Nordirlands St. Tropez: Portstewart und die spektakuläre Causeway Coastal Route (Teil 1)

Warum die Reise auf die Grüne Insel nicht in Belfast starten? Direktflüge aus Europa zu den beiden Stadtairports sind im Angebot – und auch der Mietwagenverleih über die (noch) grüne Grenze zwischen Nordirland und Irland klappt einwandfrei – wenn man denn z. B. bei Sixt bucht vorhanden...

Zudem ist die in Belfast startende, ca. 330 km lange Küstenstraße nach Derry-Londonderry touristisch als Causeway Coastal Route mit mehr als zwei Dutzend Highlights prächtig ausgebaut und als Vorgeschmack oder auch Verlängerung des irischen Wild Atlantic Way geradezu ideal und weit mehr als nur ein Appendix. Und wenn man sich dann noch für das lange unbeachtete Portstewart entscheidet, kann man dann auch Strand und Küste auch von seiner feinsten kulinarischen Seite erleben.

Das Küstenstädtchen Portstewart (7800 Einw.) war bis ins Jahr 2000 allenfalls Insidern als Seaside Resort der viel größeren und bekannteren Nachbarstadt Portrush bekannt. Doch deren White Rocks Beach, er zieht sich vom Curran Strand entlang der kalksteinklippen bis zur nahen Topattraktion, den prachtvollen Ruinen von Dunluce Castle, hoch über dem Meer, hat nun heftige Konkurrenz mit dem Portstewart Strand bekommen. Und nicht nur das. Auch der Portstewart Golf Club, dessen riesiges Clubhaus auf Strand Head, hoch über dem Strand thront, hat zum berühmten Royal Portrush Golf Club aufgeschlossen. Im 1888 gegründeten Club fand 1951 die allererste Irish Open statt. Und damals wie heute gelten dort Loch 5 und Loch 14 als mit die spektakulärsten weltweit.

Loch 5, White Rock genannt, gilt als schwierigster Zweischlag-Parcours der Welt. Und Loch 14 heißt nicht umsonst "Calamity". Es verlangt äußerster Präzision, um über den enormen Graben zu kommen.

Portstewart Strand

Nicht unweit, über zwei Meilen, 3,3 km, zieht sich der feinsandige Strand Portstewarts, heute vom National Trust verwaltet und mit der Blauen Flagge ausgezeichnet, vor den Toren von Portstewart bis hin zum River Bann und dem vom Mussenden Temple gekrönte westliche Borgebirge – und hat sich zu den Top Ten-Attraktionen Nordirlands gemausert. Mit Folgen: Portstewart entwickelte sich in den letzten Jahren zum teuersten Immobilien-Hotspot Nordirlands. Die Haus- und Quadratmeterpreise übersteigen sogar die edlen, teuren Villenbezirke von Süd-Belfast.

Der Strand von Portstewart.
Der Strand von Portstewart.

 

Urplötzlich wollte jeder zumindest einen Zweitwohnsitz im Küstendörfchen haben, Strand, Golf und Natur genießen und das beste Freizeitziel Nordirlands direkt vor der Tür haben. Portstewarts verschlafene Strand Street entwickelte sich zu einer mit wundervollen wie wundersamen Neubauten gepflasterten Meile moderner Architektur – mal experimentell, mal konventionell. Gut also, wenn man im fast postmodernen, schnörkellos rechtwinklig hochgezogenen Fünfsterne-B&B "At the Beach" unterkommt.

Mit Parkplätzen gleich auf dem Hof und gleich fünf wunderbaren Zimmer mit Meerblick wartet Hausherrin Glenda auf, die sich rund um die Uhr um ihre Gäste kümmert und vor allem morgens mit einem opulenten, alle Wünsche erfüllenden Frühstück aufwartet. Schön auch, dass in der Gartenmauer ein Torgatter eingebaut ist, das direkt auf den Küstenweg zum Portstewart Strand führt.

Kaum fünf Minuten sind es bis zum Sand aller Träume – auf dem zu unserer Überraschung erst einmal eine Reihe Autos parken. Wie das? Nun, der National Trust verfolgt ein ebenso ambitioniertes wie offenes Konzept. Zu bestimmten Tageszeiten dürfen hier auch Autos den Strand befahren – zum Picknick, zum Musiksession am Autoradio, nicht aber für Wettrennen. Andere Tageszeiten wie der frühe Morgen sind hingegen autofrei und exklusiv für Hundebesitzer und vor allem die Pferdefreunde reserviert. Das ist dann auch die Stunde der Strandwanderer, die hier abseits jedweder Auspuffröhren ihre Muße auf der Doppelflaniermeile finden.

Und natürlich kann dann auch ein Pferdeausflug durchs flache Wellenwasser stattfinden. Die meisten Pferdebesitzer kommen aber samt Anhänger, in den sich Traber befinden. Im Sulky geht es dann am Strand gemächlich auf und ab. Tagestraining für die edlen Rosse! Das Konzept des national Trust geht auf: auch, weil sich im Wasser nicht nur Badegäste tummeln, sondern auch Surfer und SUP-Fans ihre Freude finden. Und auch, weil das sich anschließende Dünenareal des Strandes weitläufig und komplett unter Naturschutz steht. Hier gehen also Tourismusaktivitäten und Naturinteresse Hand in Hand. Ein 1,5 km langer Holzbohlen-Rundweg führt naturschonend durch das 180 ha große Paradies, in dem seltensten Arten wie die Bee Orchid, Bienen Ragwurz, blühen. Und sogar Historisches ist im fragilen Habitat geschützt.

Hier sind auch Pferde am Strand willkommen...
Hier sind auch Pferde am Strand willkommen...

 

Im bis zu 30 m hohen, 6000 Jahre alten Dünengefüge fand man sogar neolithische Keramik, Bronzestifte und antiken römischen Schmuck. Sehr schön auch, dass der National Trust ein Strandhaus baute, in dem seit 2015 Nordirlands Newcomer-Küche des Jahres zubereitet wird.

Strandsause in Harry`s Shack

In Harrys Strandhütte geht es vor allem unprätentiös zu. Hier sind Familien mit Kleinkindern ebenso willkommen wie der gentleman-like gekleidete Golfprofi oder der alte Herr aus Portstewart, der jeden Tag vorbeischaut. Direkt nach der Eröffnung gelang Harry`s Shack, das Haupthaus ist in Derry-Londonderry im Crafts Village der Oberstadt, der inselweite Durchbruch. Mit der kleinen, täglich wechselnden Speisekarte eroberte das Team um Conner Ryan, 30, im Nu die Herzen der Foodies auf beiden Seiten der Landesgrenzen.

Sicher hat auch das ungezwungene Standambiente ein Gutteil zum Erfolg beigetragen, nicht zuletzt auch der grandiose Fenster- oder Terrassenblick auf den Strand mit der im Meer versinkenden Abendsonne. Und wenn man dann noch einen Kellner wie Takunda in seiner Crew hat, kann eigentlich nichts mehr schiefgehen.

Takunda stammt aus Zimbabwe, ist also ein wirklicher "Zimbo", und hat dem dortigen Regime den Rücken zugekehrt. Überaus freundlich und kompetent führt er durch die Speisekarte, erklärt die durchaus aufwändige Liste der Craft Biere und weiß sich auch in der Weinkarte perfekt zu bewegen. Nur beim Nur bei einem Bier, dem The Gaets Butt aus Hillstown im County Antrim, müssen alle passen. Denn es handelt sich um ein Weißbier, also ein Weizenbier, das nicht nur im falschen Glas serviert wird, sondern auch als Bierspezialität gänzlich unbekannt scheint.

Eingekehrt in Harry`s Shack...
Eingekehrt in Harry`s Shack...

 

Dabei hat es der 5,3 %-tige Gerstensaft (0,5 l für 5 £) durchaus in sich – und schmeckt. Weitaus mehr auf der sicheren Seite sind Biertrinker daher mit dem Bräu aus der Lacada Brewer im nahen Portrush (0,33 l für 3,8 £), dem Bier der Kinnegar Brewery aus Rathmullan (0,5 l für 5 £) und dem leckeren "08 Kolsch" aus der Northbound Brewery in Derry-Londonderry (0,5 l für 5 £). Die wirbt zurecht damit, dass ihr Bier nur Wasser, Hopfen, Malz, Hefe und Wissen enthält! Eine wirkliche Entdeckung ist auch das Rathlin Red, ein Irish Craft Red Ale aus der Glens of Antrim Brewery im nahen Ballycastle (4,8 %; 0,5 l für 5 £). Und auch MacIvor`s Cider aus dem County Antrim (4,6 £) und die Biere der Boundary Brewing Cooperative in Belfast, z. B. "D`etre Ultime" (4,1 %; 0,33 l für 4,20 £) sind zu empfehlen.

Auf der Speiskarte folgt man am besten Takundas und Connors Tagesempfehlungen. Es darf als Starter z. B. durchaus eine leckere Linsen-Kartoffelsuppe mit gerösteten Mandeln sein (5 £), besonders, wenn man vom Wind so richtig durchgepustet vom Strand kommt. Unschlagbar sind auch der Ziegenkäsesalat mit St-Tola-Ziegenkäse, dem besten Irlands (6 £), und die Muscheln aus der Mulroy Bar, vor allem wegen des einmaligen Cider-dressings, dessen Qualität sich sogar bis hin Belfasts Taxifahrern herumgesprochen hat. Als Hauptgang wählt man am besten Fisch, z. B. ein simples Fish & Chips, dass sich dann aber als Heilbutt-Filet mit Buttermilchcreme, Erbsen und Tartar-Sauce entpuppt (13 £). Einfach lecker! Natürlich darf man auch zum Beach Burger mit Cheddar, Tomaten-Jus, Gartensalaten und Zwiebelringen greifen (12 £). Auch der Risotto mit getrockneten Tomaten findet seine Liebhaber.

Unschlagbar einfallsreich und lecker ist dann das Seehecht-Filet mit Kichererbsen, Chorizo-Tomaten-Stew und Couscous (16 £). Dazu ordert man Prosecco (Flache ab 23 £), einen Guegnon Chalbis 2015 (Flasche 32 £), einen Pouilly-Fuisse 2015 (36 £) oder Rote wie den Rioja Sierra Cantabria 2013 (20 £, Glas 5,60 £) oder den Cline Pinot Noir 2013 aus Kalifornien: Italiener sind leider nicht vertreten, aber dafür versöhnt zur Strandsause der Chateau Peyroutas Grand Cru Saint Emilion 2012 (34 £).

Information:
Causeway Coastal Route: 160 Mains Street, Bushmills, www.causewaycoastalroute.com, https://discovernorthernireland.com/about-northern-ireland/destinations/causeway/causeway-coastal-route/causeway-coastal-route-destinations/ 

Tourism Northern Ireland, Bedford Square, Belfast, Tel. +44 (0)28 90 23 12 21, www.discovernorthernireland.com 
Irland Information/Tourism Ireland, Gutleutstr. 32, 60329 Frankfurt/Main, Tel. 069 9 23 18 50, www.ireland.com/de-de/ 
Fáilte Ireland, 88-95 Amiens Street, Dublin 1, www.failteireland.ie 

At the Beach B&B*****, 80A Strand Road, Portstewart, Tel. +44 (0)28 70 83 65 10, www.at-beach.com; 5 DZ, nicht für Babys und Kinder unter 16 Jahren

Harry`s Shack, The Strand Beach, Portstewart, Tel. +44 (0)28 70 83 17 83, Mo. – Do. 11.00 – 20.30, Fr. 11.00 – 21.00, Sa. 10.00 – 21.00, So. 10.00 – 19.00 Uhr; https://en-gb.facebook.com/HarrysShack/ 
Frühstück, Lunch (12.00 – 15.00) und Dinner (ab 17.00 Uhr)

Fotos: Jürgen Sorges

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Zuletzt bearbeitet am 04/12/2017

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