Internationale Grüne Woche 2020 (Teil 2 - Nord-Norwegen/Norwegen)

Die Internationale Grüne Woche ist nicht nur ein wichtige, als "Davos des Agro-Business" hoch gelobte wichtige Austauchplattform für Minister, Staatssekretären und zig Spitzenpolitiker aus aller Welt!

Sie ist auch ein royaler Treff. So konnte Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner am Sonntag, dem 19.1., zwei Tage nach Eröffnung der 85. Grünen Woche und im 94. Jahr des Bestehens dieses größten Foodie-Festivals weltweit, auf dem Messegelände gleich 170 königliche Hoheiten begrüßen. Denn in den Messehallen am Berliner Funkturm wimmelt es natürlich nur so von royalen Repräsentanten bekannter wie weniger bekannter Produkte aus der riesigen, auf der Messe über 100 000 Produkte umfassenden Warenwelt.

Da ist es natürlich prima, dass auch sie früher einmal einen solchen Titel trug und eine perfekte Produktbotschafterin war: Erst reüssierte sie als Weinkönigin an der Nahe, dann 1995 sogar als Deutsche Weinkönigin. Gut möglich auch, dass ein Gutteil dieser königlich Blaublütigen auf der eigentlich doch recht republikanisch daherkommenden Grünen Woche auch Ökologie und Nachhaltigkeit vertritt. Schließlich heißt es seit je: Adel verpflichtet!

Und da die Grüne Woche seit je auch für Innovatives und Neues steht, könnten ihre Palasttüren ja in Zukunft auch etwa für vegane Viscounts und den Amazonas schützende Bio-Barone für brasilianische Soja-Bratlinge oder gar für vegetarische Vizekönige aus dem Wendland oder der trendigen brandenburgischen Uckermark offen stehen. Aber natürlich kann die Grüne Woche auch mit echten Monarchen aufwarten. Und selbst, wenn Harry und Meghan nun ihre Titel als Königliche Hoheiten Britanniens ablegen, bleibt immer noch das tief in der Monarchie verwurzelte Norwegen, das sich auch in diesem Jahr keine Blöße gibt und bis zum 26. Januar erneut mit einem der besten Stände der Grünen Woche aufwartet.

Elchfleisch-Snack...
Elchfleisch-Snack...

 

Es ist ein Fest für die Sinne, dass Chefköchin Hege Ruud und Co-Chef Ørjan Thommassen tagtäglich für ihre Gäste im geräumigen Bereich von Nord-Norwegen zusammenstellen! Und selbstverständlich wird hier unter der stolz präsentierten königlich norwegischen Flagge vor allem Lokales und Regionales präsentiert! Und ebenfalls kein Zufall ist, dass hier absolutes kulinarisches Spitzenniveau angeboten wird. Denn die Basis all ihrer Kochkunst bildet eben die einzigartige Qualität der Zutaten.

Allein schon ein Wunder sind die herrlichen Gerichte mit phantastischem, delikat weichem, doch angenehm bissfestem Fleisch der King Crab, der Königskrabbe. Die wird auch Kamtschatka-Krabbe oder gar Monster-Krabbe genannt, liebt kalte Ozeangewässer und hat sich vor Norwegens Küste prächtig vermehrt. Eigentlich ist sie ein Plagegeist: bioinvasiv, verdrängt das Urzeitviech zahllose konkurrierende Nebenbuhler, fegt quadratkilometerweise den Meeresboden leer und attackiert sogar kannibalisch seinesgleichen.

Eigentlich ist die Königskrabbe so etwas wie Breschnews letzte Rache am NATO-Gegner Norwegen: Denn Ende der 1960er Jahre setzten russische Forscher einzelne Exemplare vor dem Polarmeerhafen Murmansk aus. Nun sind sie bis zu den norwegischen Lofoten vorgerückt – und müssen definitiv bekämpft werden. Am besten lokal, und am allerbesten in Lokalen. Denn das um Artenschutz und Nachhaltigkeit sichtlich bemühte Norwegen hat die ideale Form entdeckt, diesen Öko-Störenfried wenn schon nicht loszuwerden, dann doch rigoros einzudämmen. Und das geht ganz praktisch, ohne jeden Krabbenkrieg: Einfach einfangen, dann kochen und zügig verputzen!

Zwischendurch Seafood...
Zwischendurch Seafood...

 

Denn die Königskrabbe ist eine Delikatesse – und würde sogar auf jeder imperialen Tafel eine Zierde des Genusses sein. Aber nördlich des Polarkreises hat man rund um Tromso, Alta oder Hammerfest natürlich auch noch weitere Highlights zu bieten. Fortsetzen sollte man die köstliche Gourmet-Stippvisite mit den zu prächtigen Königskronen oder gar päpstlichen Tiaras hochgestapelten Garnelen. Sie werden, frisch gepult, mit Apfelmayonnaise, Tangsalz und gemischtem Salat gereicht.

Den heimischen festen Kuhmilchkäse mit Kümmel oder den braunen wie weißen Ziegenkäse, natürlich aus lokaler Produktion, gibt es mit Rhabarber- und Preiselbeeren-Sirup, eingelegten Karotten und Moltebeeren – ein Gedicht. Und natürlich dürfen auch Rentierbraten oder norwegischer Schinken nicht fehlen, den die Firma Mydland aus Tromsö typisch nordnorwegisch und mit Noblesse (Adel verpflichtet), als "Spekeskinke" der Marke "Umberto" anbietet. Und der Name des großen italienischen Polarforschers Umberto Nobile steht tatsächlich für garantiert guten Geschmack. Natürlich gibt es im hohen arktischen Norden heute auch schon Kleinst-Kaffeeröster wie "munin", deren schmackhafte Sorten sogar erfahrene Nordlichtbewunderer verwöhnen.

Und natürlich hat auch die Craft Beer-Szene in Nord-Norwegen Fuß gefasst. So stammen etwa die leckeren, mit amerikanischem wie mit deutschem Hopfen gebrauten, mit 4,7 % angenehm leichten Biere der Brauer von Qvaenbrygg aus Vadso im äußersten Osten der norwegischen Finnmark. Hit unter den diesjährigen Ausstellern ist aber ein Start-up dreier junger Damen, das seit Mai 2016 auf den Lofoten reüssiert: "From Lofoten Weed Love" heißt der einprägsame Slogan, den sich Kari Tonseth, die von den Lofoten stammende Fischertochter Angelita H. Eriksen und die dank ihrer japanischen Mutter schon ein wenig vorbelastete Tamara ausgedacht haben.

Craft Beer aus Norwegen.
Craft Beer aus Norwegen.

 

Tamara und Angelita lernten sich beim Studium der Physiotherapie in Australien kennen, ehe sie auf die Lofoten zum Gezeitenstrom Nappstraumen aufbrachen, um Seetang zu "ernten". Wobei: "Tang" wird in Norwegen nur in Küstennähe gefunden, der Seetang aus tieferen Gewässern heißt "Tare". Gesund, nährstoffreich und für zahllose Produkte einsetzbar sind beide Arten. Und so gibt es nun als Hauptprodukt Seaweed Umami, dazu Tare-Salz und sogar Trüffelsalz mit Tare, es gibt Kosmetika und Seife mit Seetang und es gibt sogar mit Meeresalgen versetzte Tagliatelle. Natürlich wird auch Kelp geerntet und vermarktet.

Und sogar weiße und dunkle Schokolade mit Seetang sind in. Da Seetang mehr Vitamine als Apfelsinen und mehr Eisen als Rindfleisch besitzt, zudem reich an Jod, Omega-3-Fettsäuren und proteinreich ist, steht ihm eine große Zukunft im globalen Haus der Nachhaltigkeit bevor. Dafür werden auch Köche wie Hege Ruud und Ørjan Thommassen sorgen, die mit immer neuen Rezepten die Wunderwelt der Algen auch für den heimischen Herd erschließen.

Info Nord-Norwegen/Norwegen: https://nordnorge.com/en/, www.visitnorway.com

Fotos: Ellen Spielmann, Jürgen Sorges

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Zuletzt bearbeitet am 21/01/2020

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