Gressoney Valley: Abgeschiedenheit als Plus

Wer einmal die Abgeschiedenheit, eine Menge Historie und Freundlichkeit im Paket haben möchte, der sollte sich auf in den Norden Italiens machen!

Im Aostatal, genauer: im Gressoney Valley, findet der geneigte Besucher nicht nur eine überwältigende Naturlandschaft, dieses kleine Tal und mit ihm die ihn umragenden Berge, sind ein ganz spezieller Platz mit viel Charme und Gemütlichkeit. Es sind dort keine Hochglanzorte, keine Meilensteine der VIP-Historie zu finden. Hier, an der Grenze zum Piemont, zeigt sich Italien von seiner ganz besonderen Seite.

Nun, ehrlicherweise sei erwähnt, dass die Anfahrt nicht ganz "einfach" ist. Öffentliche Verkehrsmittel: eher Fehlanzeige. Und nach der Anreise mit dem Flieger über Mailand oder Turin, sollte man schon noch gute zwei Stunden einkalkulieren, bevor die Gebirgsstraße, die noch vor dem Hauptstadtort der Region, Aosta, sich in die Bergmassive schlängelt. Doch dort angekommen, verfällt man unwillkürlich in die Ruhe dieses Ortes, der so intensiv durch den Volksstamm der Walser in der Vergangenheit geprägt wurde. Um sich einen kleinen Eindruck zu verschaffen, ein wenig den Odem der Geschichte einzuatmen, bedarf es hier nicht allzu viel. Erreicht man das Örtchen Gressoney-La-Trinité, erreicht man zwangsläufig auch fast das Ende des Gressoney Valley. Von hier türmen sich die Berge auf, sorgen einerseits für das bedrückende Gefühl eines engen Tals, mit den beidseitig hoch hinaufragenden Bergmassiven. Andererseits beschleicht einen ein Gefühl des Geborgenseins, des eins sein mit der Natur.

Und so sehen es wohl auch die Bewohner dieses kleinen Ortes, die in der Abgeschiedenheit ein Leben in Tradition und Verbundenheit mit der Natur eingehen. Wie auch Nicola, 45, der mit uns die Tage in Gressoney-La-Trinité verbringt. Zwei Tage in der Woche arbeitet der Familienvater als Skilehrer, drei weitere Tage der Woche ist er zuständig für die Belange im Dorf als Vertreter des Tourismusbüros. Er ist es auch, der sich bestens mit der Geschichte der Region auskennt, Geschichten erzählen kann über den Volksstamm der Walser, die vor 800 Jahren über den Colle del Teodulo ist das Tal kamen und es besiedelten.

Traditioneller Walser-Wohnraum. Hier: im kleinen Museum des Ortes.
Traditioneller Walser-Wohnraum. Hier: im kleinen Museum des Ortes.

 

Hinauf in das Skigebiet

"Das Tal ist meine Heimat! Auch wenn ich für kurze Zeit für das Studium fortging, war mir klar, dass ich wieder hierher zurückkomme", erzählt uns Nicola, während wir in einem Sessellift des Monterosa Skigebiets, dass sich unmittelbar an das Tal anschließt, sitzen. Es sind gute 180 Pistenkilometer die Schneewanderer oder Skifahrer nutzen können. Genügend Kilometer, um sich immer neuen Abfahrten hinzugeben, Abfahrten, die fast ausnahmslos ohne größere Anstrengung zu bewältigen sind. Allerdings geht es auch - jenseits der "gewöhnlichen" Pisten - schwieriger. Denn auch für professionellere Skifahrer ist das Monterosa Skigebiet eine Reise wert. Als wir dort fuhren, waren Teile der Pisten gesperrt und nur für das schwedische Slalomteam präpariert.

Doch schwierige Pisten sind hier eher die Ausnahme, fast das gesamte Gebiet ist gut befahrbar, lässt auch eher ungeübten Skifahrern genügend Möglichkeiten, dem ungetrübten Fahrvergnügen nachzukommen. Dabei fahren die Bahnen bis auf eine Höhe von 3275 Meter in das "Freeride Paradise", bieten den Skifahrern eine einmalige Sicht auf die umliegenden Berge. Zu den höchsten Gipfeln zählen hier der Dufour (4633m), die Signalkuppe (Punta Gnifetti; 4559m) und der Liskamm (4532m). Einige weitere 4000er komplettieren den Reigen, kommen somit fast an die Höhe des unweit gelegenen Mont Blancs heran. Um zu diesem zu gelangen, bedarf es allerdings noch einer recht weiten Fahrt. Etwa zwei weitere Stunden sollten Interessierte dafür zusätzlich einplanen.

Leere Piste, wundervolles Panorama...
Leere Piste, wundervolles Panorama...

 

Das Monterosa Skigebiet erstreckt sich von den tiefer liegenden Ortschaften Alagna Valsesi (1212m), über Gressoney-La-Trinité (1637m) und Stafal (1830m) bis in das Champoluc-Frachey Gebiet (1579m & 1623m). Der Großteil der Pisten (16) ist als "intermediate" deklariert, weitere neun als "leicht". Lediglich vier Abfahren sind "schwarz", also schon recht anspruchsvoll. So ist schon auf einem Blick ersichtlich, wie der Schwierigkeitsgrad des Monterosa einzuschätzen ist: geeignet für fortgeschrittene Fahrer. Auch Anfänger kommen auf der einen oder anderen Piste sicher gut zurecht, teilweise auch auf den etwas höhergelegenen Abschnitten des Gebiets. Der Grund dafür liegt vor allem an den hervorragend präparierten Pisten, die kaum Unebenheiten aufweisen und so dann doch recht einfach und schnell befahren werden können.

Die Abgeschiedenheit des Tals und somit auch des Monterosa Skigebiets ist, gerade in der Nebensaison oder Wochentags, das große Plus der Region. Die Pisten sind nicht überfüllt, Wartezeiten an den Liften: Fehlanzeige. Dabei kommen die meisten Besucher aus den umliegenden Tälern oder auch aus Mailand bzw. Turin. Kein Wunder, liegen die norditalienischen Metropolen gerade mal etwa zwei Autostunden entfernt. Ein perfektes Fleckchen Erde für Menschen, die Ruhe und Natur genießen wollen!

Wongade: urig meets modern

Skifahren alleine reicht für einen entspannten Urlaub kaum aus – die Unterkunft muss auch stimmen. Im Gressoney Valley bieten sich vor allem kleinere Hotels an, die zumeist in traditioneller Bauweise sich dem Landschaftsbild anpassen. Ähnlich wie in vielen anderen Dörfern in den Bergregionen, versuchen auch die Gemeinden und Kommunen im Aostatal das Erscheinungsbild der Gebäude im "alten Stil" beizubehalten. Typisch für die Häuser im Tal sind vor allem die dunklen Steinplatten auf den Dächern. Eine zumeist kostspielige Angelegenheit für die Hausbesitzer, die allerdings bis vor kurzem von der Region finanziell gefördert wurde. Mit der zunehmenden Geldknappheit der Kommunen ist die Bereitstellung der Gelder jetzt allerdings weitestgehend eingestellt.

Das Wongade in Gressoney-La-Trinité.
Das Wongade in Gressoney-La-Trinité.

 

Viele der Pensionen und kleineren Hotels wirken durch ihre urige Außenfassade fast heruntergekommen, sehr "einfach", bieten im Innern jedoch einen angenehmen Luxus. So auch das Wongade Hotel in Gressoney-La-Trinité. Die Eigentümer des kleinen Hotels, das gerade mal sechs Zimmer hat, haben auf kleinstem Raum das maximale an Gemütlichkeit geschaffen. Zugegeben: die Zimmer sind nicht groß, allerdings ist wirklich alles vorhanden, was für einen (Kurz-)Urlaub benötigt wird. Die Zimmer sind modern eingerichtet, ohne den Charme des Hauses zu verlieren. Einzig die Hellhörigkeit im Haus dürfte den einen oder anderen Gast stören.

Kulinarisch kann das Wongade Hotel auch als kleine Überraschung angesehen werden. Die Karte des Restaurants ist - wenig überraschend - reduziert, aber dennoch mehr als ausreichend. Die Gerichte erscheinen regional orientiert, das verwendete Fleisch kommt aus der Region. Absolut frisch und mit einem fantastischen Geschmack wird hier Tartar vom Fassona Rind aus dem Piemont serviert. Auch die Pastagerichte werden hier ambitioniert präsentiert.

Farbenfrohes Pastagericht mit Kürbis...
Farbenfrohes Pastagericht mit Kürbis...

 

Auf der Weinkarte finden sich neben einigen Aostatal-Weinen auch mehrere Weine aus dem Piemont. Die Weinkarte ist recht übersichtlich, dafür aber mit mehr als bezahlbaren Weinpreisen versehen. Den lokalen Torrette gibt es schon für 26 Euro die Flasche. Der teuerste Wein ist ein Barolo für gerade mal 80 Euro. Selbst der perlende Klassiker von Ferrari kostet nur 36 Euro die Flasche. Und soll es jenseits des italienischen Schaumweins etwas Champagner sein: mit Gaston, Philiponat und Aubry sind zwar nicht die großen Marken im Weinkeller vertreten, aber das muss ja auch nicht unbedingt sein. Passt auch irgendwie nicht hierher, nach Gressoney-La-Trinité, dem Ort am Rande des Piemont…

Weitere Informationen unter:

Wongade:
località Edelboden Inferiore, 14, 11020 Gressoney-La-Trinité. AO, Italia
https://www.wongade.com 

Moterosa Ski:
https://www.visitmonterosa.com/en/ 

 

Impressionen:

Fotos: Michael Schabacker

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Zuletzt bearbeitet am 01/02/2019

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