Parade der elf Besten im Berliner Hotel de Rome

Die mittlerweile 33. Ausgabe des renommierten italienischen Weinguides Gambero Rosso versammelt Superlative: Wieder einmal haben es die beiden Redaktionsleiter Gianni Fabrizio und Marco Sabellico, der eine schon von der Erstausgabe an dabei, der andere nur wenig später dazu gestoßen, geschafft!

Nach einem Jahr intensivster Arbeit können sie nun ein eindrucksvolles Mammutwerk vorlegen, das beste Orientierung zu den neuen Weinen Italiens und des Schweizer Tessins bietet und mit großartiger Expertise glänzt. Kein Wunder daher, dass die italienische Ausgabe längst auch ins Deutsche, Englische, Japanische und Chinesische übersetzt erscheint.

Und so versammelt die deutsche Ausgabe auf den 1032 Seiten zwischen den knallroten Taschenbuchdeckeln die Bewertung von 22.586 Weinen von 2542 Weingütern. Und natürlich wurden auch wieder die begehrten klassischen Auszeichnungen in Form von ein bis drei Gläsern vergeben. Diesmal errichte eine Rekordzahl von 457 die begehrteste Auszeichnung der "Tre Bicchieri", der klassischen drei roten Weingläser.

Für die Präsentation des neuen Weinführers "Weine Italiens 2020" in Deutschland wählte die in Rom ansässige Redaktion passenderweise das renommierte Hotel de Rome im Herzen Berlins. Und natürlich präsentierten sich auch einige mitgereiste Winzer, allen voran Weingüter der toskanischen Chianti-Gebiete außerhalb des Chianti Classico, die als "Chianti Lovers" auf Promotion-Tour sind, sowie 27 hervorragende Weingüter aus allen italienischen Regionen.

Da wäre etwa das Weingut Pescaja aus dem piemontesischen Roero zu erwähnen. Es beeindruckte mit dem neuen Weißwein Roero Arneis 2019, der auch im Berliner Edelrestaurant Bocca di Bacco angeboten wird. Noch großartige war bei der Verkostung der Jahrgangs-Arneis "Solo Luna", den das Berliner Vorzeigehotel Adlon führt. Im Handel ist er um 20 € zu haben, ab Cantina nahe dem piemontesischen Städtchen Canale kostet er ca. 12,50 €.

Weingut Pescaja...
Weingut Pescaja...

 

Ebenfalls ein Ereignis und ursprünglich eigentlich nur als Experiment für einen guten Luxemburger Kunden gedacht ist der Rosato "le flery" von Pescaja! Und unter den Roten besticht der Monferrato "Solis" 2017. Aus Apulien war hingegen Maria Isolina Catanese angereist, um die Weine des nahe des Castle del Monte etablierten Weingutes Torrevento zu präsentieren.

Hier überzeugten vor allem der Castle del Monte Nero di Troia Ottagono Riserva 2014 und noch mehr der Primitivo "Since 1913" des Jahrgangs 2017. Ein Gedicht! Eine wirklich positive Überraschung war auch das Weingut Casale del Giglio aus dem Latium. Nahe Aprilia entsteht z. B. der elegante Weiße "Cesanese 2017" aus der gleichnamigen autochthonen Traube: eine Entdeckung! Frisch und fruchtig ist hingegen der weiße "Bellone 2018", herausragend dann der rote "Mater Matuta 2015" aus Syrah und Petit Verdot: Er bringt nicht nur satte 14 Prozent Alkoholgehalt, sondern auch eine Fülle herausragender Aromen mit – nur zu empfehlen!

Anti-Mafia-Wein "199 Schritte" und brillantes Revival des Carmginano: die Sonderauszeichnungen!

In jedem Jahr verleihen die zwei Topjuroren zudem auch noch Sonderauszeichnungen in gleich elf Kategorien. Und getrost darf man diese als Hits und goldmedaillenverdächtig betrachten. Zur Master Class der Superweine 2020 gaben sich Gianni Fabrizio und Marco Sabellico persönlich die Ehre.

Und schon die erste Auszeichnung war eine Überraschung. Denn nicht ein Spumante, sondern ein kleines Familiengut schuf "Italiens Schaumwein des Jahres": Es ist der Prosecco "Valdobbiadene Brut Nature Particella 232", Jahrgang 2018, der alle überzeugt. Denn das Weingut Sorelle Bronca ("Die Schwestern Bronca") schafft Weinberg für Weinberg einen einzigartigen Prosecco – und siegte mit der Abfüllung der Parzelle 232.

Auf zur Master Class...
Auf zur Master Class...

 

Unter den jährlich nun ca. 600 Mio. Flaschen verkauftem Prosecco pro Jahr sollte man sich diesen also unbedingt merken. Den besten "Weißwein des Jahres" stellte das Weingut "Lunae Bosoni" aus der ligurischen Lunigiana, hart an der Grenze zur Toskana. Das nahe am Meer gelegen e Gut produziert mit dem "Colli di Luni Vermentino Lunae et. Nera 2018" einen technisch sauberen, geradlinigen Weißwein, der hervorragend zu Fisch und Meeresfrüchten mundet. Die dritte Auszeichnung war dann eigentlich einen Extraapplaus wert.

Denn den "Solidaritätspreis 2020" erhielt das sizilianische Weingut "Centopassi" für ihren Weißwein "Cataratto Terre Rosse di Giabbascio 2018". Bei dem Weingut handelt es sich um eine Kooperative, die auf staatlich konfisziertem Mafia-Land nahe Palermo arbeitet. Benannt haben die mutigen Winzer ihr Gut nach jenen gerade "Cento passi", nur "hundert Schritten", die zwischen dem Wohnhaus des Radiojournalisten Peppino Impastato und dem des lokalen Mafiabosses lagen. Impastato hatte gegen die Mafia opponiert und wurde ihr Opfer, sein tragisches Schicksal wurde in Italien erfolgreich verfilmt.

Winzer des Jahres 2020 ist Andrea Felici aus den Marken. Er gehört zu jenen bodenständigen Winzern, die auch mit "Dreck an den Schuhen" herausragende Weine schaffen. Von ihm kosten wir den sehr guten "Il Cantico della Figura", eine Riserva 2016. Auszeichnung Numero Clique geht an den "Rosé des Jahres 2020": erneut eine Überraschung, denn der rundum kirschfarbene und daher so benannte "Cerasuolo d`Abruzzo Rosa-ae 2018" vom Weingut Torre dei Beata aus den Abruzzen ist eher schon ein Roter denn ein leuchtend klarer Rosato. Aber der Rosé aus Italien ist schwer im Kommen – und im Trend. Wichtige Rosé-Produktionsgebiete sind auch der Gardasee, Apulien, die Ätna-Region und nun auch die Toskana.

Der Sonderpreis "Nachhaltigkeit 2020" ging nach Apulien: Ihn erhielten die "Produttori di Manduria" explizit für ihren herrlichen "Primitivo di Manduria Lirica 2017" nicht etwa nur, weil sie ökologisch nachhaltig arbeiten. Sie sind auch wirtschaftlich nachhaltig erfolgreich. Zudem setzt die Kooperative mit 600 Mitgliedern und 1000 ha Weinbaufläche auch hohe Standards in Sachen Arbeitnehmerrechte und Gewinnbeteiligung für alle durch – ein wegweisendes Zukunftskonzept. Keine Überraschung, aber hochverdient ist zudem die Auszeichnung von Frescobaldi als "Kellerei des Jahres 2020".

Weine von Vigna...
Weine von Vigna...

 

Die absolut prestigeträchtigste und wichtigste Auszeichnung als "Rotwein des Jahres 2020" ging dann aber doch nicht an Frescobaldi, sondern an ein kleines Familienweingut im toskanischen Weinbaugebiet von Carmignano, das der damalige Großherzig der Toskana schon 1716 u.a. neben Chianti, Montepulciano und Valdarno di Sopra als erstes Weinbaugebiet weltweit schützen ließ. Und das Familiengut "Piaggia" hat sich diese herausragende Bewertung mit ihrer "Carmignano Riserva 2016" auch mehr als redlich verdient.

Seit nun zehn Jahren produziert es ohne jede Unterbrechung einen mit drei Gläsern ausgezeichneten Wein, diesmal einen fast schwarzen, tiefroten, superben, grandiosen Wein, der klassisch produziert mit viel Frucht, toller Struktur und herrlichen Tanninen aufwartet. Einfach top! Als Nummer Elf der Sonderpreise gab es dann zum guten Ende keinen önologisch versierten Fußball-Linksaußen, sondern noch der "Süßwein des Jahres 2020" gereicht.

Und obschon diese Sparte seit Jahren auch international schwächelt und auch wegen zu milder Winter vielfach wenig neu produziert wird, sind die Ergebnisse doch immer wieder ein wunderbares Ereignis auf dem Gaumen. Dieses Mal ist es ein Trentino Vin Santo 2003 (!!!) des Weingutes "Cantina Toblino" – nicht zu süß, einfach fantastisch!

Information:
Gambero Rosso 2020 "Weine Italiens", ISBN 978-88-6641-200-7; 1032 Seiten, 30 €; www.gamberorosso.it

Fotos: Jürgen Sorges

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Zuletzt bearbeitet am 05/02/2020

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