Tabak-Brevier IV: Die Aufsteiger aus der Dom Rep

Ein Klima fast wie im Humidor: Die durchschnittliche Temperatur erreicht 27° C im Juli und August sowie 22° C im Februar. Die durchschnittliche Luftfeuchtigkeit liegt bei 80 Prozent, in der Regenzeit sogar etwas mehr.

Die Karibik ist nach dem Volk der Kariben benannt, auf das die spanischen Eroberer auf den Kleinen Antillen trafen. Heute lebt in der Karibik ein buntes Völkergemisch aus etwa 35 Millionen Einwohnern. Neben den sehr wenigen verbliebenen Ureinwohnern leben vor allem Menschen afrikanischer und europäischer Herkunft, Kreolen und Inder (vor allem in Trinidad und Tobago und Guyana) und Chinesen auf den verschiedenen Inseln der Karibik.

Als Kolumbus im Auftrag der spanischen Krone 1492 auf San Salvador landete und den Tabak für Europa entdeckte, war er vor allem auf der Suche nach Gold und anderen Reichtümern. Aber die Arawaken, Indianer, die die Insel von Venezuela kommend besiedelt hatten, legten keinen Wert auf das, was Europäer als Reichtum ansahen. So wurde die Karibik zwar besiedelt, aber die Konquistadoren zog es alsbald auf den amerikanischen Kontinent. Nach und nach ließen sich auch Engländer, Niederländer und Franzosen nieder; sogar Dänemark und Kurland waren im Besitz einiger Kolonien.

Der Tabakkultur ist in der Karibik heute hochentwickelt. Die optimalen klimatischen Bedingungen haben den Anbau, die Herstellung und den Export sowohl von Rohtabak als auch von Cigarren sehr begünstigt. Auf Kubas östlicher Nachbarinsel liegt, wen wundert’s, ein weiteres Cigarren-"El Dorado". Doch es ist noch gar nicht so lange her, dass sich die Dominikanische Republik in der Spitzenklasse etabliert hat.

Weltklasse aus der Karibik

Erst zu Beginn des letzten Jahrhunderts begann die Kultivierung und Verarbeitung von Premium-Tabaken. Später, nach der kubanischen Revolution, kamen viele Exil-Kubaner – und mit ihnen ein profundes Wissen um Tabak und Cigarrenherstellung. Die Zahl der Manufakturen wuchs stetig. Für internationales Renommée sorgen seitdem Marken wie AVO, Carlos André, Davidoff, Dunhill, Villiger, Juan Clemente, La Aurora, Macanudo, Pleiades oder The Griffin's, um nur einige der Erfolgsgaranten zu nennen.

Heute ist die Dominikanische Republik mit über 100 Millionen Stück pro Jahr Cigarren-Exportweltmeister. Die Qualität der dominikanischen Zigarren zählt zur absoluten Spitzenklasse. Verantwortlich für die außergewöhnlich hohe Qualität des Tabaks sind natürlich auch hier der mineralige Boden mit seinem Schiefer und altem Eruptivgestein und das tropisch feuchte Klima mit einer Temperatur, die auch im Winter in der Ebene nicht unter 21 °C sinkt. Das berühmteste Anbaugebiet mit den edelsten Pflanzen ist das Cibao-Tal, das sich entlang des Flusses Yaque del Norte im Nordwesten erstreckt. Weiter westlich liegen die Pflanzungen um Moca, südwestlich davon La Vega und Bonao.

Die weltberühmten Tabake aus dem Cibao-Tal werden  ausschließlich für Einlagetabake verwendet. Das hat einen einfachen Grund: Sie eignen sich dafür am besten. Dass in der Dominikanischen Republik hauptsächlich diese Einlagetabake produziert werden, hat für die Herstellung der Longfiller zur Folge, dass die meisten Um- und Deckblätter importiert werden.

Cigarren mit Charakter

Ein für den Afficionado interessanter Effekt, denn so ergibt sich fast zwangsläufig die von den Genießern so geschätzte Bandbreite an verschiedenen Tabakmischungen. Mittlerweile steigt zwar auch der Anbau an Deck- und Umblättern, aber die für die einheimische Cigarrenproduktion benötigte Menge wird noch längst nicht erreicht.

Der bekannteste Tabak ist der Olor Dominicano, ein relativ milder Tabak, mit einer leichten Süße und einem guten Brandverhalten. Der Olor Dominicano zählt als Einlagetabak zur absoluten Weltklasse. Ebenfalls sehr beliebt ist der aus kubanischem Saatgut gezogene, etwas stärkere Piloto Cubano. Der Piloto Cubano hat ein volles Aroma, aber ein langsameres Brandverhalten und ist ebenfalls eine begehrte Einlage. Die Tabake aus der Dominikanischen Republik zählen durchweg zur absoluten Spitzenklasse.

Sie zeichnen sich durch einen nicht so hohen Nikotingehalt und durch charaktervolle, aber eher mildere Aromen aus. Das macht sie äußerst beliebt, denn die meisten in Deutschland verkauften Longfiller werden in der Dominikanischen Republik hergestellt. Diese Milde hat noch einen weiteren Vorteil: Der Tabak lässt den Partnern (also den anderen Tabaken in der Mischung) genügend Raum zur Entfaltung. In der Dominikanischen Republik wächst also kein Kraftmeier, sondern ein facettenreicher, diskussionsfreudiger Feingeist.

Foto: Arnold André

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Zuletzt bearbeitet am 21/08/2016

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