"Cosmopoli" im 21. Jahrhundert!

Elbas Hauptstadt Portoferraio mausert sich zum auch kulinarisch attraktiven Ziel. Dabei zeigt sich der uralte "Eisenhafen" für die Herausforderungen des neuen Jahrhunderts bestens gerüstet.

Wer hätte das gedacht? Gleich direkt gegenüber Portoferraios Fährhafen, wo die riesigen Fähren von Torremar und die buntbemalten von Moby Lines anlegen, bietet InfoPark, das Tourismusbüro des Nationalparks Toskanischer Archipel, nicht nur alle wichtigen touristischen Informationen und Buchungen, wunderbare Bildbände zu den sieben zurecht mit den Perlen der Halskette von Liebesgöttin Venus assoziierten Inseln des Archipels und einmalige Ausflüge auf und um Elba. Direkt vor der Tür parken auch acht Elektro-Autos, die man mieten kann. E-Bikes, sogar E-Mountainbikes, sind auf Elba schon länger zu mieten. Kein Kunststück, denn das ausflugshungrige Besucherklientel auf der durchaus bergigen, über 1000 Meter ansteigenden Urlaubsinsel verlangte danach.

Aber nun geht es eben auch den Luftverschmutzern an den Kragen. Idealerweise sollen Diesel- und Benzin-Fahrzeuge mehr und mehr von Elba verschwinden. Denn einerseits verstopfen sie gerade in den Sommermonaten die schmalen Landstraßen und Gassen der Urlaubsorte. Andererseits stellt sich auch Italien CO2-Ausstoss und Klimawandel. Und so ist die Gemeinde Portoferraio, unterstützt auch von der EU und in Kooperation mit dem Nationalpark, nun Vorreiter in Sachen "sauberer" Verkehr. Mieten sollen die E-Autos übrigens nicht nur die Elba-Urlauber. Auch die einheimischen Insulaner sind aufgefordert, mehr und mehr ihrer Alltagswege mit dem Elektromobil zu absolvieren.

Dazu gesellen sich eine ganze Reihe weiterer Maßnahmen. So wird der öffentliche Nahverkehr (Busse) auf der Insel ausgebaut und im Altstadtzentrum von Portoferraio pendeln kompakte kleine E-Busse. Dazu haben viele Gemeinden auf Elba in den Sommermonaten kostenlose Bus-Shuttle zu ihren Stränden eingerichtet, die teils bis spät am Abend ihre Strecken abfahren und so eine zusätzliche Beförderungsalternative auch für die Wege zum Hotel darstellen. Schließlich haben sogar Elbas beste Diskotheken, allen voran der Club 64 von Portoferraio und die Topdiskos in Marina di Campo, am Wochenende sogar nachts Bus-Shuttle zwischen ihren Etablissements eingerichtet.

Hafen von Portoferraios in der Nacht...
Hafen von Portoferraios in der Nacht...

 

Natürlich begleiten so viel mobile Zukunftsmusik auch einige schrägere Töne. Kleinere Nachteile müssen insbesondere für Freunde der Autoboliden in Kauf nehmen. So ist die Altstadthafenpromenade Portoferraios gerade im Sommer für die Durchfahrt auch in die Altstadt gesperrt. Und die Parkgebühren ringsum sind durchaus großstadtwürdig. Aber der Vorteil liegt auf der Hand: keine stinkenden Blechlawinen im Stau und kein enervierendes Gehupe, dafür viele Menschen, die täglich rund um den alten Segel- und Bootshafen, in den sich ab und an auch eine Mega-Yacht verirrt, zu ihrer Passegiata aufbrechen. Denn der Corso, der Spaziergang am Hafen, gehört zum Lebensgefühl in Portoferraio dazu wie Wein, Pasta und Olivenöl! Und "Sehen und gesehen werden" ist nun mal auch in Portoferraio ein Muss!

B&B Porto Sole am Hafen

Gut auch, dass das B&B Porto Sole direkt am alten Hafen öffnet. Hier sorgen Wirtin Anna und Gatte Davide in drei exzellent möblierten Apartments mit Küche und WLAN für die richtige Portoferraio-Atmosphäre. Nur 50 Meter von der Porta a Mare, dem von Großherzog Cosimo I. Medici 1549 erbauten alten Stadttor am Hafen, und direkt gegenüber dem 1561 errichteten Arsenale delle Galeazze, wo die Kriegsgaleeren des auf Kaperfahrten gegen Piraten spezialisierten Stefansordens instandgesetzt wurden und die heute als Markthalle genutzt wird, ist das B & B Porto Sole die perfekte Adresse, um hautnah in Portoferraios einmalige Stadtatmosphäre einzutauchen.

Allein schon der Balkonblick auf den abends grandios ausgeleuchteten Hafen und die Bastionen der von Cosimo I. errichteten Festungsanlagen, die Portoferraio den Beinamen "Cosmopoli" verliehen, ist die Wahl wert. Dazu öffnet ringsum gleich ein Dutzend Tavernen. Eine erste Adresse, um Elbas und Portoferraios historische Spezialitäten zu genießen, ist dort zum Beispiel die preiswerte Osteria L`Acqua Cheta. Zum "Stillen Wasser" an der Via Mercato Nuovo 11 pilgern vor allem Einheimische und genießen besonders die Meeresfrüchte.

Meeresfrüchte in der Osteria L`Acqua Cheta.
Meeresfrüchte in der Osteria L`Acqua Cheta.

 

100 Meter vom B&B Porto Sole entfernt sind zudem an der Calata Bucceri Parkplätze am Hafen – und mit der Torre della Linguella auch gleich eines der Wahrzeichen Portoferraios. Der die Hafeneinfahrt bewachende Turm diente ab dem 18. Jh. auch als Gefängnis – hier saßen Italiens Briganten, aber auch der spätere Staatspräsident Sandro Pertini 1933 ein. Damals war er als entschiedener Gegner Mussolinis auf Pianosa interniert. Gleich nebenan wurde eine römische Villa ausgegraben, in der einst hohe Würdenträger Kaiser Hadrians den Abtransport des wertvollen Elba-Granits überwachten. Und im alten Salzmagazin wurde Portoferraios Archäologisches Museum eingerichtet.

Napoleons Spuren und Kulinarik

Aber Portoferraio besucht man vor allem aus zwei Gründen. Einmal sind da die Befestigungen, die Großherzog Cosimo I. erbauen ließ. Ein Rundweg führt zu den Höhepunkten zwischen Forte Falcone und Forte Stella. Und dann ist da natürlich auch Napoleon, der während seines Exils 1814/1815 die Villa dei Mulini, den Palast an der Stelle zweier vorheriger Windmühlen hoch über der Altstadt, zu seiner ersten Residenz erkor. Ausgestattet hat sich vor allem seine Lieblingsschwester Paolina Bonaparte. Im mit Millionenaufwand restaurierten Palast kann man nun zig Napoleon-Reminiszenzen entdecken, inklusive Paolinas mondänem Baldachin- und Napoleons spartanischem Feldbett sowie der nun auch digitalisiert vorliegenden Tagebücher der zwei. Der Besuch ist genauso ein Muss wie die Stippvisite zum Hauseingang der 50 m entfernt wohnenden Kaiserinmutter Letizia Ramolino an der Via Ferrandini 12.

Natürlich hat Portoferraio insbesondere auf dem Napoleon-Rundgang noch einiges mehr zu bieten. Da ist erst einmal das Rathaus, in dem Napoleon eine Nacht wohnte und das zuvor als Zwieback-Manufaktur, Biscotteria, für die hungrigen Matrosen und Ruderer der Großherzogsgaleeren diente. Erfreulicherweise lockt direkt gegenüber die wunderbare Rathausbar mit herrlich erfrischenden Cocktails. Dann sollte das von Napoleon in eine Ex-Kirche erbaute Teatro dei Vigilanti an der Piazza Gramsci ein Muss sein. Einmal muss man hinauf bis in den 4. Rang, um das Gefühl der "Kinder des Olymps" zu genießen, die in diesem historischen Theaterbau auf den billigsten Plätzen saßen. Pflicht sind auch die 18 Kristallkronleuchter in der Kirche Chiesa del SS. Sacramento an der Via Garibaldi.

Die Kristallkronleuchter in der Kirche Chiesa del SS.
Die Kristallkronleuchter in der Kirche Chiesa del SS.

 

Und natürlich darf auch die Pinacoteca Comunale Foresiana im alten Palast der Stefansordensritter, heute Portoferraios Kulturzentrum, nicht fehlen. Gleich nebenan öffnet die Portoferraios Ortsheiligem gewidmete Kirche Chiesa di San Cristino. Im auch Chiesa di San Crispino genannten Gotteshaus findet alljährlich die Gedenkmesse anlässlich Napoleons Tod statt. Nebenan unterhält die Bruderschaft der Kirche das winzige Museo dei Cimeli Naöpoleonici mit der original ersten Fahne Elba, die Napoleon selbst entworfen haben soll und die die drei berühmten Bienen Elbas zeigt.

Am besten ist es natürlich, so einen Rundweg immer wieder mit kleinen Pausen und delikaten Gourmethäppchen zu garnieren. Allererste Adresse dafür ist die Osteria Pepenero. Die Eigner, Marco Olmetti am Herd und Antonio Mori im Service, setzen rigoros auf Elbas Bioprodukte und Bioweine, und haben riesigen Erfolg!

An der Salita Napoleone, auf der man noch die Tritt- und Hufspuren der Napoleon-Zeit entdecken kann, öffnet schon seit 1970 das Ristorante Il Lido (mit Außenterrasse). Fisch und Meeresfrüchte sind angesagt, die Bedienung ist freundlich und vor allem sehr kompetent – und hierher kommen viele Einheimische. Großartig sind auch die Desserts, allen voran die Ricotta-Torte.
Die größte Überraschung bietet dann aber das zwar räumlich große, doch eher unscheinbar schlicht, gar massentouristisch auftretende Ristorante Le Sirene.

Auf der Strandveranda sitzt man nicht nur großartig im Abendlicht. In der Küche wird auch die beste Fischsuppe, der legendäre Cacciucco, weit und breit zubereitet. Der Koch ist Marokkaner – aber schon seit drei Jahrzehnten auf Elba und bestens in Portoferraio integriert. Das kann man auch von der Besitzerin des Wine Shops an der Calata Mazzini sagen. Direkt am Hafen erhält man bei ihr die besten Weine Elbas und der Toskana sowie den raren Gorgona von Frescobaldi.

Information:
Infopark, Calata Italia 4, 57037 Portoferraio (Elba), Region Toskana, Italien, Tel. +39 0565 908 231, This email address is being protected from spambots. You need JavaScript enabled to view it., www.parcoarcipelago.info, www.islepark.gov.it 
Toscana Promozione Turistica, Via Vittorio Emanuele II 62, 50134 Florenz, Toskana, Italien, Tel. +39 055 462 801, www.visittuscany.com 
ENIT Deutschland, Barckhausstr. 10, 60325 Frankfurt am Main, Tel. 069 237 434, This email address is being protected from spambots. You need JavaScript enabled to view it., www.enit.de 

Ausflüge:
Il Geno del Bosco, Calata Italia 26, 57037 Portoferraio, Tel. +39 0565 944 374, www.geniodelbosco.it 

Übernachten:
B&B Porto Sole, Via delle Galeazze 30, 57037 Portoferraio, Tel. +39 388 743 37 36, www.elbaportosole.com 

Restaurants:
Osteria Pepenero, Via Dell‘Amore 48, 57037 Portoferraio, Tel. +39 0565 916 240, www.olmosteria.com; tgl. 18.00 – 2.00 Uhr
Il Lido, Salita del Falcone 2, 57037 Portoferraio, Tel.+39 0565 914 650, www.ristorantelido.org 
Le Sirene, Spiaggia delle Ghiaie, 57037 Portoferraio, Tel. +39 0565 914 364, www.ristorantelesirene.it 

Einkaufen:
Wine Shop, Calata Mazzini 15, 57037 Portoferraio, Tel. +39 0565 916 380, www.calatamazzini15.it/cms/ 

 

Impressionen:

Fotos: Jürgen Sorges

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Zuletzt bearbeitet am 28/07/2018

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