Ausgetrunken: Pommery präsentiert Luxus-Range bei Heinz Winkler

PR-Experten wissen: ist der Ruf einer Marke erst einmal nachhaltig beschädigt, kostet es meist mehr Zeit und Mühe das angeschlagene Image wieder aufzupolieren, als dasselbe Produkt unter neuem Namen zu verkaufen.

Diese Option hatte man beim traditionsreichen Champagnerhaus Pommery nicht – schließlich blickt man dort auf eine mittlerweile rund 150jährige Tradition zurück. Aber nachdem die Erfinder des "Brut"-Champagners 1990 unter Kontrolle des Luxus Konzerns LVMH geraten waren, landeten viele der besten Reserveweine – Pommery verfügt bis heute über einige der besten Winzerverträge der gesamten Champagne – statt in der hauseigenen Standard Cuvée mit den charakteristischen tiefblauen Etiketten in den Kellern von Moët, Veuve Clicquot und Co.

Das Resultat: mit Qualität und Image des einst hoch renommierten Hauses ging es steil bergab. Pommery wurde für viele Champagnertrinker in der Folge zu einem Synonym für seelenlose Massenware und lagen damit gar nicht so falsch, denn nach dem Willen der Konzernstrategen in Paris wurde die Marke bewusst zum Mediumrange-Champagner degradiert, um das hauseigene Luxus-Portfolio nach unten abzurunden.

Ramponiertes Image aufpoliert

Doch dieser Schuss ging nach hinten los und so wechselte Pommery – zum Glück muss man heute sagen – 2002 noch einmal den Besitzer. Dieser Coup machte das neu entstandene Haus Vranken Pommery Monopole zum zweitgrößten Champagnerhersteller der Welt mit einem Gesamtmarktanteil von aktuell rund zehn Prozent. Durch konsequente Kellerarbeit und zahlreiche Innovationen konnte das Team um Pommery-Kellermeister Thierry Gasco dem ramponierten Image des Hauses sein Anfang der 2000er Jahre Stück für Stück wieder seinen wohlverdienten Glanz zurück verleihen.

Heute gehören die Weine von Pommery zweifellos wieder zu den besten Vertretern der Grandes Marques – allen voran der in Deutschland leider eher selten anzutreffende Vintage Grand Cru, der – wie der Name schon verrät – ausschließlich aus Grundweinen einiger der besten Grand Cru Lagen der Region verschnitten wird und ausschließlich aus Chardonnay und Pinot Noir besteht; die weltberühmte Prestige Cuvée Louise, benannt nach der Witwe des Firmengründers Louise Pommery, deren jüngster Jahrgang 2002 unlängst freigegeben wurde und natürlich der überaus seltene, in gerade mal 3000 Magnums pro Jahr abgefüllte Clos Pompadour – eine Besonderheit unter den immer stärker in Mode kommenden Einzellagen-Champagnern.

Residenz tischt auf

Anders als seine berühmten Vettern wie Clos du Mesnil oder der Clos d´Ambonnay aus dem Hause Krug, die ausschließlich aus Chardonnay, also als Blanc de Blanc, bzw. aus 100 Prozent Pinot Noir gekeltert werden, ist die rund 25 Hektar große Lage mitten im Stadtgebiet von Reims auf der die Trauben für den Clos Pompadour wachsen mit allen drei Paraderebsorten der Champagne bestockt, also mit Chardonnay, Pinot Noir und Pinot Meunier – wobei der Chardonnay mit 75 Prozent allerdings den weitaus größten Anteil in der Cuvée ausmacht. Die Selektion der Trauben für den Clos Pompadour aus dem Gesamtertrag der Lage als akribisch zu bezeichnen, wäre dabei eine waschechte Untertreibung – deshalb auch die für die Größe der Lage bescheidene Menge.

Im Rahmen einer Tournee durch einige der besten Restaurants der Republik werden diese Trouvaillen seit Oktober nun einem interessierten Publikum von Weinfreunden und Medienvertretern – jeweils stilecht begleitet von einem passenden Menü – en détail vorgestellt. Wir haben uns für die Verkostung die Residenz von Altmeister Heinz Winkler im bayrischen Aschau unweit des Chiemsees ausgesucht.

Der Nachfolger von Eckart Witzigmann im Münchner Kultrestaurant Tantris war einst jüngster 3-Sternekoch der Welt und hat sich 1991 mit seinem imposanten Relais&Chateaux Anwesen unterhalb der Kampenwand seinen Traum vom eigenen Luxus- und Vitalresort mit angeschlossenem Feinschmeckerlokal erfüllt. Nach Harald Wohlfahrt hat Heinz Winkler von allen deutschsprachigen Köchen in seinem Leben mit glatt 20 die bisher höchste Zahl von drei Sterne Auszeichnungen einheimsen können.

Keine Küche für Erbsenzähler und Küchenintellektuelle

Seit Mai 2014 steht ihm nach dem Abschied von Stephan Brandl, der 2008 neben Winkler die Position als zweiter Küchenchef übernommen hatte, Steffen Mezger in der Residenz zur Seite. Nach wie vor steht die Küche des kongenialen Duos unverkennbar in der großen Tradition französischer Klassik – allerdings hat Winkler im Lauf der Jahre konsequent alles Erdenschwere aus ihr verbannt. Kurz: Ein Menü bei Winkler und Mezger macht schlichtweg Spaß! Sicherlich keine Küche für Erbsenzähler und Küchenintellektuelle mit Hang zum Schwadronieren, aber ganz sicher für waschechte Genießer.

Auf dem Programm stehen zum Auftakt Hausgeräucherter Stör mit sensationellen pochierten Austern (Pommery Louise 2002), Imperialkaviar mit wildem Reis und Winklers berühmter Schnittlauchsauce (Pommery Louise 2002), gratinierte Seezunge mit Safran (Clos Pompadour en Magnum), Petersilienmousseline mit weißem Alba-Trüffel (Pommery Louise 1999), Salpicon von Fasanenbrust mit Champagnerkraut (Pommery Grand Cru 1998 en Magnum) und frische Datteln mit weißem Schokoladenmousse (Pommery Rosé Apanage). Ein klassisches Menü als perfekter Begleiter klassischer Champagnerkunst!

Betrachtet man die Champagner für sich, gab es für uns an diesem Abend klar zwei Favoriten: der 1998er Grand Cru, der mit sensationellen Brioche-, Karamell- und Toffee Noten, die natürlich auch der fortgeschrittenen Reife zu verdanken sind, begeistern konnte und damit das nötige Gewicht mitbrachte, um sich gegen Speck und Sauerkraut zu behaupten; außerdem der ein wenig verspieltere, wunderbar weiche Clos Pompadour mit herrlichen Blüten und weißen Fruchtaromen, der das Zeug hat, zum Kultchampagner zu avancieren.

Petersilienmousseline und frischen Trüffeln trotzen

Zu Ehrenrettung von Pommerys klassischer Prestige Cuvée Louise, die ein wenig dahinter zurückblieb, muss man allerdings anmerken, dass diese, anders als die zuvor genannten Weine, nicht aus der Magnum, sondern "nur" aus der Standardflasche ausgeschenkt wurden – bei keinem anderen Wein fällt dieser Unterschied stärker ins Genussgewicht, als beim Champagner. Das merken selbst Champagnerlaien auf den ersten Schluck.

Während der Louise Vintage 2002, der immerhin ja auch schon 12 Jahre auf dem Buckel, hat aktuell noch ein wenig verschlossen wirkt, das große Potential dieses Ausnahmejahrgangs aber durchaus schon erahnen lässt (Kurzum: Hier sind noch zwei drei Jahre Geduld gefragt), zeigt sich der 1999 in der Standardflasche momentan sicher auf seinem Höhepunkt. Im Gegensatz zu den Prestige Cuvées zahlreicher anderer Häuser ist der Louise dabei stets ein wenig subtiler, ein wenig weicher, fast schon cremig – das gefällt nicht allen Champagnerfreunden auf den ersten Schluck, aber gerade als Essensbegleiter ist dieser Wein vielleicht gerade deshalb besonders geeignet und kann sich trotz seiner Subtilität selbst gegen die kräftig abgeschmeckte Petersilienmousseline und den frischen Trüffel durchsetzen.

Aber es müssen ohnehin nicht immer die Prestige Weine sein: auch der klassische Pommery Brut macht sein einigen Jahren wieder richtig Spaß im Glas und Pommerys vor einigen Jahren eingeführte Saisonchampagner Spring-, Summer-, Fall- und Wintertime sind weit mehr als eine Spielerei, sondern in Aromatik und Struktur perfekt auf die Jahreszeit abgestimmt – schließlich schmeckt ein Blanc de Blanc im Sommer nun mal besser als ein Blanc de Noir und im Winter ist es umgekehrt. Wir sind gespannt, was sich das Önologen Team von Pommery in Zukunft noch alles einfallen lassen wird!

Weitere Infos: www.vrankenpommery.com und www.residenz-heinz-winkler.de 

Fotos: Thomas Hauer, Pommery

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Zuletzt bearbeitet am 19/08/2016

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Autor

Thomas Hauer

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