Defilee bei der "Donna curiosa" (Teil 1)

Eigentlich müsste diese Signora weise und erfahren sein: Denn schon seit 1276 ist sie in den Annalen bekannt. Und doch erlebt "la Signora Vernaccia" alljährlich nicht nur eine Verjüngungskur!

Sie zeigt sich jung, frisch und verführerisch, doch gleichzeitig voller Kapriolen, denen die Winzerinnen und Winzer des Konsortiums Vernaccia di San Gimignano beizeiten beikommen müssen. Dennoch behauptet die "feminine" Rebsorte alljährlich ihre Eigenarten. Und so ist man sich auch auf der diesjährigen Pressekonferenz zur Vorstellung des neuen Jahrgangs 2019 mal wieder einig: Dieser Vernaccia-Jahrgang ist exzellent – und doch behauptet die Signora Vernaccia auch in diesem Jahr wieder ihren Ruf als "Donna curiosa".

Der Vernaccia aus dem Manhattan des Mittelalters, dem Geschlechterturmdörfchen San Gimignano, ist keineswegs ein Nischenprodukt. Auch 2019 wurden wieder auf nur 693 Hektar Weinbergen satte 39 381 Hektoliter Vernaccia di San Gimignano erzeugt. Abgefüllt wurden 4.672.253 Flaschen, sogar noch etwas mehr als im Jahr 2018, als 4.630.241 Flaschen in den Markt gingen. Insgesamt 52,7 % des Vernaccia werden exportiert, 30 Prozent auf den europäischen Markt mit Schwerpunkt Deutschland, 18 Prozent auf die amerikanischen Märkte und 4,7 % nach Asien.

Und – durchaus auch kurios: Gleich die Hälfte des in Italien verzehrten Vernaccia di San Gimignano bleibt vor Ort. Die Signora Vernaccia scheint also nicht nur kurios, sondern auch sehr heimatverbunden zu sein. Erst einmal musste man sich auf der diesjährigen Pressekonferenz an neue Gesichter gewöhnen. Denn 2019 löste Irina Strozzi die langjährige Präsidentin des Konsortiums, Letizia Cesani ab. Und gleich neun der 13 Stühle im Vorstand wurden neu besetzt.

Ein Tisch voll gefüllter Gläser zu einem besonderen Tasting...
Ein Tisch voll gefüllter Gläser zu einem besonderen Tasting...

 

Damit nicht genug: Auch San Gimignanos Bürgermeister Andrea Marrucci, der die Grußworte sprach, ist erst seit Mai 2019 im Amt. Doch für Kontinuität ist gesorgt. Denn natürlich sollte traditionell nur eine energische Präsidentin die kuriose Signora Vernaccia mit ihren Eskapaden und Marotten begleiten. Und den femininen Weg will auch Irina Strozzi weitergehen. Dafür steht auch die flugs verkündete neue Sponsoring für das höchst erfolgreiche italienische Erstliga-Frauenfußballteam Fiorentia-San Gimignano. So ganz ohne das andere Geschlecht auf dem Podium geht es an diesem Abend allerdings auch nicht.

Denn den Kapriolen der Signora Vernaccia spüren vorwiegend Herren auch wissenschaftlich nach, etwa der Önologe Paolo Caciorgna, der Agronom Valerio Zorzi und vor allem Star-Sommelier Valentino Tesi. Der wurde 2019 zum besten Sommelier der Toskana und zudem noch zum besten Sommelier Italiens gekürt! Heute ist er hier in besonderer Funktion: Denn er ist der neue Botschafter de Signora Vernaccia aus San Gimignano.

170 Weingüter mühen sich alljährlich, auf den 1700 Hektar Weinbergen San Gimignanos Wein zu erzeugen. 73 von ihnen füllen selbst unter eigener Marke ab, 38 präsentierten sich auf der diesjährigen 15. Anteprima Vernaccia di San Gimignano, deren Austragungsort erstmals die Fortezza auf der Rocca di Montestaffoli hoch über der Altstadt war. Integriert war dort auch die 2017 eröffnete San Gimignano Wine Experience samt Museum, in der sich San Gimignano-Besucher auch über die historischen Kopfstände und Purzelbäume der äußerst aktiven Signora Vernaccia informieren dürfen. Dabei hatte sie auch 2019 einiges zu ertragen. Denn schon der Januar 2019 war besonders. Es war feucht in San Gimignano.

Irina Strozzi.
Irina Strozzi.

 

Und an drei Tagen fiel sogar Schnee und es gab Minusgrade. Der Februar und März waren hingegen sonnig trocken, was der Rebsorte einen Reifevorsprung von satten 19 Tagen einbrachte. Dann aber kamen die regnerischen Monate April und Mai, ehe der sehr warme, trockene Juni mit Temperaturen bis zu 37 Grad Celsius der Signora wieder das Haupt trocknete. Bis um 15. August war die Reifung abgeschlossen – 66 Tage nach der Blüte. Geerntet wurde aber erst Ende September, je nach Lehrbuch 6 bis 10 Tage oder gar 10 bis 23 Tage später als gewöhnlich. Dennoch war man allseits zufrieden. Das Resultat lautete: "Una buona annata!" – "ein guter Jahrgang". Mehr Aromen als gewöhnlich, und trotz unterdurchschnittlichen 867 mm Regen alles im grünen Bereich von 14,7 Grad Celsius Durchschnittstemperatur.

Dennoch: Tendenziell vermerkt die Wissenschaft mehr Regen und höhere Temperaturen: Insgesamt wurde seit Beginn der Aufzeichnungen ein mittlerer Anstieg von 0,62 Grad Celsius registriert. In jedem Fall attestierten auch die Önologen und Valentino Tesi dem neuen Jahrgang 2019 und der Riserva 2018 superbe Parameter. Die Signora gab sich erneut eher klassisch und steht für die Identität des Territoriums. Wie sie dann aber im Vergleich zu den großen internationalen Weißwein-Konkurrenten abschneidet, sollte sich erst am nächsten Tag bei der Verkostung in der berühmten Sala Dante im historischen Rathaus von San Gimignano zeigen.

Information:
Consorzio del Vino Vernaccia di San Gimignano, Via di Fugnano 19, 53037 San Gimignano, Provinz Siena, Region Toskana, Italien, Tel. +39 0577 94 01 08, This email address is being protected from spambots. You need JavaScript enabled to view it., www.vernaccia.it 
Weinresort Borgo Tollena, c/o Azienda Agricola Tollena, Loc. Tollena, 53037 San Gimignano, Tel. +39 0577 90 71 78, This email address is being protected from spambots. You need JavaScript enabled to view it., www.borgotollena.it 
Agriturismo Fattoria Poggio Alloro, Via Sant`Andrea 23, 53037 San Gimignano, Tel. +39 0577 95 01 53, This email address is being protected from spambots. You need JavaScript enabled to view it., www.fattoriapoggioallroo.com 

Region Toskana: Toscana Promozione Turistica, www.toscanapromozione.it , www.visittuscany.com/de/ 

Fotos: Jürgen Sorges

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