Irland: Von viktorianischen Gärten und Schlössern

Ein paar Kilometer geht es auf der Landstraße entlang. Nach dem zweiten See scharf links abbiegen und dann immer weiter geradeaus. Dichte, sattgrüne Wälder und ein mäandernder Wasserlauf säumen die Auffahrt zum Ballynahinch Castle...

Mitten in dieser weitläufigen, verwunschen wirkenden Landschaft in der Grafschaft Galway erhebt sich das Rittergutschloss wie aus einem Märchen aus dem 18. Jahrhundert, genau vor der starken Biegung eines Flusses. Mit einem freundlichen Lächeln begrüßt Carol Hinch von der Direktion die Neuankömmlinge in dem zauberhaften Anwesen: "Hier kann man wirklich in vielerlei Hinsicht genießen. Das Gebiet ist rund 5200 Hektar groß. Die Gäste lieben die Ruhe und die Schönheit der Wälder und Seen. Natürlich locken auch Aktivitäten. Angler tragen ihre größten Fänge schon seit Jahrzehnten in unser Gästebuch im historischen Country-Pub ein. Dort drüben gibt es Gummistiefel und Regencapes. Ein kleiner Spaziergang durch das Gebiet mit den besten Lachs- und Forellenflüssen Irlands ist vor dem Dinner wirklich empfehlenswert. Und wetterfeste Kleidung kann sehr nützlich sein."

Natur pur!
Natur pur!

Es stimmt. Der kleine Rundweg, gleich links an der alten Steinbrücke vorbei, führt direkt in die wildromantische Landschaft. Ein Holzboot gleitet über die Seenfläche. Ab und zu ist ein geduldiger Fliegenfischer anzutreffen. Bis auf das Plätschern des Wassers und dem Gesang der Vögel ist es ganz still - eine Freude für die Augen und Ohren. Zurück im Schloss, einer ehemaligen Residenz von „Humanity Dick” Martin und des Maharajah Ranjitsinhji, wartet schon das Abendmenü im Owenmore Restaurant. Mit Blick auf den gemächlich strömenden Fluss, auf dessen Wasserfläche sich im Abendlicht die Sonne spiegelt, erfreut die Kochkunst des Hauses besonders. Hühnerleberpastete, Seeteufel, Jakobsmuschel, Polenta aus Seetang, Lakritz, Connemara Lamm - egal ob aus dem Landesinneren oder aus dem Meer. Die Gerichte sind erstklassig, sie zeugen von der Beherrschung des Handwerks und von einer ausgeprägten Sensibilität für tolle Geschmackskombinationen.

Geordnete Pracht in wilder Landschaft

Ein historisches Juwel verbirgt sich hinter dem Namen Kylemore Abbey and Gardens. Nach mehreren Umzügen befindet sich die älteste irische Benediktinerinnenabtei seit 1920 in dem 1871 fertiggestellten Schloss Kylemore. Der viktorianische Walled Garden präsentiert sich als eine Oase der geordneten Pracht. Besonders, wenn man bedenkt, dass an der irischen Westküste jede Pflanze ständig dem Salz und Sturmwinden ausgesetzt ist. Einst gehörten zu dem 2,5 Hektar großen Garten 21 beheizbare Glashäuser. Insgesamt 40 Gärtner kümmerten sich um die Zitrusfrüchte in den Gewächshäusern, um die Stauden, Obstbäume, Kräuter und das Gemüse.

Köstliche Früchte aus dem Walled Garden.
Köstliche Früchte aus dem Walled Garden.

Heute pflegt ein kleines Team um Landschaftsarchitektin Anja Gohlke aus Berlin die restaurierte und prachtvolle, Gartenanlage. "Ganz besonders gefällt mir hier der Kontrast zwischen der formalen Ordnung der architektonisch angelegten Beeten und Connemaras Wildnis. In diesem Garten werden nur Pflanzensorten aus der viktorianischen Ära gezeigt. Typisch für den modischen viktorianischen Garten sind die geometrischen Muster und kräftigen Farbschemata. Die Pflege erfordert einen enormen Arbeitsaufwand, der sich aber lohnt. Jedes Jahr kommen Studenten aus Europa für Forschungszwecke. Sie helfen uns natürlich auch mit", freut sich die Fachfrau über die internationale Unterstützung.

Mehr als 300 Jahre Familiengeschichte

Versteckt zwischen den Wäldern am Fuße des Mount Nephin befindet sich bei Ballina das Enniscoe House. Der Weg zur großen, weißen Eingangstür des Herrenhauses führt durch eine lange gewundene Allee. Das klassisch georgianische Anwesen auf stolzen 160 Hektar Land von Susan Kellett und ihrem Sohn Donald John Kellett befindet sich seit den 1790er Jahren im Familienbesitz. Ölgemälde der Ahnen, Accessoires und antike Möbel zieren das Ambiente. "Die meisten Gegenstände können wir genau dokumentieren, aber es gibt auch Rätselhaftes. So ist bei genauem Hinsehen in einer Glasscheibe das eingeritzte Datum January 1842 zu entdecken", erklärt der Hausherr und deutet auf die zart geschwungenen Buchstaben und Zahlen in einer zarten Scheibe des Badezimmers.

Das Enniscoe House.
Das Enniscoe House.

 

Das Gelände mit fantastischem Blick auf den Lough Conn gehört schon seit den 1650er der Familie. Gäste, die sich auf eine Zeitreise begeben und in dem denkmalgeschützten Haus nächtigen, werden mit Bioprodukten, teilweise aus dem eigenen ummauerten Garten aus der viktorianischen Zeit des frühen 18. Jahrhunderts, verwöhnt. Äpfel, Zwiebeln, Tomaten, Bohnen und vielfältige Kräuter gehören zu den Hauptprodukten. "Das wächst hier einfach besonders gut. Meistens können wir sogar einige Früchte lagern", freut sich Hausherr DJ Kellett über den reichen Ertrag. Zum Anwesen gehört auch das North Mayo Heritage Centre, ein Forschungszentrum für Familiengeschichte, das der Irish Family History Foundation (IFHF) angeschlossen ist und einen genealogischen Dienst für Menschen anbietet, die ihre Abstammung in North Mayo suchen oder herleiten wollen. "Auswanderer aus den USA stöbern gern in unseren Unterlagen. Das ist sehr spannend. Hier gab es schon richtige Familienzusammenführungen", freut sich DJ Kellett über das angegliederte Archiv.

Genau auf der anderen Seite vom Lough Conn befindet sich ein weiteres Schmuckstück in Mayo. Das Mount Falcon Estate liegt zwischen Foxford und Ballina. Als eines der schönsten Jagdschlösser Irlands wurde es 1876 vom renommierten Architekten James Franklin Fuller erbaut. Inzwischen ist in dem romantischen Anwesen mit 40 Hektar Fläche ein kleines, familiengeführtes Hotel eingerichtet, wo sich die Gäste mit der Falknerei oder dem Angelsport die Zeit vertreiben können.
Als echter Geheimtipp gilt das gemütlich-stilvolle Kitchen Restaurant in der ursprünglichen Küche und Speisekammer des Hauses. Seit mehr als zehn Jahren wird das Restaurant regelmäßig mit den 2-AA-Rosetten ausgezeichnet. Küchenchef David O`Donnell ist mehr als ein begabter Kochkünstler. In Zusammenarbeit mit dem Chefgärtner Alex Lavarde werden köstliche und kreative, kulinarische Augenblicke mit einem Schwerpunkt auf eigene Produkte entwickelt.

Das Mount Falcon Estate.
Das Mount Falcon Estate.

 

Inzwischen stammen 80 bis 90 Prozent der Gemüse, Kräuter und des Obstes aus dem riesigen Garten vom Mount Falcon Estate. Alex Lavarde experimentiert gern in seinem grünen Reich, probiert mit Leidenschaft das Pflanzen alter oder seltener Sorten, wie zum Beispiel Regenbogenkarotten oder Jerusalem Artischocken aus und David O`Donell zaubert daraus sehr schmackhafte Gerichte, die jeweils auch noch kleine ästhetisch ansprechende Gemälde ergeben.

Dazu zählen Muscheln mit Tintenfisch, gelber Tomate, Sellerie-Salz-Gebäck mit Anis-Emulsion oder Seeteufel mit Kartoffel-Espuma, Petersilienwurzel, flambierter Zitronenschaum, Eigelb-Confit und Pfifferlinge. An jedem Detail ist zu spüren, dass das Team ideenreich agiert. "In diesem wundervollen geschichtsträchtigen Ambiente, zu dem so ein großer Garten gehört, zu kochen - das macht mir unglaublich viel Spaß. Es gibt unerschöpfliche Inspirationen, und ich fange gerade erst an", verrät David O`Donell. Das immer wieder von Neuem inspirierende Land mit seinen Menschen, die so viel von ihrem Leben zu erzählen haben, bleibt spannend.

Tipps:

Eine Übernachtung im Quay House in Clifden lohnt sich bestimmt. Liebevoll und individuell ist jedes Zimmer in dem Haus von 1820 eingerichtet, in dem ürsprünglich der Hafenmeiser lebte und das später Fransiskanermönche beherbergte.
Das Frühstück in dem angrenzenden Gewächshaus dürfte zu den besten in Irland gehören. Tee und Kaffe in Silberkannen sowie selbst gebackenes Brot sind selbstverständlich.

Besuch in der Connacht Whiskey Company Ltd.
Besuch in der Connacht Whiskey Company Ltd.

 

Empfehlenswert ist auch der Genuss eines Produkts aus der neuen Connacht Whiskey Company Ltd., das Ergebnis eines Traums, den teilen, um nach einer Abwesenheit von über 100 Jahren pure Pot Still Irish Whiskey zurück in den Westen Irlands zu bringen. Ein Traum fand im Oktober 2015 seinen ersten offiziellen Schritt, als die Connacht Whiskey Distillery in Ballina, Co. Mayo eröffnet wurde. Nach einer Abwesenheit von über 100 Jahren wurde pure Pot Still Irish Whiskey zurück in den Westen Irlands gebracht., Drei Amerikaner und ein Ire investierten 10 Millionen Euro und schufen 40 neue Arbeitsplätze in der 27.000 Quadratmeter großen Destillerie mit Besucherzentrum bietet. Bis der erste Whiskey mit einem keltischen Drachen als Logo gereift sein wird, produziert die Destillerie genügend Craft Gin und Wodka.

Informationen
Fáilte Ireland, www.failteireland.ie, www.discoverireland.ie
Irland Information, www.ireland.com
Ballynahinch Castle, www.ballynahinch-castle.com
Quay House, https://thequayhouse.com
Kylemore Abbey andGardens, www.kylemoreabbey.com
Connacht Whiskey, https://connachtwhiskey.com/age-gate
Enniscoe House, https://www.enniscoe.com
Mount Falcon Hotel, https://www.mountfalcon.com

Fotos: Carola Faber

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Autor

Carola Faber

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