Gebrauchsanweisungen für Bordeaux, Atlantikküste, Lissabon und die griechischen Inseln

Die "Gebrauchsanweisungen" für Städte, Regionen und Länder im PIPER Verlag sind seit 40 Jahren die Reihe für Fernsüchtige und Abenteurer schlechthin – und dafür braucht es nicht einmal Abbildungen in den Büchern...

Die Texte der absolut enthusiastischen Insider-Autoren und Autorinnen entfesseln sofort Bildhaftigkeit und Sogkraft, dass man nichts Anderes möchte als sofort dorthin zu reisen … fast fühlt man sich nach der letzten Buchseite in der beschriebenen Region schon heimisch.

Bordeaux und die Atlantikküste

Spiegel-Bestseller-Autor und Krimi-Autor Alexander Oetker versteht es, seine Liebe zu Frankreich und zu "Bordeaux und die Atlantikküste" im Besonderen der Leserschaft mitreißend ans Herz zu legen. Zu den offenen und verborgenen Schönheiten der Hafenstadt Bordeaux, dem Zentrum der Weinbauregion an der Garonne mit dem größten Wasserspiegel der Welt "Miroir d’Eau" – hinab in tiefe Keller weltberühmtester Wein-Chateaux oder in luftige Höhen des faszinierend-legendären Leuchtturms "Phare du Cordouan".

Seine sensible Wahrnehmung von betörend schönen Dünenlandschaften, Lichtsensationen der Natur zwischen Ebbe und Flut, magischen Orten wie Lourdes oder Ausflüge an geheime Strandabschnitte von Archachon zeugt von behutsamem Reisen und Genießen. Bereichert durch besondere Begegnungen mit Menschen, die ihre aquitanische Heimat von Kopf bis Fuß verkörpern. Dazu gehört der chef de cuisine, Michel Guérard mit seinem Restaurant "Les Prés d’Eugénie" ebenso wie der Austernfischer Fabrice Vigier oder die vielen unerschrockenen Privatpersonen, die alte Gebäude mit herausragenden Restaurations- und Nutzungskonzepten zu Diamanten der Region machen.

Fast durchgehend treiben Genüsse, Gerüche und Geschmack die lukullische Sichtweise und der Erfahrungsschatz des Autors diese Reise voran, die letztendlich im spanischen San Sebastian endet. Dort setzt die Schilderung über die Gepflogenheit des Pintxos-Genusses den bislang im Buch gemachten Gourmeterfahrungen noch einen besonderen i-Punkt obendrauf. Namen und Adressen von Bistros, Bars und feinsten Restaurants/Hotels mit exquisiter Alltags- wie Sterneküche, die dem Autor auffielen, verbergen sich – wie bei Pipers "Gebrauchsanweisungen" üblich – unaufdringlich in den Kapiteln, so dass dadurch der Lesegenuss vom ersten bis zum letzten Wort wahre "Fundstücke" bereithält.

Lissabon

Das Lissabon, das Autor, Ethnologe und Reporter Martin Zinggl den Lesern ans Herz legt, verursacht heftiges Kopfnicken bei jenen, die "Schöne am Tejo" bereits kennen lernen durften. Bei allen anderen löst es Fernweh, oder besser gesagt, eine Art Heimweh aus nach dieser bezaubernden "Stadt des Lichts" am Atlantik, selbst wenn man noch niemals dort war. Markante Sehenswürdigkeiten und ihre reizvolle Historie finden liebenswerte Aufmerksamkeit, dicht verwoben mit dem Alltag zwischen dem Fußballklub "Benfica", der Straßenbahn "elétrico" und aktueller Mietenexplosion.

Schlecht essen in der der Stadt des Lichts, der Stadt der Seefahrer scheint unmöglich. Lissabon scheint ein Paradies für "foodies" zu sein, mittlerweile zählt man acht Michelinstern-Restaurants, abgesehen von ungezählten, liebevoll geführten kleiner Tavernen mit authentischer Küche. Man könne in Lissabon genauso gut essen wie in NYC, in Lima, London, oder Paris, betont der Autor und verrät das Rezept für "pastéis de nata" – diese Törtchen, die nachweislich glücklich machen. Das Kapitel "Gute Küche, schlechter Service" geht mit Herzenshumor sehr genau auf die Mentalität der "lisboetas" ein, die unerschütterlich an ihrer tief verinnerlichten Zeitmessung festhalten. Die sich um nichts in der Welt einem unportugiesischen Eiltempo anpassen möchten – und genau das sei das Wunderbare!

Das Eingehen auf die portugiesische Literatur ist ein weiterer Beitrag, sich in die Seelen der Stadt und diesen Menschenschlag einzufühlen, zu dem auch der Fado – und zwar nicht der touristisch vermarktete – sondern der in den verborgenen Winkeln der Stadt zelebrierte magische Gesang gehört, der "Schmerz in etwas Positives" verwandelt. Diese Stadt, ihre Einwohner und ihr Lebensgefühl inklusive des "saudade", des unbeschreiblichen Zustands von Melancholie zu begreifen, ist nicht möglich ohne tiefe Rückblicke: In Seefahrerepochen und Hochkultur, Erdbeben und Feuersbrünste, in die Salazar-Diktatur und "Nelken"-Revolution 1974, denen der Autor ebenfalls Rechnung trägt. Einfühlsame Verhaltenstipps für ein entspanntes Durchkommen in einer quirligen, eigensinnigen, verzaubernden Stadt.

Die griechischen Inseln

3054 griechische Inseln gibt es, davon sind 113 dauerhaft bewohnt. Die Spiegel-Bestseller-Autorin, Krimi-Autorin und Deutsch-Griechin Stella Bettermann stellt sowohl touristisch sehr besuchte Inseln, Kulturstätten oder Film-Drehorte vor als auch ganz kleine, kaum bekannte Inselchen wie Alonnisos, Lipsi, oder Chalki. Der humor- und liebevolle Blick der Autorin auf die Griechen und deren für Nicht-Griechen oft ungewohnten Eigenheiten erwärmt das Leserherz. Eine "Gebrauchsanweisung", die sehr wohl um die Beliebtheit von Sirtaki & Souflaki bei Reisenden weiß, aber deutlich tiefer blicken lässt.

Das Lieblingsgericht der Griechen ist zum Beispiel nicht Gyros oder Moussakas, es ist "Fasolada", eine Bohnensuppe mit viel Gemüse wie Sellerie und Karotten. Sie gehöre zur typischen Hausmannskost wie auch die griechischen Risotto-Gerichte "Fakoriso" mit Linsen oder "Prassoriso" mit Lauch. Artischocken mit Zitronensoße stehen ebenfalls selten auf den Speisekarten. Am Ende des 19.Jahrhunderts nach Ende der türkischen Herrschaft haben sich die Hellenen kulinarisch emanzipiert und nach und nach fremde Einflüsse zugelassen, was u.a. zu einer "Politischen Küche" führte. Im Kapitel "Inseln à la carte" kann man diesen Spuren mit wachsendem Appetit folgen und sich die erwähnten Tavernen schon mal dick anstreichen.

Man erfährt, dass auf den Inseln mit "Nisiotika" ganz andere Musik gespielt wird als gemeinhin von Touristenorten bekannt, derentwegen junge Griechen heute vermehrt Geige und Lyra spielen lernen und warum "Rembetiko", eine magisch traurige Musik, in den Hafenkneipen von Piräus entstand.

Das beliebte Inselhopping – ein Begriff, der gar nicht wie vermutet von den Griechen stammt, sondern aus dem US-Militärjargon – erfordert über die genauen Kenntnisse der Fähren-Fahrpläne hinaus auch das Wissen um die sehr speziellen Gepflogenheiten der Kapitäne beim An-und Ablegen. Wer sich an die Hinweise der Autorin hält, kommt sicher an sein Ziel – aber auch gut wieder weg.

Ihr Blick zurück in eine jahrtausendealte griechische Geschichte wie auch in Zeiten von Krisen, ist ebenso unterhaltend wie Verständnis weckend für diese Nation, die bei genauer Betrachtung schon immer von Krise zu Krise überlebte, ohne je ihre Lebensfreude und Gastfreundlichkeit zu verlieren.

Informationen:

Gebrauchsanweisung für Bordeaux und die Atlantikküste
Alexander Oetker
224 Seiten
Mit zwei Karten
Piper Verlag GmbH 2020
15,00 € / 20,50 CHF
ISBN: 978-3-492-27738-9

Gebrauchsanweisung für Lissabon
Martin Zinggl
224 Seiten
Piper Verlag GmbH
15,00 €/ 20,50 CHF
ISBN: 978-3-492-27741-9

Gebrauchsanweisung für die griechischen Inseln
Stella Bettermann
224 Seiten
Mit einer Karte
Piper Verlag GmbH 2020
15.00 € / 20,50 CHF
ISBN: 978-3-492-27742-6

www.piper.de 

Foto: Cover

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Zuletzt bearbeitet am 03/07/2020

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Autor

Uta Petersen

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