Siddùra: sardische Weinleidenschaft

So ein wenig unbekannt ist er dann doch, der Wein Sardiniens. Einst vermehrt als Wein zum Verschneiden auf dem Festland gebraucht, suchen die Produkte der Weinmacher schon länger ihre eigenen Wege. Ein Besuch bei Siddùra im Nordosten der Insel...

Wir stehen einen Steinwurf vom Hauptgebäude Siddùras entfernt im Weinberg auf einer Höhe von ca. 350 Metern am Rande eines kleinen Tals gelegen. Insgesamt nennt das Weingut 200 Hektar ihr Eigen, kann dabei etwa 37 Hektar Rebfläche vorweisen. Aber das noch gar nicht so lange. Erst seit 2008 gibt es das Weingut, ist ein Ergebnis zweier Unternehmer und Weinenthusiasten: des deutschen Unternehmers Nathan Gottesdiener und von Massimo Ruggero, einem echten "Gallureser" aus der Region Gallura.

Luca Vitaletti, Agronom des Unternehmens und aus der Toskana stammend, steht neben uns im Weinberg (der erst 2010 bepflanzt wurde) und erzählt über die besonderen Böden und Bedürfnisse der Rebstöcke. "Hier im Nordosten der Insel – und gerade hier im Tal – ist es extrem heiß, die Trauben sind sehr hohen Temperaturen ausgesetzt. Allerdings schützen die Berge auch ein wenig vor den Mistralwinden. Dennoch haben wir hier ein ganz spezielles Mikroklima, das Areal ist geprägt von den Eichen- und Korkwäldern. Die Böden geben unseren Weinen durch den Granitanteil eine sehr intensive Mineralik", so der Agronom.

Luca Vitaletti, Agronom von Siddùra, erklärt die Beschaffenheit der Böden im Tal.
Luca Vitaletti, Agronom von Siddùra, erklärt die Beschaffenheit der Böden im Tal.

 

"Aber dieser granithaltige Boden mit der Sandschicht bringt auch Probleme mit sich. Wenn es zum Beispiel stark regnet, müssen wir darauf achten, dass der Sand in der Schräglage nicht abgetragen wird. Eben dazu haben wir Grünflächen angelegt um den Boden zu halten. Da der Boden nicht so reich an Nährstoffen ist, müssen die Pflanzen relativ niedrig geschnitten werden. Hinzu kommt, dass wir natürlich dafür sorgen müssen Nährstoffe entsprechend zu ergänzen", so Luca Vitaletti weiter. "Allerdings: chemische Substanzen regulieren wir auf ein absolutes Minimum."

Also keine einfachen Bedingungen, unter denen hier die Reben wachsen. Ohnehin ist das Unternehmen mit der von Luca Vitaletti installierten Technik (Sensoren im Boden) darauf spezialisiert, die "sprechenden Pflanzen" und den "Stress der Pflanzen" zu verstehen. Auswertungen des Klimas und der Nährstoffe im Boden werden durchgeführt, um das Bewässerungssystem optimal einzustellen. Natürlich eine absolute Grundlage für die etwa 70 bis 80 Hektoliter Produktion pro Hektar.

Zwei Drittel Weißwein / Vermentino

Die Weinberge auf Sardinien umfassen insgesamt rund 26.500 Hektar Rebfläche, dabei werden zwei Drittel Rotweine und zu einem Drittel Weißweine erzeugt. Bei Siddùra jedoch verhält es sich bezüglich des Anbaus genau anders herum. Denn das Weingut hat mit dem Vermentino nicht nur einen Schwerpunkt in der Produktion, sondern hat etwa 75 Prozent eben dieser weißen Rebsorte angebaut. Dabei wird etwa die Hälfte der Weine auf Sardinien verkauft, 25 Prozent auf dem italienischen Festland und weitere 25 Prozent gehen in den Export.

Siddùras Schwerpunkt: Rebsorte Vermentino.
Siddùras Schwerpunkt: Rebsorte Vermentino.

 

Die weißen Rebsorten wurden 2019 wegen der guten Wetterbedingungen bereits am 25. August geerntet, Ende der Ernte war erst gegen Ende September (rote Rebsorten). Im vergangenen Jahr, als das Wetter noch wesentlich besser und wärmer war als in diesem Jahr, war bereits die komplette Ernte im August abgeschlossen. Und im Jahr 2017 musste der Agronom bereits Ende März Wasser zuführen – und das für ganze fünf Monate. In diesem Jahr wurde das System lediglich 20 Tage zur Bewässerung eingesetzt; das Wasser dafür kommt aus höhergelegenen Wasserbecken. Verbraucht wurden etwa 150 Kubikmeter pro Hektar. Zum Vergleich: 2017 wurden 400 Kubikmeter pro Hektar verbraucht.

Jetzt, nach der Ernte, ist die Arbeit für Luca Vitaletti erst einmal erledigt. Denn nun übernimmt in der Produktion der Önologe Dino Dini, der ebenfalls aus der Toskana stammt, das Ruder. Für die Weißweine setzt er Fässer aus französischer und ungarischer Eiche ein, wie er uns im Gespräch erzählt. Allerdings ist das Weingut jetzt bereits an ihre Grenzen angekommen. "Wir überlegen, den Keller etwas zu vergrößern. Der Platz ist hier doch recht begrenzt", so Dini, während wir an den Fässern vorbeigehen.

Tasting im Stazzu

Und wie sich die Fässer, der Boden und die klimatischen Bedingungen hier auf Sizilien auf den Wein auswirken, können wir wenig später feststellen. Nur einige Autominuten entfernt erfolgt ein Tasting verschiedener Weine im Stazzu. Stazzu bedeutet - aus dem Lateinischen übersetzt - "statio", also "Station". Hier in der Region ist damit eigentlich ein Bauernhof gemeint, der sich durch Steinwälle und Trockenmauer an die Natur anpasst. Aber das Stazzu Siddùras als Bauernhof zu titulieren, ist mehr als unangebracht. Es ist ein wirklich schönes und traditionelles - wenn auch neues - Gebäude, eigentlich mehr ein Anwesen, dass gespickt mit Kunstwerken nicht nur sehr hochwertig erscheint, sondern vor allem ein Ruhepunkt in der Natur mit einer wunderbaren Aussicht ist.

Dino Dini, Önologe von Siddùra, bei den Stahltanks.
Dino Dini, Önologe von Siddùra, bei den Stahltanks.

 

Der Spèra (Lichtstrahl) 2018 kommt mit stattlichen 14 % Vol. daher. Das mediterrane Klima und der granithaltige Boden prägen diesen Vermentino di Gallura - ein frisches Tröpfchen, nicht ganz ausgewogen, da schon ein recht "kräftiger Kerl". Der Bèru (Bed.: edel, wahr) 2015 Limited Edition DOCG Superiore ist da schon etwas graziler. Auch ausgestattet mit 14 % Vol., kommt dieser Tropfen (Barriquefass, zwölf Monate) wesentlich ausgewogener in die Gläser, ein kräftiger, strukturierter und dennoch eleganter und komplexer Wein für Speisen mit Meeresfrüchten oder auch zu Gerichten mit hellem Fleisch empfehlbar.

Mit dem Maìa (Magie) 2017 DOCG Superiore steigt der Alkoholgehalt noch ein wenig an: 14,5 % Vol. präsentieren sich hier im Glas. Bis zu einem Jahr ruhte der Most der ersten Pressung im Stahltank. Produktionsmenge: 7000 Flaschen. Die Säure erscheint recht präsent, natürlich auch wieder eine anständige Portion Mineralik im Gepäck. Aber im Vergleich zu seinen Tasting-Vorgängern der vielleicht "beste" Wein bisher. Auch hier: Meeresfrüchte ein willkommener Partner am Tisch!

Der Bèru Vermentino di Gallura DOCG Superiore 2016 (14 % Vol.) ist wieder kein Leichtgewicht. Allerdings ist dieser Vermentino recht fein, aber dennoch komplex. Seine zarten Noten erinnern an Vanille, vielleicht auch ein wenig an Honig.

Zum Tasting im Stazzu kamen u.a. diverse Vermentinos in die Gläser.
Zum Tasting im Stazzu kamen u.a. diverse Vermentinos in die Gläser.

 

Nun gut, Vermentino hat sich Siddùra ganz klar auf die Fahne geschrieben. Aber wir wollen nicht vergessen, dass auch die eine oder andere rote Rebsorte auf den Siddùra-Feldern wächst. Mit Cagnulari ist eine autochthone Rebsorte im Bàcco Isola dei Nuraghi IGT Cagnulari (2016 / 14,5 % Vol.) verarbeitet worden, die auch ein wenig überrascht. Kräftige Nase, leichte Pfeffernoten mit sanften Tanninen. Der 2015er Tìros Colli del Limbara IGT (15 % Vol.) ist ein Blend aus Sangiovese und Cabernet Sauvignon (75% und 25%), bis zu 18 Monate französische Barriques wurden hier eingestzt. "Eigentlich ist das fast so etwas wie ein Witz gewesen, diesen `Supertoskaner-Clon` zu produzieren", wird im Tasting kommuniziert. 2000 Flaschen gab es davon lediglich. Übrigens: ein hochdekorierter Wein!

Siddùra ist ein recht junger Wine-Player auf dem Markt, aber mit viel Energie und Begeisterung bringt das Team auf Sardinien anständige Produkte in die Flasche.

Fazit: Die kräftige Mineralik und der Alkoholgehalt machen den Wein interessant für Individualisten – und Neugierige!

Weitere Informationen unter: http://www.siddura.com

 

Impressionen:

Fotos: Michael Schabacker

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Zuletzt bearbeitet am 15/10/2019

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