Ricasoli 1141 und die rubinroten "Kronjuwelen" des Chianti

Seit dem 12. Jahrhundert ist die Familie Ricasoli nunmehr im Weinbau in der Chianti-Region präsent. Und mit Francesco Ricasoli ist seit 27 Jahren die nunmehr 32. Generation für die Anwesen und die Qualitätsweine des Weinguts in der Toskana verantwortlich...

Und betrachtet man die Flaschen der Chianti Classico Gran Selzione 2017, sind die mit der Historie verbundenen Etiketten durchaus ein Fingerzeig in Richtung Tradition und Qualität. Barone Francesco Ricasoli hält die Fahne der Familie mehr als hoch – und krönt diese mit vorzüglichen Weinen aus der Region Brolio.

Auf den Etiketten der Weine finden sich Auszüge einer Karte aus dem 16. Jahrhundert wieder. Ebenfalls auf der Karte, wenn auch nicht auf einem der Etiketten, ist das "Castello di Brolio". Seit gut 800 Jahren ist das Schloss in der Gemeinde Gaiole nunmehr im Besitz der Familie Ricasoli, das in den Jahrhunderten eine wahrhaft illustre Geschichte vorzuweisen hat. Mehrfach wurde das Castello während der Kriege zwischen Siena und Florenz zerstört und erst im Jahr 1500 final neu aufgebaut. Im gotischen Stil thront das Schloss, etwa 20 Kilometer von Siena gelegen, im Herzen des Chianti-Gebiets.

Dieser Neuaufbau des Castello erfolgte hauptsächlich unter der Schirmherrschaft von Baron Bettino Ricasoli, dem damaligen Premierminister des Königreichs Italien. Dieser war es auch, der das Chianti-Rezept mit 70% Sangiovese, 15% Canaiolo und 15% Malvasia bianca schuf.

Dreh- und Angelpunkt des Weinguts: das Castello di Brolio.
Dreh- und Angelpunkt des Weinguts: das Castello di Brolio.

 

Heute erstreckt sich das Weingut über 1200 Hektar, fast 240 Hektar Weinberge und 26 Hektar Olivenhaine inbegriffen. Und nach wie vor ist das Castello (mit Museum und Osteria) Dreh- und Angelpunkt des Weinguts und kann von Interessierten auch besichtigt werden.

Francesco Ricasolis "Dreigestirn"

Als derzeitiger Eigentümer und Präsident des Unternehmens steht Francesco Ricasoli in der steten Verantwortung, den großen Fußstapfen seines Vorfahren gerecht zu werden. Sicher kein leichtes Unterfangen, allerdings sind die am 1. Juli präsentierten drei Sangiovese Cru Weine schon ein Benchmark und es kann ein mehr als guter Weg bescheinigt werden. Als "Kronjuwelen der Produktion" bezeichnet Ricasoli die kraftvollen Weine "COLLEDILÀ", "RONCICONE" und "CENIPRIMO" 2017. Und damit liegt er sicher nicht ganz falsch!

Der COLLEDILÀ ist dabei der älteste der drei Weine und ist bereits seit 2007 auf dem Markt. Die Reben des COLLEDILÀ wachsen auf kalkhaltigem Lehmboden (steinig, reich an Kalziumkarbonat und Ton). Gut 7,62 Hektar auf 380 m.ü.M. werden für den 100% Sangiovese in Handlese geerntet. 18 Monate im 500 Liter Fass, 30% Erstbelegung, 70% Zweitbelegung. Zahlen, die sich fast komplett auf die anderen beiden Weine des "Dreigestirns" spiegeln lassen. Lediglich in Anbaufläche und Höhenmetern des Weinbergs (RONCICONE 10,87 Hektar, 420 m.ü.M.; CENIPRIMO 635 Hektar, 420 m.ü.M.) unterscheiden sich die Weine. Und natürlich in einer etwas abweichenden Bodenbeschaffenheit.

Barone Francesco Ricasoli - screenshot online meeting..
Fan des COLLEDILÀ: Barone Francesco Ricasoli / screenshot online meeting..

 

Die Anpflanzungen der Rebstöcke erfolgten alle 1998, daraus ergibt sich, da wohl auch die Ernte der Weinberge sehr zeitgleich erfolgt sein dürfte, ein doch sehr "spezieller" Unterschied zwischen den Sangioveses. Der Gesamtsäuregehalt der Weine liegt bei 5,6 bis 5,8 g/l und bei 14 bis 14,5% vol, kommen also damit schon fast klassisch daher. Klassisch ist natürlich auch der gallo nero, der schwarze Hahn auf dem Etikett... Markenzeichen für Vorschriften bezüglich der Produktion, aber letztendlich ein absoluter Qualitätsnachweis durch die Chianti Classico Grenzen und Verordnungen aus dem Jahr 1716.

Die beiden Sangioveses RONCICONE und CENIPRIMO sind übrigens erst seit der 2015er Generation Teil der Trilogie. Und so ungewöhnlich die Erscheinungsweise dieser drei Weine durch deren label ist, so besonders war auch das Weinjahr 2017. Die jüngst vorgestellten Weine sind Resultat eines milden Winters und von Frosttagen im April des Jahres geprägt. Hinzu kommen zehrende Wochen der Hitze mit einhergehender Dürre – Stress pur für die Pflanzen.

Ricasolis rubinrote Kronjuwelen...
Ricasolis rubinrote Kronjuwelen-Trio...

 

Umso erstaunlicher ist nach diesem auf und ab der Witterungsverhältnisse der nun vorliegende Wein. Wahrscheinlich hat der erst Ende August des Jahres einsetzende Regen noch einmal die entscheidende Wendung im Wachstum gebracht. Denn, wie uns Francesco Ricasoli erzählt, gingen ca. 30 Prozent der Trauben im Sommer verloren, was durch den Regen im Spätsommer zumindest gerstoppt werden konnte. Das Resultat sind elegante und tiefgründige Sangioveses aus dem Chianti Classico, die nicht nur durch Suckling-Bewertungen im oberen Bereich (95 bis 97 Punkte) außergewöhnlich erscheinen. Für alle drei Weine gilt: fruchtig, etwas Johannisbeere und Vanille, Kirsche… Der CENIPRIMO liefert noch mit dezenten Balsamico-Noten ab, der COLLEDILÀ präsentiert sehr "seidige Tannine", wie auch Suckling attesttiert. Der RONCICONE hingegen ist durch die feine Säure, einer floralen Frische mit präsenter Beere, Mineralität und ein wenig Salz-Noten unser Favorit in der Trilogie Ricasolis und erscheint schon besonders. 

Ohnehin sind diese körperreichen 50-Euro-Tropfen nicht wirklich Weine für den Mittagstisch. Es sind Weine für besondere Anlässe – und dann kann man damit auch richtig "cremig und fein" auf rubinrote Genussfahrt gehen. Eine absolute KULINARIKER-Empfehlung!

Weitere Informationen unter: www.ricasoli.com 

Fotos: Michael Schabacker / Etikett, Screenshot online Tasting, Ricasoli

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Zuletzt bearbeitet am 28/10/2020

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