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Die Weinwelt "Jura" erwacht aus dem Dornröschenschlaf

Das Jura ist international nicht nur für seinen ausgezeichneten Comté-Käse bekannt. In der Weinwelt kann das Gebiet zwischen dem Burgund und der Schweiz bereits auf eine 2000 Jahre alte Weinbautradition verweisen...

Anfang des 19. Jahrhunderts betrug die Weinbaufläche noch fast stolze 20.000 Hektar. Inzwischen wird nur noch auf einem Zehntel dieser Fläche Wein kultiviert. Diese Nischenregion stand lange Zeit nicht im Fokus der Weinliebhaber, höchstens für den oxidativ ausgebauten Vin Jaune. Allerdings sind dort Schätze autochthoner Rebsorten wie Trousseau, Poulsard und Savagnin erhalten geblieben. Dazu kommen seltene Rebsorten wie Enfarines, Gros und Petit Beclan oder Portugais bleu. Aber auch Chardonnay und Pinot Noir werden im Jura für qualitativ hochwertige Weine angebaut. Seit einigen Jahren sorgt die Region vermehrt für Aufsehen, besonders für ihre ausgeprägte Naturweinproduktion. Ein Grund dafür mag sein, dass dort die Winzer die Herstellung des Weins noch nie stark beeinflusst haben. So gehört der Anteil der biologisch bewirtschafteten Weinberge im Jura mit 15 Prozent zum größten in Frankreich.

Zu einer Entdeckung und einem Paradebeispiel für diese Entwicklung gehören Françoise und Michel-Henri Ratte in Arbois. Fast 30 Jahre lang lieferten sie ihre Trauben an die lokale Genossenschaft. 2011 entschließt sich das Ehepaar im ostfranzösischen Jura für die Umstellung auf ökologischen und biodynamischen Landbau, ihre Flaschen zu vinifizieren und selbst zu vermarkten. Im Jahr 2015 haben die beiden den ersten Wein unter ihrem Namen als Domaine Ratte erzeugt. Unterstützt wurden sie dabei von ihrem Sohn Quentin. Das neue inzwischen biodynamisch bewirtschaftete Weingut wurde 2016 eingeweiht.

Erst 2015 wird der erste Wein unter dem Namen Domaine Ratte erzeugt / © Kulinariker.de, Foto: Carola Faber
Erst 2015 wird der erste Wein unter dem Namen Domaine Ratte erzeugt / © Kulinariker.de, Foto: Carola Faber

 

Zum Weingut gehören rund 9 Hektar Rebflächen, die noch aus dem Besitz der Eltern von Francois Ratte stammen. Die elf Rebgärten mit größtenteils zwischen 20 und 80 Jahren alten Reben erstrecken sich auf sehr exponierte Lagen, wie Corvées, Grand Curoulet, Bésivette, Prélevront, Régole, Clos Maire und Bergère rund um Arbois. Die unterschiedlichen Böden reichen vom blauen und roten Mergel der Lage "Les corvées" bis zum "Grandcuroulet" auf Kalkstein. Für die biodynamische Bewirtschaftung wird Pflanzensud verwendet. Die Weinbereitung erfolgt mit einheimischen Hefen, ohne weitere Zugaben. Die roten Trauben werden sofort im Weinberg entrappt, anschließend folgt eine langsame und schonende Pressung. Die Spontangärung ist in Edelstahltanks vorgesehen, ein Teil des Weins wird dann in burgundischen Fässern mit einem geringen Neuholzanteil ausgebaut. Bei der Domaine Ratte gibt es keine Filtration bei der Abfüllung und nur eine sehr geringe Schwefelung. Das Weingut Domaine de Ratte ist inzwischen Demeter zertifiziert.

Weine mit Erlebnischarakter

Ein hervorragendes Beispiel für die große Kunst der Domaine de Ratte ist der 2019 Arbois Blanc Naturé aus Trauben von Rebstöcken, die bis zu 100 Jahre alt sind. Komplexe Aromen entströmen dem Glas, die Vielschichtigkeit der Struktur, wie auch die enorme Geschmacksvielfalt mit immer neuen Aromen von Blumen, Birne, Orange und Vanille beeindruckt darüber hinaus durch ihren langen Nachklang.

Der 2016 Arbois Rouge Les Corvées 2016 ist ein reinsortiger "Trousseau" aus gleichnamiger Toplage von Arbois. Die Reben wachsen in der Einzellage auf 350 Metern Meereshöhe. Bei diesem feinen Tropfen ist es ein Bukett aus Beerenfrüchten, Kräutern, Leder, Stroh und Erdigkeit, das beeindruckt. Ein charmanter, spannender Wein, leicht moussierend, der gleichzeitig Saftigkeit und ausgewogene Weichheit vermittelt.

Die Weine der Domaine Ratte zeichnen sich durch ihren langen Nachklang und Ausdrucksstärke aus  / © Kulinariker.de, Foto: Carola Faber
Die Weine der Domaine Ratte zeichnen sich durch ihren langen Nachklang und Ausdrucksstärke aus / © Kulinariker.de, Foto: Carola Faber

 

Ebenfalls leicht moussierend gibt sich der 2016 Arbois Rouge Clos Maire. Für diese Cuvée wurden die besten Trauben der Rebsorten Trousseau und Pinot Noir verwendet. "Die einzelnen Parzellen werden getrennt voneinander vinifiziert und ausgebaut. Erst zur Füllung wird die endgültige Cuvée vorgenommen. Der erste Eindruck ist von ätherischer Frucht geprägt, Heidelbeeren, Maulbeeren und Schattenmorellen mit dezenten Noten von frisch geschnittenem Estragon", beschreibt treffend Weinexperte und Winzer Joachim Christ (Domaine l`Horizon) den wunderbaren Wein. Neben Fruchtnoten, Pfeffer und Holz gehört zu den Stärken des 2016 Arbois Rouge Clos Maire der extrem lange Abgang.

Domaine Ratte, http://www.domaine-ratte.com
Alles-Wein, https://www.alleswein.com

Fotos: Carola Faber

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Autor

Carola Faber

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