Der Hafer und die Wäscheleine

Mitten im "ZeitWerk" befindet sich die Küche. Fast pantomimisch agiert das flinke, junge Team mit Dan, Daniel und Sandra um Küchenchef Robin Pietsch und Restaurantleiter Florian Raake…

Das geschmackvoll eingerichtete Wohnzimmerrestaurant mit handgebauten Holzmöbeln zeigt Liebe zum Detail. Eine Speisekarte auf edlem Packpapier, das Menü in einem Umschlag: Schon auf den ersten Blick ist der sehr persönliche Stil und der Teamgeist in dem kleinen, schmucken Fachwerkhaus spürbar. Ausgeprägter Respekt vor der Regionalität und dem Produkt ist offensichtlich ebenfalls ein sehr hohes Gebot. "Weshalb scheint der überwiegende Teil der Population sich nicht damit auseinanderzusetzen, woher Zutaten oder Produkte überhaupt stammen? Unsere Nahrung ist doch quasi unser Lebenselixier. ...Manchmal reicht der Schritt vor die Haustür, um tolle unverwechselbare und spannende Produkte zu finden", lauten Kerngedanken des Teams.

So ist es naheliegend, dass die Zutaten aus dem Harz und von ausgesuchten Produzenten der Umgebung stammen. "Das ist nicht immer einfach. Manchmal sind wir mehr mit der Recherche, als mit dem Kochen beschäftigt. Qualität und Regionalität ist für uns einfach extrem wichtig", bestätigt Robin Pietsch, der sich folgerichtig auch natürlicher Konservierungsmethoden der Großelterngeneration bedient.

Das Team im ZeitWerk.
Das Team im ZeitWerk.

 

Sämtliche Produzenten, wie der Hof in Rodersdorf, die Käserei in Westerhausen, der Gemüsehof in Blankenburg und die Fischzucht in Veckenstedt werden auf der Karte genannt und ausführlich beschrieben. "Das Beste aber ist meine Oma. Sie bringt Leckeres von den Wiesen und aus dem Wald wie etwa Bärlauch mit. Ich bin ihr sehr dankbar", freut sich Robin Pietsch über die tatkräftige Unterstützung seiner Großmutter Christa.

Auch die Getränke, das Harzer Wasser und das Bier der ortsansässigen Brauerei oder die Diesdorfer Edeldestillate kommen quasi aus der Nachbarschaft. In zehn Gängen beweist Robin Pietsch sein Talent als ungewöhnlicher Koch. Den kleinen Kunstwerken ist seine frühere Lehre als Konditor anzusehen. Filigran dekoriert und immer mit einem besonderen Pfiff versehen, begeistern die Speisen nicht nur die Geschmackssinne, sondern auch durch die Optik.

Vorweg wird rohes und leicht eingelegtes Gemüse mit Dip und getrocknetem Senf gereicht. Die folgende Präsentation ist so simpel, wie begeisternd: mit einer Holzwäscheklammer befestigt, hängt an einer Miniaturwäscheleine eine Scheibe luftgetrockneter Schinken. "Mehr braucht es eigentlich nicht. Etwas Schinken, selbst gebackenes Brot, Butter und ein wenig Grünzeug", bestätigt Chefkoch Robin Pietsch die Kreation.

Miniaturwäscheleine mit einer Scheibe luftgetrockneter Schinken.
Miniaturwäscheleine mit einer Scheibe luftgetrockneter Schinken.

 

Wie ursprünglich und lecker Rotkohl, frischer Fenchel, Apfel und Joghurt schmeckt, wird beim nächsten Gang deutlich. Das Gericht "Möhre" besteht aus kalten und warmen Karotten, mit Honig, Butterbröseln und Möhreneis, ebenfalls eine simple und sehr schmackhafte Kombination, die sich in ähnlicher Form bei der geräucherten Rübe mit Estragon, Eigelb, frischem Meerrettich und geröstetem Hafer (grandios!) noch steigert.

Der Speisekunstgenuss im ZeitWerk erfreut mit jedem weiteren Gericht, wird doch mit Spannung erwartet, wie aus einfachen Zutaten eine großartige Verbindung entstehen kann. Die Forelle wird mit Senfgraupen, Honig und Dill ergänzt. Sehr gelungen ist die himmlisch schmeckende Version von Lachsforelle, Birne und karamellisiertem Grünkohl.

Äußerst zart gelingt die 36 Stunden geschmorte Ziegenbacke mit Petersilienwurzel und Rettich. Nach den herzhaften Hochgenüssen leitet die süße Tomate mit Eis, Essenz und Kapuzinerblüte zum Finale über. Den Abschluss bildet ein Glas Sherry mit einer Käseecke aus Westerhausen unter einer rauchenden Glasglocke.

Die Weine:

2015 Bischoffinger Vulkanfeslen, Grauer Burgunder
2015 Doppio Passo, Primitivo
2015 Georg Breuer, Charm Riesling
2014 Cleebronner Heuchelberg, Trollinger
2015 Reichsgraf von Kesselstatt, Riesling
2011 Caliterra Tributo Carmenere

Fazit: Ein ausgezeichnetes Speisevergnügen mit Radiokoch Robin Pietsch, das mit vielen Finessen und kreativen Überraschungen begeistert.

Weitere Informationen Restaurant ZeitWerk: http://dein-zeitwerk.com

Das Hotel Schanzenhaus mit seinen elegant-modernen Zimmern dürfte zu den ruhigsten Oasen im Harz gehören. http://schanzenhaus.de

 

Impressionen:

 

Fotos: Carola Faber

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Zuletzt bearbeitet am 02/06/2017

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Autor

Carola Faber

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