Essen als politisches Statement?

Was darf der Mensch essen? Wie hat sich die Ernährung von der Steinzeit bis heute entwickelt?

Der Journalisten Klaus Pilger hat ein sehr spannendes, anregendes und aufschlussreiches Gespräch mit Gunther Hirschfelder, Professor für vergleichende Kulturwissenschaft geführt – in der Sendung "Zwischentöne" am 17.11.2019 im Deutschlandfunk, ein Querverweis!

Warum essen wir heute mit Messer und Gabel oder auch wieder aus der Hand? Warum schmeckt das Fleisch des Schweines gut, während uns vor dem des Hundes ekelt? Wer die Ernährungskultur der Gegenwart und damit auch sein eigenes Essverhalten verstehen will, der muss einen Blick in die Vergangenheit werfen. Dabei wird er nicht nur Antworten auf viele Fragen unseres heutigen Umgangs mit den Nahrungsmitteln finden. Denn in der Esskultur spiegeln sich sowohl ernährungsrelevante Traditionen und Veränderungen als auch die politischen und gesellschaftlichen Bedingungen der jeweiligen Epoche wider.

Essen und Trinken scheint ein Leitthema geworden zu sein. Es scheint so, als positioniere sich der moderne Mensch in dieser Gesellschaft nicht mehr nur über seinen Beruf, seine Kleidung, sein Auto oder Besitz, sondern auch über seine privatesten Essensgepflogenheiten. Inwieweit ist die eigene private Ernährung ein politisches Statement, wenn man sich beispielsweise als Veganer outet, Avocadogenuss wegen des enormen Wasserbrauchs oder Fleischkonsum wegen der leidvollen Tierhaltung ablehnt?

Prof. Gunther Hirschfelder, geboren 1961 in Gummersbach, ist Professor für Vergleichende Kulturwissenschaft an der Universität Regensburg und hat sich in mehreren Büchern auf anregende Art und Weise mit der Kultur des Essens und Trinkens beschäftigt. Unter anderem auch damit, warum gemeinsames Essen so wichtig ist, in "Europäische Esskultur: Geschichte der Ernährung von der Steinzeit bis heute" oder "Bier - Eine Geschichte von der Steinzeit bis heute".

Den Wandel der Nahrungsmittel, die Elemente der Essenszubereitung und die unterschiedlichen Formen der Mahlzeiten fügt Hirschfelder zu einem facettenreichen Bild kulturhistorischer Ernährungsgeschichte zusammen. Sein Bogen spannt sich von der Steinzeit über die frühen Hochkulturen, die klassische Antike und das Mittelalter bis zum Designerfood der Gegenwart. Gunther Hirschfelder zeichnet den ebenso abenteuerlichen und mühsamen wie amüsanten Weg nach, den die Menschheit zurücklegen musste, um von der rohen, ungeordneten Nahrungsaufnahme zur hochentwickelten Esskultur der Gegenwart zu gelangen.

Gerade erschien, gemeinsam mit Sarah Thanner M.A.: "Prekäre Lebenswelten im Prisma der Ernährung".

Der Journalisten Klaus Pilger hat ein sehr spannendes, anregendes und aufschlussreiches Gespräch mit Gunther Hirschfelder geführt in der Sendung "Zwischentöne" am 17.11.2019 im Deutschlandfunk:

https://www.deutschlandfunk.de/musik-und-fragen-zur-person-der-kulturwissenschaftler.1782.de.html?dram:article_id=459602

Zwischentöne mit Gunther Hirschfelder (Musik gekürzt)
Sendung vom 17.11.2019 (online bis Mai 2020)

Buchhinweise:

Europäische Esskultur: Geschichte der Ernährung von der Steinzeit bis heute
Gunther Hirschfelder
328 Seiten
16 Farb- und 52 s/w Abbildungen
Umschlaggestaltung: Guido Klütsch, Köln
Umschlagmotiv: Hieronymus Bosch (1450-1516), »Die Schlemmerei«,
Segment aus dem Tondo "Die sieben Todsünden", Museo Nacional del Prado, Madrid.
Campus Verlag, 2005
24,90 €
ISBN-10: 3593379376

Bier - Eine Geschichte von der Steinzeit bis heute
Gunther Hirschfelder
Manuel Trummer
271 Seiten, 20 s/w Abbildungen
Theiss Verlag 2016
ISBN 978-3-8062-3270-7

Prekäre Lebenswelten im Prisma der Ernährung
Gunther Hirschfelder, Sarah Thanner
Waxmann Verlag 2019
248 Seiten
34,90 €
ISBN 978-3-8309-4070-8

Foto: Cover

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Zuletzt bearbeitet am 02/02/2020

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Autor

Uta Petersen

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