Am coolsten Ort Europas: Dunfanaghy in Donegal

Irlands nördlichste Provinz, das County Donegal ist 2017 nach Ansicht von National Geographic Traveller "der coolste Platz auf dem Planeten"…

Touristisch noch wenig berührt und außerordentlich schön präsentiert sich vor allem Donegals äußerste Randregion, die Nordküste mit wie Finger in den Atlantik ragenden Halbinseln wie den Bloody Forelands, der Fanad- und er Inishowen-Peninsula. Dank des neuen, sowohl nach Norden, zum Start- wie Endpunkt vor Derry/Londonderry in Nordirland wie bis in den tiefen irischen Süden bis zum 2350 km entfernten Endpunkt Cork/Kinsale bestens ausgeschilderten Wild Atlantic Way ist das mit Rauheit und magischem Licht aufwartende Gebiet nun fast perfekt erschlossen. Der ideale Ort zur Erkundung ist das Küstendörfchen Dunfanaghy: Auch, weil sich Gourmets hier sofort heimisch fühlen werden.

Dinner for two im The Mill Restaurant & Accommodation

Etwas außerhalb Dunfanaghy hat sich die allererste kulinarische Adresse in Donegals Norden schon über Jahre etabliert. An der N 56, dem Weg dorthin öffnet das örtliche Tourist Visitor Centre im ehemaligen Arbeitshaus des Ortes, dem an die Zeit der großen Hungersnot um 1845/1850 erinnernden Dunfanaghy Workhouse (mit Café). Hier zeigt die Ausstellung zu Wee Hannah ihr außergewöhnliches leben und ihren Kampf gegen den Hunger – und das unwürdige Leben im Arbeitshaus – zu überleben.

Nur 300 m weiter biegt man dann rechts ab zur alten Flachsmühle, die ab den 1880er Jahren von den damaligen Landlords, den Stewarts of Ards, errichtet wurde. Doch das an einem großen Süßwassersee, dem naturgeschützten "New Lake" gelegene "The Mill" hat rein gar nichts mehr von einer Manufaktur. Im Gegenteil: Das 1949 von Frank Egginton übernommene Anwesen präsentiert sich als komplett umgebautes prächtiges Manor House mit gepflegtem Garten und großem Parkplatz.

Heute hat sich The Mill mühelos unter den 100 besten Restaurants Irlands etabliert und benötigt eigentlich keinerlei Werbung. Denn allein schon die Einheimischen sorgen rege Tischreservierungen für ein stets gut gefülltes Restaurant. The Mill ist nicht nur "in", sondern seit Jahren Institution. Hierher verschlägt es die ringsum lebenden Großbauern zur gepflegt irischen Geburtstagsfeier ebenso wie Gourmets aus Dublin und aller Welt. Vorbestellung ist Pflicht, will man an einem der abendlichen Festmenüs teilnehmen, die Susan und Team zum Festpreis von 45 € plus Getränke anbieten. Angenehm stimmige Atmosphäre gibt es schon im Eingangsbereich dank der am Kamin brennenden Kerzen und dem großen Weidenkorb voller Torfbriketts – in Irland längst keine Selbstverständlichkeit mehr. Nach dem Welcome Drink wird man an einem der Tische platziert, mit Glück (oder Vorbestellung!) im von der Abendsonne in warmes Licht getauchten Eckbereich an den Fenstern. Dank des phantastischen Service und des bis ins kleinste durchchoreographierten Interieurs ist die ganze Atmosphäre trotz aller angestrebten Etikette doch relaxed.

Schon das Amuse Bouche, eine Gurken-Avocado-Zitronencreme, überzeugt. Dazu wird selbstgebackenes, mit Malz versetztes Rosmarin-Kartoffelbrot serviert –eine Delikatesse. Als Starter kommt z. B. das phantastische Ziegenfleisch des Horn Head Kid Goat in Frage. Die langsam gegarte junge Cleggan-Ziege kommt mit neuen Kartoffeln, gebackenem Schinken und Roter Zwiebelmarmelade. Und ist genau das richtige nach unserem PKW-Ausflug rund um die Halbinsel Horn Head, die sich hoch über Dunfanaghy und dem Meer erhebt und den Blick bis zum doch Einiges entfernten Leuchtturm von Fanad Head freigibt. Dort kann man nun übrigens auch übernachten: Drei Räume des ehemalgien Leuchtturmwärters sind nun für Self Catering-Gäste hergerichtet: ein Erlebnis!

Jakobsmuscheln mit Blumenkohl, Haselnüssen, Goldrosinen und Tomatensalsa.
Jakobsmuscheln mit Blumenkohl, Haselnüssen, Goldrosinen und Tomatensalsa.

 

Natürlich könnte es auch Spargel mit Krebszangen, Ein und Sauce Hollandaise sein. Oder Jakobsmuscheln mit Blumenkohl, Haselnüssen, Goldrosinen und Tomatensalsa. Dazu wählt man z. B. einen Sauvignon Blanc (5,50 €) oder ein lokales Bier. Dem Passionsfrucht-Sorbet folgt der Hauptgang, z. B. Viererlei vom Lam auf Spinat, Erbsenpüree, mit Spargeln und Dauphine-Kartoffeln. Es darf aber auch ein Steak vom Horn Head Beef mit Ahornsirup-Glazé, Charlotten, Portwein und Kräuterbutter sein. Alle Zutaten sind übrigens nicht nur lokal, sondern stammen teils sogar aus der Familie. Thomas Alcorn, Dereks Bruder, liefert vom naturparadies Horn Head Lamm und Rind (Hereford und Dexter), Richard Alcorn, Dereks Neffe, sorgt für die jungen Ziegen von Horn Head. Ivan McElhinney aus Dunfanaghy sorgt für frischen Fisch, aus lokalen Gewächshäusern stammt das Biogemüse. Und die Muscheln kommen aus einem seit 30 Jahren funktionierenden Familienbetrieb an der Mulroy Bay. In der Küche werkeln auch Derek Alcorn, Bernard McGlade, Noel Sweeney und vor allem Marion McGrenra. Mit Susan Alcorn lässt sie sich auch auf alte Traditionen ein und präsentiert nun auch wieder ein uraltes, schon in den 1980er Jahren nahezu ausgestorbenes Hochzeitsdessert, eine wunderbare, unvergessliche Rhabarber-Sahnepyramide: "Simply delicious"!

Gut, dass man im "The Mill" auch übernachten kann, seit 2016 auch im geräumigen Studio. Ungünstig ist allenfalls der sommerliche Mückenstich durch die Seenähe. Aber das wiegt Susans Küche locker auf.

Platzhirsch mit Tradition: im Arnold`s Hotel

Als Alternative bleibt stets das in Dunfanaghy geradezu unverzichtbare Arnolds` Hotel, direkt im Ort – und am Meeresstrand. Mit der Whiskey Fly Bar, wo auch Afternoon Tea (11.00 – 17.00 Uhr), Bar Food (12.30 – 21.00 Uhr) und Live- Musik mit viel Irish Folk geboten werden, der Cocktail Bar, der separat begehbaren Arnou Cafe & Gourmet Burger Bar (tgl. ab 9.30 Uhr), dem exquisiten Arnold`s Restaurant und dem Sportangebot ist es das touristische Zentrum in Dunfanaghy. Ob nun Reitausflüge am Endlosstrand (Ponys und Pferde), Surfen und Wassersport, Golf mit 25 % Rabatt im Dunfanaghy Golf Club, Radfahren, Wandern oder Angeln. Hier sind Sie richtig!

Im Glenveagh National Park: der "Dordogne wie vor 30.000 Jahren"...

Natürlich kann man auf eigene Faust entlang der Strände oder durchs Küstenhinterland mit Donegals mächtigen, braun aufragenden Glens brausen oder gemütlich radeln. Am schönsten ist aber diese längst etablierte Nationalpark, der zudem am Eingang freien Eintritt gewährt. Am großen Parkplatz einige Kilometer außerhalb der Gemeinde Church Hill werden auch Fahrräder verliehen, um die unberührte, lange nur als Jagdrevier mit großem Rotwildbestand genutzte Natur zu durchstreifen.

Ab dem Visitor Centre mit Naturpark-Ausstellung läuft oder fährt man im Nationalparkbus (gegen einen Obolus) die 3,7 km bis zum Schloss, das der einstige exzentrische Besitzer George Adair errichtete. Der Kaufmann und Immobilienbesitzer hatte das Areal in den 1860er Jahren erworben und die hier lebenden 60 Familien zwangsumsiedeln lassen – was die einheimische Bevölkerung längerfristig gegen ihn einnahm. Nach seinem Tode übernahm aber seine US-amerikanische Witwe alles – und war weit mehr gelitten. Ihr ist das heutige gelungen Ensemble aus dem herrlich blühenden Park mit Palmen und Bali-Statuen, Alpengarten und Toskana-Bäumen zu verdanken. Sogar an einen Swimming Pool am Großen See hatte die Hausherrin gedacht.

Nach ihrem Tode suchten weitere US-Vermögende hier ihr Urlaubsglück, u. a. ein Harvard-Professor für Kunstgeschichte. In seinem Gefolge stellte sich hier dann Welt- und Hollywood-Prominenz ein. Sogar Greta Garbo nächtigte im burgähnlichen Schloss – und wird sich an der wärmenden Bettpfanne ebenso erfreut haben wie am morgendlichen Frühstück, das ihr ans Bett serviert wurde.

Im Glenveagh National Park.
Im Glenveagh National Park.

 

Ganz in der Nähe kann man bei Church Hill erneut von der Nationalstraße abbiegen und zum Glebe House gelangen. Nebenan öffnet in den ehemaligen Wirtschaftsgebäuden die Glebe Gallery: In der Privatsammlung des einstigen Malers Derek Hill sind Degas, Renoir, Picasso, zigmal Jack B. Yeats oder Kokoschka zu bestaunen. Im Haupthaus von 1828 sind Textilien von William Morris sowie Kunst zum Islam und Japan zu sehen. Wer weiter ins Zentrum Donegals fährt, sollte Doe Castle an der Sheephaven Bay nahe Creeslough nicht verpassen, wo Irland eine echte "Romeo und Julia".-Story anzubieten hat. Hier, im Schloss der Sweeneys, suchte die junge Aileen Sweeney vergeblich, ihren Turlough zu heiraten. Die Sweeneys waren auch sonst irisch stur, opponierten zudem genauso stur gegen die Briten, verloren und sollen ab 1690 – ohne zu zagen – auf der Straße gelebt haben.

Ausflug zum Sonnenpalast: Grianán of Aileach

Die größte Attraktion Nord-Donegals liegt aber östlich, Richtung Nordirland: Über Letterkenny, wo junge Teens, zwei Brüder, mit den hölzernen, handgedrechselten Donegal Pens ein kleines Wirtschaftswunder in der Souvenirindustrie ausgelöst haben, rückt das Urlaubsparadies der Inishowen-Halbinsel näher. Driekt an der Zufahrt zur Halbinsel ragt hoch über der Straße und auf einem Panoramahügel das alte Ringfort Grianán of Aileach, der Sonnenpalast, gen Himmel. Hier soll einmal der Palastsitz der Könige von Ulster, der O`Neills gestanden haben. Andere Quellen berichten, dass die bis zu 5 Meter hohen und dicken Rundmauern, die sich im Innern dreistufig erheben, nicht nur bis 1000 n. Chr., sondern weitaus länger zurückdatieren.

Wie auch immer, der Rundblick vom Sonnenpalast, den örtliche Touristiker auch als Solarium anpreisen, ist in jedem Fall die Auffahrt wert. Auf dem Rückweg lohnt ein Blick in die neue Pfarrkirche und deren bemaltes Kirchenfensterglas. Das Visitor Centre in der Alten Dorfkirche ist nicht immer besetzt. Das macht aber nichts. Den martialischen, in der Sonne glänzenden Bronzehünen mit Schwert kann man am Parkplatz auch so bestaunen. Und das gleich daran anschließend erbaute Hotel zeiht selbst Besucher selbst aus dem fernen Dublin an. Das angeschlossene Café bietet auch draußen Cappucccino, Schokotorte und warmen Apfelkuchen mit Schlagsahne. Danach wartet Inishowen, mit langen Sandstränden und Dünenspaziergängen sowie einer Auto- oder Fahrrad-Radtour von über 100 km Länge.

Information:
Donegal: www.govisitdonegal.com
Wild Atlantic Way: www.wildatlanticway.com/explore-the-route/regions/northern-headlands-journeys-begin
Irland Information/Tourism Ireland, Gutleutstr. 32 - 60329 Frankfurt/Main, Tel. 069 9 23 18 50, www.ireland.com/de-de/
Fáilte Ireland, 88-95 Amiens Street, Dublin 1, www.failteireland.ie
Donegal Pens, www.donegalpens.com

Arnolds Hotel, Main Street, Dunfanaghy, Co. Donegal, Tel. +353 (0)74 9 13 62 08, www.arnoldshotel.com; 30 Zimmer

The Mill Restaurant & Accommodation, Dunfanaghy, Co. Donegal, Tel. +353 (074) 913 69 85, www.themillrestaurant.com
 7 Zimmer 100 – 150 €, Menü 45 €

 

 

Fotos: Jürgen Sorges, Ellen Spielmann

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