Luce: Tradition und die Schönheit Montalcinos

Unbestritten: es gibt viele Weinanbaugebiete, die nicht nur hervorragende Weine hervorbringen, sondern auch durch ihren ganz eigenen Odem den Geist berühren, Ruhe und Harmonie geben. Einer dieser ganz besonderen Orte dürfte in der Region von Montalcino liegen und hört auf den weit über die Grenzen Italiens hinausklingenden Namen "Luce".

Und dass dies so ist, bestätigt uns nicht nur unser Eindruck, es ist auch das harmonische "Weinleben" in den Straßen des kleinen Ortes Montalcino, und noch viel mehr die Geschichte der Tenuta Luce selbst. Denn wenn zwei Schwergewichte der Weinwelt aufeinandertreffen und einen gemeinsamen Plan schmieden, kann nur etwas Exzellentes resultieren. Denn als sich Vittorio Frescobaldi und Robert Mondavi dazu entschlossen ihre beiden Philosophien des Weinmachens zu vereinen, war dies ein "Blend" von zwei Kulturen und Passionen mit dem Resultat eines Blends aus Sangiovese und Merlot.

Das alles ist schon eine halbe Ewigkeit her, aber was bedeutet Zeit schon im Weingeschäft? Nicht sonderlich viel – oder eben dann doch alles. Denn Zeit ist der Multiplikator der Errungenschaften der Reben aus diesem einmaligen Boden, eine Richtschnur für eine gradlinige und stete Weiterentwicklung – angefangen in den frühen 1990er Jahren bis in die heutige Weinzeit. Gepflanzt auf den sanften Hügeln zwischen Olivenhainen und Wäldern, entsteht scheinbar in einem fruchtbaren Mikroklima ein Produkt, dass dem Sangiovese und Merlot mehr als in die Karten zu spielen scheint. Doch ist es nicht allein die geografische Beschaffenheit der Region, die den Reben fast umschmeichelnd das Beste der Erde spendiert, ebenso ist es die Technik, das Knowhow und die Sensibilität der "Macher", die dem Luce den letzten Schliff geben.

Weinberg mit Sangiovese.
Weinberg mit Sangiovese.

 

Unterwegs mit Stefano Ruini

Federführend für eben diesen letzten Schliff steht Stefano Ruini, Gutsdirektor und Önologe der Tenuta Luce, bereit, den Luce zu vervollkommnen. Und natürlich ist auch er begeistert von der Region, schwelgt fast bei jedem Schritt durch die Weinberge in Erinnerungen. "Hier, wo wir jetzt stehen, ist einer meiner Lieblingsplätze", so Ruini, während er den Blick über die Landschaft gleiten lässt. "Jeder spricht heute über Biodiversität, aber kaum einer weiß, was das überhaupt bedeutet. Schaut euch um, hier ist Biodiversität. Wir haben absolut keine Probleme mit Insekten, alles ist im Gleichgewicht. Und das bei dieser Weitläufigkeit. Die gesamte Tenuta hat etwa eine Größe von 1000 Hektar, davon sind 270 Hektar bepflanzt", so der Önologe.

Aber Probleme, ja, die sieht der Gutsdirektor durchaus. "Natürlich haben auch wir mit dem Klimawandel zu kämpfen: von Kälte bis hin zu Hitzewellen; seit gut fünf Jahren sind enorme Prozesse und Anforderungen nötig, sich gegen die Natur zu stemmen – oder besser: das beste Produkt mit den neuen Einflüssen zu generieren", berichtet Ruini weiter. "Aber dennoch können wir uns glücklich schätzen. Hier gibt es keine Umweltverschmutzung, wir haben die notwendige Sonneneinstrahlung, und hier, an dieser Stelle wo der Merlot gepflanzt ist, auch den optimalen Boden mit einem guten Anteil an Schiefer und Lehm. Dieser Boden ist ein Monument der Geschichte – geformt und entstanden schon vor 70 Millionen Jahren."

Stefano Ruini: Gutsdirektor und Önologe von Luce.
Stefano Ruini: Gutsdirektor und Önologe von Luce.

 

Und natürlich sind die Pflanzen hier im mediterranen Bereich nicht ganz so alt wie andernorts. Oder besser: die Reben müssen schneller ein gutes Ergebnis abliefern. Hinzu kommt natürlich, dass es sich hier bei der Tenuta Luce um ein recht junges Weingut handelt. Problem: Hohe Temperaturen herrschen hier, die Reben sind ganz anderen Naturgewalten (Hitze, Trockenheit) ausgesetzt, als beispielsweise Rebstöcke in Weinbergen aus kühleren Regionen oder in Meeresnähe liegen. Und was wichtig ist, sagt und Ruini noch: Sangiovese hat im Gegensatz zum Merlot einen völlig anderen Vegetationszyklus. Und natürlich auch einen anderen Bodenbedarf. Hier, bei Luce, ist der Boden sandiger, aufgefüllt mit steinigen Bestandteilen von stattlicher Größe. Durchaus ein Plus, speichern doch eben diese Steine Wärme, um an kühleren Abenden oder Nächten die Energie entsprechend wieder abzugeben.

Doch so sehr das Herz Luces in den Weinbergen schlägt, umso elementarer ist doch der Weinkeller der Tenuta. Und da hat sich Lamberto Frescobaldi in den letzten zwei Jahren mal so richtig Mühe gegeben, um die Renovierungsarbeiten am Prunkstück der Tenuta zu finalisieren. Projekt geglückt, lässt sich da nur festhalten. Ab Herbst 2019 ist der Weinkeller übrigens auch für Besucher geöffnet – und wer sich dann noch einer schönen Verkostung hingeben kann, für den sollte der Luce-Besuch eine wahrhaft unvergessliche Erinnerung bleiben.

Verkostung: mehr geht kaum...
Verkostung: mehr geht kaum...

 

Übrigens: Das Emblem des Weinguts, die Sonne, hat ein prominentes Vorbild. Es entspringt aus einer Darstellung in der Kirche Santo Spirito in Florenz, geschaffen von Giovanni Battista Caccini und Gherardo Silvani datiert von 1590. Dargestellt ist die rote Sonne als das adäquate Symbol zu den roten Böden von Siena...

Wein-Kurznotiz:

Wer seit 800 Jahren im Weinbau tätig ist, sollte gelernt haben, wie guter Wein gemacht wird. Zweifelsohne gehört Frescobaldi zu den "Wissenden", die dies in allen Facetten beherrschen. Beim Tasting in der Tenuta Luce brachte Ruini über den Luce 2016/2015/2012/2009/2007 und 2000 auch die Brunellos 2014 und 2007 in die Gläser. Ausfälle: keine. Und wie so oft bei Weinen, ist es zu einhundert Prozent Geschmackssache. Denn ganz ehrlich: so gut der Ruf von Luce ist, so gut sind auch die Weine.

55% Merlot, 45% Sangiovese? Der 2016er ist samtig-weich durch den leichten Überhang des Merlot-Anteils. Volle Beere, leichte Pfeffernoten, etwas Zitrus. Schon bei diesem Wein zeigt sich die milde Säure, und wie gesagt: eine Cuvée aus den beiden Rotweinsorten Sangiovese und Merlot. Der absolute Erstwein der Tenuta, als Zweitwein kommen der Lucente und der Luce Brunello di Montalcino, für deren Herstellung die Rebsorten Merlot, Sangiovese und Cabernet Sauvignon verwendet werden, auf den Markt – um zum Teil auch im Tasting in die Gläser kommt.

Der Boden der Tenuta Luce...
Der Boden der Tenuta Luce...

 

Die Ansammlung an Superlativen zieht sich – eigentlich – durch die ganzen Jahrgänge: etwas mehr rote Frucht, Vanille (Luce 2012), etwas erdiger mit etwas mehr Säure (Luce 2009), reduzierte Pfeffernote, dezente Säure, Vanille/Tabak (Luce 2007) oder auch die Balsamico-Note in Kombination mit erdigen Tönen, weiter vorne stehender Säure (Luce 2000). Die Weine sind das oben beschriebene Resultat aus dem mediterranen Klima, der Sonne und den mäßigen Niederschlägen. Wie schön und kraftvoll können Luce-Weine sein...

Nahtlos können die Brunellos hier in das Testfeld gezogen werden – keine Frage. Mit dem 2014er, von dem "stattliche" 24.000 Flaschen produziert werden, wandert der erste rubinrote Brunello ins Glas. Die typische Nase, gepaart mit reifer Pflaume, zimtige Noten und abschließende Röstaromen präsentieren sich; 15,5% vol., reiner Sangiovese. Ebenfalls ein reiner Sangiovese ist dann unser "kleiner" Favorit: der 2007er. 16.000 Flaschen wurden davon produziert, nachdem 36 Monate (teils Barrique, teils großes Holzfass) Ausbaudauer spendiert wurden. Rubinrot präsentiert sich schwarze Johannisbeere mit schönen Würznoten (Tabak, Kaffee, Anis) zu einem wunderbar strukturierten Wein der lange steht. Unser "Favorit" – wenngleich, wie beschrieben, alle Weine sensationell sind.

Abschließend zeigt sich mit dem Tasting erneut, wie den bis zu 400 Meter hohen Hügeln, einer trockenen Hitze unter zum Teil auch schwierigen Umweltbedingungen ein Produkt abgerungen wird, dass in dieser Region sowieso, aber auch darüber hinaus, seinesgleichen suchen dürfte. Luce – ein Wein für alle Fälle – und für die besonderen Momente ohnehin.

 

Impressionen:

Fotos: Michael Schabacker

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Zuletzt bearbeitet am 12/09/2019

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