Im Kegel des Vulkans

Die heißen Quellen, um die sich die "Terme di Saturnia Spa & Golf Resort" in der italienischen Maremma installiert hat, sprudeln seit 3000 Jahren und erfreuten schon die legendären "alten" Römer. Zu der luxuriösen Naturtherapie gesellt sich überragende toskanische Küche - ein Gesamtgenuss!

Die eineinhalb Autostunden Anfahrt entweder von den Airports Roma oder Firenze gehören mit zum Genuss: Über Serpentinen durch sanft geschwungene Hügel und Täler der südlichen Toskana, Land der "Butteri" (berittene Hirten) und der "Briganti" (folkloristische Gesangsgruppen). Hier und dort ein Castello auf einer Bergkuppe – ein würziger Ginsterduft zieht durch das geöffnete Autofenster.

Das leichte Schwefelaroma, das bei Erreichen der "Terme di Saturnia Spa & Golf Resort" durch das große Tor die Nase kitzelt, gehört zum dortigen Ambiente – man gewöhnt sich erstaunlich schnell daran. Allein das Einatmen soll heilende Kräfte im Körper freisetzen. Das Gebäude aus hellem, porösem Travertin-Gestein der Maremma, einst als Scheune gebaut Anfang des 19ten Jahrhunderts in einem Vulkankegel und einem jahrhundertealten Park, ist seit den 1950er Jahren ein Hotel, aktuell frisch renoviert.

Camera de Luxe.
Camera de Luxe.

 

Klassisch toskanisches Möbel-Interieur, traditionell dunkle Hölzer, natürliche Farben von Parkett, Marmor und Travertin, kombiniert mit strahlend hellen Farben in den 128 Zimmern und Suiten wirken sie besonders elegant doch auch funktional. Die langen Gänge haben gelegentlich eine Anmutung von Hospital-Korridoren, so ganz falsch ist das auch gar nicht, denn man kann in der "Terme" hervorragend kuren und wird außerordentlich aufmerksam betreut.

Dem Gott Saturn platzte der Kragen

Die Menschen lieben ihre Legenden, so gehört zu diesem Ort ebenfalls ein Mythos: Gott Saturn erzürnte sich einst über die Menschen, die sich ständig bekriegten. Er schleuderte einen Blitz auf die Erde, dieser traf einen Vulkankrater. Aus ihm quoll daraufhin ein Fluss warmen und schwefelhaltigen Wassers: Das Wasser der Thermen von Saturnia.

Der Ursprung der Quelle liegt tief unter den Hängen des "Monte Amiata", von wo aus das Wasser seine Reise beginnt, mehr als 700 Meter unter der Erdoberfläche. Auf dem Weg durch verschiedene Gesteinsschichten reichert es sich mit verschiedensten Mineralien an. Etwa 30 Kilometer fließt das Quellwasser durch Tuffstein hindurch, bevor es nahe dem Ort Saturnia an die Oberfläche gelangt und sich schließlich in ein 2800 qm stufenartiges Gebilde aus Wasserfällen und Becken ergießt, die "Cascate del Mulino".

Unter den Füssen lebt und brodelt es.
Unter den Füssen lebt und brodelt es.

 

Entgiftung pur

Die Wassertemperatur beträgt konstant 37,5 Grad, und das seit tausenden von Jahren. Der Boden der Becken ist Vulkangestein, unter den Füssen brodelt und sprudelt es unerlässlich. Da das Wasser auch trinkbar ist, gibt es an der Hauswand einen sprudelnden Hahn, es soll wahre Wunder bewirken: Das mineralreiche Wasser enthält in jedem Liter 2,790 Gramm Mineralsalze. Die große Menge von Schwefelwasserstoff (schwefliges Gas) wirkt sich positiv auf das Herz-Kreislauf- und Atmungssystem (Blutgefäßerweiterung, Senkung des arteriellen Blutdrucks) aus, auf die Muskulatur und das Knochengerüst (Muskel entspannend, entzündungshemmend) und auf die Atemwege. Es kann Verdauungsprozesse im Magen-Darm-Trakt günstig beeinflussen, trinkt man es in kleinen Schlucken auf nüchternen Magen. Die entgiftende Wirkung auf die Leber vertreibt Müdigkeit und Abgespanntheit, belebt die Psyche.

Wer nun vermutet, dort halten sich nur Kranke und Alte auf, liegt völlig falsch. Die Gästeschaft ist vielfach jung und sportlich aktiv. Kinder sind gern gesehen, doch eher selten. Bis zu 20 Minuten tut ein Aufenthalt im Wasser gut, darüber hinaus wird es für den Körper anstrengender. Zum "abhängen" liegen ausreichend Schwimmnudeln bereit – die pure Entspannung. Es geht gar nicht anders, als auch innerlich loszulassen. Genau wie die Etrusker und Römer, die ihr "salus per aquam" (SPA) liebten und sich an dem Geschenk der Götter erfreuten.

Kaskaden.
Kaskaden.

 

Nachtbaden

Der Bereich der Quellen für die Öffentlichkeit, mehrere abgestufte Becken, ist kostenlos, ein großes Vergnügen für die Toskaner und auch für Touristen. Es ist nachvollziehbar, dass bei den meisten Besuchern das Bedürfnis entsteht, des Nachts, möglicherweise sogar bei Vollmond, zu baden und in die Wärme einzutauchen. Dazu mussten erst einmal die italienischen Gesetze überprüft werden. Nun ist es in der "Terme di Saturnia" von Ende Juli bis Ende August jedes Wochenende möglich – und zu besonderen Events oder Festen wie Neujahr.

Ein altes Römer-Bad ist im Hausflügel untergebracht, ebenso das Spa: Ein Rebalance-Konzept mit einer eigenen Kosmetiklinie. Der antioxidative Effekt des Thermen-Sulfidschlamms unterstützt vielfältige Heilungsvorgänge. Der reine Algenextrakt der Therme ist reich an Aminosäuren, Schwefel, Kalium und Magnesium – eine der reichhaltigsten natürlichen Stickstoffquellen, die in heutiger Zeit verfügbar seien. In Kombination mit Vitaminen oder feuchtigkeitsspendenden Komponenten verbessert das eigens entwickelte BIOGLEATM wesentlich das Hautbild.

Der prämierte 18-Loch-Golfplatz des Resorts.
Der prämierte 18-Loch-Golfplatz des Resorts.

 

Manch einen therapiert auch ein ausgiebiges Golfmatch. Direkt nebenan eine der schönsten Golfanlagen, ein GEO-zertifizierten Golfplatz, vielfach prämiert, unter anderem wegen seiner grandiosen Aussicht. Der Golf-Manager und Coach Proccolo Sabbatino ist Herr dieses grünen Paradieses und steckt mit seiner guten Laune alle an. Nachhaltigkeit ist in der "Terme" Thema und so wässert man den 18-Loch-Platz mit Quellwasser. Für die Elektromobilität der Buggys nutzt man Tesla-Ladestationen, die Vermeidung von Plastik wird angestrebt.

Francescos große Liebe zu der Küche seiner toskanischen Heimat

Jeder Tag beginnt und endet im Gourmet-Restaurant "Aqualuce" mit der Terrasse am Becken – mit einem geradezu beglückend sortierten Frühstücksbuffet: Köstliche Diätmarmeladen, Focaccia, toskanischer Honig, Gemüse und Fruchtsäfte aus dem Garten, schmackhaft gewürzte Omelette. Stets schon vor Ort: Signore Francesco Presenti, Nomen est omen: Der passionierte "cameriere" scheint niemals zu schlafen, am Abend serviert er bis spät in die Nacht mit Leidenschaft den Gästen ein Sieben-Gang Menü, enorm kenntnisreich korrespondierende Weine mit viel Herzblut empfohlen, mit viel Sinn für Humor eine überdimensionale Parmesanreibe zum Einsatz gebracht! Die Art und Weise, wie er die Küche seiner Heimat, die er über alles liebt, jedem einzelnen ans Herz legt, berührt sehr und geht über übliche guten Service weit hinaus.

Weinanbau als ökologischer Fußabdruck

Ein Teil der Weinpositionen stammt unter anderem von dem nahegelegenen Weingut "Cantina Cooperativa Vignaioli del Morellino di Scansano" von 1972. Die mittlerweile 160 Mitglieder produzieren verschiedene Versionen von "Morellino di Scansano", sie stellen die unterschiedlichen Merkmale der Weinberge der Mitglieder dar. Mit der Einführung von "Doc Maremma Toscana" nahmen sie auch neue Rotweine in ihr Sortiment auf. Darunter einen mit alteingesessenen Rebsorten (in diesem Fall Alicante und Ciliegiolo), genannt "Capoccia", und einen Sangiovese-Wein namens "Vin del Fattore". Ebenso Weißweine wie "Bianco di Pitigliano" und "Vermentino". Mit dem Anschluss an das Nationale Programm zur Bewertung des Umweltfußabdrucks des Ministeriums für Umwelt, Land- und Seeschutz zeigen die Winzer ihren Respekt für die Umwelt, soziale und ökologische Nachhaltigkeit, erhalten die Tradition des Territoriums und schaffen werte.

Chef Alessandro Bocci erntet im Gemüsegarten des Resorts.
Chef Alessandro Bocci erntet im Gemüsegarten des Resorts.

 

Die exquisite Doppelspitze mit den Chefs Alessandro Bocci und Luca Cecconi sorgt im "Aqualuce" für die gastronomische Tradition der Region: "Im Sinne unserer Gäste streben wir eine umfassende Regeneration an. Und diese beginnt nun mal mit entsprechender Ernährung", sagt uns Alessandro. Eine große Auswahl an Gewürzen sorgt für Geschmacksintensität und Leichtigkeit der Speisen. Sie ergänzen den Wohlfühl- und Heilungsprozess der Gäste, niemals entsteht ein Völlegefühl.

Slow Food, Farm to table und das "0"-Null-Kilometer-Konzept

Zum Resort gehört ein üppiger Gemüsegarten, auch das native toskanische Olivenöl stammt von den Olivenbäumen des Resorts. Zur Ernte im November werden sie handgepflückt oder von den uralten Bäumen geschüttelt und zügig – um die Aromen zu erhalten – zu dem flüssigen Gold verarbeitet. Für die Chefs gelten die Slow Food Regeln ebenso wie "farm to table" und das "0" Null-Kilometer-Konzept: Authentisch-toskanische Küche aus biologisch und biodynamischen Produktanbau ausschließlich aus der Region und nahen Umgebung. Und genauso schmeckt es auch: Der Reichtum der toskanischen Aromen unverfälscht, intensiv, aromatisch, ursprünglich auf der Zunge und in der Nase – sämtliche Geschmacksnerven werden zu neuem Leben erweckt.

Delikatessen wie das traditionelle "Bistecca alla Fiorentina", "Risotto mantecato all’Olio La Maliosa" (cremiges Risotto mit La-Maliosa-Olivenöl) oder "Polipo Croccante", knuspriger Oktopus mit rohem und gegartem Gemüse der Saison. Die Dessertkarte verlockt zu "Crème Brûlée al Torroncino" mit Mandarinensorbet oder "Crema di Fichi di Chieti", einer Feigencreme mit Vanilleeis und Muskatnuss. Wenn es überhaupt noch möglich ist, soll das Restaurantkonzept für 2019 überarbeitet werden – man darf gespannt sein!

0-Null-Kilometer-Konzept: auch die Oliven kommen aus dem eigenen Garten.
0-Null-Kilometer-Konzept: auch die Oliven kommen aus dem eigenen Garten.

 

Weitere Informationen:

Terme di Saturnia Spa & Golf Resort
Mitglied "The Leading Hotels of the World”
https://www.termedisaturnia.it/de

Ganzjährig geöffnet. Tagesaufenthalt 27/31 €

Weingut Cantina Vignaioli Scansano:
http://cantinadelmorellino.it 

Anreise:
Airports Rom-Fiumicino oder Florenz-Peretola, 160 km
Bahnhof Grosseto (Linie Rom-Genua), etwa 60 km
Bahnhof Orvieto (Linie Mailand-Rom), etwa 85 km

Fotos: Uta Petersen, Terme di Saturnia Spa & Golf Resort

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Zuletzt bearbeitet am 07/12/2018

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Autor

Uta Petersen

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