Ornellaia und "Der weltweit beste Wein"

Es ist warm – aber nicht heiß. "Gestern hat es noch geregnet", erzählt uns Axel Heinz, Gutsdirektor bei Ornellaia in der Toskana. Der Herbst klopft an die Weinberge des Weinguts: Erntezeit!

Es riecht fast ein wenig nach Meer, begibt man sich ein wenig höher, kann man das Mittelmeer auch sehen. Wir stehen inmitten der Weinfelder des Unternehmens, dass sich bereits zur Gründung vornahm den "weltweit besten Wein" herzustellen – und dies wird so auch offenherzig in ihren Unternehmensbroschüren kommuniziert. Mutig, aber so ein wenig steckt eben auch der Perfektionismus in diesem Weingut und in seinen Mitarbeitern.

Gut zehn Minuten mit dem Auto sind es von hier zur Winery Ornellaias, wir stehen auf einer Höhe von vielleicht 100 Metern über dem Meeresspiegel. Der Boden ist gezeichnet durch den letzten Tag, an dem es fast komplett geregnet hat. Kein einfaches Unterfangen für die Erntehelfer, die auf ihren kleinen Wagen mit Motor sitzend im "vorbeifahren" die Trauben von den Rebstöcken schneiden, um diese dann nur sekundenbruchteile später in die Körbe zu werfen. Etwa zwölf bis 15 Kilogramm landen in den übereinander gestapelten Körben.

Etwa zwölf bis 15 Kilogramm Trauben landen in den Körben.
Etwa zwölf bis 15 Kilogramm Trauben landen in den Körben.

 

"Erntefahrzeuge" zwischen den Reben

Hier ist alles Handarbeit, die Arbeit ist mühsam. Allerdings sind die kleinen "Erntefahrzeuge" auf denen die Helfer sitzen mehr als nur eine Erleichterung. Kein Herumkriechen auf dem Boden, keine Körbe auf dem Rücken. Fast scheint es einfach zu sein, allerdings täuscht dies eindeutig. Denn die Sitzhaltung und das ständige bücken bleiben, wenn auch alles etwas schneller zu gehen scheint. Etwas träge fahren die kleinen Fahrzeuge durch die Reihen, kommen sie zum Abladen an die Traktoren, der Sammelstelle aller, beginnt das emsige Abpacken und Umräumen der gefüllten Kisten.

Kaum abgeladen, geht es dann auch schon wieder zurück in den Weinberg. Die Laubwände hier sind nicht besonders hoch. Die Lichtbedingungen erlauben eine geringe Höhe. Ob Cabernet oder Merlot: die gleiche Pflanzdichte (6000/ha), der gleiche Zeilenabstand (zwei Meter), die gleiche Schnitthöhe - diese liegt bei etwa 100-110 Zentimetern Laubwand. Wichtig ist es natürlich, dass die Trauben nicht zu tief hängen, um nicht permanent einer Hitzerückstrahlung über den Boden ausgeliefert zu sein.

Mit den kleinen Fahrzeugen ernten die Helfer schnell und arbeitserleichternd zwischen den Reihen...
Mit den kleinen Fahrzeugen ernten die Helfer schnell und arbeitserleichternd zwischen den Reihen...

 

"Natürlich hat man in der Vergangenheit immer auch ein wenig nach Frankreich geschaut oder in nördlichere Weinbauregionen, um dann über die Höhe der Laubwände zu entscheiden. Da strebt man schon ein bis eineinhalb, vielleicht sogar zwei Quadratmeter Laubwand pro Kilogramm Trauben an. Wir hatten früher auch höhere Laubwände, aber es ist dann doch schon etwas anders bei uns. Wir haben hier gute Lichtbedingungen – und letztendlich bedeutet mehr Laub auch einen höheren Wasserverbrauch der Pflanze – und die transpiriert natürlich auch entsprechend", erzählt uns Gutsdirektor Heinz zwischen den Reben stehend.

Laubwände und Pflanzenwachstum

Seit nunmehr gut zehn Jahren sind die Laubwände bei Ornellaia alle angepasst worden, wurden gekürzt. Es gab zu viel Laub und einen zu hohen Wasserverbrauch. "Das Klima ist zwar mild hier, aber dennoch tückisch. Die Böden sind tiefgründig mit einer guten Wasserspeicherungskapazität. Wir haben gutes Sonnenlicht; also alles, was für ein gutes Rebwachstum notwendig ist. Aber natürlich muss eine Kontrolle erfolgen, ansonsten bekommt man eine hohe Masse an Laub, die natürlich Wasser fordert. Und wenn man dann Mitte bis Ende Juli kein Wasser mehr im Boden hat, der Tank einfach leer ist, kollabiert die Pflanze – was natürlich auf die Qualität der Trauben, dem Hauptwasserspeicher der Pflanze, Einfluss nimmt, die Trauben eventuell sogar eindörren. Darum versuchen wir einfach, das Frühlingswachstum der Pflanzen einzudämmen – eben durch Beschneidung des Laubes oder auch durch Grünbezeilung", so Heinz weiter.

Gutsdirektor Axel Heinz im Weinberg: Wir dämmen das Frühlingswachstum der Pflanzen ein!
Gutsdirektor Axel Heinz im Weinberg: Wir dämmen das Frühlingswachstum der Pflanzen ein!

 

Entscheidend dafür ist natürlich auch der Regen, der verteilt über das Jahr die Speicher wieder auffüllt. In diesem Jahr regnete es hier bis in den Mai hinein, füllte entsprechend Reserven im Boden an. Allerdings regnete es im Juni und Juli nicht, es war vollständig trocken, die Pflanzen bekamen aber entsprechend genügend Wasser durch das gefüllte Reservoir.

Bugs & Co.

Probleme mit Insekten bzw. Schädlingen gibt es hier kaum. Heinz und sein Team arbeiten zur Bekämpfung von Insekten mit alternativen Methoden. Die Hauptmethode die sie anwenden ist die "Sexuelle Konfusion". Damit wird hier der Traubenspinner bekämpft, der seine Eier auf die Trauben legt und dessen Larven entsprechend die Traube schädigen. Traditionell wird von vielen Winzern noch mit Insektiziden gearbeitet, allerdings nicht bei Ornellaia. Im Weinberg werden Diffusoren mit sexuellen Pheromonen an die Rebstöcke gesetzt, damit die Männchen der Traubenspinner die entsprechenden Weibchen und auch die gelegten Eier nicht mehr finden bzw. erkennen können. Seit nunmehr vier Jahren kommt nur dieses Verfahren im Weingut zum Einsatz. Dabei werden und wurden verschiedene Diffusoren getestet – von Kapseln bis hin zu Fäden; letztere werden vermehrt eingesetzt.

An einigen Blättern erkennt man den Insektenbefall.
An einigen Blättern erkennt man den Insektenbefall.

 

Gegen andere Schädlinge arbeitet man eventuell passiv, also für die Gesamtfauna final schonend, wenn beispielsweise gegen Pilzbefall gesprüht werden muss. Versucht wird, eine natürliche Balance zwischen den Schädlingen zu erreichen. Denn es werden auch Milben von anderen Milben befallen oder auch von Marienkäfern "bekämpft", Schädlinge können sich so also gegenseitig neutralisieren. Es werden aber auch Nutzinsekten im Weinberg freigesetzt, die es Ornellaia seit einigen Jahren erlaubt, vollständig insektizidfrei zu sein. Ausnahme: im Bioanbau zertifizierte Präparate werden, sporadisch wenn notwendig, eingesetzt.

Der Insektenbefall ist hier zum Teil am Blatt zu erkennen. Kleine Punkte am Blattwerk zeigen, dass auch hier Insekten vorhanden sind. "Allerdings können wir solche Schäden am Blatt tolerieren. Die Photosynthesefähigkeit des Blattes ist hoch genug, das Blatt ist noch fast komplett grün", erzählt Axel Heinz mit seinem Finger auf ein Blatt mit bräunlichen Punkten deutend. Tatsächlich, so erzählt er weiter, gibt es ähnlich wie bei einem Hagelschaden Schneisen, in denen Insekten ihre Spuren hinterlassen. Allerdings, so der Gutsdirektor, gab es durch Insektenbefall noch keine größeren Ausfälle.

Erwartung?

Und zur Frage der Erntequalität? "Also: so eine Idee haben wir schon. Die Beeren des Merlot sind schon verarbeitet – und da können wir sagen: das war bzw. ist ein guter Jahrgang. Bei einigen ist die Gärung schon durch, bei anderen sind wir noch am Anfang. Da dauert es noch ein wenig, ehe wir dazu Auskunft geben können. Aber insgesamt, wie gesagt, ein sehr guter Jahrgang.

Axel Heinz sagt zur Ernte 2019: ein guter Jahrgang!
Axel Heinz sagt zur Ernte 2019: ein guter Jahrgang!

 

Bei den Weißweinen kann man erst spät eine Aussage treffen. Da sieht es eigentlich auch ganz gut aus. Bei diesen Weinen hat man eigentlich erst am Ende eine Klarheit: Man presst die Trauben ab, vergärt sie und muss warten bis die Gärung zu Ende ist. Man weiß erst spät was passiert und kann auch nicht nachsteuern. Bei den Rotweinen sieht es da anders aus. Da geht es um die Extraktion der Farbe und der Gerbstoffe – da kann man immer noch ein wenig eingreifen. Bezüglich der Referenzjahrgänge von 2014 und 2016 war es für die weißen Trauben dieses Jahr etwas wärmer. Die Analysewerte sind jedoch gut, es ist alles relativ ausgewogen. Und bei den Cabernets ist das Gefühl ebenfalls gut, aber wir brauchen jetzt natürlich gutes Wetter für die Ernte um eine Aussage treffen zu können", so Heinz.

Aber das Wetter kann einem immer einen Strich durch die Rechnung machen. Das weiß aus Axel Heinz: "Eigentlich gibt es keinen zuverlässigen Wetterbericht über drei oder vier Tage hinaus. Und das ist – zumindest für uns – nicht ausreichend. Denn zehn Tage, die müssen wir schon für die Ernte hier am Weinberg einplanen…". Natürlich wird das Wetter permanent online kontrolliert – wichtig, um "in aller Ruhe zu ernten". Und das machen sie, die vielen Erntehelfer, die auf ihren kleinen Fahrzeugen durch die Reihen fahren. Man darf gespannt sein, was der Jahrgang hergibt – für den "weltweit besten Wein".

 

Impressionen:


Fotos: Michael Schabacker

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Zuletzt bearbeitet am 07/10/2019

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