München: Vini da Terre Estreme lädt zur Verkostung

Unter dem Label Vini da Terre Estreme hat Alvaro De Anna vor 8 Jahren begonnen, eine Auswahl außergewöhnlicher italienischer Winzer zu versammeln, deren Weine nicht nur meist in reiner Handarbeit und auf Grundlage teilweise jahrhundertealter Techniken produziert werden, sondern auch in höchst ungewöhnlichen und anspruchsvollen Lagen gedeihen oder aus fast vergessenen Rebsorten gekeltert werden...

Ziel war es dabei nicht nur diese Weine, viele davon mit Unikatcharakter, bekannter zu machen und ihre Produzenten bei der Vermarktung zu unterstützen, sondern auch die jeweiligen Kulturlandschaften und Traditionen zu bewahren, die diese Weine hervorgebracht haben. Mittlerweile hat De Anna sein Projekt längst über die Grenzen des italienischen Stiefels ausgedehnt und sein in Kooperation mit dem Gault Millau herausgegebener Guida Europea sui "Vini Eroici" - samt App - versammelt mittlerweile auch zahlreiche Weine aus weiteren Mittelmeer Anrainerstaaten. Aber auch Deutschland, Österreich und weitere europäische Anbaugebiete sollen in Zukunft folgen.

Klar, dass dabei am Ende nicht nur spannende Weinentdeckungen jenseits des auf den ersten Schluck gefälligen Mainstreams stehen, sondern sich hinter den meisten Weinen der Vini da Terre Estreme auch bemerkenswerte Winzerpersönlichkeiten verbergen, die eine Geschichte zu erzählen haben, die im wahrsten Sinne des Wortes im Weinberg und Keller geschrieben wurde. Demnächst wird De Annas Weinguide neben einer italienisch/englischen Druckfassung auch als App auf Deutsch verfügbar sein. Mittelfristig ist auch eine deutsche Printfassung geplant.

Alvaro De Anna (l.) beim Fachsimpeln...
Alvaro De Anna (l.) beim Fachsimpeln...



Als eines der ersten deutschen Medien hatte Ende Juli nun auch der Kulinariker im Rahmen von zwei B2B und Fachpressedegustationen Gelegenheit rund 25 sorgfältig ausgewählte Weine aus der aktuellen Kollektion der "Vini Eroici" kennenzulernen. Am Start waren dabei Weine aus der Toskana, dem Piemont, aus Venetien, Kampanien, Ligurien, dem Latium, dem Friaul, von Sizilien und aus den Abruzzen, womit De Anna nicht zuletzt unter Beweis stellen konnte, dass sich diese ungewöhnlichen Weinschätze in nahezu allen italienischen Weinbauregionen aufspüren lassen. Sofern man weiß wonach man suchen muss jedenfalls.

Wir können hier leider nicht auf alle verkosteten Weine im Detail eingehen, nur soviel sei schon einmal verraten: selten haben wir in einer Verkostung so viele wirklich bemerkenswerte, charakterstarke Tropfen im Glas gehabt. Das heißt nicht, dass uns alle Weine auf Anhieb gefallen haben. Mit manchem Tropfen mussten wir einen regelrechten Strauss ausfechten und immer wieder nachverkosten. In diesem Sinne haben uns manche Tropfen an jene schon tausendmal gespielte Platte oder CD erinnert, die man nach dem ersten Anhören fast schon enttäuscht in die Ecke geräumt hat, hätte man ihr keine zweite, dritte oder vierte Chance gegeben, mit der sich langsam jene Magie zu entfalten beginnt, die sie schließlich in die Riege der Lieblingsscheiben einreiht. Doch gerade dieser fast schon dialektisch anmutende Verkostungsprozess macht einen Großteil der Faszination dieser Weine aus. Beschränken wir uns im Folgenden also auf unsere beiden Favoriten in Rot und Weiß, sowie eine kleine Auswahl bemerkenswerter Schaumweine.

Andrang bei der Verkostung...
Andrang bei der Verkostung...

 

Unser Topfavorit unter den Weißen war an diesem Abend der Premierenjahrgang des Lumassina di bosco von Terrazze Singhie in Ligurien. Gerade mal 2936 Flaschen dieses Ausnahmeweins aus der gleichnamigen Lumassina-Rebe wurden abgefüllt. Nachdem der Wein 15 Tage auf der Maische vergoren wurde, reift er anschließend 11 Monate in gebrauchten Eichenfässern. Im Glas erinnert das goldgelbe Elixier an eine fulminante Mischung aus elegantem Macon mit perfekt eingebundener, höchst dezenter Holznote und Orange-Wein. Was im ersten Moment etwas nach Promenandenmischung klingt, ist tatsächlich ein großartiger Tropfen, der sowohl solo wie als Essensbegleiter unheimlichen Spaß macht. Das Bukett birst vor Orangen- und Holunderblüten, aber zeigt auch reduktive Noten. Auf der Zunge präsentiert sich der Lumassina dann ungemein frisch und mit leicht salzigem Unterton, sowie einer Spur Rauch, so dass er es problemlos auch mit kräftigen Gerichten aufnehmen kann.

Bei den Roten hat uns vor allem der 2016er Einzellagen Nebbiolo Superiore Tita von Cascina Carrà 30 begeistert, der 30 Monate in slowenischen 10hl Gebinden ausgebaut wird und nach einem kurzen Stopp-Over im Stahltank noch weitere 5 Monate in der Flasche reifen darf. Das Bukett des Piemontesen birst geradezu von ätherischen, balsamischen Noten und einem bunten Strauß exotischer Gewürze, dazu kommt eine rassige, an Rhabarberkompott erinnernde Säure und deutliche Noten grüner Paprika. Im Mund changiert der Wein dann zwischen seidiger Eleganz und verschwenderischer Opulenz. Großartig zu rotem Fleisch oder Wildbret.

Verkostungsterrasse des Vinaiolo.
Verkostungsterrasse des Vinaiolo.

 

Nun noch ein Wort zu einigen Schaumweinen. Beginnen wir mit dem Caterina Rosè Brut (Charmat-Verfahren) von Podere Casanova aus der Toscana. Der präsentiert sich in zartem, verhaltenem Korallenrosa und mit ungemein eleganter Perlage im Glas, dem subtile Blüten- und exotische Fruchtnoten von Litschi entströmen. Ungewöhnlich komplex für einen Wein, der nicht nauf Basis der Metodo Classico produziert wurde. Daneben finden sich aber auch reife Walderdbeeren und leicht kräuterige Töne. Das löst sofort heftigen Speichelfluss aus und man möchte unbedingt probieren. Am Gaumen zeigt sich der Wein dann druckvoll, frisch, elegant und überaus harmonisch. Als Rebsorten stecken hier 80% Sangiovese und 20% Charodnnay, Grechetto und Verdello in der Flasche. Ein fulminanter Essensbegleiter zu Ente oder Sushi. Durchaus auch eine spannende Alternative zu einem leichten Rosé-Champagner oder Franciacorta.

Weiter geht es in die Abruzzen zur Azienda Agricola Fratelli Biagi, die mit ihrem Metodo Classico Martina Biagi 2014 am Start war, der sich ebenfalls als wundervoller Essensbegleiter präsentierte aber auch als Aperitif Bella Figura macht. Das voluminöse Bouquet verführt mit deutlichen Noten von Brotkruste und reifen Früchten, auf der Zunge ist der Wein zartwürzig und zeigt ungemein viel Schmelz, der von den feinen Bläschen regelrecht umtanzt wird. Hier bewegen wir uns durchaus auf dem Niveau eines guten Brut Champagners.

Spezielle Weine aus einer speziellen Weinregion...
Spezielle Weine aus einer speziellen Weinregion...

 

Zum Abschluss dann noch ein Blick auf zwei Sizilianer: zunächst der Metodo Classico Apum 2017 der Cantina di Nessuno – ein Blanc de Noir auf Basis von Nerello Mascalese. Der Wein ist geprägt von großer Frische sowie lebhafter Perlage und zeigt deutlich mineralische Anklänge. Sekundär- und Tertiäraromen sind (noch) nicht wirklich erkennbar. Als echter Essensbegleiter wirkt er im ersten Moment dann auch fast ein wenig ungestüm, doch glänzt er in seinem jugendlichen Stadium bereits in der Rolle eines appetitanregenden Aperitifs und passt wunderbar zu gesalzenen Mandeln, Pancetta oder einer Frittura. Wir sind gespannt wie dieser Wein in einigen Jahren schmecken wird.

Ganz anders der Metodo Classico Saxanigra Dosaggio Zero 2013 der Cantina Destro – ebenfalls 100% Nerello Mascalese, aber natürlich – auch dank längerem Hefelager – deutlich weiterentwickelt und mit wesentlich feinerer Perlage als sein Vetter. Das Bukett präsentiert sich dann zwar gleichermaßen frisch und unbeschwert mit deutlich zitrischen Noten, wir aber zusätzlich von einem Hauch Feuerstein und Jod, zusätzlich aber auch bereits dezenten Reifetönen untermalt. Die perfekte Vermählung von Vulkan und Meer.

Weitere Infos: www.vinidaterreestreme.com 

Restauranttipps: Die Verkostungen der Vini da Terre Estreme bescherten uns neben hervorragenden Weinen noch zwei wunderbare Restaurantentdeckungen: das Pure Wine & Food in der Münchner Neureutherstraße und das Ristorante Vinaiolo in der Steinstraße in Haidhausem.

Pure Wine & Food: Neben einer großen Auswahl authentischer europäischer Tropfen – darunter auch zahlreiche Orange-Weine – lockt das motivierte Küchen- und Service-Team hier vor allem mit einer aromengewaltigen Mittelmeerküche auf Basis bester, und wo immer möglich fair und nachhaltig produzierter Produkte. Wir haben u.a. ein tolles Tatar vom Werdenfelser Kalb mit sautierten Pfifferlingen, Aprikosen und Wasser-Kresse probiert, einen sensationellen Tomatensalat aus alten Sorten mit| mariniertem Ziegenfrischkäse, gegrillten Pfirsichen und Pinienkern und schließlich ein sämiges Risotto mit Artischocke, Rucola und Zitronenschaum.

Vinaiolo: Im Vinaiolo, zu Deutsch passenderweise "Weinhändler", durften wir die vini eroici auf der neu gestalteten Sommerterrasse genießen, die eine Oase der Ruhe und des Dolce Far Niente für laue Sommerabende ist. Das charmante Gourmet-Restaurant mit seiner stylischen Inneneinrichtung eines Triester Kaufmannsladens von 1904 ist eine "Osteria con Cucina" im besten Sinne. Neben einer exzellent sortierten Weinkarte finden sich ausgefeilte Varianten regionaler Gerichte auf der Karte, so etwa Tagliatelle mit Senfsoße und Steinpilzen, saftiges Wolfsbarschfilet auf mediterranem Gemüsebett und Kaffeesorbet auf Himbeerschaum mit Macarons. Lecker.

Pure Wine & Food
Neureutherstr. 15
80799 München
Tel: 089-399936
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www.pure-wine-food.de  
Di.-Sa. Ab 19.00 Uhr

Vinaiolo
Steinstr. 42
81667 München
Tel: 089-489 50 356
This email address is being protected from spambots. You need JavaScript enabled to view it.
www.vinaiolo.de  
Mo-So 18:30-22:30 Uhr

Fotos: Thomas Hauer

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Zuletzt bearbeitet am 11/08/2020

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Autor

Thomas Hauer

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