Vertikale für Klima und Terroir: die Anteprima Toscana Brunello di Montalcino

Abschluss und Höhepunkt der alljährlichen Mammutveranstaltung der Anteprime Toscane war auch 2020 wieder der Besuch des toskanischen Grals der Weinherstellung: das Städtchen Montalcino!

Hier, wo zwischen den Tälern der Flüsse Ombrone, Asso und Orcia Montalcino sich bis auf enorme 564 m über dem Meeresspiegel aufragt, stand in diesem Jahr vorzugsweise der Jahrhundertweinjahrgang des Brunello 2015 auf dem Programm. Aber auch verschiedene Selezione des 2015 und der Rosso di Montalcino 2018 fanden große Aufmerksamkeit. Bevor es aber zur Verkostung im ehrwürdigen Kreuzgang des ehemaligen Klosterkomplexes Sant`Agostino, heute das Museum von Montalcino, kam, stand erst einmal eine abendliche Vertikale besonderer Güte an. Geladen hatte das Weingut Val di Suga.

Das Weingut Val di Suga gehört zu den Bertani Domains, die in der Toskana auch in Montepulciano (Trerose) und Castellina in Chianti (San Leonino) vertreten ist. Gleich vier Dekaden Weinbau standen zur Degustation bereit, um die Hausphilosophie des Gutes Val di Suga und das Credo des Chefwinzers der Bertani Domains, Andrea Lonardi, zu verdeutlichen. Dazu wartete man mit den Jahrgängen 2015, 2010, 2001, 1995 und 1988 auf. Dabei entpuppte sich die Veranstaltung zuvörderst als eine wahre Lehrstunde für ausgewiesene Spezialisten des Weinbaus. Denn Andrea Lonardi holte weit aus, demonstrierte enormes Fachwissen und ausgesprochener Detailfreude, denen nicht alle geladenen Journalisten folgen konnten – mich eingeschlossen. Aber immerhin darf man festhalten, dass es ihm um die einzigartige Verbindung von Klima und Terroir ging, die die drei in unterschiedlichsten Lagen etablierten Weinberge der nordöstlich Montalcino liegenden Tenuta Val di Suga auszeichnen.

Die Stahltanks im Weingut Val di Suga.
Die Stahltanks im Weingut Val di Suga.

 

Da ist erst einmal di Vigna Spuntali, von deren Terroir wir die Jahrgangsweine verkosteten. Und da ist die weitaus bekanntere Weinlage Vigna al Lago, deren herrliche Spitzenweine wir dann später auch kurz beim Überraschungsdinner in den herrlichen riesigen Kellerräumen der Tenuta probierten. Und da ist schließlich die Lage Poggio al Granchio. Die Geschichte der Tenuta Val di Suga begann 1969, doch der erste Brunello kam erst mit dem Jahrgang 1977. Ältester Weinberg war Vigna del Lago, ehe 1988 die 15 Hektar der Vigna Spuntali hinzukamen. Seither konkurrieren die beiden Weinberge um den besten Brunello des Hauses. Noch wilder wurde es ab 1999, als Poggio al Granchio erworben wurde.

Denn seither besitzt Bertani Domains drei der besten, doch recht unterschiedlichen Hügel von Montalcino zur Brunello-Produktion. Und so wetteifern seither drei große Crus um die Gunst erst einmal der Winzermeister, dann des geneigten Publikums. Heute besitzt die Tenuta Val di Suga 120 Hektar Land mit 55 Hektar Weinbau, vor allem für Sangiovese Grosso.

Für die Vigna Spuntali reicht die Geschichte sehr weit zurück. Denn vor 40 Millionen Jahren zog sich das Meer zurück und hinterließ im Bereich Spuntali einen feinen weißen Sandstrand mit reichen Meeresfossilien und mediterraner Vegetation. Ein perfekter Platz in 300 m Höhe und nur 30 km vom Meer entfernt, um Sangiovese-Trauben zu pflanzen. Der Brunello von diesem Weinberg in Südwestlage ist eher robust, strukturiert und mit hohem Alkoholgehalt. Er besitzt reichlich Tannine und ein reiches Bouquet mit Aromen von Gewürzen, kandierten Früchten, Tabak oder Schokolade.

Tasting: Spuntali...
Tasting: Spuntali...

 

Vigna al Lago hingegen liegt in 280 m Höhe direkt am kleinen See der Tenuta, umfasst 23 Hektar und ist für elegante Brunello mit Noten von Zitrusfrüchten, Orange und Gewürzen berühmt. Schließlich punkten die 18 Hektar von Poggio al Granchio – sie befinden sich in Südostlage nahe dem angeblich von Karl dem Großen gegründeten Kloster Sant`Antimo – mit ihrem Galestro, dem besten aller möglichen Böden für die Sangiovese-Traube. Diese Brunello-Weine sind typisch fruchtig und zeichnen sich durch reiche aromatische Vielfalt aus. Sie eignen sich bestens für lange Lagerung.

An diesem Abend brach Andrea Lonardi vor allem eine Lanze für den Brunello Vigna Spuntali, ehe es zum Überraschungsdinner in den Keller ging, der bis 2001 mit Millionenaufwand erbaut wurde. Dort wurde dann auch ein 2016er Vigna del Lago kredenzt, der alle überzeugte. Erst einmal aber wurden die letzten 40 Jahre in verschieden Epochen des Weinbaus geteilt. Bis 1995 dominierte der Glaube an den "full bodied red one": viel Power, dunkle Farbe und reiche Aromen dominierten. Es folgte die Phase bis 2002, wo erstmals der Brunello di Montalcino auch wissenschaftlich untersucht wurde. Die dritte Phase startete mit dem neuen Weinkeller und endete 2010, ehe die neue Philosophie von Val di Suga griff. Los ging es mit dem Vinga Spuntali Brunello di Montalcino 2015, der dessen Herstellung einem der neuen Grundgedanken folgte. Weniger Reifung im Fass, mehr Lagerung in der Flasche!

Ein besonderer Brunello: Vigna del Lago 2009.
Ein besonderer Brunello: Vigna del Lago 2009.

 

Und so gelangte die beste Ernte seit 20 Jahren 12 Monate in französische Eiche (300 l-Fässer) und ein Jahr in große Fässer (25 Hektoliter) aus slawonischer Eiche. Dann folgten mindestens 24 Monate in der Flasche. Die Textur seiner Tannine ist enorm und er besitzt einem vollen Körper. Lonardi vergleicht ihn auch mit einem Bordeaux von 2009. Und mit einem Alkoholgehalt von knapp 15 % imponiert er auch in dieser Kategorie. "Volle Pulle" geht es dann auch beim Vigna Spuntali Brunello di Montalcino 2010 zur Sache. 10 400 0,75 l-Flaschen und 150 Magnum-Flaschen wurden von diesem großartigen Wein abgefüllt, der den 2015 noch übertrifft. Weitaus leichter wirkt da der Vigna Spuntali 2001. Das Jahr brachte kleinere Beeren, 12 980 Flaschen wurden damals abgefüllt. Sehr rund und voller Komplexität präsentierte sich der Vigna Spuntali 1995, auch mit Noten von Tabak. Doch die 1990er Jahre sind eher nicht wegweisend für Andrea Lonardi. Schließlich gelangte der 1988er Vigna Spuntali ins Glas, von dessen Erstverkostung sich Andrea Lonardi inspirieren ließ. Denn er sieht sich durchaus auch in der Tradition der großen Winzermeister, die in Val di Suga wirkten.

Auch die Großverkostung am nächsten Tag im Kreuzgang des Ex-Klosters Sant`Agostino zeigte die große Fülle an unterschiedlichsten Brunello-Interpretationen. Aber insgesamt ist der Jahrgang 2015 natürlich herausragend. Und doch stachen einige Überraschungen heraus. So ist der Barbi Brunello di Montalcino 2015 einfach top, top, top. Noch runder ist der Brunello di Montalcino "Vigna del Fiore" 2015 von Barbi, von dem aber nur 6600 Flaschen existieren – in jedem Fall ein Favorit! Angenehme Süße verbreitet auch der Brunello 2015 aus dem Hause Banfi. Und auch hier zeigt sich, dass die Selezione des Banfi Brunello di Montalcino "Poggio alle Mura" mit einem Super-Abgang noch einen Tick besser ist.

Überzeugt: Lisini...
Überzeugt: Lisini...

 

Überraschend gut ist auch der 2015er von Caparzo. Schon arriviert sind hingegen die Weine von Lisini: Hier schneidet der 2015er Brunello geradezu überragend ab und führt die diesjährige Brunello-Hitliste an (40 000 Flaschen). Maskulin robust wirkt der 2015er Brunello von Mastrojanni. Lange Lebensdauer verheißt hingegen Mastrojannis Brunello "Vigna Loreto" 2015. Klassiker sind auch die Brunello-Weine von Poggio di Sotto: Nur dieser Brunello schaffte es auf gleiche Höhe wie der Lisini 2015. Da fiel der Brunello 2015 von Poggio Antico eher ab. Dafür punktete aber der Poggio Antico Brunello "Altero" 2015 umso mehr: großartig!!! Sehr gut war übrigens der 2018er Rosos di Montalcino vom Antinori-Weingut Pian delle Vigne. Und Carpineto bringt einen sehr runden, gut trinkbaren Brunello 2015 auf den Markt (30 000 Flachen). Die Tenute Silvio Nardi warten mit einem großartigen Brunello di Montalcino "Vigneto Manachiara" 2015 auf: Purpurfarben und mit großem Bukett, kann er noch ein wenig warten. Noch besser ist Silvio Nardis Brunello "Vigneto Poggio Doria" 2015, von dem allerdings nur 3000 Flaschen existieren.

Schließlich überzeugt auch der Bio-Brunello 2015 von Col d`Orcia. Ihn sollte man ebenso wenig verpassen wie den noch besseren Bio-Brunello "Poggio al Vento" Riserva 2013 von Col d`Orcia. Überzeugen konnten auch Cordella und Collemattoni mit ihren 2015er Brunello. Süffig rund ist der Brunello 2015 von Corte die Venti. Und sämtliche Brunello von Corte Pavone verdienen hohe Aufmerksamkeit. Herausragend war der Brunello di Montalcino "Fior di Meliloto" 2015 (nur 1900 Flaschen). Cortonesi punktete mit dem 2015er "La Mannella". Fruchtig war der 2015er Brunello von Cupano. Donatella Cinelli Colombini übertraf ihn allerdings sowohl mit dem sehr fruchtigen Brunello 2015 als auch mit der noch viel besseren Brunello Selezione "Prime Donne" 2015 (6600 Flaschen). Und schließlich überraschte auch Fanti positiv mit dem tollen 2015er "Vallochio", ehe es weiter zum Weingut Casisano ging, das in diesem Jahr sein Brunello-Debüt feierte. Aber das ist eine Extra-Story wert. Erst einmal überragten bei dieser Verkostung 2020 die Brunello von Lisini und Poggio di Sotto.

Information:
Consorzio Brunello di Montalcino, Via Boldrini 10, 53024 Montalcino, Provinz Siena, Region Toskana, Italien, Tel. +39 0577 84 82 46, This email address is being protected from spambots. You need JavaScript enabled to view it., www.consorziobrunellodimontalcino.it 
Val di Suga Societá Agricola, Localitá Val di Cava, 53024 Montalcino, Provinz Siena, Region Toskana, Italien, Tel. +39 0577 80 41 01, This email address is being protected from spambots. You need JavaScript enabled to view it., https://valdisuga.it/en
Region Toskana: Toscana Promozione Turistica, www.toscanapromozione.it , www.visittuscany.com/de/ 

Brunello-Weingüter:
Col d`Orcia: www.coldorcia.it 
Collemattoni: www.collemattoni.it 
Cordella: www.cordellavini.it 
Corte dei Venti: www.lacortedeiventi.it 
Corte Pavone: www.loacker.bio 
Cortonesi: www.cortonesimontalcino.it 
Cupano: www.cupano.it 
Donatella Cinelli Colombini: www.cinellicolombini.it 
Fanti: www.tenutafanti.it 
Lisini: www.lisini.com 
Mastrojanni: www.mastrojanni.com 
Pian delle Vigne: www.piandellevigne.it 
Poggio Antico: www.poggioantico.com 
Poggo di Sotto: www.collemassari.it 
Tenute Silvio Nardi: www.tenutenardi.com 
Caparzo: www.caparzo.com 
Banfi: www.castellobanfi.com 
Barbi: www.fattoriabarbi.it 
Carpineto: www.carpineto.com 
Casisano: www.casisano.it 

Fotos: Jürgen Sorges

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