Wenn Weintrauben baden gehen: der Vino Marino "Nesos"

Der weltweit erste "Meerwein" (Vino Marino) "Nesos" ist eine önologische Sensation und zieht alle Experten in den Bann. Zudem rückt dies herausragende Ergebnis der erfolgreichen Verbindung von akribischer wissenschaftliche Arbeit, Archäologie und über 2000 Jahre Weinhistorie die toskanischen Insel Elba wieder in den Fokus des Weinbaus.

Am 13. November 2019 ist es so weit: Nicht "High Noon", doch immerhin Schlag 12.30 Uhr erhält in Florenz ein ausgewählter Kreis von Weinexperten und Journalisten erstmals Gelegenheit, diesen neuen Wunderwein von der Insel Elba zu verkosten. Eingeladen haben Professor Attilio Scienza, Ordinarius für Weinbau an der Universitá degli Studi in Mailand, dazu Experimentalarchäologe und -önologe und in diesem besonderen Fall auch für die Universität Pisa aktiv, sowie Top-Winzer Attilio Arrighi aus dem herrlichen Bade- und Hafendörfchen Porto Azzurro an der Südküste Elbas.

Das Objekt der Begierde heißt "Nesos" – und ist ein Vino Marino, ein Meerwein, wie ihn die Welt vielleicht schon vor 2000 Jahren, nie aber in der Neuzeit gesehen hat. Nur 40 Flaschen existieren aktuell vom ersten Jahrgang, der die uralte Wein- und Bergbauinsel Elba, auf der noch Anfang des 19. Jahrhunderts über 5000 Hektar Wein angebaut wurden, wieder ins Zentrum der Weinwelt rückt. Immerhin wächst Wein hier nun wieder auf über 300 Hektar – und Azienda Agricola Arrighi, geschützt zwei Kilometer inseleinwärts von Porto Azzurro gelegen, ist sicher nicht die prominenteste, wohl aber die experimentierfreudigste unter den Weingütern Elbas – und liefert klasse Ergebnisse!

Auf zum Meerweinmachen...
Auf zum Meerweinmachen...

 

Vorab: Gourmets müssen nun nicht gleich aufspringen, um ein Fläschchen zu ergattern, oder sich gar die Haare raufen! Sputen müssen sie sich wohl erst im nächsten Jahr! Denn vom diesjährigen so geheimnisumwitterten Wein existiert noch nicht einmal ein Preis, nicht einmal eine Preisvorstellung, wie Top-Winzer Antonio Arrighi schon vorab betonte. Erst einmal ist der "Nesos" das Ergebnis eines gewaltigen und höchst erfolgreichen Experiments – sozusagen noch in der wissenschaftlichen Endphase seines Entstehens! Doch das wird sich ändern. Denn natürlich muss Antonio Arrighi auf seinem kleinen Weingut mit nur 7 Hektar auch Geld verdienen. Und so werden vom nächsten Jahrgang "Nesos" erheblich mehr Flaschen dann auch auf den Markt gelangen. Denn der für seine Amphorenweine längst berühmte Winzer Attilio Arrighi hat in diesem Jahr bis zu zehn klassisch geformte Amphoren mit dem neuen Nesos gefüllt.

Allerdings fassen diese nicht 700 Liter – wie sein längst berühmter Amphorenwein "Hermia" – sondern nur 50 bis 100 Liter. Womit gleich eines der vielen Geheimnisse um die Herstellung des "Nesos" bekannt wäre. Doch Rätseltasten ist eigentlich sowieso nicht die Sache des bodenständigen, nüchtern sachlichen Antonio Arrighi, der Besucher nach wie vor höchstpersönlich an lauen Sommerabenden beim Weinberg-Trekking über die Azienda führt und detailreich alles erklärt. Um den Werdegang des "Nesos" zu dokumentieren, wurde ein Dokumentarfilmer engagiert: mit Riesenerfolg!

Amphorenwein...
Amphorenwein...

 

Denn Filmemacher Stefano Muti lieferte mit dem 15 Minuten langen Kurzfilm "Vinum Insulae" (Inselwein, Wein der Inseln) ein Meisterwerk ab, das nicht nur viele Fragen interessierte Experten beantwortet, sondern auch auf dem 26. Internationalen Filmfestival Oenovideo in Marseille abräumte. "Vinum Insulae" wurde unter 144 eingereichten Filmen aus 17 Ländern zum besten Kurzfilm gekürt, dies sowohl hinsichtlich seiner technisch-künstlerischen Qualität, als auch seiner Originalität und seines Experimentalwertes wegen. Die Preisübergabe fand am 14.10.2019 im Palais Luxembourg in Paris statt. Natürlich wird er am 13.11. auch in Florenz gezeigt, man kann aber auch Trailer und Ausschnitte im Internet finden.

Manch Eingeweihter soll auch schon auf der diesjährigen Vinitaly sein Näschen über den "Nesos" gebeugt und einen Tropfen erhascht haben. Denn Antonio Arrighi war vor Ort und hatte darüber erzählt. Allerdings war sein dortiger Wein noch ohne Etikett und Namen ausgestattet. Als sich die Novität herumsprach, soll die Nachfrage jedenfalls riesig gewesen sein. Mehr als 100 Interessierte sollen Schlange gestanden haben. Wie auch immer, freuen dürfen sich Antonio Arrighi, Professor Scienza, der die Wissenschaft schon im Namen trägt, sowie alle Unterstützer. Dies sind vor allem der Nationalpark Toskanischer Archipel, die Vereinigung der Elba-Hoteliers, die Hafenbehörde von Portoferraio und die Gemeinde Porto Azzurro auf Elba, dazu die Universität Pisa und die Önologin Laura Zuddas als Expertin für Amphorenwein.

Weinberg auf Elba.
Weinberg auf Elba.

 

Ein besonderer Dank gebührt natürlich vor allem den Bio-Tauchern von Spazio Mare aus Porto Azzurro. Denn die eigentlich im Umweltschutz und nachhaltgien Tourismus aktiven Taucher aus dem "blauen Hafen" realisierten den spektakulärsten Teil des Experiments: Sie versenkten gleich mehrere Körbe prallgefüllt mit frisch vom Weinberg geernteten Ansonica-Trauben in der azurblauen Barbarossa-Bucht nahe Porto Azzurro. Die Körbe befestigten sie exakt zehn Meter unter der Meeresoberfläche. Das entspricht etwa zwei Bar Druck.

Gleichzeitig sorgte die dort stets gleichmäßig vorherrschende Strömung dafür, dass die Trauben wunderbar vom salzigen Meerwasserumspült – und so wohl auch perfekt gereinigt wurden. Nach einiger Zeit holten sie die Körbe wieder hervor. Erst danach ging es zur Kelterei. Wie viel Zeit die Trauben unter Wasser verbringen sollten, war eingangs nicht klar. Doch Antonio Arrighi und Professor Scienza sind sich heute nach langwierigen Experimente einig: 72 Stunden sind die ideale Badezeit für Ansonica-Trauben, um eine perfekten "Nesos" zu kreieren. Womit ein weiteres Geheimnis gelüftet wäre.

Das Hauptgeheimnis enttarnte aber Prof. Attilio Scienza selbst: Akribisch Studien hatten ihn auf die Spur eines antiken Weins gebracht, der einst auf der griechischen Insel Chios gekeltert wurde und als "Wein der Reichen" absolute Berühmtheit in der Antike genoss. Dafür gesorgt hatten nicht nur antike Gourmets, die auf den Wein aus Chios schworen, sondern Roms berühmtester Universalgelehrter schlechthin: Marcus Terentius Varro (116 v. Chr. – 27 v. Chr.). Seine Lobeshymnen auf den legendären Chios-Wein samt seiner Definition als "Wein der Reichen" führten Professor Scienza zur Frage, wie die damaligen Weingüter ihren so herausragenden Wein produzierten. Heraus kam, dass sie salziges Meerwasser nutzten – auch als Antiseptikum, und um ihre speziell auf Chios gedeihenden Trauben zu reinigen.

Antonio Arrighi.
Antonio Arrighi.

 

Der Clou aber war, dass Professor Scienza entdeckte, dass Elbas uralte Traube eine Kreuzung zweier antiker Rebsorten darstellt, die in der Antike auch auf Chios angebaut wurden. Und da der Professor und Antonio Arrighi sich zufällig kannten und der Professor von Antonio Arrighis großartigen Versuchen in Sachen Amphorenwein wusste, war das Projekt beschlossene Sache! Das so über die Geschichte entstandene Faszinosum zum Weinbau wie zur Weinkultur entpuppte sich nach und nach mit der Herstellung des "Nesos" als wirkliche "Rückkehr in die Zukunft"! Und der "Meerwein" Nesos wird als Vino Marino nicht nur auf Elba, sondern auch in der gesamten Toskana, in Italien und der internationalen Weinwelt für Furore sorgen. Und ein wenig haben heimliche Vortester schon aus dem Nähkästchen geplaudert. Ihnen allen mundete der "Nesos" ausgezeichnet. Nur zum Schluss blieb "una bocca salata". Das kann man mit "salzigem Mund" oder gar "Salz am Gaumen" übersetzen, getrost aber auch so interpretieren, dass dieser Wein umgehend Durst und Begierde nach mehr macht – mehr Meerwein natürlich!

Information:
Azienda Agricola Arrighi: Loc. Pian Del Monte 1, 57036 Porto Azzurro, Elba, Provinz Livorno, Region Toskana, Italien, Tel. +39 335 664 17 93, Tel. +39 0565 956 04, This email address is being protected from spambots. You need JavaScript enabled to view it., www.arrighivigneolivi.it
Trailer "Vinum Insulae": https://www.facebook.com/cosmomediaproduzioni/,
https://www.facebook.com/cosmomediaproduzioni/videos/2474622335922674/
Trailer zum "Nesos" bei Antonio Arrighi: https://www.facebook.com/cosmomediaproduzioni/videos/2474622335922674/
Parco Nazionale Arcipelago Toscano: c/o Info Park, Calata Italia 4, Portoferraio, Elba, Provinz Livorno, Region Toskana, Italien, Tel. 0565 90 82 31, This email address is being protected from spambots. You need JavaScript enabled to view it., www.parcoarcipelago.info , www.islepark.it
Region Toskana: Toscana Promozione Turistica, www.toscanapromozione.it , www.visittuscany.com/de/

Fotos: Roberto Ridi/Antonio Arrighi und J. Sorges

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Zuletzt bearbeitet am 13/11/2019

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