Belmond Venice Simplon Orient Express

Der legendäre Orient-Express aus den 20er Jahren verbindet die schönsten Landschaften Europas und lässt Träume wahr werden.

Ja, es wird dringend Zeit, einmal eine Lanze für Europa zu brechen! Der Kontinent gehört zum Schönsten, das die Welt zu bieten hat. In nur zwei Tagen und einer Nacht verbindet der historische Zug gleich eine Reihe von Ländern auf einmal und führt von London über Paris, Basel, Lugano und Verona bis nach Venedig. Für all jene, die sich etwas Zeit nehmen können, geht ein Traum in Erfüllung, einmal an Bord dieses historischen Reliktes aus den roaring twenties zu sein.

Seit den späten 1880er Jahren bereist der berühmte Zug das Herz Europas, aber erst seit den 20er Jahren des vergangenen Jahrhunderts führt der im art déco Stil ausgestattete Zug seine aktuellen Wagons und fuhr sich seitdem langsam in den Rang einer Legende. Agatha Christie machte ihn unsterblich mit ihrem berühmten Kriminalroman "Mord im Orient-Express" (1934) und dem belgischen (nicht französischen!) Meisterdetektiv Hercule Poirot. Aber auch echte Promis ihrer Zeit wie die sagenumwobene Spionin Mata Hari reisten mit dem Zug regelmäßig und sorgten immer wieder für Schlagzeilen.

Dabei handelt es sich mit dem Beginn der Reise in London streng genommen noch gar nicht um den eigentlichen Zug des Orient Express. In luxuriösen britischen Pullmann Wagons, alle mit schweren Sesseln wie aus Omas besten Zeiten ausgestattet, geht die Reise ab Victoria Station bei einem leichten Lunch über zweieinhalb Stunden durch die Grafschaft Kent mit ihren fast immergrünen Wiesen nach Folkestone an der Küste im Süden Englands. Dort wartet der Bus und ab geht es durch den Eurotunnel unter dem Ärmelkanal hindurch weiter nach Calais auf den Kontinent. Hier in Frankreich wartet der originale Orient-Express, jenes blau-goldene Wunder mit seinen bis zu 17 Wagons, das den Gast fortan über die Schweiz (und je nach Route auch Österreich) bis nach Italien führen wird.

Mit dem Belmond Venice Simplon Orient Express durch eine wunderschöne Landschaft.
Mit dem Belmond Venice Simplon Orient Express durch eine wunderschöne Landschaft.

 

Die Kabinen sind klein aber prachtvoll. Holzgetäfelte Wände mit schmucken Intarsien lassen staunen und das Sofa fühlt sich an, als säße man auf einem Gobelin. Hoppla, es klopft; in kobaltblauer Montur begrüßt uns Jonathan, der Kabinenstewart, um sich fortan für unser Wohl verantwortlich zu fühlen. Es ist bereits später Nachmittag und durch einen milden Ruck setzt sich der Orient-Express mit dem Ziel der venezianischen Lagune in Bewegung; seit dem Jahr 2017 verfügt der Luxuszug über eine Klimaanlage und ist somit für jedes Wetter bestens gerüstet. Das Personal ist zum größten Teil Italienisch und Französisch. Noch schnell die Frage, zu welcher der beiden Abendessensitzungen man sich entscheiden mag (wir wählten die erste Sitzung um 20h) und schon gilt alle Aufmerksamkeit den vorbeiziehenden Landschaften.

Mit einer Spitzengeschwindigkeit von 140km/h ist in der Nacht, wir widmen uns bereits den Cocktails im Barwagen, Paris erreicht und neue Gäste steigen hinzu. Aber keine Sorge, die durchschnittliche Geschwindigkeit beträgt 72km/h und garantiert eine gemütliche und besinnliche Fahrt. Der Zug führt drei unterschiedliche Restaurantwagen, die sich in Design und Ausstattung unterscheiden, allesamt aber die Prunkstücke des ganzen Zuges sind.

Ein kleines Wunder

Im Barwagen finden vor und nach dem Essen bei live Piano Musik die Reisenden zu einander. Bei Cocktail Mixturen oft aus den 30er Jahren prosten sich die internationalen Gäste zu (wo sonst findet man noch einen Sazerac auf der Karte?), bevor weit nach Mitternacht der Gang zurück in die Kabine ansteht. In der Zwischenzeit hat Jonathan ein kleines Wunder vollbracht, die Kabine ist für die Nacht hergerichtet. Unser kleines Sofa wurde in ein Bett transformiert und auch das obere Doppelstockbett ist nun für die zweite Person hergerichtet. Das sanfte Schaukeln des Zuges wirkt wie eine kleine Wiege und weckt glückliche Erinnerungen der Kindheit, als sich der noch immer wache Geist dann schnell den Träumen hingibt und sich der Zug langsam der Schweizer Grenze nähert.

Luxuriös reisen ist das eine - luxuriös schlafen auf der Reise das andere...
Luxuriös reisen ist das eine - luxuriös schlafen auf der Reise das andere...

 

Der frühe Vogel fängt den Wurm; früh aufzustehen lohnt sich, am Morgen wird die Schweiz passiert. Jonathan bringt das Frühstück auf die Kabine (jeder Wagon hat seinen eigenen Stewart), nicht jedoch, ohne sich am Vorabend freundlich die gewünschte Zeit notiert zu haben. Die Passage der Schweizer Bergseen gehört zu den reizvollsten Landschaften des Kontinents und erst die italienischen Dolomiten künden vom Erreichen der nächsten Grenze gegen Mittag des Tages.

Genießen im Cipriani

Jonathan hat Sorge dafür getragen, dass das Mittagessen in einem anderen der prächtigen Restaurantwagen eingenommen wird als das Dinner am Vorabend. Von Verona bis nach Santa Lucia, dem Bahnhof von Venedig, sind es gut zwei Stunden. Es bleibt noch Zeit, sich in der bordeigenen Boutique mit Andenken für die Lieben zu Hause einzudecken (alle Devotionalien sind auf die reiche Historie des Zuges bezogen) bis die Abreisearrangements getroffen werden.

Der Großteil der Gäste verweilt in der Obhut von Belmond und genießt die letzten Tage im Cipriani, dem eigenen Belmond Hotel vor Ort. Ein Wassertaxi bringt uns vom Bahnhof binnen einer Viertelstunde direkt vor die Tore des Hotels. Das Haus gehört zu den schönsten der Stadt und hat immerhin den größten Hotelpool ganz Italiens. Die Anlage auf der Laguneninsel ist betörend schön, die beiden Restaurants gehören zur Spitzengastronomie. Da der Zug erst gegen 18.25h Venedig erreicht, sollte mindestens eine Übernachtung in der wunderschönen Lagunenstadt eingeplant werden. Besser aber doch gleich zwei oder drei Tage, um den Reiz Venedigs auch wirklich genießen zu können.

Angekommen nach einer kurzweiligen Reise: Venedig.
Angekommen nach einer kurzweiligen Reise: Venedig.

 

Natürlich ist eine Reise mit dem Orient Express nicht mit einem Badeurlaub an der Adria vergleichbar, eine Fahrt mit dem historischsten aller historischen Züge ist und bleibt etwas Besonderes, etwas, das man sich nur einmal im Leben gönnt und auch gönnen sollte. Eine Reise in die Vergangenheit, die Träume und Erinnerungen aus der Kindheit in der Gegenwart Wirklichkeit werden lassen und gerade dadurch unvergesslich bleiben wird. Keine Frage, Europa hat Zu(g)kunft!

Der irische Autor Oscar Wilde formulierte bereits in den Anfangstagen dieses Zuges am 21. Oktober des Jahres 1892 in das Gästebuch eines Freundes: "The true mystery of the world is the visible, not the unvisible!"

Gut möglich, dass er hierbei auch das Wunder des Orient Express im Sinn gehabt haben mag.

Info: www.belmond.com

 

Impressionen:

Fotos: Frank Dieter Sistenich, Belmond

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Zuletzt bearbeitet am 06/08/2019

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