2,03 km² Genuss - Feinschmeckerparadies Monaco

Nur sieben Minuten nach dem Start vom Cote d'Azur Airport in Nizza setzt der azurblaue Helikopter der Monacair, die auch von der Fürstenfamilie regelmäßig als Lufttaxi genutzt wird, auf dem Helipad von Fontvieille schon wieder zur Landung an. Während die Maschine dabei behäbig Richtung Wasseroberfläche schwebt, wächst vor den Augen der Passagiere eine beeindruckende Skyline in das wolkenlose Firmament.

Mit rund 19.000 Einwohnern pro Quadratkilometer ist das kleine Fleckchen zwischen Himmel und Meer, das sich trotzig in die steil abfallende Felsküste krallt, eines der am dichtesten besiedelten Länder der Erde. Gleichzeitig birst das Fürstentum von Parks und Gärten; lockt die Altstadt mit typisch provenzalisch anmutenden Plätzen und engen Gässchen, voll von kleinen Cafés und gemütlichen Brasserien; buhlen globale Luxuslabel entlang eleganter Flaniermeilen um die gut betuchte Kundschaft; glänzt mit bedeutenden Museen und Theatern. Doch halt, wir sind ja gerade erst angekommen.

Keine 20 Meter vom Landeplatz des Hubschraubers entfernt, wartet schon eine Shuttle-Limousine. Unser Ziel: das Carre d'Or rund um den mondänen Place du Casino mitten im pulsierenden Zentrum Monte-Carlos, dem bekanntesten der neun Stadtbezirke, in die sich der Zwergstaat heute gliedert und dessen Name oft synonym für ganz Monaco verwandt wird.

Eingerahmt von der wohl berühmtesten Spielbank der Welt, dem 1863 eröffneten Hotel de Paris – einer veritablen Grande Dame, die nach einem rund 4jährigen Makeover heute wieder in neuem Glanz erstrahlt, auch wenn sie durch das aggressive Lifting ein wenig ihres einstigen, leicht morbiden Charmes verloren hat – sowie dem nicht minder luxuriösen Hotel Metropole, dem der französische Stardesigner Jacques Garcia seinen Stempel aufgedrückt hat, schlägt hier auch das kulinarische Herz des Fürstentums. Schließlich locken gleich fünf Michelin besternte Restaurants in einem Umkreis von grade mal 250 Metern. Weltrekord.

Das 1863 eröffnete Hotel de Paris.
Das 1863 eröffnete Hotel de Paris.

 

Das berühmteste ist zweifellos das Louis XV, das 1990 als erstes Hotelrestaurant der Welt vom Michelin mit 3 Sternen geadelt wurde – Keimzelle des heute weltumspannenden Gastroimperiums von Küchenlegende Alain Ducasse.

Mit der behutsamen Neugestaltung des Gourmettempels ging zwar ebenfalls ein wenig jener magischen Aura verloren, die Gäste dank verschwenderisch dekorierter, stuckverzierter Wände und Decken an verspiegelte Prunksäle in Versailles oder das Interieur eines stattlichen Loire-Schlosses denken liessen. Allem voran vermissen wir das kolossale Blumenarrangement, das früher das Herzstück des Louis XV bildete und mittlerweile von einer spaceigen Servicestation abgelöst wurde. Doch diese „postmodernen“ Zitate, die dem Restaurant da vom Design-Duo Duo Patrick Jouin und Sanjit Manku übergestülpt wurden, fügen sich tatsächlich fast nahtlos in das historische Ambiente und die nach wie vor gepflegte Küchenphilosophie einer eher das Herz als den Intellekt ansprechenden Mittelmeerküche ein. Und das ist durchaus als Kompliment zu verstehen. Kurzum: Hier kann man es sich – zumindest auf dem Teller – leisten, auf unnötigen Tand und Flitter zu verzichten. Das Ergebnis: Arrangements, so ästhetisch, dass man sie kaum essen mag.

Was allerdings töricht wäre, denn eine ähnlich puristische Sterneküche werden Connaisseure entlang der Cote d'Azur schwerlich ein zweites Mal finden. Unbedingt probieren sollte man die auf der Karte hervorgehobenen Signaturegerichte - z.B. Gamberoni aus San Remo mit Kaviar und leichtem Fischgelee. Es finden sich aber auch Gerichte wie knuspriges Pain au blé truffier mit jungem Gemüse und Sauerampfer, die an Ducasse Konzept der Nautralité erinnern, das er in seinem zweiten 3*-Restaurant im Pariser Plaza Athénée so meisterlich inszeniert.

Koch-Ikonen Franck Cerutti, Alain Ducasse und Dominique Lory.
Koch-Ikonen Franck Cerutti, Alain Ducasse und Dominique Lory.

 

Ducasse´ neueste Adresse in Monte-Carlo heißt dagegen Ômer – ein gastronomisches Sharing-Konzept, das in einem von Pierry-Yves Rochon entworfenem Saal im Erdgeschoss des neuen Rotonde-Trakts des Hôtel de Paris seine Heimtat fand und erst im Januar eröffnet wurde. Gemeinsam mit Küchenchef Patrick Laine nimmt Ducasse Gäste des Ômer mit auf eine kulinarische Endeckungsreise entlang der Küsten des Mittelmeeres. Ein Muss sind die regelmäßig wechselnden Mezze-Variationen. Und wer sich schon immer gefragt hat, wie ein Shawarma oder Kebab à la Ducasse wohl schmecken mag – im Ômer gibt es die Antwort.

Auf der anderen Seite des Place du Casino liegt am Ende einer langgezogenen, leicht abschüssigen Auffahrt das bereits erwähnte und – wie das Hotel de Paris - zu den Leading Hotels of the World zählende Metropole, das 2018 zum besten Hotel Frankreichs/Monacos gewählte wurde und wo 2004 mit dem im vergangenen Jahr leider verstorbenen Joël Robuchon der zweite Küchentitan Monacos Quartier bezogen hat. Zu seiner kulinarischen Hinterlassenschaft gehört mit dem Yoshi nicht nur ein besternter Edeljapaner, sondern mit dem Joël Robuchon Monte-Carlo unter dem langjährigen Exekutive Chef Christophe Cussac auch ein veritables Restaurant gastronomique samt offener Küche, über dem gleich zwei der begehrten Michelinsterne funkeln. Doch zunächst zum Yoshi.

Das geradlinige, aber keineswegs kühl wirkende Interior-Design von Didier Gomez besticht mit gedeckten Farben, feinstem Ebenholz, Naturstein und edlen Seidenstoffen. Vor der raumhohen Fensterfront erstreckt sich ein kleiner japanischer Zen-Garten. Die perfekte Kulisse also für authentisch japanische Gaumenschmeichler. Tatsächlich sind Sushi und Sashimi, die von Küchenchef Takeo Yamazaki beim Dinner direkt am Tisch der Gäste zubereitet werden, von sensationeller Qualität. Nirgendwo in Europa haben wir das - vielleicht bis auf das Yamazato im Amsterdamer Okura – bisher besser gegessen. Zu den Signature Gerichten gehören außerdem der marinierte schwarze Heilbutt vom Grill und das butterzarte Teriyaki-Hühnchen. Dazu empfiehlt der Sommelier eine beachtliche Selektion edelster japanischer Sake, bevor man sich zum Abschluss einen ebenfalls am Tisch von Hand aufgeschäumten Matcha-Tee gönnt.

Das Yoshi Restaurant.
Das Yoshi Restaurant.

 

Im Robuchon Monte-Carlo hingegen setzt Cussac, ganz im Sinne seines Mentors, auf klassische französisch-mediterrane Küche in entspannter Atmosphäre. Und natürlich dürfen auch Robuchons unsterbliche Klassiker nicht fehlen. Allen voran das sündhaft gute Püree aus La Ratte Kartoffeln und jeder Menge Butter oder die mit Foie Gras gefüllte, entbeinte Wachtel. Großartig auch der monumentale Dessertwagen, auf dem rund zwei Dutzend unterschiedliche Süßspeisen angeboten werden.

Ebenfalls einen Besuch wert: der exklusive, von Karl Lagerfeld gestaltete Pool-Bereich des Hotels, dessen Wände großformatige Fotos des Meisters zieren, der darauf einige seiner Lieblingsmodelle im Stile antiker Heroen verewigt hat. Danach fällt die Entscheidung für ein Slimming Treatment im benachbarten Givenchy-Spa – einer von gerade mal drei weltweit - umso leichter.

Doch Monaco hat Foodies weit mehr als Sternegastronomie zu bieten. So sollten man nicht versäumen lokale Spezialitäten wie Barbajuan, kleine frittierte Ravioli mit verschiedenen Füllungen, oder Sokka, eine Art Pfannkuchen aus Kichererbenteig, zu probieren. Lohnend ist auch ein Besuch auf den beiden täglich stattfinden Märkten. Der Marché de Condamine, teilweise überdacht, liegt gleich unterhalb des Palastes am Place d'Armes, der Marché de Monte-Carlo dagegen oberhalb des Place du Casino in der Rue St.-Charles direkt an der französischen Grenze. An den Marktständen sind Coeur de Boeuf Tomaten, Courgettes, Auberginen und Babyartischocken so kunstvoll drapiert, als handele es sich um Preziosen in der Auslage von Tiffany´s.

Hotel Metropole - Restaurant Robuchon.
Hotel Metropole - Restaurant Robuchon.

 

Zwischen den Mahlzeiten lässt sich Monaco dann am besten einfach zu Fuß zu erkunden – es gibt praktisch keinen Punkt, den man nicht auch auf Schusters Rappen erreichen kann, auch wenn es über endlose Treppenfluchten mitunter ziemlich steil auf- oder abwärts geht. Neben einem Besuch des Palastes sollte unbedingt auch ein Abstecher ins Musée Océnaographique auf dem Programm stehen. Nach all dem Kunst- und Kulturgenuss ist dann schließlich ein Abstecher in die Brasserie de Monaco in der Route de la Piscine, wo das im Fürstentum gebraute Bier ausgeschenkt wird, die wohlverdiente Belohnung.

Infos:
Allgemeines Reise-Infos zum Fürstentum Monaco: www.visitmonaco.com
Hotel- und Restauranttipps:
Hôtel de Paris – Legendäre Hotelikone mit Glamourfakor
Louis XV – Alain Ducasse à l’Hôtel de Paris – Seit 1987 Monacos erste Adresse
Ômer – Modern interpretierte Klassiker der Mittelmeerküche zum Teilen
Salon Rose – einfaches, aber großartiges Restaurant in den Räumen des Casinos
www.montecarlosbm.com

Hôtel Metropole – 2018 vom Condé Nast Traveller zum besten Hotel in Frankreich/Monaco gekürt
Joël Robuchon Monte-Carlo – Zweifach besternte Dependance des kulinarischen Multitalents
Yoshi – eines der besten japanischen Restaurants außerhalb Nippons
www.metropole.com

Beide Hotel sind außerdem buchbar über: www.lhw.com

Fotos: Pierre Monetta, T. Dhellemmes, Yoshi Restaurant, Hotel Metropole - Restaurant Robuchon

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Autor

Thomas Hauer

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