In Edens Gärten: der Iran

Mindestens 5000 Jahre Geschichte, ein weltweit einzigartiges Kulturerbe, Mythos und Magie Persiens. Aber der Iran ist auch, seit nun vier Jahrzehnten, islamische Republik, das Land der Mullahs mit Pflicht zum Kopftuchtragen...

Kann, sollte man dorthin reisen? Die Antwort fällt leicht, da die Zahlen für sich sprechen. Der Iran als Reisedestination boomt, gerade mit Besuchern aus dem deutschsprachigen Raum. Mit PITO (Pars Ivan Tour Operator) hat sich ein in Teheran ansässiger, auf den deutschen Markt spezialisierter Veranstalter etabliert, der mit renommierten Reiseveranstaltern in Deutschland, Österreich und der Schweiz zusammenarbeitet. Ein langjähriger Partner ist z. B. Oriental Tours mit Sitz in Frankfurt/Main, wo man in Kooperation mit PITO den Iran als Schatzkammer des Orients, als Land der Rosen, Paradiesgärten und Nachtigallen und als Land überaus gastfreundlicher Menschen präsentiert. Und auch die persische Literatur kommt dabei nicht zu kurz: z. B. beim "Wellensittich-Orakel” in Shiraz.

Wein, Weib und Gesang, frisch gedruckt und als gereimte Dichterverse! Lächelnd bieten zwei Jugendliche, etwa 14 Jahre alt, am Eingang zum Mausoleum des persischen Nationaldichters Hafis (1320 – 1390) hunderte bunte Lose in einer offenen Schachtel an, die jeweils berühmte Verse jenes Chadsche Schams al-Din Mohammad Hafes`e Schirazi tragen, die eher nicht zu Schia wie Scharia im Iran passen wollen. Aber solche Jugendlichen trifft man häufiger an größeren touristisch frequentierten Plätzen an, sie verdienen so ein kleines Zubrot für ihre Familien.

Mit umgerechnet 50 Eurocents ist man dabei, wenn der bunte, mit dem Handgelenk des Jungen durch einen Faden verbundene Wellensittich munter im Zettelkasten pickt und mit dem Schnabel ein rosa Los mit persischen Schriftzeichen heraus befördert, den Hossein Hassan Khan, unser Reiseleiter von PITO, flink übersetzt. Das ist kein Problem für den promovierten Germanisten, der auch an der Staatlichen Universität in Teheran als Dozent wirkt und zudem bei PITO die zahlreichen jährlichen Gruppenreisen durch den Iran koordiniert.

Nahe der Freitagsmoschee Ardestan: Blick auf aus gebrannten Ziegeln erbautes, ca. 10 Meter in die Tiefe führendes unterirdisches Wasserreservoir (Zisterne) mit 4 Windtürmen, direkt gegenüber Freitagsmoschee von Ardestan, aus dem 10., 11. Jh. n. Chr.
Nahe der Freitagsmoschee Ardestan: Blick auf aus gebrannten Ziegeln erbautes, ca. 10 Meter in die Tiefe führendes unterirdisches Wasserreservoir (Zisterne) mit 4 Windtürmen, direkt gegenüber Freitagsmoschee von Ardestan, aus dem 10., 11. Jh. n. Chr.

 

Da kann es durchaus vorkommen, dass der Sittich Zettel mit Hafis-Texten herauspickt, die von durchzechten Nächten, ausgiebigen Weingelagen und Ähnlichem erzählen. Aber dies Sittich-Orakel hat natürlich auch jede Menge Tugendhaftes in petto: Verse über die Vorzüge der Ehe oder eines baldigen Bräutigams. Dr. Hassan Khan hat solche Ghasele genannten Verse neu ins Deutsche übersetzt und, 2018, sogar mit einem neuen Buch und neu übersetzten Vierzeilern von Omar Khayyam (1048 – 1131) kongenial nachgelegt. Natürlich hat PITO diese Bücher vorrätig, und man kann sie während der Iran-Reise eifrig studieren und die klassischen Verse der persischen Literatur genießen.

Dies tat schon Goethe, der Hafis` Poesie überaus schätzte. Hafis war wohl ein Genie: Der Bäckerlehrling und Sohn eines Kohlenhändlers konnte wohl schon mit acht Lebensjahren den Koran auswendig rezitierten, erhielt daher den Ehrennamen Hafis. So verwundert nicht, dass gerade Iraner bis heute sein Mausoleum samt Rosengarten und Park in Shiraz ehren und besuchen. Allenfalls das ebenfalls in Shiraz befindliche Mausoleum des Dichterkollegen Saadi hat ähnlich hohen Zulauf.

Das mehrere tausend Jahre alte Shiraz ist Metropole der Provinz Farsi im Südwesten des Iran, dem Herzland des antiken Persien. Mit ca. 1,3 Mio. Bewohnern ist es etwa so groß wie München. Und Weinliebhaber kennen den Namen gut, ist Shiraz bzw. Syrah doch auch die Bezeichnung für jene mindestens 3000 Jahre alte Rebsorte, die seit 30 Jahren eine ungeheure Renaissance gerade in Europa erlebt und für herausragende Rotweine steht. Auch dies hätte den in Shiraz wirkenden Dichter Hafis erfreut, verfasste er doch auch Lobgesänge auf die Freuden des Trinkens, der Jagd und der Liebe.

Iran, Provinz Isfahan, Gartenanlage Bagh-e Fin (Fin-Garten, Dorf Fin, 6 km von Stadt Kashan, Paradies-Garten-Anlage, Vorschlagsliste für UNESCO-Welterbe seit 2007.
Iran, Provinz Isfahan, Gartenanlage Bagh-e Fin (Fin-Garten, Dorf Fin, 6 km von Stadt Kashan, Paradies-Garten-Anlage, Vorschlagsliste für UNESCO-Welterbe seit 2007.

 

Schon 1814 entdeckte auch der Erfinder der Gretchen-Frage und absolute Kneipenkenner, wie wir aus Faust und Auerbachs Keller in Leipzig wissen, seine Wahlverwandtschaft zu Hafis: Johann Wolfgang von Goethe, der Hafis Ghazele 1819 zum Anlass für die Veröffentlichung des "West-östlichen Divan" nahm. Dabei stütze sich Goethe auf die Übersetzungen des Orientalisten Joseph von Hammer-Purgstall, die heute nicht mehr als zeitgemäß gelten. Daher ist es ein besonderes Erlebnis, wenn Dr. Hassan Khan unter den Tempelsäulen des 1935 – 1937 erbauten Hafis-Mausoleums die Verse des Meisters auf Persisch deklamiert – und Schüler einiger Schulklassen ergriffen zuhören.

Das große touristische Plus des Iran sind die meist Palastanlagen zuzuordnenden Paradiesgärten mit prachtvollen Rosenzüchtungen. Die heute bekannten über 4000 Gartenrosenarten dürften ihren Ursprung im Iran haben, wo erstmals Wildrosen veredelt wurden. Und natürlich war das alte Persien auch der Herkunftsort von Rosenwasser und Rosenöl. Beides wird bis heute produziert und ist beliebtes duftendes Souvenir der Gäste aus aller Welt.

Ein solcher "Paradiesgarten" ist der heutige Botanische Garten in Shiraz, der legendäre Palastgarten Bagh-e Eram, ein wahres Rosenparadies mit Teehaus, in dem sogar Safraneis serviert wird. Und natürlich zieht hier die Fassade des Palastes an: Majoliken mit Darstellungen aus Persiens Nationalepos "Shaname" ("Buch der Könige"), verfasst vom Dichter Firdausi im Jahr 1010. Vertreten im Buch der Könige ist auch jene mythische Prinzessin Schirin, die einst dem Sassaniden-Schah Chosrau den Kopf verdrehte: nackt im Bade, und ohne sittenstrenge Schleier auch an der Palastfassade.

Historisches Stadtzentrum am berühmten, 150 m x 500 m UNESCO-WELTKULTURERBE des Meydan-e-Imam Platzes, der früher Meydan-e Naqsh-e Djahan (Abbild der Welt-Platz) genannt wurde und unter Schah Abbas I. konzipiert und errichtet wurde.
Historisches Stadtzentrum am berühmten, 150 m x 500 m UNESCO-WELTKULTURERBE des Meydan-e-Imam Platzes, der früher Meydan-e Naqsh-e Djahan (Abbild der Welt-Platz) genannt wurde und unter Schah Abbas I. konzipiert und errichtet wurde.

 

Natürlich ist Prinzessin Schirin auch im berühmten Fingarten (Bagh-e Fin) sechs km von Stadt Kashan präsent, der ebenfalls zu den Musts einer Iran-Rundreise gehört. Da ist nackt an einem Pfeiler des Fath Ali Shahi von 1811 verewigt. Und solche Garten Eden samt wundervoller Paläste hat der Iran viele zu bieten. Etwa den Chehel-Sotun, Isfahans Palast der 40 Säulen, erbaut unter dem kunstsinnigen, liberalen Schah Abbas I. (1587 – 1629).

Auch im dortigen Garten sind nackte Marmorschönheiten zu entdecken, dazu Wandfresken mit Tanzszenen freizügig bekleideter Damen. Verhüllter präsentierten sich da heute Isfahans Kunststudentinnen, die sich hier intensiv ihren Zeichnungen widmen.

Und natürlich ist auf einer Iran-Reise auch Isfahans Weltwunder Pflicht, der Meydan-i-Islam, früher Abbild der Welt-Platz genannt, mit Rosenbeeten übersäte, Stein gewordene Vision Schah Abbas I. Aber auch kleinere Orte wie die freundliche Oasenstadt Ardestan oder das streng religiöse Ghom sollte man nicht versäumen. Dort entdeckt man z. B. die Logos für die für Damen und Herren getrennten Zugänge zur der Familie Mohammeds gewidmeten Beyd-al-Mohammed-Moschee.

Blick auf Detail der Kuppel und ein Minarett der Masjid-e Imam-Moschee an der südlichen Schmalseite des Platzes, konzipiert als königliche Moschee Schah Abbas I. , Baubeginn 1612, Fertigstellung 1630 ein Jahr nach Tod Abbas I. Portalbau Fertigstellung 1616
Blick auf Detail der Kuppel und ein Minarett der Masjid-e Imam-Moschee an der südlichen Schmalseite des Platzes, konzipiert als königliche Moschee Schah Abbas I. , Baubeginn 1612, Fertigstellung 1630 ein Jahr nach Tod Abbas I. Portalbau Fertigstellung 1616.

 

Natürlich zählt zur gelungenen Iran-Rundreise auch der Besuch der imposanten antiken Stätten in und um Persepolis, die Alexander der Große einst in Flammen aufgehen ließ. Man besucht sie auf dem weg von Yazd nach Shiraz. Zuvor aber ist Yazd, das geheimnisvolle Juwel des Iran, einen längeren Aufenthalt wert! Hier geht es auf die Spuren des Religionsstifters Zarathustra, es geht zu den legendären Windtürmen von Yazd, in paradiesische Rosengärten, in spektakuläre Tempel und zu den Türmen des Schweigens, spektakulären Begräbnisanlagen in der Wüste. Vielleicht ist Yazd die markanteste Entdeckung auf einer Iran-Reise, auch der persischen Küche wegen, die mit erlesenem Safranreis, Hühnchen in Granatapfelsauce, Dizi (einem Wasser-Fleisch-Eintopf) oder süßen Leckereien aufwartet. Yazd ist aber auch Kapitale der Süßspeise Halwa, die man aus Mehl, Butter, Zucker, Safran und Zugabe von ideal 50 ml Rosenwasser zubereitet.

Über Jahrhunderte durch Seiden-, Servietten- und Putztuch-Herstellung reich geworden, besitzt Yazd zudem wunderbare Moscheen, Plätze und Paläste, sogar das fälschlich so genannte "Gefängnis Alexanders des Großen"! Und natürlich ist das in 1312 m Höhe liegende Yazd (abgeleitet von Yasn = Gott, Gottheit) eine Stadt Gottes und sehr traditionell: alle Frauen tragen den Tschador. Andererseits: Yazd punktet mit prächtigen Ulmenalleen, Gärten und den Kühle spendenden Windtürmen (badgir), mit dem Paradiesgarten des Bagh-e Dowlatabad-Palasts, mit dem aktiven Tempel der altiranischen Religion der Zoroastrer, samt ewig brennender Flamme für Zarathustra. Und was wäre Yazd ohne das wunderbare Garden Hotel, samt Park, Rosen, Palmen, Granatäpfel, Windturm und Wasserkanälen?

Gesamtansicht der Masjid-e Imam-Moschee, einst königl. Moschee für Schah Abbas I., aus 5. Etage des Ali-Qapu-Torpalastes (Hohe Pforte).
Gesamtansicht der Masjid-e Imam-Moschee, einst königl. Moschee für Schah Abbas I., aus 5. Etage des Ali-Qapu-Torpalastes (Hohe Pforte).

 

Schließlich ist auch Teheran aus Ausgangs- wie Endpunkt einer etwa 2500 km langen Iranreise ein Muss: In der 16-Millionen-Megacity zu Füßen der 5000er Gebirgsketten sollte man den Sommerpalast des letzten Schahs nicht versäumen, die Privatgemächer der Kaiserin bestaunen, ihre Vorliebe für Rosenthal-Geschirr und WMF-Besteck entdecken. Im 400 ha großen Palastgarten, nun "Museum des Volkes", ist die Statue des mythischen Helden Arax ist zu bestaunen, dessen Pfeil und Bogen auf die Statue des Vaters des letzten Schah zielt. Zu sehen sind nur noch deren Stiefel, der restliche Bronze-Schah wurde entfernt. Im Park fährt auch noch das "Schah-Mobil", der Nachbau eines Rolls Royce, Baujahr 1919, mit der Kühlerfigur des Ahura Mazda, des höchsten Gottes der Zoroastrer. Im Teehaus sollte man dann über Hafis, Firdausi und die weiteren Großdichter des Persischen plaudern und kann die Reise Revue passieren lassen.

Information zu individuellen und Gruppenreisen in den Iran:
Oriental Tours, August-Schanz-Str. 8b, 60433 Frankfurt/Main, Tel. 069 548 37 08, Fax 069 95 40 89 56, This email address is being protected from spambots. You need JavaScript enabled to view it., www.orientaltours.de

PITO (Pars Ivan Tour Operator), 2nd floor No. 40, Shahid Beheshti Ave, Teheran, Iran, Tel. +98 21 88 46 09 78, Fax +98 21 88 46 10 32, This email address is being protected from spambots. You need JavaScript enabled to view it., www.pitotour.net

 

Impressionen:

Fotos. Jürgen Sorges

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Zuletzt bearbeitet am 22/05/2019

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