"Incredible India!"

Die heiligen Stätten des Ganges sind auf einer Reise von Kolkata über Bodhgaya nach Varanasi authentisch zu erleben.

Kaum ein Land hat in den letzten Jahrzehnten einen vergleichbar griffigen Werbeslogan für seine touristischen Dienstleitungen und Angebote geschaffen wie Indien. Unglaublich erscheint der Reichtum eines Landes, das von höchsten Himalaya Gipfeln bis zu den tropischen Gefilden Keralas alles zu bieten hat. Für Freunde der Flusskreuzfahrt stand Indien bislang jedoch kaum auf der Reiseagenda, Wasserstraßen spielen traditionell keine Rolle für die Ökonomie des Landes. Dies mag auch ein Grund gewesen sein, warum die Engländer während ihrer Besatzungszeit auf die Eisenbahn gesetzt haben und nicht etwa, wie seinerzeit im angrenzenden Birma, auf die Flussfahrt.

Für jene aber, die Indien auch über den Fluss erkunden möchten, bietet sich eine Reise vom nordöstlich gelegenen Kolkata über Bodhgaya nach Varanasi an. Während Kolkata die koloniale Pracht des Landes verdichtet widerspiegelt, stehen Bodhgaya (Buddhismus) und Varanasi (Hinduismus) für zwei der weltweit heiligsten Stätten innerhalb ihrer Religion überhaupt. Eine Reise auf dem Ganges ist nicht nur eine Reise reich an kulturhistorischen Höhepunkten, es ist in erster Linie eine Reise, um in Kontakt mit den spirituellen Geheimnissen einer ganzen Region zu kommen.

Ein Schiff im kolonialen Stil

Mit Heritage River Cruises hat sich in Indien ein Anbieter etabliert, der die R.V. Bengal Ganga als Vollcharter anbietet. Der Schweizer Flussreisespezialist Thurgau Travel nutzt diese Gelegenheit schon seit einigen Jahren und das Team an Bord wie auch die lokale, aber deutschsprachige  Reiseleitung, wirken professionell und gut eingespielt. Das Schiff wurde im Jahr 2004 im Stil der Irrawaddy Flotilla Schiffe in Yangon (Myanmar) gebaut, bietet vier Decks und wird bis heute sehr gut gepflegt. Es gehört mit seinen 28 Kabinen zu den größeren seiner Stilrichtung; der Zugang zu den Kabinen läuft über die umlaufende Veranda. Teakholz und bequeme Korbsessel dominieren die Ausstattung. Alle Mahlzeiten werden in einer Sitzung eingenommen, die Küche ist lokal mit internationalem Einschlag ausgerichtet (vegetarische Gerichte werden auf Wunsch gereicht). Die frühen Abendstunden vor dem Dinner werden in der Lounge im Bug des Schiffes für einen Aperitif genutzt und nicht selten kann dabei einem Bildvortrag als Einführung in die lokalen Bräuche gelauscht werden.

Die R.V. Bengal Ganga am Ufer.
Die R.V. Bengal Ganga am Ufer.

 

Kolkata (früher: Kalkutta) leistete bis zum Jahr 1911 seine Funktion als Winterhauptstadt der Engländer, um das indische Riesenreich zu regieren. Dies ist der Grund, warum die bedeutendsten Kolonialbauten des Subkontinents hier zu finden sind. Die Gründung der Stadt geht bis auf das 5. Jahrhundert v. C. zurück. Noch heute zeugen die historischen Gebäude am Dalhousie Square, Postamt, Gericht, Rathaus, die St John’s Kirche oder das imposante Victoria Memorial von der imperialen Pracht der Vergangenheit. Nach einer Stadtrundfahrt erfolgt die Einschiffung auf die RV Bengal Ganges.

Das erste Teilstück ab Kolkata verläuft auf dem Hooghly Fluss, einem Zubringer für den Ganges. Höhepunkte am Ufer sind diverse Tempel wie der Rajbari Komplex bei der Ortschaft Kalna. Die Anlagen wurden über den Zeitraum 1739 bis 1849 erbaut und zeugen noch heute von ihrer ursprünglichen Pracht. Für den Besuch von Murshidabad spricht der Hazarduari Palast. Heute werden Teile des im griechisch-dorischen Stil erbauten Anwesens noch als Museum genutzt. Sehenswert ist zudem die Katra Moschee aus dem Jahr 1724/25. Sie steht als Zeugnis der mehrere Hundert Jahre währende Mogulherrschaft. Wenige Augenblicke mit dem Schiff stromaufwärts wartet die Farakka Schleuse (1963-1975 erbaut), sie ist zu passieren, bevor die Ufer des Ganges in Sichtweite kommen.

Nun auf dem heiligen Fluss kreuzend, erreicht das Schiff Bateshwarsthan. Die Ruinen der ehemaligen Vikramshila Universität aus dem 8. Jahrhundert geben einen Hinweis auf das große Erbe der Buddhistischen Religion in Indien. Mehr als hundert Lehrende und über tausend Studenten waren hier früher akademisch aktiv. Erst mit dem Einzug der Mogulherrscher stand ihre Verdrängung auf dem Programm der neuen Regenten.

Bodhgaya und Varanasi als Höhepunkte

Das nächste Teilstück der Reise bis nach Bodhgaya und dann weiter bis Varanasi wird mit Bussen zurückgelegt. Die Brücken und Wasserstände weiter nördlich erlauben keine Passage mehr mit dem Schiff.

Der Buddhismus spielt heute in Indien kaum mehr eine Rolle, über 98% Prozent der Bevölkerung sind Hindus. Trotzdem hat in Bodhgaya mit der Erleuchtung Siddhartha Gautams, dem ersten Buddha, alles begonnen und von diesem Ort aus verbreitete sich der Glaube über alle Kontinente. Buddhisten aus aller Welt säumen die weitläufige Tempelanlage. Bis zum Einbruch der Dunkelheit bleibt Zeit, sich der spirituellen Kraft des Ortes in Ruhe zu widmen. Am darauffolgenden Morgen geht die Busfahrt weiter bis Varanasi, der Ort am Ganges gilt den Hindus als heilig.

Trauergemeinde mit einem Verstorbenen am Fluss.
Trauergemeinde mit einem Verstorbenen am Fluss.

 

Tief beeindruckend bleibt eine Fahrt mit den lokalen Booten auf dem Fluss die über 100 Ghats entlang. Diese steinernen Treppengebilde führen von den Häusern und Straßen direkt zum Wasser und dienen den Hindus für ihre Reinigungszeremonien. Maharadschas aus den verschiedenen Regionen Indiens haben in den vergangenen Jahrhunderten Prunkbauten direkt an die Wasserkante errichtet; Gebäude, die entfernt an mittelalterliche Burgen erinnern.
 
Die kleinen Boote stoppen am zentralen Verbrennungsort der Leichen, um aus einer kleinen Distanz die Zeremonien studieren zu können. Für den Sonnenaufgang an diesem historischen Ort wird für den darauffolgenden Morgen eine weitere Bootsfahrt organisiert. Erst danach heißt es Abschied nehmen, um mit dem Flugzeug die Weiterreise nach Neu Delhi anzutreten. Für Mark Twain war Indien "das Land, das alle Menschen zu sehen wünschen... Es ist das interessanteste Volk in der ganzen Welt und dabei unerklärlich und unbegreiflich in seinem Wesen wie kein anderes."
 
Info:
www.thurgautravel.ch

Anreisebeispiel nach Indien: mit Swiss in der BC über Zürich www.swiss.com

 

Impressionen:

 

Fotos: Frank Sistenich

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Zuletzt bearbeitet am 02/08/2017

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