Poznań – Polens heimliche Metropole boomt (Teil 3)

Natürlich muss man um 12 Uhr mittags am Rathaus auf dem Alten Markt sein, dessen Wiederaufbau nach dem 2. Weltkrieg sich eher am 18. Als am 19. Jh. orientierte. Vor dem herrlichen alten Rathausbau stauen sich täglich Hunderte, um das Spektakel der Ziegenböcke über dem Uhrwerk zu bewundern...

Diese einmalige Touristenattraktion verdankt ihr Entstehen einer durchaus kulinarischen Legende: So soll einem Koch des Rathauses, der gerade für den Woiwoden und Honoratioren ein festliches Mahl zubereitete, ein Hirschbraten verbrannt sein. Flugs stahl er zwei nahebei auf einer Wiese grasende Ziegen, um so das Dinner doch noch zu retten. Doch die zwei entkamen auf Rathausdach und –turm, wo sie die Aufmerksamkeit aller erregten, als sie mit ihren Hörnern aufeinander losgingen.

Während vor dem Alten Rathaus der einstige mittelalterliche Pranger für Aufsehen erregt und linkerhand die Häuserzeile mit schmaler Front und wenig Fenstern an die alte städtische Fenstersteuer erinnert, sorgt hinter dem Rathaus und vor dem Restaurant "Bamberka" die Bronzestatue der "Bamberka" für Aufmerksamkeit. Die zwei Wassereimer schleppende "Bambergerin" in Traditionstracht erinnert an jene ab dem Ende des Nordischen Krieges (um 1720) aus Bamberg und Umgebung nach Posen zugezogenen katholischen Einwanderer, die sich perfekt ins Leben im Posener Land integrierten und an die man sich bis heute erinnert.

Nationalmuseum ein Muss

Das Nationalmuseum ist nicht nur aufgrund seiner wunderbaren Sammlung von moderne Kunst und der breiten Präsentation der Geschichte der polnischen Kunst ein absolutes Muss. Zu einem Großteil basieren die historischen Gemälde auf der einstigen Sammlung des Fürsten Raczynski, der wie seine Brüder und Familie auch auf einigen Portraitgemälden präsent ist. Bemerkenswert ist z. B. ein Werk von Canaletto (1721 – 1780), das 1776 entstanden Großgemälde "Die Königswahl von Stanislaw August 1764".

Hier hängt seien erste Version, die zweite ist in Warschau zu sehen. Eine wirkliche Entdeckung ist indes die italienische Spätrenaissance-Malerin Sofonisba Anguissola (geb. 1532/33 in Cremona, gest. 1625 in Palermo). Ihr Ölgemälde (72 x 97 cm) "Ein Schachspiel" aus der Raczynski-Sammlung beweist, dass es durchaus hochangesehene Malerinnen auch in jener frühen Zeit gab. Bedeutend ist dann die Sammlung polnischer Kunst des 20. Jh. Ein absoluter Hingucker ist dann das Werk "A numbered Painting 35328 – 57052", das Roman Opalka (1923 – 2011) 1965 schuf: Eine herrliche Augentäuschung, gelungen durch die Endlosabfolge schwarzer Zahlen auf rotem Grund.

Kunst im Nationalmuseum.
Kunst im Nationalmuseum.

 

Bo.Poznań

Posen ist durch wunderbar gestaltete Informationsbroschüren mit großartigen Tourenvorschlägen bestens auf Gäste vorbereitet. So zeigt die Route der Könige und Kaiser auch, dass ab Mitte des 19. Jh.s ein reger Wettbewerb zwischen den nationalen Gedanken hoch haltenden Polen und deutschen, kaisertreuen Bürgern entfacht war. Baute die eine Seite ein Theater oder eine Bibliothek, zog die andere prompt mit einem eigenen Bau nach. Bemerkenswert war dabei, dass es häufig dazu kam, dass deutsche Handwerker und Künstler für polnische Auftraggeber, ebenso viele polnische für deutsche tätig waren. Da gab es kaum Probleme. Bemerkenswert war dies auch beim Bau des kaiserlichen Residenzschlosses 1905 bis 1910 von Franz Heinrich Schwechten, das im Zentrum eines neu erbauten, dem Kaiserreich huldigenden Stadtviertels errichtet wurde.

Ideal vor der Visite dieses Kaiserlichen oder Kaiserschlosses, das heute als Kulturzentrum genutzt wird und dessen historischer Teil nun für zwei Jahre wegen Renovierung geschlossen sein wird, ist das kleine Kellerrestaurant "Bo.Poznań" an der Kościuszki-Straße, in direkter Nachbarschaft. Seit 2016 geöffnet, hat es sich als veritable Guten-Morgen-Adresse etabliert: Das opulente Frühstück samt Black Pudding schlägt mit 19 Zloty zu Buche. Granola und Joghurt kosten 10 Zloty. Perfekt ist das "Bo" zum Lunch: Z. B. ist das Tartar mit roter Bete, Ziegenkäse und Qinoa (20 Zloty) sehr lecker. Auch Roastbeef mit Kartoffelpüree und Salat sowie das Green Curry sind top (je 39 Zloty). Und die Atmosphäre ist heimelig: "You are the butter to my bread", ist da auf einem Kissen zu lesen.

Fassadenschmuck

Anschließend tritt man gleich gegenüber dem "Bo" durch das Tor in den schön gestalteten Schlosspark mit Denkmal für die Opfer des Massakers von Katyn und dem aus der Alhambra im spanischen Granada abgeschauten Löwenbrunnen. Der wohl eher wenig vom Kaiserreich begeisterte Künstler applizierte einem der Brunnenlöwen indes eine ausgestreckte Zunge ins Maul. Wegen Majestätsbeleidung zur Rede gestellt, konnte er sich aber aus der Gefahr winden, indem er darauf verwies, diese Zunge zeige nur eine Himmelsrichtung, den Norden an.

Geht man einmal um den Bau zum Haupteingang an der Ulica Sw. Marcin (St-Martin-Straße), entdeckt man sogar märchenhaften Fassadenschmuck: Da begegnen sich fast wie eine Prophezeiung auf späteres größtes Unheil "Rotkäppchen und der böse Wolf". Auf der gegenüber liegenden Schlossseite sollen auch "Hänsel und Gretel" prangen.

Löwenbrunnen.
Löwenbrunnen.

 

Ethnoport Festival

Natürlich kann man in Posen auch auf den Spuren des jüdischen Erbes in der Stadt wandeln. Oder der Biographie von Lili Palmer und anderer berühmter Stadtpersönlichkeiten nachspüren. Schließlich gehören auch die vom deutschen NS-Regime verursachten Gräueltaten zur Stadthistorie, die sich vor allem im alten preußischen Fort VII (20.000 Ermordete) und in zahlreichen Konzentrations-, Arbeits- und Kriegsgefangenenlagern rund um Poznań zutrugen.

Aber die Stadt gibt natürlich auch viel Anlass, sich mit weit positiveren Aspekten seiner Historie, auch seinem bemerkenswerten Kultur- und Universitätsleben oder seiner Event-Kultur zu widmen. Da sticht z. B. das vom Kulturzentrum im Kaiserschloss organisierte Ethnoport Festival hervor, das jährlich im Juni 12.000 Fans anzieht. Ohne jeden Zweifel ist Polens heimliche Hauptstadt, weltoffen, europaorientiert und boomend, allererste Adresse auf der internationalen touristischen Landkarte 2019.

 

Information:
Polnisches Fremdenverkehrsamt, Hohenzollerndamm 151, 14199 Berlin, Tel. 030 210 09 20, This email address is being protected from spambots. You need JavaScript enabled to view it., www.polen.travel
Tourismusinformation Poznań (Posen), Stary Rynek (Alter Markt) 59/60, 61-772 Poznań, Tel. +48 61 852 61 56, This email address is being protected from spambots. You need JavaScript enabled to view it., www.poznan.travel ;
Öffnungszeiten: Mo – Sa 9.30 – 18.00, So 9.30 – 17.00 Uhr

Weitere städtische Tourismusinformationsbüros:
Dworzec Główny PKP (Hauptbahnhof), ul. Dworcowa 2, 60-801 Poznań, Tel. +48 61 633 10 16, This email address is being protected from spambots. You need JavaScript enabled to view it., www.poznan.travel ; Öffnungszeiten: tgl. 9.00 – 17.00 Uhr
Port Lotniczy Poznań-Ławica im. Henryka Wieniawskiego (Ławica Airport), ul. Bukowska 285, 60-189 Poznań, Tel. + 48 61 849 21 40, This email address is being protected from spambots. You need JavaScript enabled to view it., www.poznan.travel ; Öffnungszeiten: Mo, Do, Fr 10.00 – 18.00, Di, Mi 9.00 – 18.00, Sa, So 10.00 – 17.00 Uhr

Übernachten:
Novotel Poznań Centrum Hotel, Plac Andersa 1, 61-898 Poznań, Tel. +48 61 858 70 00, This email address is being protected from spambots. You need JavaScript enabled to view it., www.accorhotels.com/de/hotel-3376-novotel-poznan-centrum/index.shtml

Essen:
Rest. Bo.Poznan, Kościuszki 84, Posen, Tel. +48 61 226 78 65, https://de-de.facebook.com/Bo.Poznan/
Öffnungszeiten: Mo – Fr 8.00 – 19.30, Sa 9.30 – 19.30, So 9.30 – 18.30 Uhr

Attraktionen:
Muzeum Narodowe w Poznaniu (Nationalmuseum in Poznań), Aleje Marcinkowskiego 9, 61-745 Poznań, Tel. +48 61 856 80 00, This email address is being protected from spambots. You need JavaScript enabled to view it., www.mnp.art.pl ;
Öffnungszeiten: Di – Do 9.00 – 15.00 (16.6. – 15.9. 11.00 – 17.00 Uhr), Fr 12.00 – 21.00 Uhr, Sa, So 11.00 – 18.00 Uhr
Zamek Poznań (Kulturzentrum im "Kaiserlichen"-Schloss Poznań/Posen), ul. Św. Marcin 80/82, 61-809 Poznań, Tickets Tel. +48 61 646 52 60 (tgl. 10.00 – 19.00 Uhr), Information Desk Tel. +48 61 646 52 72 (Di – So 12.00 – 20.00 Uhr); This email address is being protected from spambots. You need JavaScript enabled to view it., This email address is being protected from spambots. You need JavaScript enabled to view it., www.zamek.poznan.pl , www.ckzamek.pl/ 

Fotos: Jürgen Sorges

Submit to DiggSubmit to FacebookSubmit to Google PlusSubmit to TwitterSubmit to LinkedIn
Zuletzt bearbeitet am 01/10/2019

Artikel weiterempfehlen und/oder drucken (auch PDF):

Letzte News

Letzte Artikel

Genuss-Newsletter abonnieren?

Mit der Anmeldung zu unserem Newsletter erklären Sie sich mit unseren Nutzungsbedingungen (s.l.) einverstanden. Eine Bestätigungsmail mit einem Aktivierungslink wird nach der Anmeldung an die angegebene Mailadresse versendet. __________________________
Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.