Mythos Angkor – Renaissance der Khmer Kultur

Ein Traum aus Stein, vergessen im undurchdringlichen Dschungeldickicht Südostasiens – kaum ein Zeugnis früher Hochkulturen hat die Fantasie von Forschungsreisenden so inspiriert wie die monumentalen Tempelanlagen rund um die versunkene Hauptstadt des legendären Khmerreichs, das zwischen dem 10. und 15. Jahrhundert weite Teile des Kontinents beherrschte.

Einer der ersten Europäer, der im Jahre 1586 die von Schlingpflanzen und Luftwurzeln gewaltiger Uhrwaldriesen überwucherten Ruinen mit eigenen Augen sah, war der portugiesische Kapuzinermönch António de Madalena. Tief beeindruckt berichtete er seinem Landsmann, dem Historiker Diego do Couto, die Überreste tief im Dschungel seinen von so außergewöhnlich Form, zeugten von einer solchen Kunstfertigkeit ihrer Erbauer, dass sie mit keinem Federkiel zu beschreiben, noch mit irgendeinem anderen Monument der Erde vergleichbar seien. Doch schon bald geriet Angkor erneut für mehr als zwei Jahrhunderte in Vergessenheit.

Erst die enthusiastischen Reiseberichte des Franzosen Henri Mouhot, der die Runinen 1860 besucht hatte, versehen mit zahlreichen detailreichen Illustrationen, lösten in Paris - ähnlich wie die Zeugnisse aus dem Reich der Pharaonen jenseits des Ärmelkanals das Mumienfieber - eine regelrechte Angkor-Hysterie aus.

Das einst vergessene Angkor…
Das einst vergessene Angkor…

 

Allerdings glaubte Mouhot noch, die Tempelanlagen stammten aus der Vor-Khmer Periode und verglich sie mit dem Tempel des weisen König Salomo, die ein architektonisches Genie vom Range eines Michelangelo errichtet haben müsse. So trug der Mythos von Angkor Wat auch dazu bei, dass die Grande Nation das Khmer Reich 1887 schließlich seiner Überseekolonie Französisch-Indochina einverleibte – gleichsam als als Spiegel eigener nationaler Größe – und das moderne Kambodscha, das die Silhouette von Angkor bis heute in der Staatsflagge trägt, erst 1953 in die Unabhängigkeit entließen. Selbst die Roten Khmer, deren Schreckensherrschaft in den 70er und frühen 80er Jahren rund 1,7 Millionen Kambodschaner zum Opfer fielen, darunter Zehntausende von Künstlern und Intellektuellen, wagten nicht das „reaktionäre“ Symbol des alten Königreichs von der Flagge zu verbannen.

Touristenmagnet

Heute gehören die Ruinen von Angkor Wat und des benachbarten Angkor Thom, der letzten Hauptstadt des Khmer Reiches, zu den meist besuchten Touristenattraktionen der Welt, die in einem Atemzug mit den Pyramiden oder Machu Pichu genannt werden. Bereisten die ersten Abenteurer die unwegsamen Region allerdings noch auf dem Rücken von Elefanten, setzt sich heute bereits im Morgengrauen eine endlose Blechlawine von Kleinbussen und TukTuks in Bewegung, die Backpacker, Pauschalurlauber, Bildungsreisende und Globetrotter von der nahe gelegenen Provinzhauptstadt Siem Reap – Ausgangspunkt der meisten Angkor Besucher – über gut ausgebaute Straßen in das Herz der seit 1993 als UNESCO Weltkulturerbe gelisteten Anlage bringt. Und auch wenn die Besucherzahlen mittlerweile in die Millionen gehen, was große konservatorische Probleme aufwirft, gehören die Ruinen doch noch immer zu den wenigen verbliebenen, wirklich magischen Orten unseres Planeten, seine Monumente zu den beeindruckendsten Beispielen sakraler Baukunst.

Dunschungeltempel von Ta Prohm

Die Natur erobert sich den Platz zurück…
Die Natur erobert sich den Platz zurück…

 

Neben Angkor Wat sind aber auch für viele kleinere Tempelanlagen im Umfeld einen Abstecher wert. Schließlich erstrecken sich die Ruinen über eine Fläche von insgesamt mehr als 400 Quadratkilometer. Besonders sehenswert ist z.B. der Dschungeltempel von Ta Prohm etwa zwei Kilometer nordöstlich des Haupttempels. Die Restauratoren der École française d’Extrême-Orient, deren Hauptaufgabe während der Kolonialherrschaft vor allem in der Restauration von Angkor bestand, überließen diesen Tempel ganz bewusst dem Urwald und legten nur so viel der Anlage frei, dass Besucher sich darin gefahrlos bewegen konnten. Tatsächlich wirken die Wurzeln der Würgefeigen und die monumentalen Tentakel der Tetramales nudiflora wie gewaltige Fäuste erstarrter Titanen, die die moosbewachsenen Ruinen mit eisernem Griff umklammern. V

or allem am frühen Morgen oder bei Sonnenuntergang, wenn lange Schatten über die Mauern wandern, glaubt man noch heute die Präsenz jener geheimnisvollen Mächte zu spüren, die hier einst mit finsteren Opferritualen verehrt wurden. Ursprünglich als Hindutempel für Gottheiten wie Vishnu oder den Todesgott Yama errichtet, gerieten die Kultstätten bald schon unter buddhistischen Einfluss, so dass bis heute auch zahlreiche Pilger zu den Besuchern der Tempelanlagen zählen. Doch die Symbolkraft dieser Mauern reicht noch tiefer. Das gesamte Ensemble von Angkor Wat ist von einem rechteckigen, rund 180 Meter breiten Wassergraben umgeben, in dessen Mitte sich die Sandsteintempel wie eine Insel aus den Fluten eines mythischen Ur-Ozeans erheben. Archäologen deuten das als symbolisches Abbild des Kosmos selbst. Neben den Ruinen sind es daneben vor allem Tausende kunstvoll ausgeführter Sandsteinreliefs halbnackter Tempeltänzerinnen, stolzer Herrscher, monumentaler Schlachtszenen, von Himmel und Hölle, die die Fantasie der Besucher einst wie heute in Erregung versetzen.

Renaissance des Kunsthandwerks

Jahrhundertealtes Kunsthandwerk…
Jahrhundertealtes Kunsthandwerk…

 

Doch ein Besuch in Siem Reap lohnt nicht nur wegen der Tempel. Das Touristenzentrum nahe des Tonie-Sap-Sees – größte Süßwasserfläche Südostasiens – hat sich, nachdem die letzten Attacken versprengter Guerilla-Truppen der Roten Khmer 1993 schließlich endeten, innerhalb eines Vierteljahrhunderts zum vielleicht bedeutendsten kulturellen Zentren des unter der Last des Bürgerkriegs fast zerbrochenen Königreichs entwickelt. Tatsächlich gingen durch die systematische Vernichtung der kulturellen Elite jahrhundertealtes Kunsthandwerk, Literatur, zahllose Riten und Bräuche fast unwiederbringlich verloren und doch hat vieles Dank des Mutes Einzelner die Jahre des Terrors überdauert.

Großen Anteil an der Wiederbelebung dieser Traditionen haben die Artisans d´Angkor. Hervorgegangen ist das halbstaatliche Social Enterprise aus einem Erziehungsprojekt, mit dem in den frühen 90er Jahren versucht wurde, den Wiederaufbau des Landes zu forcieren. Ziel war damals jungen Kambodschanern in ländlichen Regionen - viele auf Grund der Wirren des Bürgerkrieges ohne Schulbildung – handwerkliche Fähigkeiten zu vermitteln. Später rückte dann traditionelles Khmer Kunsthandwerk in den Fokus, woraus 2003 mit europäischer Unterstützung schließlich Artisans d´Angkor entstand. Hier finden die jungen Kunsthandwerker im Anschluss an ihre Ausbildung einen sichern, gut bezahlten Job inklusive Krankenversicherung – in Kambodscha auch heute noch ein seltenes Privileg. Erwirtschaftete Gewinne werden komplett in das Ausbildungsprogramm und die Schaffung neuer Arbeitsplätze reinvestiert.

Mit Kunsthandwerk in eine gesicherte Zukunft.
Mit Kunsthandwerk in eine gesicherte Zukunft.

 

Zu den Arbeiten, die von den Künstlern in mehr als 40 Ateliers – manche davon auch für Besucher zugänglich - hergestellt werden, gehören feinste Lackarbeiten, handbehauene Sandsteinskulpturen, Holzschnitzereien, Keramik, aber auch Seidenstoffe. Vertrieben werden diese hochwertigen Produkte über brandeigene Boutiquen und einen Onlineshop. Mittlerweile findet man viele dieser Arbeiten aber auch in den diversen Luxushotels von Siem Reap. Z.B. in der mondänen Résidence d´Angkor, eine urbane Oase mit kolonialem Charme an den Ufern des Siem Reap River, eines der ersten 5-Sterne Häusern, das von den Artisans d´Angkor ausgestattet wurde. Im Hotel findet man auch eine Boutique des Labels mit besonders exklusiven Produkten. Gleichzeitig bietet das Haus die Möglichkeit die Werkstätten und die Seidenfarm, wo das Rohmaterial für die edlen, fließenden Schals, Blusen und Kleider entsteht, die in den Modeateliers der Artisans kreiert werden, begleitet von einem fachkundigen Guide zu besuchen.

Khmer Kultur in der Manege

Doch die Renaissance der Khmer-Kultur spielt sich nicht nur im Bereich des Kunsthandwerks ab. Mit Phare – Kambodschas Antwortet auf den Cirque du Soleil – ist es mittlerweile auch auf dem Gebiet der performing arts gelungen, an alte Traditionen anzuknüpfen und jungen Talenten eine neue Perspektive zu geben. Das Ergebnis ist schlicht spektakulär. In einem rund 1000 Personen fassenden Zirkuszelt am Rande Siem Reaps gibt es jeden Abend beeindruckende Shows, die weniger durch akrobatische Höchstleistungen beeindrucken, als durch die Dramaturgie, denn die Programme erzählen auf subtile Weise vom Leben und Schicksal der Phare-Macher oder der auftretenden Künstler – viele davon selbst Kriegsweisen oder Opfer des Folter- und Terrorregimes.

Ein besonderes Erlebnis im Phare…
Ein besonderes Erlebnis im Phare…

 

Ein multimediales Erlebnis in dem sich Live Musik, Kunst-Performance, Tanz, Satire und Akrobatik zwanglos ineinander mischen und in Teilen so anrührend und bewegend, dass selbst hart gesottenen Besuchern die Tränen kommen – ein Muss bei jedem Siem Reap Besuch und ein Zeichen der Hoffnung.

Weitere Informationen:

Geoplan Privatreisen bietet mit dem 4tägigen Programm Kambodscha: Sitz der Götter einen luxuriösen Aufenthalt in Siem Reap inkl. privatem Reiseleiter, Fahrzeug und Übernachtungen in der Belmond La Résidence d’Angkor für 890 €/p.P. an. Besuche in den Tempeln, auf auch in den Werkstätten oder im Circus inklusive.

Nähere Infos: www.geoplan.de 
Allgemeine Reiseinfos zu Kambodscha - www.tourismcambodia.com 
Artisans d´Angkor - www.artisansdangkor.com 
Belmond La Residence d´Angkor - www.belmond.com/de/la-residence-d-angkor-siep,com  
Phare Circus Siem Reap - www.pharecircus.org 

Fotos: Klaus Peter Bredschneider, Thomas Hauer, Stefan Vontobel

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Zuletzt bearbeitet am 05/06/2018

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Autor

Thomas Hauer

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