Villa Matilde: Renaissance des Falerner

Maria Ida und Salvatore Avallone haben in Kampanien, 80 km von Neapel und 150 km südlich von Rom den wohl berühmtesten Wein der Antike, den Falerner, wieder zu neuem Leben erweckt...

Die zu Beginn des 20. Jahrhunderts weitgehend verschwundene klassische Rebsorte erlebt auf den Weinbergen der Hügellandschaft um die aus mehreren Landgütern bestehende Villa Matilde insbesondere an den Flanken des erloschenen Vulkans Roccamonfina in der Provinz Caserta eine Wiedergeburt der Extraklasse. Hier, noch dazu auf dem historischen Gebiet des "Ager Falernus", dem antiken Anbaugebiet des Falerner, entstehen nun wieder Weine, die dem uralten Lob antiker Gourmets entsprechen: "Severus, fortis, ardens!" "Herb, kraftvoll, funkelnd!" Dies sind die Charakteristika des Falerners, der eng mit der Kultur und Tradition dieses Landstrichs verbunden ist, die das Fundament der Philosophie dieser Azienda bilden.

Allerdings: Laut Plinius dem Älteren gab es ihn, der mindestens viermal so teuer wie herkömmlicher Landwein war, auch als "austerum, tenue, dulce", in der Variante "herb, halbtrocken und süß". Bezeichnet wird der antike Falerner heute als DOC-geschützter, aus der Provinz Caserta stammender Falerno del Massico. Denn der Hauptursprungsort des Falerners war der 812 m hohe Monte Massico. Zu dessen Füßen wurde der eigentliche Falerner angebaut, darüber an den Hängen der "Faustitianer", oben auf dem Berg der "Cauciner".

Ob nun der heutige Falerno del Massico tatsächlich Eins zu Eins dem antiken Falerner entspricht, ist nicht gesichert. Indes haben sich Maria Ida und Salvatore Avallone, mehrfach für ihre Innovationen ausgezeichnet, äußerst um ihn verdient gemacht. Hinzu kommen natürlich ihr Respekt vor der Natur, ihr Sinn für Nachhaltigkeit und ihr Bekenntnis zur den "Emissioni Zero" – dem Nachweis, dass man optimalen Wein bei rigoroser Reduzierung des Negativeinflusses auf die Umwelt auch dank des Einsatzes modernster Technologie und wissenschaftlicher Mittel sehr wohl zu produzieren vermag. Dies macht man schon seit 2009. Heute produzieren 339 Photovoltaik-Flächen über 100.000 kWh Strom pro Jahr und sparen so jährlich 73 Tonnen CO2 ein.

Und enorm wichtig ist auch die Nutzung der Biomasse auf den Gütern, der Villa Matilde, die in den 1960er Jahren Francesco Paolo Avallone aus triftigem Grund gründete. Denn der Rechtsanwalt war leidenschaftlich an der antiken Weinkultur interessiert, die von Plinius, Martial und Horaz insbesondere zum Vinum Falernum, dem Falerner, überliefert ist. Mit einigen Freunden, Dozenten an der vom "Staunen der Welt", Stauferkaiser Friedrich II. gegründeten Universität Neapel, brachte er nach und nach jene Rebsorten wieder ans Tageslicht, aus denen einst der Falerner entstand. Und es folgte der Erfolg, den heute seine Kinder Francesco Paolo, Maria Ida und Salvatore fortführen. Dies gilt vor allem für die 110 ha großen Hauptlandgüter, die Tenute di San Castrese und Parco Nuovo, wo auch vielfach autochthone Rebsorten angepflanzt werden: Da ist etwa der großartige Aglianico, in der Antike "Hellenico" genannt. Oder da ist die Rebsorte Piedirosso, aus dem, gemeinsam mit dem Aglianico, der rote Falerner, der Falerno Rosso entsteht.

Reben im Schatten der Berge...
Reben im Schatten der Berge...

 

Und da ist die Rebsorte Falanghina, der der weiße Falerner, der Falerno Bianco, seine Existenz verdankt und die auch für die Herstellung des Weins Caracci und des Passito Eleusi auf dem Landgut Villa Matilde dient. Und natürlich darf auch die Rebsorte Primitivo nicht fehlen. Auf den 25 ha großen, 2004 hinzu gekommenen Villa Matilde-Landgütern der Tenute di Altavilla finden sich in diesem geschützten DOCG-Weinbaugebiet optimale Bedingungen für Greco di Tufo, Fiano di Avellino und Taurasi. Schließlich bieten auch die schon im Jahr 2000 erworbenen 30 ha der Tenute di Rocca die Leoni ideales Terroir für Aglianico und Falanghina.

Der Falerner, auch Falernum genannt, erreichte in der Antike nach 15 Jahren Reifung sein Optimum und darf für sich in Anspruch nehmen, auch den ältesten nachgewiesen Weinjahrgang zu stellen. Die Nennung datiert auf 121 v. Chr. und ist einem römischen Konsul namens Lucius Opimius zu danken. Folgerichtig wurde und wird dieser Uraltweinjahrgang "Opimianer" genannt. Und der Falerner hatte in der Antike auch Konkurrenz. Da gab es z. B. die Rebsorten Cäcuber, Massiker und Surrentiner. Aber dazu später mehr.

Erst einmal gehört die Aufmerksamkeit dem Team der Villa Matilde, das schon 2007 und 2013 höchste Auszeichnungen für seien Arbeit erhielt. Da sind etwa der Önologe Fabio Gennarelli, in der Cantina Luciano Siviero und Giuseppe Andreaoli oder die für die Qualitätskontrolle zuständige Laura Robbe zu nennen. Annarita Battinelli ist für die Enoteca und den Agriturismo mit Übernachtungsangebot zuständig, das die Villa Matilde in der günstigen Locanda del Falerno samt Weinkellerbesichtigung und Degustation anbietet. Und natürlich offeriert die Villa Matilde auch herrliches Frühstück mit selbst hergestellten Bioprodukten der Azienda. Und für das leibliche Wohl sorgt Köchin Ida Luciano. Aber das Hauptaugenmerk liegt natürlich auf den Weinen, die die Villa Matilde heute auch in äußerst schmucken Geschenkkartons feilbietet.

Der Weinkeller des Weinguts.
Der Weinkeller des Weinguts.

 

Da ist natürlich erst einmal der weiße Falerner, der Falerno del Massico Bianco. Villa Matilde produziert ihn in San Castrese schon seit 1975 auf Weinbergen in nur 140 m Höhe, die zwischen 1963 und 1992 auf vulkanischem Grund angelegt wurden. Nach der Vinifizierung gelangt er drei Monate in den Stahltank und beeindruckt mit Aromen von Ananas, Banane, gelbem Pfirsich, Williams-Birne, Wacholderblüte und Rose sowie Noten von Salbei und Vanille. Noch exklusiver und mit erstaunlicher Langlebigkeit ausgestattet ist der Villa Matilde Vigna Caracci Falerno del Massico DOP Bianco 2016 (14 %). Er wird allerdings nur in den allerbesten Weinjahren produziert. Seine Trauben stammen sämtlich vom gleichnamigen Weinberg Caracci, einem der ältesten, 1968 angelegten und besten Weinberge der Tenuta di San Castrese an den Flanken des erloschenen Vulkans Roccamonfina.

Hergestellt wurde er erstmals 1989. Und natürlich ist auch dieser Wein ein purer, hundertprozentiger Falanghina-Weißwein. Diese Rebsorte nannten die Römer "Vinum album Phalanginum". Auch er besticht mit seiner intensiven strohgelben Farbe samt goldener Reflexe und besitzt charakteristische Aromen von Hagebutte (Rosa Canina), Banane, Ananas, Williams-Birne, Kakaobutter sowie Noten von Moschus, gerösteter Nuss und Vanille. All dies macht den Weißwein, der acht Monate im Stahl und auf der Flasche reifte, zu einem vollmundigen, ausgewogenen und langanhaltenden Vergnügen, dem nie Eleganz und Charakter fehlen. Serviert werden sollte er bei 12°C.

Sein Pendant ist natürlich der Falerno del Massico Rosso, der rote Falerner. In seiner Standardform wird auch er schon seit 1975 hergestellt und profitiert von den phosphorhaltigen Vulkanböden in 140 m Höhe, die San Castrese an den an den Hängen und Flanken des erloschenen Vulkans Roccamonfina bietet. Eine Hälfte des Aglianico (80 %) und Piedirosso (20 %)-Weins gelangt in Allier-Eichenfässer, von denen ein Drittel neu sind. Der Rest reift ebenfalls zehn bis 12 Monate in traditionellen slawonischen Eichenfässern von 10 bis 35 hl Größe.

Maria Ida und Salvatore Avallone.
Maria Ida und Salvatore Avallone.

 

Die exklusive Variante ist dann der ausgezeichnete Falerno del Massico Vigna Camarato. Dieser Wein, z. b. der 14-prozentige Villa Matilde Vigna Camarato Falerno del Massico DOP Rosso Riserva 2011, wird ebenfalls nur in den besten Weinjahren mit Trauben vom gleichnamigen, 1968 angelegten Weinberg Camarato am Roccamonfina produziert. Erstmals geschah dies 1981. Seine profunde, tiefrote Farbe und die intensiven, nachhaltigen Aromen von roten und schwarzen Waldbeeren, Pfeffer, Schokolade, Kaffee, Lakritz und Vanille machen diesen trockenen, komplexen, eleganten und kräftigen Wein zum Star. Serviert werden sollte er bei 16 bis 18°C.

Schließlich produziert die Villa Matilde sogar auch einen Cäcuber, italienisch "Cecubo". Dieser legendäre antike römische Wein gedieh einst auf dem "Caecubus Ager", einer eher sumpfigen, leider von Kaiser Nero durch einen Kanal entwässerten Ecke an der Küste des Latiums, am Küstensee von Fundi nahe Terracina. Der Caecuber profitierte vom lockeren vulkanischen Tuffsteinboden, wurde dann aber Opfer von Nero, der sich hier nicht für Wein interessierte, sondern für den Schatz der Dido, den er unbedingt heben lassen wollte. Das Ergebnis war niederschmetternd: Das entwässerte Weingebiet wurde vollkommen zerstört, der edle Cäcuber verschwand nahezu komplett aus den Weinannalen. Nur in Griechenland wurden dann später einige wenige neue Versuche mit dem Cäcuber unternommen. Umso bemerkenswerter ist daher der Villa Matilde Cecubo Roccamonfina IGP Rosso 2014 mit 13,5 % Alkoholgehalt. Er entsteht aus Primitivo, Piedirosso und weiteren autochthonen Rebsorten, die auf den 1976 bis 2000 in 150 m Höhe angelegten Weinbergen von San Castrese wachsen. 12 Monate in Barrique-Eichenfässern, ein Drittel von diesen neue Fässer, machen diesen historischen oder doch zumindest "historisierten" Wein, den die antiken Römer als "Vinum Caecubum" wohl mit Ausnahme von Nero überaus schätzten, zu einem besonderen Erlebnis. Die tiefrote Farbe und die Aromen von Pflaume, Waldfrüchten, Vanille und Kakao sowie Noten von Lakritz, Tabak und getrockneten Feigen geben ihm eine runde, volle, elegante Struktur.

Natürlich kann die Villa Matilde auch noch mit weiteren Spitzenweinen aufwarten, etwa mit dem hauseigenen Greco di Tufo, dem Falanghina Roccamonfina, dem Fiano di Avellino, dem Taurasi oder dem Top-Aglianico. Aber das Marklenzeichen ist und bleibt der Falerner, gefolgt vom so spektakulären "Cecubo".

Information:
Azienda Vitivinicola Villa Matilde, www.villamatilde.it 
Übernachten/Agriturismo: La Locanda del Falerno, www.villamatilde.it 

Fotos: Villa Matilde

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Zuletzt bearbeitet am 28/12/2020

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