Die Geschichte beginnt mit einem Huhn – Rezepte, für die es sich zu leben lohnt

Es kommt nicht oft vor, dass man ein nagelneues, wunderschön gestaltetes Kochbuch zur Hand nimmt und sich damit sofort für die nächsten Stunden in eine Sofaecke zurückzieht, um es durchzulesen wie einen spannenden Roman.

Das Buch "Die Geschichte beginnt mit einem Huhn – Rezepte, für die es sich zu leben lohnt" ist mehr als ein Kochbuch! Es ist ein Lebensretter!
Es gab eine Zeit, da waren für die junge britische Autorin und Journalistin Ella Risbridger die Geräusche zu laut, die Farben zu hell, alle bewegten sich zu schnell. Eines nachts lag sie auf ihrem Küchenboden und fragte sich, ob sie jemals wieder aufstehen würde. Der Gedanke an ein Huhn, es zu braten und zu essen, bracht sie wieder auf die Beine.

Und auch für die Leserschaft beginnt es tatsächlich mit diesem Huhn, dem "Mitternachtshuhn", das mit viel Chili, Ingwer, Knoblauch und Honig zubereitet wird und sogleich Appetit macht. Die Gerichte in diesem Buch haben mir das Leben gerettet", schreibt Ella Risbridger in ihrem Vorwort.

Mit Akribie, Enthusiasmus und Humor und der notwendigen Portion Großzügigkeit nähert sie sich ihren Lieblingsgerichten oder erfindet sie, backt "richtige" Oatcakes, Sonntagsmorgenschnecken, entdeckt "Trüber-Tag-Porridge" oder "Notfallrisotto". Dabei lässt keinen winzigen Überlegungs- und Informationsschritt aus, die Leser*innen bei ihren Erfahrungen und der Speisen-Entstehung mitzunehmen.
Obwohl sie angeblich in einem gewissen Chaos zu leben scheint, ist ihre Liste mit den Dingen, die man UNBEDINGT in der Küche braucht, erstaunlich lang, eher beispielhaft professionell – Respekt.

"Ich glaube an schlechtes Kochen und experimentelles Kochen und einfach-drauf-los-Kochen", sagt die Autorin, taucht ab in der Küche und macht sich ans Werk: "Wenn ich kochen kann, kann jeder kochen".

Pasta making...
Pasta making...

 

Viele Rezepte und Geschmacksverirrungen sind typisch englisch, Crumbles, Pies und Sandwiches, und doch werden sie immer wieder in allen Varianten gern zubereitet und verspeist. Bei Ella Risbridger sorgen "Samstags-Nachmittags-Lasagne", "Jackentaschenkartoffeln", "Muss-weg-Minestrone" für eine Art Wohlfühlzustand, so kann man sich offenbar gegen Weltschmerz und Alltagsstress wappnen. Aufmunternde "Chili-Zitronen-Spaghetti", "Käsescones nach Art des (geheimnisvollen) großen Mannes", "Böse-Schwiegermutter-Schwarzbrot" oder "Eheglück-Wurstpasta", sogar "Lebensbejahende Muscheln"… die Freude, Anteilnahme und das Schmunzeln beim Lesen, Nachkochen und Verspeisen will nicht weichen.

Die höchst lebendige Köchin erfindet, verwirft, probiert neu – mit Bravour, Ideen und Risikobereitschaft. Wir erfahren einiges über ihre Familie, Freunde, ihre große Liebe und viele Anekdoten aus dem Alltag. Jedes der Gerichte trägt ihre ganz persönliche Handschrift und Geschichte – so ist bereits aus der New York Times zur englischen Ausgabe zu vernehmen: "Eine Herz-explodierende Liebesgeschichte. Das erste Kochbuch, das verfilmt werden sollte." Hoffentlich!

Die Kapitel zum Traum-Thema Speisekammer, Eishaus, Kühlschrank und Gefrierfach animieren, unverzüglich die eigenen Vorräte endlich einmal bis zum letzten Pfefferkorn durchzusehen, auszusortieren und nach Ellas Vorschlägen klug neu anzulegen.

Sie "singt" ein Loblied auf den nostalgischen, gusseisernen AGA-Herd – der energieverschwendende, alte Schwede ist immer noch das Herz vieler britischer Haushalte – der die Küche heizt, Brotscheiben grillt oder Wäsche trocknet und offenbar die Seele streichelt. Auch bei Gerichten für mitternächtliche Stunden kennt sie sich inzwischen aus, beteuert, dass Essen am besten im Freien schmeckt, man das Alltägliche immer zu etwas Wertvollem machen sollte.

Danny, Champion of the Pie...
Danny, Champion of the Pie...

 

Diesem Buch gingen bei der Autorin ausgesprochen chaotische und schwer nachvollziehbare kulinarische Erfahrungen voraus. Ein Markierungsstift während der Lektüre ist zu empfehlen, denn viele ihrer Tipps sind in eine Story eingebunden. Ella Risbridger wünscht sich sogar, dass man sich in ihrem Kochbuch Notizen macht, durchstreicht oder Kleckse hineingeraten. Man gerät bei ihr in einen durchgehenden Lesefluss und erfährt ungemein viel über Glück, Pannen und Durchhaltevermögen.

Die Gestaltung des Buches weckt Kindheitserinnerungen – die fröhlich-bunten, liebenswerten Aquarell-Illustrationen von Elisa Cunningham haben beinahe die Anmutung eines Bilderbuches oder von Kinderzeichnungen. Sie haben einen Heile-Welt-Appeal, heben das Wesentliche einer Speise oder Zutat heraus und erwecken den großen Hunger.

Bei der Materialauswahl und den Möglichkeiten der Buch-Veredelung überlässt das Callwey -Team nichts dem Zufall. So berücksichtigte man auch bei diesem Titel eine individuelle Gestaltung und Bildsprache. Beim Inhaltspapier dieses Buches entschied man sich für ein sehr edles Volumenpapier, dessen Oberfläche den Aquarellen und den Inhalten den gewünschten Charakter verleiht. Der Einband des Buches wurde durch eine Heißfolienprägung in mattem Gold zum optischen Highlight.
Den Eindruck, als habe Ella Risbridger das Buch sowieso nur für mich gemacht wurde, erwecken die einzelnen, handschriftlichen Post its des Callwey-Projektteams, die vorn im Buchdeckel kleben.

Die Geschichte begann mit einem Huhn… und sie endet... – doch lesen Sie selbst!

Information:

Die Geschichte beginnt mit einem Huhn
Rezepte, für die es sich zu leben lohnt
Ella Risbridger
Illustrationen: @Elisa Cunningham, 2019
Aus dem Englischen von Ariane Böckler
288 Seiten
Callway Verlag 18.9.2020
29,95 €
ISBN: 978-3-7667-2487-8

Die Englische Originalausgabe erschien 2018 unter dem Titel:
Midnight Chicken (& other recipes Worth Living For)

Coverfoto: Callwey / Illustration: @Elisa Cunningham, 2019

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Autor

Uta Petersen

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