Flower - Exploring the World in Bloom

Flower. Exploring the World in Bloom. Blume. Entdeckung der Welt durch die Blüte ist kein Gartenbuch, auch wenn die Bilder paradiesischer Gärten so manches Gärtnerinnenherz höher schlagen lässt...

Der international kuratierte Prachtband führt seine Leser durch das Universum der Blumen und Pflanzen in künstlerischen Darstellungen westlicher und außereuropäischen Kulturen. Die Kontinente übergreifende Reise reicht vom Alten Ägypten mit dem legendären blauen Lotus vom Nil, der die Gottheit Nefertem verkörperte und in der Mumie Ramses II gefunden wurde, bis in die Gegenwart: das hyperreale Rosenbild des britischen Fotografen Nick Knight auf Instagram.

Der Band versammelt über 300 wunderschöne, teils spektakuläre Bilder von Blumen und Pflanzen, florale Motive in verschiedensten Stilen und Materialien: von Silber- Gold- und Diamantenschmuck aus der Antike über Blumenstillleben in Ölfarben gemalt und botanische Illustrationen des 17. Jahrhunderts, z.B. im Auftrag des Duke von Orléans bis hin zu Skulpturen und Design sowie der Welt der Mode (Yves Saint Laurants edles Sonnenblumenjacket für Naomi Campel 1988). Alte und neue Medien und ihre Techniken sind präsent: vom Silberplatten- bis zum Siebdruck – Andy Warhols Flowers, 1970 – vom Holzdruck, Schnitzarbeiten zu Litographien und zu Fotografie und Film, z.B. treten Walt Disney´s animierten sprechenden und singenden Stiefmütterchen aus dem Zeichentrickfilm Alice im Wunderland (1951) auf.

Ein Team namhafter Kuratoren zelebriert die Bandbreite der Blumen dieser Welt: wildwachsende Naturblumen wie Veilchen, Gartenkulturblumen wie die edle Rose oder Baumblüten – Apfel und Kirsche – tropisch-exotische Bananen- Amaryllis- Orchideenblüten. Flowers erzählt auch die Kulturgeschichte einzelner Blumen, z.B. der Tulpe, die zum Star wurde. Sie kam im Gepäck des flämischen Diplomaten Ogier de Busbecq nach Europa und löste bald eine wahre Tulipomanie aus. In der Hochphase des Tulpenfiebers um 1630 kostete eine Tulpenzwiebel der schönen "Schoon Solffer" ein Vermögen. Europäische Maler begeisterten sich für die elegante, leuchtende Blume und holländische Meister erzielten 1637 für Tulpenstraußbilder bis zu 5000 Gulden. In der Türkei wurde die ottomanische Tulpe, charakteristisch für ihre spitz zulaufenden Blütenblätter, Anfang der 1700er Jahre zur Obsession. Die Zeit ging als Tulpen-Ära in die Geschichtsbücher ein. Im Topkapi-Palastgarten standen Tulpen auf hölzernen Pyramiden und Sultan Ahmed III wertvolles Tulpenalbum (1725) zeigte viele der 2000 namentlich benannten Sorten.

Flowers wartet mit ikonischen Werken der Kunstgeschichte auf Giuseppe Arcimboldos "Frühling" (1573), Claude Monets "Seerosen" (1916-19), Vincent van Goghs "Sonnenblumen" oder Jeff Koons "Puppy" (1992), die Pflanzenskulptur vor dem Guggenheim Museum Bilbao. Berühmte Künstler und Designer Nobuyoshi Araki, Leonardo da Vinci, Robert Mapplethorpe, Georgia O´Keeffe, Diego Rivera u.a. und weniger bekannten Namen, Constanze Spry, Flora Starkey sind vertreten.

Die seit geraumer Zeit in Ausstellungen erfolgreich praktizierte Methode, Kunstwerke verschiedener Stile, Genres und Perioden gegenüberzustellen, bewährt sich auch in diesem Fall. In vergleichend kontrastiver Lektüre der Bildpaare eröffnet sich dem Betrachter ein ungeahntes ästhetisches Erleben. Für Überraschung sorgt die Gegenüberstellung der Lavendelpflanze aus dem deutschen Kräuterbuch des 16. Jahrhundert und der Lavendel-Weizen-Installation des australischen Flora-Künstler Ruby Barber, die beim Internationalen Flora und Blumenfestival im spanischen Córdoba 2019 zu sehen war.

Flower weckt Interesse für Stillleben des goldenen Zeitalters in Holland, für Jan van Brueghels "Blumen in der Vase" (1606), für Blumen in der Fotografie, Charles Jones ausgewöhnliche Irisblüte aus der Blumenserie (1895-1910). Man lernt über die Jagd auf Pflanzen im imperialen viktorianischen Zeitalter, die Sammelleidenschaft am französischen Hof Louis XIV und die Übernahme klassischer floraler Muster in die Fabrikation von Tapeten, Möbel und Stoffe.

"Es ist fast unmöglich, eine Zeit auszumachen in der Grazie, Schönheit, Charme und Zartgefühl der Blumen uns nicht verführt hätten" schreibt die Gärtnerin und Buchautorin im Vorwort. Die Gegenwart der Blume im Alltag, ihre symbolische Bedeutung als Zeichen der Liebe, des Glücks, des Abschieds, der Trauer wird uns plastisch vor Augen geführt. Ob der Flower Power Band auch als mahnender Wink für das jüngst konstatierte zunehmende Aussterben von Pflanzen zu verstehen ist? Who knows.

Flower. Exploring the World in Bloom.
New York, Phaidon Press
Hardcover, S. 352, 316 Illustrationen

ISBN 978 1 83866 085 7
49,95€

Foto: Cover Verlag

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Zuletzt bearbeitet am 13/09/2020

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