Tatortstadt Kiel: auf Borowskis Spuren

Eine Frau wird vom Balkon gestürzt und stirbt, ein weiterer Mord wird in einem Zimmer des Maritim Hotels Bellevue verübt: als Drehort für die 1970er Jahre hätte das Tatort-Team kaum ein besseres Gebäude mit passendem Ambiente wählen können...

Wenn Tatort- Hauptkommissar Klaus Borowski (Axel Milberg) in Kiel dreht, dann nächtigt er nicht nur im Maritim, weil dieses Hotel schon häufig zu den Drehorten gehörte, sondern auch weil es den schönsten Panoramablick über die Kieler Förde bietet.

Der herrliche Aussichtspunkt Bellevue auf den waldigen Hügeln des Düsternbrooks wurde schon Anfang des 19. Jahrhunderts als beliebtes Naherholungsgebiet in Kiel geschätzt. Bereits 1846 errichtete man an dem idyllischen Standort eine einfache Gastwirtschaft mit einem Aussichtspavillon. Später entstand ein stattliches Logierhaus und 1905 kaufte die Stadt Kiel das Anwesen, um es weiter auszubauen. Währen des ersten Weltkriegs wurde es als Hilfslazarett und anschließend als Studentenwohnheim genutzt. Im Jahr 1936 fanden erstmals olympische Segelregatten auf der Kieler Förde statt.

Nördlich des Hafens vom Kaiserlichen Yacht-Club in Höhe des heutigen Bellevue entstand der Olympiahafen, in unmittelbarer Nähe das Olympiaheim. 1957 wurde zur 75. Kieler Woche in dem Gebäude das Hotel Bellevue wiedereröffnet. Zu den Olympischen Spielen 1972 wurde durch die Maritim Hotelgruppe ein kompletter Neubau erstellt. Seitdem hat sich an dem äußeren Bild des Hauses mit einem großen Eigentumsblock kaum etwas verändert. Sogar das Interieur enthält zum Teil immer noch Originale, wie einige Möbelstücke oder Tapeten mit Abbildungen von Hummern oder Segelyachten, der 70er Jahre. Die Authentizität mag ein Grund sein, warum das Haus immer wieder als Drehort für den Kieler Tatort gewählt wird. "Hier hat sich seit den 1970er Jahren kaum etwas verändert. Leider sind die Bäder renoviert worden. Es gibt in Kiel keinen schöneren Ausblick von einem Hotel auf die Förde als vom Maritim. Während der Dreharbeiten nächtigt Klaus Milberg immer in diesem Haus", schmunzelt Stadtführer Martin Behrens bei seinem Rundweg "Auf den Spuren von Kommissar Borowski - die Tatort-Tour zum Kieler Tatort des NDR".

“Versetzen Sie sich in die jeweiligen Szenen. Ich verrate Ihnen, warum die Fiktion des Filmischen häufig nicht mit der Realität der Drehorte zusammenpasst und weshalb sich die Regisseure dennoch gegen die realen Bedingungen entscheiden", erklärt der Stadtführer und führt seine Gäste - fast immer am Wasser entlang - zu den Schönheiten und besonderen Plätzen der Stadt Kiel.

Kiel: Stadt an der Förde…
Kiel: Stadt an der Förde…

 

Vom Seebad Düsternbrook über das Marinequartier mit der Petruskirche, das Polizeikommissariat, die Hörnbrücke und den Color Line Fährhafen werden zahlreiche Szenen der erfolgreichen Krimiserie spannend veranschaulicht. Bereits seit 2003 ermittelt der gebürtige Kieler Axel Milberg in der Rolle des wortkargen und selbstironischen Hauptkommissars Klaus Borowski an den nördlichsten Tatorten rund um die Landeshauptstadt von Schleswig-Holstein. Das Flair dunkler Yachthäfen, einsamer Brücken und weiter Strände der Kieler Förde bilden perfekte Mordkulissen.

Bei den Kieler Tatorten gelingt es durch eine besonders dichte Atmosphäre die Melancholie der norddeutschen Landschaften einzufangen. Bei dem Stopp zum Titel "Borowski in der Unterwelt" verbindet Martin Behrens Historie mit der Krimifantasie. "Gebaut wurde die Petruskirche in den Jahren 1905-1907 als Garnisonkirche für die kaiserliche Marine. Heute ist sie die größte und bedeutendste Jugendstilkirche in Deutschland", berichtet Martin Behrens. In dem Tatort tauchen unterhalb der Kirche in der Kanalisation Überreste mehrerer menschlicher Körper auf. Kommissar Borowski und seine Kollegen stehen mal wieder vor einem Rätsel: Wo kommen die Überreste her, wie sind sie in die Kanalisation gelangt und wie vielen Menschen gehörten sie? Ein Priester und ein Obdachloser kommen ins Spiel", beginnt der Stadtführer seine Ausführungen. Das Portal der Kirche wird in der Serie im Original gezeigt. Die Aufnahmen der Kanalisation stammen dagegen aus der Hamburger Unterwelt.

Die Tour enthält spannende Momente der Krimis, Erläuterungen zur Architektur und auch zur wirtschaftlichen Bedeutung Kiels, die zu einem großen Teil mit der Schifffahrt verbunden ist. Mehr darüber ist bei einem Besuch des Schifffahrtmuseums zu erfahren. In der ehemaligen Fischhalle, die bis in die 60er Jahre als Umschlagplatz für Fisch bekannt war, wird auf 700 Quadratmetern sehr anschaulich die Geschichte der Stadt in allen Facetten als Hafenstadt, als Marine- und Werftenstandort und als Ort des Segelsports vermittelt. Die Geschichte des Fischfangs in Kiel begann schon mit dem Stadtrecht im Jahr 1242. An einem alten Ellerbeker Fischerboot wird anschaulich die harte Arbeit der Fischer und ihrer Frauen erklärt. Außerdem ist zu erfahren, dass als lokaler Wirtschaftsfaktor und Nahrungslieferant neben Hering und Dorsch auch Sprotten über lange Zeit eine wichtige Rolle spielten.

Echte Kieler Sprotten werden in reiner Handarbeit hergestellt. Diese Spezialität aus der Fördestadt wird in alten sogenannten Altonaer Öfen über Buchen- und Erlenholz geräuchert. Erkennbar sind die original Kieler Sprotten von außen an der historisch aussehenden Verpackung. Die schmackhaften Fische stecken in kleinen, hübschen Holzkisten. Wer lieber Süßes mag, kann die Sprotten auch als Schokolade erstehen. Die Schokosprotten haben die gleiche Verpackung wie das Original. Als gebürtiger Kieler ist schon fast selbstverständlich, dass Borowski Sprotten liebt - egal ob als Schokovariante oder als echten Fisch.

Maritim Hotel Bellevue Kiel, Bismarckallee 2, 24105 Kiel, Telefon: +49 (0) 431 3894-0, This email address is being protected from spambots. You need JavaScript enabled to view it. 

 

Impressionen:

Fotos: Carola Faber

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Zuletzt bearbeitet am 05/06/2018

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Carola Faber

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