München: "Fatto a Napoli" - authentische kampanische Cucina della Nonna

Für echte Fans italienischer Regionalküche, die dieses Jahr auf eine Reise südlich des Brenners coronabedingt verzichten müssen, hat der KULINARIKER einen Geheimtipp parat: das vor gut einem Jahr in München eröffnete Bistrot Caffè Partenopeo – so der ursprünglich altgriechische Name Neapels!

Dort verwöhnen die beiden Inhaber Francesco Valletta und Francesco Sardegna, in Personalunion auch Küchenchef, ihre Gäste mit authentischen neapolitanischen Gerichten zu fairen Preisen, die man in dieser unverfälschten Qualität außerhalb von Süditalien nur selten findet.

Dabei scheuen die Beiden aber auch nicht davor zurück, über den Tellerrand Kampaniens hinauszublicken und sich bei den Zutaten für ihr im besten Sinne einfaches, aber umso schmackhafterer Soulfood in den angrenzenden Regionen des italienischen Stiefels zu bedienen – z.B. der mit reichlich Peperoncino abgeschmeckten Nduja-Mettwurst aus Kampaniens südlicher Nachbarregion Kalabrien, die hier u.a. auf den unwiderstehlich leckeren Pizzas landet. Doch der Reihe nach.

Entdeckt haben wir das Partenopeo durch einen glücklichen Zufall, waren dann aber so begeistert, dass wir uns gleich am ersten Abend einmal quer durch die Karte gegessen haben. Schon die "kleinen" Häppchen zum Aperitif – darunter u.a. die beste Parmigiana di Melanzane, die wir in den letzten Jahren probiert haben, ausgebackene, mit Büffelricotta gefüllte Zucchiniblüten oder eine sensationelle Pizza fritta Napoletana – boten einen Vorgeschmack, auf das, was noch folgen sollte.

Saftig gegrillter Pulpo auf würzigem Kichererbsenpüree.
Saftig gegrillter Pulpo auf würzigem Kichererbsenpüree.

 

Zum Auftakt überraschte Francesco uns mit einem echten Dreamteam: saftig gegrillter Pulpo auf würzigem Kichererbsenpüree, dazu ein herrlicher, unglaublich mineralischer und saftiger Falanghina der Cantina Feudi di San Gregorio, dem wir bis zum Hauptgang treu geblieben sind.

Der nächste Teller ist ebenfalls ein Aromenhammer: Spaggetiello a´ Puveriello - also "arme" dicke Spaghetti , kombiniert mit gerösteten Pinienkernen und superleckeren, halbgetrockneten Piennolo Tomaten von den Hängen des Vesuv, für die es übrigens eine eigene DOP gibt. Ein Gericht ebenso simpel wie ehrlich, dabei aber schlicht umwerfend lecker, denn hier passt einfach alles: perfekter Garpunkt, wunderbar sämige Soße, krosse Pinienkerne, aromatisches Basilikum. So schmeckt Neapel. Als zweites Pastagericht entscheiden wir uns für Paccheri mit Frutti di Mare, ebenfalls begleitet von den saftigen roten und gelben Aromabomben vom Vesuv. Auch hier: die in der Zubereitung durchaus heiklen Paccheri sind wunderbar al dente, das dazu gereichte Meeresfrüchte-Sugo himmlisch. Und eigentlich sind wir mittlerweile auch schon satt. Doch Francesco gibt jetzt erst richtig Gas.

Als Secondo verwöhnt er uns zunächst mit einem traditionellen Cuoppo Fritto Napulitan – dem Lieblingssnack der Neapolitaner: in Teig ausgebackene Scampi und Calamari. Das ganze kommt dabei aber so leicht daher, als hätte es ein japanischer Tempura-Großmeister zubereitet - die ultraleichte Teighülle ist ein krosses Nichts, das scheinbar einzig als Texturgeber für die fantastischen Meeresfrüchte dient. Serviert wird das Ganze – wie auch in Neapel üblich – in einer gefalteten Papiertüte und nur begleitet von ein wenig frischer Zitrone.

Paccheri mit Frutti di Mare, ebenfalls begleitet von den saftigen roten und gelben Aromabomben vom Vesuv.
Paccheri mit Frutti di Mare, ebenfalls begleitet von den saftigen roten und gelben Aromabomben vom Vesuv.

 

Als zweiten Hauptgang wählen wir dann von Francesco Valettas Vater hausgemachte Salsiccia kombiniert mit würzigem Endiviengemüse, ebenfalls geerntet auf den fruchtbaren rotbraunen Äckern an den Hängen des Vulkans, sowie knusprigem, hausgebackenem Brot. Dazu steigen wir um auf einen im ersten Moment leicht rustikal wirkenden Aglianico Sua Maestà, aus Francesco Valettas Heimatdorf Somma Vesuviana , der sich in Verbindung mit der kräftigen Salsiccia und den leicht bitteren Endivien aber als fantastischer Essensbegleiter erweist.

Danach wirkt die Ankündigung des Desserts – ein großartiger Dreiklang aus Babà mit Rum, einem cremigen Zitronentörtchen namens Delizia al limone und einer saftigen Pastiera Napoletana der typisch neapolitanischen Ostertorte mit Ricotta und Weizenkeimen, fast schon wie eine Drohung. Doch in Verbindung mit einem kräftigen Haselnussgeist und nachtschwarzem Espresso meistern wir nach rund dreieinhalb Stunden dieser hochkalorischen Tour de Force auch noch diese letzte Herausforderung.

Wer mag, kann im Partenopeo, so wie wir es an einem herrlichen Juniabend getan haben, auch im Außenbereich an der Haidhausener Einsteinstraße essen. Das Innere des kleinen Lokals glänzt dagegen mit zahlreichen liebevollen Details: der klassischen "Caffettiera Napoletana", altem Kupfergeschirr und bunten Pulcinella-Figuren. An den Wänden das typische Schwarzweißfoto des neapolitanischen Kult-Komikers Totò, der seine Spaghetti am liebsten mit den Händen isst und ein gemaltes Fenster mit Blick auf den Vesuv. Außerdem findet man auf einem Regal eine schöne Auswahl kampanischer Delikatessen zum Mitnehmen – von diversen Pastasorten, hausgemachtem Gebäck, über Pienollo-Tomaten bis hin zu eingelegten Artischocken und weiteren Antipasti, die alle aus derselben kleinen Manufaktur in Somma Vesuviana stammen. Kurzum: eine Topadresse, für alle, die authentisch italienische Küche lieben. Und das zu für Münchner Verhältnisse absoluten Toppreisen.

Cuoppo Fritto Napulitan: in einer gefalteten Papiertüte und nur begleitet von ein wenig frischer Zitrone.
Cuoppo Fritto Napulitan: in einer gefalteten Papiertüte und nur begleitet von ein wenig frischer Zitrone.

 

Ach ja: als echte Neapolitaner pflegen die beiden Francescos natürlich auch die urneapolitanische Sitte des Caffè sospeso – wörtlich übersetzt also ein "aufgeschobener Kaffee". Dabei werden zwei Espressi bestellt und bezahlt, aber nur einer getrunken. Den "übrig gebliebenen" Espresso bekommt ein Passant oder Gast, dem es im Moment gerade am nötigen Kleingeld für die kleine schwarze Sünde fehlt. Neapolitanische Lebensart in Reinkultur. Buon Appetito!

Weitere Infos unter: http://bistrot-partenopeo.de/

Fotos: Thomas Hauer, Bistrot Caffè Partenopeo

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Zuletzt bearbeitet am 26/06/2020

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Autor

Thomas Hauer

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