Live in Livorno: Frescobaldis Top-Weine (Teil 1)

Wer nach Gorgona, auf Italiens letzte Gefängnisinsel möchte, kommt um den Besuch der legendären toskanischen Hafenstadt Livorno nicht herum!

Nur vom Molo Mediceo, dem alten, im 16. und 17. Jahrhundert erbauten Medici-Hafen der Stadt, legen derzeit Ausflugsschiffe zu dieser anderthalb Fährstunden entfernten, vorgelagerten schroff aus dem Meer steigenden Eiland am Nordrand des heute auch als Nationalpark geschützten Toskanischen Archipels ab. Denn tatsächlich können heute auch Normalsterbliche diese lange "verbotene" Insel besuchen. Vom Frühjahr bis zum Herbst legt – zwei- bis dreimal – wöchentlich, ein Fährschiff ab, das bis zu 75 Inselbesucher gleichzeitig zu Tagesexkursionen nach Gorgona transportiert.

Ein einziges Mal im Jahr lädt allerdings auch ein echter Markgraf, der 57-jährige Marchese Lamberto Frescobaldi, zur Tagestour nach Gorgona. Dort haben er und seine Mitarbeiter seit 2012 mit dem Projekt der Erzeugung von Gorgona-Weinen ein Gutteil dazu beigetragen, das die italienische Gefängnisreform insbesondere für Langzeit-Einsitzende in großen Schritten vorangekommen ist. Längst ist Frescobaldis Weißwein "Gorgona" ein Hit auf dem internationalen Markt der Weinliebhaber und -sammler. Das Ganze ist im Wesentlichen auch eine Art Hilfs- und Charity-Geschichte.

Denn die Frescobaldi-Gruppe, seit über 700 Jahren überaus erfolgreich im Weinbau und Weinhandel aktiv, stellt für den Betrieb und die Verarbeitung der gerade einmal 2,3 Hektar Inselweinberge viel Manpower bereit und legt jährlich stolze 100.000 Euro auf den Tisch, um dies so ungewöhnliche wie höchst erfolgreiche Reintegrationsprojekt zu ermöglichen. Entscheidend für den großen Zuspruch und Andrang von Medienschaffenden aus aller Welt an diesem Junitag 2019 dürfte aber auch sein, dass während des Inselaufenthaltes das Fotografier- und sogar das Interviewverbot mit den einsitzenden Inhaftierten aufgehoben werden.

Und der Marchese Lamberto Frescobaldi wäre wohl nicht so erfolgreich, würde er diese Gelegenheit nicht nutzen, um weitere Weine der exquisiten Frescobaldi-Kollektion von mittlerweile acht Gütern vorzustellen. Mehr als ein Glücksfall, denn tatsächlich mit Bedacht und großem Know how ausgewählt, war da die Wahl des ehrwürdigen Ristorante Aragosta an der Piazza dell`Arsenale 6, direkt am Molo Mediceo. Denn hier stimmte nicht nur das sanfte Abendlicht vor der der Kulisse des historischen Hafens von Livorno. Auch die Küche entpuppte sich als kongeniale Begleiterin der exquisiten Frescobaldi-Kreationen.

   Monument der vier Mohren, italienisch Monumento dei Quattro mori.
Monument der vier Mohren, italienisch Monumento dei Quattro mori.

 

Direkt vor unserer Hoteltür erhebt sich Livornos Wahrzeichen, das Monument der vier Mohren, italienisch "Monumento dei Quattro mori". Schon der heute nicht mehr ganz zeitgemäße Name des Denkmals führt in eine andere, jene Zeit zurück, als die Medici das unbedeutende Fischernest Livorno zu ihren wichtigsten toskanischen Kriegs- und Handelshafen ausbauten. Doch so rasch der Hafen errichtet wurde – das Denkmal benötigte etwas länger. Es entstand ab 1595 bis 1626 in Etappen, wurde hauptsächlich von Giovanni Bandini und Pietro Tacca erschaffen. 1595 beauftragte Großherzog Ferdinand I. (Ferdinando de` Medici; 1549 – 1609, Großherzog 1587 – 1609) den in Carrara lebenden Bildhauer Giovanni Bandini (ca. 1540 – 1599) mit der Schaffung einer lebensgroßen Statue.

Ziel des Großherzogs war, sich selbst und die Siege des militärischen Ordens der Ritter des Stefansordens, des Ordine dei cavalieri di Santo Stefano, gegen die nordafrikanischen Piraten und Korsaren sowie gegen die Ottomanen zu ehren und den Nachruhm zu sichern. 1601 gelangte die Statue aus Carrara-Marmor nach Livorno und wurde am Hafen aufgestellt. 1617, schon unter der Herrschaft von Großherzog Cosimo II. de` Medici (1590 – 1621, Großherzog 1609 – 1621), errichtete Taddeo di Michele, ein Schüler Bandinis, den Marmorsockel des Denkmals. Schließlich gewann 1621 Bildhauer Pietro Tacca (1577 – 1640), der berühmteste Schüler von Giambologna, die Ausschreibung zur Ergänzung des Monuments mit den berühmten vier Bronzestatuen, die "maurische" Sklaven darstellen. Er beendete die Arbeit 1626 – und war dabei, wie man heute weiß, so freundlich, sich authentischer Vorbilder für seine Portraits zu bedienen. Denn die vier Statuen zeigen drei Gefangene bzw. Sklaven aus Nordafrika und dem Osmanischen Reich sowie einen vierten Sklaven bzw. Gefangenen aus dem subsaharischen Afrika.

Der Hafen Livornos...
Der Hafen Livornos...

 

Keine Frage, das Livorno des beginnenden 17. Jh.s war zwar klein und zählte nur knapp 10 00 Einwohner. Dafür aber war es früher "Melting pot of Nations", ein Sammelsurium an Vertretern aller Mittelmeernationen, die hier ihr Glück suchten – oder bei Pech und Zwangsaufenthalt eben eine Zeitlang auf der Strafbank Platz nehmen mussten.

Welche Auswirkungen der Kriegs- und Handelshafen auf die Menschen in Livorno hatte, mag auch diese Zahl illustrieren: Zwischenzeitlich sollen von den 10 000 Stadtbewohnern bis zu 6000 einsitzende oder ehemalige Sklaven gewesen sein. Denn viele kauften sich frei – die von den Medici erlassenen liberalen Livorneser Gesetze von Anfang des 17. Jh.s erlaubten dies. Man kann sich aber Livornos Vergangenheit auch ganz anders nähern. Denn bestes Beispiel für das Zusammenwirken und Zusammenleben in diesem frühen Schmelztiegel der Neuzeit ist die berühmte Livorneser Küche. Dies beweisen nicht nur die vielen Tomatengerichte, die von Livorno aus Italien und dann die Welt eroberten. Dies beweisen auch die vielen, aus der jüdischen Küche herrührenden Rezepte, die die aus Portugal und Spanien hierher übergesiedelten Sepharden zum Welterbe der italienischen Küche beitrugen. Bis heute ist die jüdische Gemeinde Livornos, die vor und im Zweiten Weltkrieg schwer auch unter der deutschen Wehrmacht leiden musste, sehr aktiv. Livorno-Besucher sollten daher nicht nur Livornos berühmte Markhalle von 1895 aufsuchen, wo es sogar noch eine koschere Metzgerei gibt, sondern auch die herrliche neue und die zwei alten Synagogen der Stadt besichtigen.

Statue in der Hafeneinfahrt...
Statue in der Hafeneinfahrt...

 

Information Weine:
Marchesi de` Frescobaldi, Via Santo Spirito 11, 50125 Florenz, Region Toskana, Italien, https://de.frescobaldi.com/
Frescobaldi Rose-Weine Alie und Aurea: Tenuta Ammiraglia, Località La Capitana 222, Montiano, 58051 Magliano in Toscana, Provinz Grosseto, Region Toskana, Italien, Tel. +39 0564 504 11, Tel. +39 0564 50 42 01, This email address is being protected from spambots. You need JavaScript enabled to view it., www.frescobaldi.com/tenute/tenuta-ammiraglia/visita-tenuta-ammiraglia/
Frescobaldi-Leonia-Weine: Castello Pomino, Località Pomino 80, 50068 Rufina, Provinz Florenz, Region Toskana, Italien, Tel. +39 055 831 10 50, This email address is being protected from spambots. You need JavaScript enabled to view it., www.frescobaldi.com/tenute/castello-pomino/visita-castello-pomino

Fotos: J. Sorges, Frescobaldi

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