Ältestes Weingut Polens: zu Besuch in der Winnice Jaworek

Schon 2001 erfüllten sich Ewa und Lech Jaworek ihren Traum und gründeten in der 16 000-Einwohnergemeinde Miękinia, deutsch einst Nimkau, das erste professionelle Weingut in Polen...

Heute, knapp 20 Jahre später, kann man festhalten, dass daraus eine besondere Erfolgsstory wurde. Denn das Weingut Jaworek, 26,4 km oder ca. 40 Autominuten nordwestlich von Wroclaw (Breslau) in Niederschlesien gelegen, ist heute eines der größten, exakt wohl das drittgrößte Weingut und unter den bekanntesten in Polen. Stolz und vergnügt empfängt denn auch Ewa Jaworek ihre Gäste. Denn das Weingut, das einmal mit 12,5 ha Weinbergen (heute 15 ha) auf dem Gut in Miękinia und 3,5 ha Weinbergen in Wińsko begann, die sämtlich in Höhen von 500 m über dem Meeresspiegel liegen, befindet sich weiter auf Expansionskurs.

Um die 50 ha umfasst der Jaworek-Besitz heute, jährlich werden 40 000 l Wein erzeugt. Und nicht genug damit: Hinzu kam das neue in Miękinia aufgebaute Weinhotel (3 Sterne) mit nun 13 Zimmern und Apartments (145 – 390 Zloty pro Nacht), die sämtlich nach Rebsorten wie Pinot, Riesling, Merlot oder Traminer benannt sind. Und es öffnete das hauseigene Restaurant, in dem man nun zu lokalen, regionalen und internationalen Köstlichkeiten die Weine der Jaworeks in gemütlicher, harmonischer Atmosphäre testen und wunderbare Wochenenden auf dem Weingut verbringen kann. Natürlich ist dieses önotouristische Angebot etwas Besonderes in Polen und wird rege genutzt. Zum Angebot zählen natürlich erst einmal Gutsführungen und Verkostungen, aber auch Weinseminare, Kutschfahrten und Radtouren in die Umgebung, Nordic Walking oder auch zünftige Lagerfeuer mit Live-Musik. Denn die Jaworeks setzten von Anfang auf ein Gesamtkonzept und die Einbettung in den regionalen Tourismus.

Ältestes Weingut Polens: Winnice Jaworek.
Ältestes Weingut Polens: Winnice Jaworek.

 

Gault & Millau Polska

So ist die Winnice Jaworek seit langem Teil der kulinarischen Route der Geschmäcker Niederschlesiens (Smaki Dolnego Slaska; http://smakidolnegoslaska.pl/en/home/) und besitzt schon seit 2012 das Zertifikat des Europäischen Netzwerks für regionales kulinarisches Erbe der Europäischen Union. Seit 2015 ist das Weingut dank seiner Spitzenprodukte auch im Gault & Millau Polska gelistet. Seit neuestem ist man auch Bestandteil der Bier- und Weinroute durch Niederschlesien und ist zudem offizielle Touristeninformationsstelle.

Neuer Kellermeister des Gutes ist Gniewko Drewnicki. Voh Haus aus ist der 34-jährige eigentlich kein Winzer. Er war lange Englischlehrer, dann erfolgreicher Bierbrauer. Zur Begrüßung empfängt er uns im Kelterhaus, das unter anderem in der alten, aus roten Ziegeln erbauten, mit Weinranken und leeren alten Weinfässern dekorierten Gutsscheune eingerichtet ist. Erst einmal darf es ein Gläschen vom Jaworek Slinger 2015 sein. Es ist ein harmonischer Riesling, der 2017 mit einer Bronzemedaille ausgezeichnet wurde und bei 12 % Alkoholgehalt frisch und armatisch schmeckt. Die 0,75 l -Flasche wird ab Gutshof für faire 50 Zloty (ca. 12 Euro) angeboten.

Zwischen Pappardelle mit langsam gegartem Lamm

Als neuer Kellermeister ist Gniewko Drewnicki natürlich besonders stolz auf die aus Deutschland und Frankreich stammenden Eichenfässer. Und er weist natürlich darauf hin, dass das Besondere der Jarowek-Weine die zweite Fermentierung im Fass ist. Und dann die Überraschung zwischen einigen Stahltanks: eine hochmoderne Destillationsanlage der Firma Ulrich Kothe Destillationstechnik aus Eislingen in Baden-Württemberg. Und ja, natürlich werde man nun zukünftig die Produktpalette erweitern. Geplant sei die Produktion von Brandy und später auch Whiskey. Im Fasslager gibt es dann eine erneute Überraschung. Jaworek stellt auch "Trinkhonig" her. Nach alter Landestradition lagert dieser Honigwein, polnisch miód pitny, deutsch auch Met, hier bis zu acht Jahre (!!!) im Fass. Eine aromatische Sensation.

Dann aber geht es hinüber ins schmucke Gutsrestaurant, wo vor allem erst einmal die herrlichen Etiketten der Weine auffallen. Verantwortlich für diese sehr einfallsreich und attraktiv gestalteten Schmuckbilder ist ein Freund des Hauses, der Künstler und Professor Eugeniusz Josefowski.

Etiketten der Weine von Künstler und Professor Eugeniusz Josefowski gestaltet.
Etiketten der Weine von Künstler und Professor Eugeniusz Josefowski gestaltet.

 

Das Menü des Hauses wartet heute mit Tomaten-Gazpacho und einer herrlichen Hühnersuppe mit Nudeln und gebratener Entenbrust-Einlage auf. Beim Hauptgang wählt man zwischen Pappardelle mit langsam gegartem Lamm, dazu Pilzen, Parmesan und frischer Petersilie. Es darf aber auch Forelle, serviert mit Wildreis, Thymian, frischem Broccoli und Sauce Hollandaise sein. Oder doch lieber Schweinerippchen, mariniert in Honig und Majoran, serviert auf gebackener Paprika, mit Backkartoffel, Hüttenkäse, Creme und Rosmarin? Leichtere Kost verspricht der Caesar Salad, während die Gnocchi mit einer Sauce aus dem Jaworek Riesling 2018, Gorgonzola und Spinat serviert werden. Ich wähle am Ende den Salat mit gebackenem Ziegenkäse unter Mandelkruste: perfekt!

Zu den Gängen werden Jaworek-Weine serviert. Erst einmal erklärt aber Gniewko Drewnicki die Philosophie des Haues. Denn noch immer wird bei den Jaworeks viel ausprobiert. So werden aktuell bis zu 15 Rebsorten getestet, aus denen keineswegs in jedem Jahr auch ein Wein hergestellt wird. Zu den Rebsorten zählen Solaris, Riesling, Regent, Pinot Noir, Chardonnay, Cabernet Cortis, Zweigelt, Pinot Gris, Monarch oder Gewürztraminer. Experimentiert wird aber auch mit Saint Laurent, Cabernet Sauvignon, Dunkelfelder, Pinot Blanc, Rivaner oder Elbling. 2017 edierten die Jaworeks indes nur die Weine Jaworek Rose, Jaworek Riesling, Jaworek Solaris, Jaworek Miner, Jaworek Piano XVII, Jaworek Pino-re XVII, Jaworek Roesler und Jaworek Monarch. Vom Jahrgang 2018 gibt es den Jaworek Solaris Orange, den Jaworek Rose, Jaworek Riesling, Jaworek Solaris und Jaworek Pinot Gris. Und vom jungen Jahrgang 2019 wurden bisher nur der Jaworek Pinot Noir Rose und der Jaworek Riesling Orange ediert.

Einfach lecker!

Den Anfang machte der Jaworek Riesling 2018 (12,5 % Alk.), dessen Reben auf den ältesten Weinbergen der Jaworeks gedeihen. Sehr rund, nicht zu säurelastig und mit Aromen von Apfel und Zitrone, erhielt der Wein zurecht 2019 und 2020 zwei Silbermedaillen auf Weinwettbewerben in Polen und Tschechien. Ab Gut kostet die 0,75-l-Flasche 78 Zloty. 3000 Flaschen wurden abgefüllt, die Hälfte ist bereits verkauft. Überhaupt bewegt man sich hier ei den Jaworeks im preislich halbwegs vernünftigen Rahmen, kosten doch die Weine sämtlich 40 bis 120 Zloty, im Mittel etwa 63 Zloty, um die 15 bis 16 Euro.

Start mit dem Riesling...
Start mit dem Riesling...

 

Zweiter verkosteter Wein war der Jaworek Traminer (Gewürztraminer) 2018 (12,5 % Alkoholgehalt), ein halbtrockener Wein mit breiten Aromen wie Holunder, der gut, aber auch etwas süß war. Es folgte der halbtrockene Jaworek Rosé Pinot Noir 2019 (11,5 – 12,0 % Alk.; 10 – 11 g Zucker), der sehr erdbeerig schmeckte und sicher als Picknickwein viele Freunde findet. 18 Monate im Fass lagerte dann der Jaworek Pino-re XVII 2017. Dieser Pinot Noir 812,5 % Alkoholgehalt mit nur leicht roter Farbe besitzt Aromen von Paprika und sogar Rhabarber. Ihm fehlte es aber noch an Profundität. Vielleicht sollte man daher zum Essen eher zu einem älteren Jahrgang greifen? Schließlich kam dann zum Dessert mit dem Honigwein des Hauses die Krönung: einfach lecker! Und noch ein Tipp: Die Speisekarte des Gutsrestaurants empfiehlt zu jedem Gericht stets auch den passenden Wein.

Information:
Polnisches Fremdenverkehrsamt, Hohenzollerndamm 151, 14199 Berlin, Tel. 030 210 09 20, This email address is being protected from spambots. You need JavaScript enabled to view it., www.polen.travel 
Wroclaw (Breslau): https://visitwroclaw.eu/de

Wein/Essen/Übernachten:
Winnice Jaworek, Kościuszki 48A, 55-330 Miękinia, Polen, Tel. +48 663 944 445 (Büro), Restaurant/Apartments Tel. +48 71 396 09 94, This email address is being protected from spambots. You need JavaScript enabled to view it., www.winnicejaworek.pl ; Information tgl. 8.00 – 19.00 Uhr; Restaurant 13.00 – 19.00 Uhr; Führung mit Degustation: 15 Zloty

 

Impressionen:

Fotos: Jürgen Sorges

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Zuletzt bearbeitet am 30/11/2020

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