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Die verborgenen Schätze Istriens


Istrien gilt schon längst als begehrte Destination für Feinschmecker der verborgenen Schätze. Sind es im grünen Hinterland die Trüffel, feinstes Olivenöl, wilder Spargel und der Schinken, bietet die blaue Küste eine Fülle an Meeresfrüchten und Fischen.

Vor der Kulisse historischer Altstädte auf Halbinseln locken kleine Restaurants mit einer jungen, vielversprechenden Gourmetküche. Zwischen rustikalem Holzkohlengrill und raffinierten Feinschmeckertempeln gibt es zahlreiche Adressen, die ein Fest für die Geruchs- und Geschmacksnerven bedeuten. Zu unvergesslichen Momenten dürften auch die Mußestunden in Restaurants, wie das Sv. Nikola oder Spinaker mit Blick auf die Adria gehören: Im letzten Abendsonnenlicht läuft ein Fischerboot in den Hafen. Geleitet wird es von Möwen, die den Glanz des Augenblicks wie einen zarten Schimmer noch betonen. Zu dem Augenschmaus werden dann Delikatessen, wie rohe Scampi auf Molke, Fischfilet in Orangensaft und Seeigel-Kaviar sowie Steinbutt mit Scampi-Sauce und Seezungenfilet mit Löwenzahnblüten und Trüffel serviert.

Comeback nach Enteignung

Dazu reicht Winzer Ivan Damjanic einige seiner Edeltropfen aus dem Keller und erzählt von der langen Tradition seines Weinguts bei Porec. Die Geschichte beginnt im frühen 18. Jahrhundert. Die Familie Jurkovic pflanzte in der Nähe von Porec Fuskulin Rebstöcke. Intensiver Arbeitseinsatz und viel Geduld führte zu internationaler Anerkennung. Ein besonderer Höhepunkt war die Weltausstellung 1928 in Paris. Bis zum Ende des 2. Weltkrieges hatte die Familie 30 Hektar Rebflächen.

Wegen der politischen Entwicklung wurde ein Großteil des Landes enteignet und die lange Tradition zerstört. Nach einer 50jährigen Pause wurde mit dem Neuaufbau begonnen. Seit der Jahrtausendwende kultiviert die Familie Damjanic sieben Hektar Rebflächen. Ivan Damjanic studierte in Zagreb Weinbau und spezialisiert sich seitdem auf den istrischen Malvasia, Acacia, Chardonnay, gelber Muskateller, Merlot, Gamay und Clemente. Mit Erfolg. Zahlreiche Preise erhielt inzwischen der junge Winzer. Kostproben beweisen den feinen und zarten Duft von Akazienhonig, reifen Früchten und Aromen von Rauch in seinem Malvasia, den er im Akazienfass ausbaute. Herausragend war auch der Muskat, der ausdrucksvolle Fülle und gleichzeitig feine Strukturen zeigte.

Mit Marino Markežić vom Weingut Kabola bei Momjan sorgt ein weiterer Winzer Istriens für Aufsehen. Er baut Orange Wein an. Dafür verwendet er nur Trauben aus der besten Lage am Stancija Hügel. Die Gärung erfolgt mit den Traubenschalen (Mazeration) für sieben Monate in 2000 Liter großen Terrakotta-Amphoren. Danach reift der Wein für zwölf Monate ohne Schalen in Fässern aus slowenischer Eiche, um schließlich weitere zwölf Monate in Flaschen zu ruhen.

Bemerkenswerte Küchenleistung

"Wir haben ein altes Rezept entdeckt und dadurch einen Wein gewonnen, den die alten Römer und Griechen schon vor langer Zeit genossen haben. Der Gärungsprozess erfolgt auf Basis eigener Hefen. Dieser Wein kann auch nach mehreren Jahren genossen werden", freut sich Marino Markežić. Der exquisite Geschmack des bernsteinfarbenen Weins ist reich an Aromen die an Rosinen und getrocknete Feigen, bis zu zarten Honig- und Cognac-Noten erinnern.

Eingebettet zwischen Weingärten und Olivenhainen gehört das erste Relais & Chateau Istriens, die Villa Meneghetti zu den besonderen Oasen des Landes. Umgeben von dem Grün der atemberaubenden Natur und dem Geruch des Meeres kommen dort selbst anspruchsvollste Gäste auf ihre Kosten. Dem Zirpen der Grillen lauschend und die letzten Strahlen der Sonne über der Weinberglandschaft betrachtend, zergehen die Kreationen der Küche auf der Zunge, laden geradezu zum Staunen ein.

Kalbskotelett mit karamellisierten Sonnenblumenkernen.
Kalbskotelett mit karamellisierten Sonnenblumenkernen.

 

In dem Restaurant, das von Gault-Millau mit 2 Hauben ausgezeichnet wurde, überzeugt unter anderem mit Thunfisch-Tatar auf getrockneter Pasta und Kalbskotelett mit karamellisierten Sonnenblumenkernen. Dazu ein Meneghetti -Crveno 2009! Dieser Rotwein, der den Decanter World Wine Award 2013 erhielt, zeigt grandiose, vollmundige Aromen und beeindruckt durch einen langen Abgang.

Abendlicher Ausklang unter Petroleumlampe

Fast wie ein kleines verborgenes Juwel wirkt die Fischerhütte der Familie Bernobic. In dem alten Hafen von Vabriga gelegen, hat die Familie schon seit Generationen Gäste bewirtet. Meistens kochen die Eltern Laura und Mauro Bernobic und servieren dann stolz die frischen Früchte des Meeres, während die Söhne Mateo, Danijel und Luka abwechselnd zum Fischen auf das Meer hinausfahren. Ein älterer Fischer kehrt inzwischen zurück in den Hafen.

Er hat sein Tagewerk vollendet. An der Seite gründelt ein Schwanenpaar. Ab und zu fliegt ein Vogel über den Fjord. Die letzten Sonnenstrahlen sind schon längst nicht mehr zu sehen. Die Szene ist in Blautöne getaucht. Langsam geht der Mond auf. Mauro zündet den Docht einer Petroleumlampe an. In der lauschigen Bucht ist es jetzt ganz still. Niemand mag mehr laut reden, damit der Zauber des Augenblicks noch ein wenig erhalten bleibt.

Fotos: Carola Faber

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Zuletzt bearbeitet am 21/08/2016

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Autor

Carola Faber

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