke und Erlebnisse bereit hält.

Schleusen - Schleusen - Schleusen...
Schleusen - Schleusen - Schleusen...

 

Selbst die Mannschaft kann sich nicht sattsehen an der Bilderbuchidylle mit schmucken Orten, Häusern und einem pittoresken Landschaftsbild. Schon 30 Minuten nach der Abfahrt ist die erste Schleuse in Sicht. Anschließend führt die Reise über den Mälarsee an dessen Ufer sich Schloss Drottningholm aus dem 17. Jahrhundert, der Wohnsitz des Königspaares, befindet. Weiter geht es durch die südlichen Stockholmer Schärengärten, vorbei an zahlreichen Sommerhäuschen, die auf kleinen Felseninseln thronen, bis zum malerischen Städtchen Trosa, das erstmals im 14. Jahrhundert erwähnt wurde. Als ab den 1860er Jahren regelmäßig Dampfer mit Sommergästen aus Stockholm in dem Fischerort anlegten, entwickelte sich Trosa zu einem schmucken Badeort.

Zu weiteren Höhepunkten gehören das Kanalmuseum und die beeindruckende Schleusentreppe von Trollhättan mit einer Fallhöhe von 32 Metern. Forsvik, die älteste Schleuse des Kanals von 1813, ist ebenfalls ein außerordentliches Erlebnis. Sehenswert ist auch die kleinste Fähre "Lina" in Töreboda nur für Fußgänger und Radfahrer. Mit ihr dauert eine Überfahrt nur 20 bis 25 Sekunden und wird mit einem Seil im Handbetrieb manchmal von den Mitfahrern selbst hin und her gezogen. Am Ufer des Roxensees wartet die Schleusentreppe der kleinen Siedlung Berg, die größte Touristenattraktion am Götakanal. Ein Teil dieser Anlage ist die siebenstufige Carl Johans Schleusentreppe und gilt als längste des Kanals.

Die wunderschöne Landschaft am Göta-Kanal...
Die wunderschöne Landschaft am Göta-Kanal...

 

Einheimische und Urlauber sitzen auf den Wiesen und schauen gespannt zu, wie die Schiffe in sieben hintereinander liegenden Schleusen einen Höhenunterschied von 18,80 Meter überwinden.

Wassermassen rauschen in die Schleusen

Das eindrucksvolle Schauspiel, wie das Schiff Schleuse um Schleuse immer etwas höher gehoben wird, beobachten Touristen wie Einheimische gleichermaßen. Die imposanten Schleusen von Berg befinden sich nördlich der Stadt Linköping. Hier besteht das Schleusensystem mit einer Verbindung zum See Roxen aus insgesamt 15 Schleusen. Zusammen werden die Schleusen von Berg „die grosse Erhöhung“ genannt, da die Schiffe hier insgesamt 28,8 Meter gehoben oder gesenkt werden.

Passagiere können während des Schleusenmanövers aussteigen und zu Fuß die Höhenmeter überwinden. Gesäumt von Streuobstwiesen und wildem Wein an roten Holzhäusern, lohnt auch die Klosterruine Vreta eine Besichtigung. Das erste Nonnenkloster Schwedens wurde um 1100 gebaut. Die Kirche gehört zu den interessantesten in Schweden und beherbergt zahlreiche mittelalterliche Kleinodien.

...und zwischendurch eine kleine Pause...
...und zwischendurch eine kleine Pause...

 

Mit einer Länge von 135 Kilometern und einer Breite von 31 Kilometern ist Vättern der zweitgrößte See Schwedens. Er befindet sich 89 Meter über dem Meeresspiegel, ist ungewöhnlich tief und verfügt über sehr klares Wasser.

An der westlichen Küste des Sees Vättern erfolgt der nächste Landgang bei der Festung von Karlsborg, die 1819 bis 1909 nach der Initiative Baltzar von Platens erbaut wurde. Ursprünglich sollte die Festung im Kriegsfall als Reservehauptstadt des Landes dienen. Hierhin sollten die königliche Familie, die Regierung und der Reichstag sowie Goldreserven und Kronjuwelen in Sicherheit gebracht werden. Geradezu magisch wirkt das Ufer neben dem Spetnäskanal, der engsten Passage der Route.

Kleine verwunschene Seerosenteiche, üppige Wälder säumen den Weg des schwedischen Amazonas, bevor es auf den See Viken geht, dessen ursprüngliche Kanalbegrenzung nur noch aus Mauerresten besteht, die teilweise unter der Wasseroberfläche liegen. Hier wird von der Brücke der Juno Millimeterarbeit verlangt. "Es ist einfach fantastisch. Für mich die schönste Passage während der Kanalreise", schwärmt trotz erhöhter Konzentration Kapitän Peter Harrysson.

Kapitän Peter Harrysson.
Kapitän Peter Harrysson.

 

Schon bald verändert sich das Relief, als hätte ein Maler für sein Gemälde des Meeres seine Palette mit sämtlichen Farbtönen von weiß bis mittelblau versehen. Das Licht leuchtet über dem See Vänern. Er ist der größte See Schwedens und drittgrößte See Europas. Bei Sonnenaufgang glitzert die Wasseroberfläche im zarten Dunst - wie bei einem offenen Meer.

Auf alten Postkarten steht das Menü

Wie herrlich der Genuss für die Augen ist, so wunderbar unterstützen die kulinarischen Erlebnisse die fantastischen Momente auf der Kanalreise. Historische Postkarten dienen als Speisekarten. Küchenchef Thomas Edlund gehört seit fünf Jahren zum Mannschaftsteam der Juno. Unterstützt wird der Koch aus Leidenschaft von Helen Enblom. Wenn Stuart Jonas oder seine Tochter Olivia den alten Messing-Gong ertönen lassen, ist die Mahlzeit angerichtet.

Gekocht wird selbstverständlich immer frisch. Auf dem Speiseplan stehen landestypische, klassische Gerichte. Neben Kalbsbrust mit Speiseweizen oder erlenholzgeräuchertem Hirschbraten auf Fladenbrot mit Moosbeeren, Köttbullar, Fischsuppe mit Garnelen oder Tartar mit roten Beeren, Ziegenfrischkäse, honigkandierten Kräutersprossen und Knusperbuchweizen gehört auch Hering und Käse auf Schiffsweise, das heißt inklusive Trinklied und Schnaps zu den Delikatessen. "Meine Lieblingsspeise ist die gepökelte und mit Thymian gebackene Speckseite an Kohl, Apfelsauce und weißem Wurzelgemüse", verrät der erfahrene Experte Thomas Edlund seinen Favoriten der abwechslungsreichen Menüs.

Sorgt für Abwechslung auf dem Teller: Thomas Edlund.
Sorgt für Abwechslung auf dem Teller: Thomas Edlund.

 

Eine letzte Nacht ist angebrochen. Die warmen Lichter der Häuser am Horizont spiegeln sich auf der Wasseroberfläche. Eine zauberhafte Insellandschaft leuchtet im Abendrot. Es wird gar nicht richtig dunkel. Nur die schwarzen Silhouetten der Baumspitzen sowie die Leuchtfeuer in der Ferne sind zu erkennen. Es ist unglaublich schön.

Hotel-Tipp:
Das Frist Hotel Reisen ist ein charmantes Boutique-Hotel. Es befindet sich in der Altstadt, nur 150 vom Königspalast entfernt und direkt gegenüber von der Anlegestelle der Juno. First Hotel Reisen, https://www.firsthotels.com/hotels/sweden/stockholm/first-hotel-reisen.

Informationen:
Eine Reise auf dem Göta Kanal in Schweden, "Classic Canal Cruise", https://www.gotakanal.se

 

Impressionen:

Fotos: Carola Faber

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Zuletzt bearbeitet am 27/01/2020

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Autor

Carola Faber

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