Abenteuer am "Steinberg": Am Slieve League und in Donegals Süden

Nun, die 601 Meter hohen Klippen von Slieve League sind nicht ganz die höchsten Klippen Europas. Aber immerhin zählen sie fast zu diesen…

Noch höher sind in Irland die Klippen von Croaghaun (664 Meter) auf Achill Island und einige an Norwegens Atlantikküste. Doch seit Einrichtung des Wild Atlantic Way kann mit Fug und Recht behauptet werden, dass dank des Ausbaus der Infrastruktur rund um das irisch "Sliab Liagh", "Steinberg" genannte fotogene Hochmassiv, zu den großartigsten Attraktionen an der über 2350 Kilometer langen Route zählt. In jedem Fall sind sie an Donegals südlicher Atlantikküste das Muss schlechthin – auch wenn ringsum starke Konkurrenz mit weiteren Sehenswürdigkeiten herrscht.

Wer dann noch das Glück hat, im Castlemurray House Hotel am verwunschenen St John’s Point von Dunkineely zu nächtigen und zu speisen, darf sich in Irlands äußerstem Nordwesten als angekommen fühlen. Schließlich: Nicht mal auf Golf muss man verzichten. Im Donegal Golf Club sorgt sogar ein richtiger Profi für den Schwung.

Dass Slieve League zu solcher Berühmtheit aufsteigen konnte, sind Millioneninvestitionen und der klugen Politik der Wild Atlantic Way-Macher zu verdanken. Denn die Topattraktion Donegals ist nicht nur kostenfrei zugänglich. Am Ende der 4,5 Kilometer langen, gut ausgebauten Straße vom Dörfchen Teelin zum Parkplatz am Carrigan Head darf man sogar den Schlagbaum öffnen, um mit dem PKW weiter hinauf auf 300 Meter über dem Meeresspiegel, bis zum zweiten Parkplatz am Bunglass Point hinauf zu kurven.

Natürlich kann man auch die Wanderwege des One Man`s Pass oder des Pilgrim`s Pass, der auch Old Man`s Pass heißt, beschreiten. Aber Vorsicht: Beide sind schmal und gelten nicht nur bei starkem Wind als gefährlich. Nicht Schwindelfreie müssen ihn in jedem Fall meiden! Und Pilger hat der Steinberg schon seit 1909 nicht mehr gesehen. Es gilt: Ein Mann – ein Pass! Nur etwas für umsichtige, sichere Powerwalker! Am großartigsten dürften aber Bootsausflüge sein, die Paddy und Crew ab dem Pier in Teelin sommertags hierher anbieten.

Die hohen Klippen von Slieve League.
Die hohen Klippen von Slieve League.

 

Irlands Alaska…

"Irlands Alaska" nennen Touristiker die Dörfer und Städte rund um Slieve League, etwa Killybegs, Carrick und Kilcar. Und tatsächlich haben diese einiges zu bieten, Killybegs z. B. den größten Westatlantikhafen Irlands und das Carpet Making & Fishing Centre, wo man Killybegs berühmten Fischerteppiche erstehen kann. Im Hertiage Centre hängt der größte handgeknüpfte Wandteppich der Welt. Dazu hat es zig Tweed-Läden wie in Kilcar das Studio Donegal (www.studiodonegal.ie), wo neben Jacken auch Decken, Plaits, Handschuhe, Mützen und Hauschuhe feilgeboten werden. In Glencolumbkille öffnet das Folk Village Museum, das Father James McDyer aufbaute, um mehr Arbeit ins "heilige Dörfchen" zu bringen.

Kleiner ist feiner: im Castlemurray House Hotel

Nur noch zehn Zimmer betreiben Marguerite Howley und Gatte Martin im Castlemurray House Hotel. Das war mal anders: Der Vorläufer des heutigen war deutlich größer. Aber das Konzept war – samt französischem Spitzenkoch, zu aufwendig, der Unterhalt kostete. Und so mussten am Ende 20 Angestellte gehen. Heute führen die zwei eher ein Boutique Guest House, kümmern sich um ihre zwei Kleinkinder und sind sehr, sehr zufrieden mit ihrer Entscheidung. Den Gästen kann es sehr recht sein, denn das prächtige Castlemurray House Hotel steht weiterhin oberhalb der Mc Swyne`s Bay und bietet all jenen Komfort, der es schon zu den besten 50 Romantik-Hotels weltweit machte. Allenfalls Nicht-Hotelgäste müssen Einschränkungen in Kauf nehmen. Denn die grandiose Hotelküche, in der nun Martin Howley kocht, öffnet nur abends, und nur für Hotelgäste. Und die werden mit Martins Menü (60 €) verwöhnt, das keine Wünsche offen lässt.

Rigoros lokale Produkte, so Muscheln, Krebse und Lachs direkt aus der Bucht, der Seeteufel direkt aus dem Atlantik und lokales Gemüse von St John`s Point – die Rechnung geht auf! Es scheint, dass die Entscheidung zum "kleiner, aber feiner" mehr als richtig war. Dazu entspricht die rigorose Ausrichtung aufs Lokale globalen Trends. Die Gäste jedenfalls schätzen alles über die Maßen, auch die große Weinkarte und das Bier und den Whisky von der Bar. Ringsum liegen die von Windflüchtern gesäumten Schafsweiden, vor der Tür sitzt man bequem auf der Terrasse im Grünen und genießt die Abendsonne, die hinter der Ruinenkulisse von McSwyne`s Castle im Meer versinkt.

Gleichmäßig schlagen die Wellen dabei an die Fundamente der Burg, die manche auch Rahan Castle nennen und bis ins 15. Jh. zurückdatieren. Doch die Mc Swyne sind noch älter, ihre Spur geht ins 13. Jh. und nach Argyll in Schottland zurück, ehe sie in Donegal zu einem der mächtigsten Clans aufstiegen. Ihr Spitzname: "Mac Swyne na dtuath", die Mac Swynes mit den Schlachtäxten! Später ging das Areal samt Land und Leuten an einen John Murray, der 1640 kinderlos starb. Danach übernahm sein Cousin Robert Creighton das Anwesen und änderte dessen Namen zu Ehren des Verstorbenen in Murray. Nach der Rebellion von 1641 wurde die Burg Streitobjekt langer Gerichtsverhandlungen, die sogar in London ausgetragen wurden. Selbst im 19. Jh. konnten die Murrays sich nicht sicher sein, dass ihnen Burg und Land gehörten. Schließlich übernahm Dublin im 20. Jh. alles.

Rigoros lokale Produkte im Castlemurray House Hotel.
Rigoros lokale Produkte im Castlemurray House Hotel.

 

Schön, dass man vom Hotel aus auch in wenigen Minuten am Meer ist und dort sogar Schalen frischer Jakobsmuscheln findet. Am Zugang, gleich hinter dem Gatter, steht der von den Howleys gesponserte Gedenkstein für die größte Katastrophe, die die Bucht je sah: das Bruckless Bay Drowning vom 11.2.1813! Damals fischten zahllose Heringsfischer in der Bucht und wurden vom Sturm überrascht, der sie auf die Klippen von St John`s Point zutrieb. 42 Fischer, alle aus einem Dorf, verloren ihr Leben und hinterließen 30 Witwen und 102 Halbwaisen.

Leben mit der Natur: in den Salthill Gardens

Dass Donegal auch das County der Gärten und Landschaftsparks ist, beweisen nur einige Kilometer weiter die privaten Salthill Gardens in Mountcharles. Am besten folgt man der Ausschilderung zum Strand von Mountcharles und fährt dann bis zum Pier, wo sich in Sichtweise das Anwesen von Elizabeth Temple erhebt. Auf ihren 0,5 Kektar Land rund um das 1780 bis 1820 erbaute graue Herrenhaus begann Elizabeth ab 1984, ihren Lebenstraum zu erfüllen.

Dabei ist ihre biologischer Ansatz methodisch. Ganze 52 Fuß über Meeresniveau gelang ihr die Anpflanzung von 65 Baum- und Straucharten, herrlicher Rosen sogar von Hibiskus und Jasmin. Hier sieht man alles im Werden, denn dafür sorgt Teilzeitkraft Sean, der Besuchern tatkräftig mit dem Spaten die klassische, durchaus schweißtreibende Methode der Beetanlage im keineswegs mit guten Böden gesegneten Donegal vorführt. Ein Erlebnis! Gedüngt wird zusätzlich alle fünf Jahre mit getrocknetem Kuhdung und Pferdemist, der untergehoben werden muss.

Donegal Town: Auf den Spuren der Vier Meister

Donegal, die Stadt, die mit dem County den Namen teilt, hat auf dem Stadtplatz, dem Diamond, mit dem hoch aufragenden Obelisken ein Wahrzeichen und Denkmal für jene "Four Masters", Mönche, die vor vier Jahrhunderten die Geschichte Irlands jede Menge keltische Überlieferungen aufgeschrieben und so für die Nachwelt erhalten haben. Nachdrucke als Edelausgab en kosten locker 600 Euro!

Die Burg der O `Donnell`s, die wiederum Donegal ihren Namen liehen, und auch die alte Dorfkirche sind renoviert. Dazu hat es die Klosterruine samt Friedhof am von Ebbe und Flut heimgesuchten Hafen, wo der Donegal Bay Waterbus zu Exkursionen entlang der Küste startet (www.donegalbaywaterbus.com). Dabei handelt es sich natürlich um ein Schiff, die "Tipperary", die dann auch zu den Seehund-Kolonien auf den vorgelagerten Inseln fährt.

Landestypische Architektur in Donegal Town.
Landestypische Architektur in Donegal Town.

 

Das eigentlich Schöne an Donegal-Stadt ist neben dem Kunsthandwerksdorf etwas außerhalb der Lough Eske, der durch einen Rundkurs für die Allgemeinheit erschlossen ist. Der See ist ein idealer Rückzugspunkt in friedlichster Stille, nicht weniger, aber auch nicht mehr. Das Ardeevin Guest House in Barnesmore (www.ardeevinguesthouse.co.uk) ist so ein Refugium, ein Vier-Sterne-Reich abseits der Wege. Andere zieht es hingegen weiter nach Ballyshannon, wo sich im 3500-Seelen-Dorf, das nach dem altirischen Feuer- und Sonnengott Áed benannt ist, alles um Rocklegende Rory Gallagher dreht, der samt Gitarre auf einem Denkmal nahe der Stadtbrücke über den Erne steht.

"Knockin`the Daisies": Golfen in Donegal und Irland

Leslie Robinson ist passionierter Golfer seit seiner Kindheit. Der Mittfünfziger zählt, lange unter den Top 15 der irischen Rangliste, zählt noch immer zu den besten Golfern der grünen Insel und arbeitet nun, wenn er nicht geradezu mit Preisgeldern hochdotierten Turniere eilt, als großartig erklärender Golflehrer. Zwei Jahre war er auf der European Golf Tour, tempi passati. Heute arbeitet Leslie auch mit Jugendlichen, die bei ihm in der Ausbildung sind. Armer Leslie: Heute muss er mit mir Vorlieb nehmen, einem Golf-Greenhorn, das Fairways von Highways nur zu unterscheiden vermag, als letztere ihre Grünstreifen gewöhnlich nur in der Mitte und an den Rändern haben. Zudem sind "Greenways", in Irland mehr und mehr populär, sind hingegen Fahrradwege.

Immerhin habe ich vorab mit Jack, dem Gärtner und der guten Fee der Greens, eine Runde auf dem Caddie über den Platz des Donegal Golf Clubs gedreht. Dann geht es zum Höhepunkt des Kurses, zu Loch 5, ins "Tal der Tränen". Das ist so benannt, weil hier Greenfee-Zahler ihre ambitionierten Golfer-Träume begraben, die Bälle im sprichwörtlichen wie wahren Sinn des Wortes in die Binsen gehen. "Man muss auf den Sandbunker links oberhalb des Greens zielen", heißt der Geheimtipp. Und tatsächlich schauen wir einer Viererbande zünftig gekleideter Golfer zu, die sich in Zweierteams darum bemühen, den Ball aller Bälle in Fahnennähe zu bugsieren. Einmal geht es gut, auch ein zweites Mal. Dann aber nimmt der Dritte zu viel Schwung, erwischt noch eine Windböe. Und schon landet der Ball weit hinter dem Ziel - in tiefster Botanik. Das löst ein allgemeines Suchen, Stöbern, Sträucher- und Zweige-Anheben aus. wobei sich Eisen 5 prächtig beim Stochern machte. Doch der Ball ist weg, auf immer und ewig. Das kostet dann eine Runde im Klubhaus.

Am äußersten Rande des Golfplatzes stehe ich dann verschämt am Weidezaun und übe mit Leslie Arm-, Bein- und Rückenhaltung, schließlich auch Schwünge: Trockenübungen der ersten Stunde, die mir das Golfspielen näher bringen sollen. Schließlich hole ich aus und manövriere einen großen Flatschen Gras samt Mutterboden aus dem Untergrund. Das hätte ich besser nicht tun sollen! Leslie klärt mich sofort auf, das man zwar den Boden berühren, nicht aber größere Rasenstücke daraus befördern darf. Nur bis 5 cm Durchmesser sind erlaubt. "You have to knock the Daisies" gibt er mir den besten aller Ratschläge mit in die Zukunft. Knockin`the daisies? Nein, das sei kein Golflatein, erklärt Leslie. Die Geschichte vom schwungvollen Köpfen der Gänseblümchen gehe auf einen Golfer zurück, der diese Lernmethode 1942 in jungen Jahren erprobte und sie in einem Buch publik machte. Ansonsten ist im Donegal Golf Club eigentlich alles ganz normal, sieht man einmal von den riesigen Marmorgolfbällen im Eingangsbereich ab. Mit knapp 1000 Mitgliedern ist der Club einer der größeren, und zählt dank der Ausstattung zu den 20 besten der insgesamt knapp 400 irischen Golfplätze. Kein Wunder, dass es immer mehr deutsche Golfer nach Irland zieht, um dort ihr Handicap zu verbessern. Nur am Slieve League golfen sollte man besser nicht. Die erfolgreiche Suche nach den Golfbällen dürfte schier unmöglich sein.

Weritere Informationen:
Donegal: www.govisitdonegal.com
Wild Atlantic Way: www.wildatlanticway.com
Irland Information/Tourism Ireland, Gutleutstr. 32 - 60329 Frankfurt/Main, Tel. 069 9 23 18 50, www.ireland.com/de-de/
Fáilte Ireland, 88-95 Amiens Street, Dublin 1, www.failteireland.ie

Castlemurray House Hotel, St John’s Point, Dunkineely, Co. Donegal, Tel. +353(0)74 9 73 70 22, www.castlemurray.com; 10 Zimmer

Tí Linn Café und Souvenirladen, Tel. +353 (0)74 9 73 90 77, Bunglass Road, Carrick, Teelin, Co. Donegal; März – Nov. tgl. 10.30 – 17.30 Uhr; www.discoverireland.ie/Arts-Culture-Heritage/slieve-league-cultural-centre/87138
 
Slieve League (Sliabh Liagh)-Bootsausflüge: The Pier, Teelin, Tel. www.sliabhleagueboattrips.com; mit der "Nuala Star" ab Teelin; Abfahrt mit Paddy und Crew: 10.00, 12.00, 14.00, 16.00, 18.00 und bei Nachfrage 20.00 Uhr; 20 – 25 € je nach Teilnehmerzahl, Privattrip 150 €; Hochseeangel- und Tauchtouren 350 – 600 € pro Tag

Salt Hill Gardens, Tel. +353 (0)7497 3 53 87 (Elizabeth Temple), Mountcharles, Co. Donegal, 1.6. – 29.9. Mo. – Sa. 14.00 – 18.00 Uhr; www.donegalgardens.com; Eintritt: 5 €
 
Donegal Golf Club, Murvagh, Laghey Co. Donegal, Tel. +353 (0)74 9 73 40 54 (Grainne Dorrian), www.donegalgolfclub.ie; Greenfee 50 – 90 €

 

 

Fotos: Jürgen Sorges, Ellen Spielmann

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Zuletzt bearbeitet am 10/08/2017

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